Berichte aus dem 2. Halbjahr 2. Bundesliga Nord
Freitag, 3. Januar 1992
TSG Wismar bei den VfL-Damen
(mth). Den Punktspielbetrieb nimmt die Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe in der zweiten Bundesliga erst am 11. Januar wieder auf. Dann erwartet sie um 19.30 Uhr in der Stormarnhalle Motor Hennigsdorf zum letzten Hinrundenspiel. Zwei Tage vorher aber unterzieht sich· der als Halbzeitmeister ja schon feststehende Klassenneuling einem Härtetest.
Am Donnerstag (9. Januar 1992) erwartet die Truppe von Trainer Claus Schilk um 20.15 Uhr in der Heinrich-Vogler-Halle den Erst-Bundesligisten TSG Wismar. Vor Saisonbeginn hat der VfL schon einmal gegen diesen Gegner gespielt und dabei in der mecklenburgischen Hafenstadt ein 18:18-Unentschieden geholt.
Das Team aus Wismar steht in der Bundesliga mitten im Abstiegskampf. Die Mannschaft kämpft darum, wenigstens den achten Rang zu erreichen. Schafft sie das, könnte sie auch in der Aufstiegsrunde Gegner der Oldesloer werden. In die ziehen ja bekanntlich nach Abschluß der Punktrunden die jeweils ersten beiden Teams der drei zweiten Ligen, sowie die Siebten und Achten der beiden ersten Bundesligen. Daran, daß der VfL diese Runde erreichen wird, besteht ja kaum noch ernsthafter Zweifel.
STORMARNER TAGEBLATT vom 3.1.1992
Donnerstag, 9. Januar 1992
VfL Oldesloe – TSG Wismar 21:22 (11:9)
Knappe 21:22-Niederlage gegen die TSG Wismar
Eine Halbzeit lang Super-Handball, dann schwanden beim VfL die Kräfte
(us). Wenn die alte Theater-Weisheit, wonach auf eine verpatzte Generalprobe eine geglückte Premiere folgt, stimmt, dann haben die Handball-Damen des VfL Oldesloe die Punkte gegen Motor Hennigsdorf (Freitag abend 19.30 Uhr in der Stormarnhalle) schon fast sicher in der Tasche. Gegen Erstligist TSG Wismar unterlag die Schilk-Truppe knapp mit 21:22 (11:9). Diese Niederlage kam fast „programmgemäß“ zustande.
Denn unmittelbar vor dem Spiel mußten die VfL-Damen erst einmal Kondition „bolzen“. Als sie zum Einwerfen in der Halle erschienen, hatten sie schon einen 2000-Meter-Lauf im Travestadion hinter sich. Da war es nicht verwunderlich, daß in der zweiten Halbzeit nicht mehr viel zusammenlief. In den ersten 30 Minuten dagegen rollte der „VfL-Expreß“ wieder einmal auf Hochtouren.
Die 220 Zuschauer in der Stormarnhalle waren bis zur Pause jedenfalls von ihrem Team begeistert. Über 2:0, 4:1 und 6:3 zogen die Schilk-Schützlinge auf 9:4 (17. Minute) davon. Besonders Zsuzsa Nyari präsentierte sich in glänzender Spiellaune und düpierte ein ums andere Mal die Abwehr der Gäste. Es war schon ein Genuß, der kleinen Ungarin bei ihren präzisen Anspielen und raffinierten Torwürfen zuzusehen. Auch Marion Werner konnte in der Anfangsphase Akzente setzen.
Ihr gelangen in den ersten 20 Minuten drei schöne Tore von der Außenposition. Der Gegner aus Wismar war zu Beginn nicht viel mehr als ein „Sparringspartner“ für die Oldesloerinnen. Kaum ein Anspiel gelang und wenn doch einmal eine Angreiferin zum Wurf kam, verfehlte der Ball sein Ziel oder Annette Schümann im Tor konnte parieren.
Daß das Spiel dann nach 20 Minuten kippte, hatte seinen Grund: Jetzt kamen auch die Spielerinnen beim VfL zum Zug, die sonst nicht so häufig eingesetzt werden. Es war fast wie beim Eishockey, der erste Block wechselte auf die Bank, der zweite aufs Spielfeld. Martina Pusch, Stefanie Bernecker, Neuzugang Birte Stooß und „Tiger“ Nicole Röhrs bekamen ihre Chance.
Die neuformierte Mannschaft brauchte etwas Zeit, um sich einzuspielen. Wismar kam heran, glich zwei Minuten vor der Pause zum 9:9 aus, ehe Ulrike Rühter und Birte Stooß die Pausenführung für den VfL herstellten. Martina Pusch im Tor zeigte einige gute Paraden, auch Nicole Röhrs wußte sich gut in Szene zu setzen.
Im zweiten Durchgang setzte sich das muntere Wechselspiel fort. Bis zum 18:18 in der 52. Minute wogte das Geschehen hin und her, dann mußten die VfL-Damen dem harten Konditionstraining Tribut zollen. Neun Minuten lang gelang den Oldesloerinnen kein einziges Tor, Wismar zog schnell auf 22:18 davon. Besonders Beatrice Reiche! (7 Tore, davon drei Siebenmeter) und Anke Koop (6) waren bei Tempogegenstößen erfolgreich.
Ulrike Rühter und zweimal Zsuzsa Nyari mit zwei überlegt abgeschlossenen Schnellangriffen sorgten für das knappe Endergebnis. Die Ungarin war mit 7 Toren (zwei Siebenmeter) auch beste Schützin ihrer Mannschaft. Die weiteren Treffer erzielten: Melanie Bernecker (5/2), Marion Werner (3), Ulrike Rühter (2) sowie Britta Peterat, Birte Stooß, Babette Bischof und Roswitha Bein (je 1). Eingesetzt wurden außerdem Annette Schümann, Martina Pusch und Jeanine Hildebrand im Tor sowie Andrea Hasenberg, Nicole Röhrs und Stefanie Bernecker.
Traurig war niemand beim VfL über diese Niederlage. Trainer Udo Höller von der TSG Wismar fand nach dem Spiel anerkennende Worte für die Leistung des VfL. Besonders Zsuzsa Nyari und Roswitha Bein hatten es dem Coach angetan. An ein Wiedersehen in der Aufstiegsrunde zur ersten Liga glaubt er übrigens nicht: „Ich fürchte, daß wir den Klassenerhalt nicht schaffen“, so Höller pessimistisch.
STORMARNER TAGEBLATT vom 11.1.1992
Freitag, 10. Januar 1992
Motor Hennigsdorf zu Gast in der Stormarnhalle
Die Schilk-Truppe ist klarer Favorit gegen den Drittletzten
(us). Die Betriebssportgemeinschaft (BSG) Motor Hennigsdorf ist etwas ganz Besonderes: Nicht unbedingt sportlich, die Truppe aus der knapp 30.000 Einwohner zählenden Stadt im Nordosten von Berlin belegt in der Tabelle der zweiten Bundesliga den drittletzten Platz (5:15 Punkte) und steckt mitten im Abstiegskampf. Nein, Motor Hennigsdorf ist das einzige Team, das VfL-Trainer Claus Schilk in dieser Saison noch nicht persönlich in Augenschein genommen hat.
Aber der Coach hat sich natürlich ausführlich über den nächsten Gegner informiert und weiß um die Stärken der beiden Leistungsträgerinnen. „Wir müssen besonders auf Spielmacherin Carola Pfeiffer und Ilka Weinhold auf halbrechts achten“, schärft er seinen Spielerinnen ein. Diese beiden bestimmen das Spiel bei den Berlinerinnen.
Die Ausgangslage vor dem Nachholspiel am Sonnabend (19.30 Uhr) in der Stormarnhalle ist klar: Für den verlustpunktfreien Herbstmeister VfL zählt nur ein klarer Sieg gegen eine Mannschaft vom Tabellenende. Dagegen wird Motor Hennigsdorf versuchen, die Niederlage in erträglichen Grenzen zu halten. „Die werden wohl erst einmal Ball verstecken spielen“, mutmaßt denn auch Trainer Schilk.
Seine Schützlinge, so befürchtet er, werden sich einem dichten „Abwehr-Bollwerk“ gegenübersehen. Einen offenen Schlagabtausch wird es beim Gastspiel des Drittletzten nicht geben. Die VfL-Damen wollen natürlich ihre Tabellenführung weiter ausbauen und, wenn möglich, auch etwas für ihr Torverhältnis tun.
„Als Tabellenführer sind wir in jedem Spiel gefordert und stehen unter Dauerdruck“, meint Claus Schilk. Jeder Gegner brennt natürlich darauf, dem Spitzenreiter Paroli zu bieten und ihm vielleicht sogar ein Bein zu stellen. Trotzdem: An der eindeutigen Favoritenrolle der Stormarner gegen Hennigsdorf gibt es nichts zu rütteln.
Denn die Motor-Mannschaft hat im Verlauf der bisherigen Saison nun wahrlich noch keine Bäume ausgerissen. Ihre fünf Punkte hat sie ausnahmslos gegen Mitkonkurrenten im Kampf gegen den Abstieg gesammelt. Zwei Heimsiege gegen Schwerin (Vorletzter) und Schwedt (Letzter), dazu ein Unentschieden in Frankfurt/Oder (Tabellenachter), ansonsten setzte es ausnahmslos Niederlagen.
Nur beim knappen 18:19 in Kiel hätte die Mannschaft von Trainer Peter Wolf, der die BSG Motor im sechsten Jahr betreut, fast für eine Überraschung gesorgt. Es wird schwer, das angestrebte Ziel Klassenerhalt zu realisieren. Die Mannschaft hatte keine Abgänge zu verzeichnen, als Verstärkung stießen drei Nachwuchs-Spielerinnen zum Liga-Team.
Es bleibt abzuwarten, wie die VfL-Damen das Freundschaftsspiel gegen Erstligist TSG Wismar verkraftet haben. Aber auch wenn es kräftezehrend war, die „Hürde“ Motor Hennigsdorf sollte die Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg ohne große Probleme überspringen können.
STORMARNER TAGEBLATT vom 10.1.1992
Sonnabend, 11. Januar 1992
VfL Oldesloe – Motor Hennigsdorf 31:16 (15:10)
Motor Hennigsdorf nicht mehr als ein Sparringspartner
31:16. Die VfL-Damen gewannen das erste Punktspiel des Jahres
(mth). Der VfL Oldesloe hat die Hinrunde in der zweiten Bundesliga Gruppe Nord der Handball-Damen endgültig ohne jeden Punktverlust abgeschlossen. Nach der tollen Siegesserie im letzten Jahr war das natürlich für das Nachholspiel in der Stormarnhalle gegen BSG Motor Hennigsdorf erwartet worden.
Die Mannschaft aus dem Berliner Industrie-Vorort war als Drittletzter der Tabelle in die Stormarner Kreisstadt angereist. Da hatte man sich, auch ohne die Mannschaft näher zu kennen – es war das erste und einzige Team der Liga, daß VfL-Trainer Claus Schilk vor dem Spiel seiner Schützlinge nie gesehen, geschweige denn unter die Lupe genommen hatte – vor dem Spiel einen Sieg ausrechnen können.
So kam es dann auch. Nach den 60 Minuten hatte der VfL mit 31:16 (15:10) einen der höchsten Siege der Saison herausgeworfen. Dabei zeigte die Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg nur phasenweise, was wirklich in ihr steckt.
Aber das genügte allemal, um den bislang wohl schwächsten Gegner, der sich in dieser Saison in Bad Oldesloe vorgestellt hat, zu deklassieren. Zwei Tage nach dem Testspiel gegen die Erstligamannschaft der TSG Wismar benötigten die VfL-Damen nur wenige Minuten, um die Kräfteverhältnisse deutlich zu machen.
Das 1:0 von Ulrike Rühter nach gerade 16 Sekunden konnte Ilka Weinhold, die am Ende mit 9 Treffern (davon vier verwandelte Siebenmeter) erfolgreichste Torwerferin in der Halle war, zwar noch in der selben Minute egalisieren, aber das war es dann auch schon. Nach nur zehn Minuten führte der VfL dann schon mit 6:1 und hätte er mit gleicher Konzentration und gleichem Tempo weitergespielt, wäre Motor Hennigsdorf einem fürchterlichen Debakel kaum entgangen.
Aber so verbissen sieht man das beim VfL gottlob nicht. Natürlich war schon zu diesem frühen Zeitpunkt nicht nur den Zuschauern, mit 420 zahlenden Besuchern war die Stormarnhalle wieder proppevoll, Trainern, Betreuern und Spielerinnen auf der Bank klar, daß dem Spitzenreiter auch in seinem elften Spiel nichts würde passieren können.
Das merkten natürlich auch die Spielerinnen, die „auf der Platte“ standen. Sie ließen es fortan ruhiger angehen. Natürlich schlich sich dabei auch der eine oder andere Nachlässigkeitsfehler ein.
Insbesondere betraf das den Star der Mannschaft, die ungarische Nationalspielerin Zsuzsa Nyari. Sie schien ohnehin nicht ganz in Bestform zu sein und machte deutlich mehr Fehler, als man es von ihr gewohnt ist. Aber das war ganz sicher eine Sache der Konzentration. Gelegentlich nämlich deutete sie schon mit unnachahmlichen Tricks und verblüffenden Anspielen an, was sie so alles auf Lager hat.
Aber auch andere VfL-Spielerinnen waren nicht durchgehend voll bei der Sache. So konnte der harmlose Gegner den Abstand aus der 10. Minute bis zum Halbzeitpfiff des recht umsichtigen, wenn auch kaum geforderten Schiedsrichtergespanns Danker/Hinck (TuS Harsefeld) konstant halten. Die deutlichste Führung hatte der VfL dabei in der 24. Minute (12:5), aber die schmolz bis zur 28. Minute auf 14:10, ehe Melanie Bernecker in der 30. Minute mit einem im Nachwurf verwandelten Siebenmeter den 15:10-Halbzeitstand herauswarf.
Sekunden später wurde „Melli“ in der Deckung regelrecht „abgeschossen“. Das schien die Mannschaft aufgerüttelt zu haben. Nach dem Wechsel jedenfalls legte sie wieder mit mächtigem Tempo los. Innerhalb von sieben Minuten hatte sie den Vorsprung verdoppelt.
20:10 hieß es nun und erneut bahnte sich ein Rekordsieg an. Aber wieder beließ es der VfL bei knapp zehn Minuten konzentriertem Spiel. Danach ließ man die Zügel wieder locker, wobei in der zweiten Halbzeit weniger Konzentrationsmängel als vielmehr Experimentierlust beim VfL den Hennigsdorferinnen mehr Luft ließ.
Ihrem Schicksal allerdings konnten sie damit natürlich nicht entgehen. Immerhin aber konnten sie danach noch einmal für zehn Minuten den einmal erreichten Abstand halten (bis zum 24:14 in der 47. Minute), ehe der in der Schlußphase dann noch auf 15 Treffer zum Endstand von 31:16 anwuchs.
Am Torsegen waren beim VfL alle zehn eingesetzten Feldspielerinnen beteiligt. Am erfolgreichsten war dabei Roswitha Bein mit 6/3 Treffern. Dichtauf folgten Melanie Bernecker (5/1), Zsuzsa Nyari (4/2) und Andrea Hasenberg (4). Je dreimal waren Babette Bischof, Britta Peterat und Stefanie Bernecker (phasenweise in glänzender Form) erfolgreich.
Mit je einem Tor mußten sich Marion Werner, Ulrike Rühter und Birte Stooß begnügen. Letztere fiel in ihrem ersten Punktspiel in der VfL-Bundesliga-Truppe nicht ab gegenüber ihren Mannschaftskameradinnen, wird aber noch hart arbeiten müssen, will sie bald deren konditionellen Stand erreichen.
Im Tor hielt Annette Schümann 20 Minuten lang stark. Dann hatte sie fünf schwächere Minuten und wurde von Jeanine Hildebrand abgelöst, die dann durchgehend bis zum Schluß stark und konzentriert hielt.
Davon überzeugte sich unter den Zuschauern auch der F.D.P.-Bundestagsabgeordnete Werner Zywietz. Der war nicht nur von den sportlichen Leistungen des VfL angetan. Er bot nach dem Spiel seine Hilfe an, wenn das Problem Stormarnhalle konkret in Angriff genommen wird.
Die Anstöße aber, so betonte er, weil er nicht falsche Hoffnungen wecken wollte, müßten von Verein und Stadt ausgehen. Dort das seinige beizutragen, versprach noch einmal sein Oldesloer Parteifreund Klaus Schröder, der Vorsitzender des Finanzausschusses in der Stadtverordnetenversammlung ist. Er könne erst dann einhaken, wenn es gelte, für konkrete Umbau und/oder Erweiterungsarbeiten Mittel des Bundes einzuwerben.
STORMARNER TAGEBLATT vom 13.1.1992
Freitag, 17. Januar 1992
VfL-Damen reisen in den „hohen Norden“
Claus Schilk: „Jarplund-Weding eine ganze Klasse besser als im Hinspiel“
(us). An ihr erstes Zweitliga-Spiel werden sich die Handball-Damen des VfL Oldesloe sicher noch gerne zurückerinnern: Zum Saisonstart legten sie einen furiosen Auftakt hin und fegten den erstliga-erfahrenen TSV Jarplund-Weding mit 31:15 förmlich vom Parkett. Besonders die ungarische internationale Zsuzsa Nyari versetzte die Gegnerinnen ein ums andere Mal in Angst und Schrecken.
Am Sonnabend (17 Uhr, KGS-Halle in Adelby) steht nun das Rückspiel an. Die Rückrunde beginnt für die Oldesloerinnen gleich mit einem „dicken Brocken“, denn die Truppe von der Förde hat sich seit Saisonbeginn erheblich verstärkt. Rückraumspielerin Ute Kern kehrte ins Team zurück, zudem wurden noch zwei prominente Erstliga-Spielerinnen verpflichtet.
Vom Nachbarn Nord Harrislee stieß Kerstin Möhlmann zu den TSV-Damen und vom Buxtehuder SV kam die polnische Torhüterin Bozena Enkelmann in den hohen Norden. Sie ist der Hauptgarant dafür, daß die im Hinspiel arg löchrige Abwehr mittlerweile an Stabilität gewonnen hat. VfL-Trainer Claus Schilk hat denn auch eine gehörige Portion Respekt vor dem Landesrivalen.
„Die sind ganz schwer zu spielen“, weiß er. „Wenn wir nicht mit hundertprozentiger Konzentration zur Sache gehen, kann es durchaus eine Niederlage geben“, so der VfL-Coach. Mit 10:2 Punkten weist der TSV Jarplund-Weding eine positive Heimbilanz auf.
Die fünf Siege in eigener Halle gelangen allerdings ausnahmslos gegen Mannschaften aus den neuen Bundesländern, die ja (mit Ausnahme des SV Neubrandenburg) gegen den Abstieg kämpfen. Trotzdem muß sich der ungeschlagene Herbstmeister der zweiten Liga in Adelby auf einen „heißen Tanz“ gefaßt machen.
„Jarplund ist sehr torgefährlich“, so Claus Schilk und ein Blick auf die Tabelle bestätigt diese Einschätzung. Mit 235 Toren in elf Spielen hat das Team von Waldemar Paciorek die zweitbeste Trefferausbeute aller zwölf Mannschaften aufzuweisen. Nur der VfL (298) traf bislang häufiger das gegnerische Tor.
Die Akzente im TSV-Spiel setzt die bulgarische Nationalspielerin Marina Nikolowa, die gleichzeitig als Co-Trainerin fungiert. Im Hinspiel kümmerte sich Zsuzsa Nyari „liebevoll“ um die Bulgarin und verurteilte sie zur völligen Wirkungslosigkeit. Vor eigenem Publikum wird der TSV sicher alles daransetzen, um das deklassierende 15:31 vom Hinspiel vergessen zu machen.
Denn mit dem bisherigen Abschneiden dürfte man an der Förde alles andere als zufrieden sein. Platz sieben mit 12:10 Punkten ist etwas wenig für eine Mannschaft, die sich vor Saisonbeginn einen Platz unter den ersten fünf ausgerechnet hatte. Auswärts hat der TSV bislang noch keine Bäume ausgerissen, wenn man sich noch verbessern will, müssen die dafür nötigen Zähler in eigener Halle gesammelt werden.
Doch zu Pessimismus gibt es für den VfL keinen Anlaß. Die Schilk-Truppe hat bisher eine glänzende Saison hingelegt und gerade gegen starke Gegner (Hastedt, Holstein Kiel) tolle Spiele absolviert. Da muß man sich auch an der Förde nicht verstecken, zumal Claus Schilk seine stärkste Formation aufbieten kann.
STORMARNER TAGEBLATT vom 17.1.1992
Freitag, 17. Januar 1992
Mit dem Bus nach Adelby
Wer die VfL-Damen beim Spiel unterstützen will, kann per Bus mitfahren. Die Partie beginnt am Sonnabend um 17 Uhr in der KGS-Halle in Adelby. Treffpunkt ist um 13 Uhr vor der Stormarnhalle, um 13.15 Uhr fährt der „Fan-Bus“ ab. Preis für den Trip an die Förde: Zehn Mark.
STORMARNER TAGEBLATT vom 17.1.1992
Sonnabend, 18. Januar 1992
TSV Jarplund-Weding – VfL Oldesloe 16:19 (5:9)
19:16. Die VfL-Damen trafen bei der SG Jarplund-Weding auf harten Widerstand
(mth). Das Dutzend ist voll! Die Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe begann auch die Rückrunde in der zweiten Bundesliga (Gruppe Nord) mit einem Sieg, nachdem sie ja schon alle elf Hinrundenspiele für sich hatte entscheiden können. Ehe der 19:16 (9:5)-Erfolg bei der SG Jarplund-Weding feststand, aber hatte die Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg weit mehr Widerstand zu überwinden als in den meisten Spielen zuvor.
Für Fachleute allerdings war das keine Überraschung. Auch VfL-Trainer Claus Schilk hatte die Reise in die Heimat seiner Frau Ingrid, wenn nicht mit Angst, so doch mit einer gehörigen Portion Respekt angetreten. Ihm und auch den meisten seiner Spielerinnen war klar gewesen, daß der haushohe Sieg (31:15) zu Saisonbeginn in Bad Oldesloe nicht die wahren Kräfteverhältnisse der beiden Mannschaften wiedergegeben hatte. Seinerzeit war die Mannschaft aus dem Flensburger Vorort vom VfL regelrecht überrannt worden. Dabei hatte die eigentlich so erfahrene Truppe der Spielgemeinschaft sich sichtlich konsterniert von der Spielkunst und Dynamik der Oldesloerinnen gezeigt und sich praktisch ohne Gegenwehr in ihr Schicksal ergeben.
So ganz hundertprozentig hat sich die Mannschaft um die vielfache bulgarische Nationalspielerin Marina Nikolova davon in der gesamten Vorrunde nicht erholen können. Sie dümpelt deshalb auch nur im Mittelfeld der Tabelle herum, wiewohl sie eigentlich im vorderen Drittel von den Experten erwartet wurde.
Daß sie dort von ihrem spielerischen Vermögen eigentlich auch hingehört, machte sie auch im Rückspiel deutlich. Wiewohl es für sie auch dort, trotz stark verbesserter Leistung, ein Debakel hätte geben können. Die Mannschaft nämlich wäre, obwohl sie weit druckvoller und motovierter als vor vier Monaten in der Stormarner Kreisstadt agierte, fast an VfL-Torhüterin Jeanine Hildebrand verzweifelt.
Die nämlich hielt mehr als 20 Minuten lang einfach alles, was auf ihren Kasten kam. Die beiden Treffer, die sie bis zum 3:7, das Gaby Möhlmann in der 23. Minute per Siebenmeter erzielte, kassierte, nämlich waren paradoxerweise zwei glasklare Gastgeschenke, die den Jarplunderinnen ausgerechnet die VfL-Keeperin selbst gemacht hatte.
In beiden Fällen – zum l:2 in der 9. Minute durch Nikolova und zum 2:3 in der 12. Minute durch Andrea Morzik – nämlich hatte „J.R.“ gerade schwerste Würfe mit Glanzparaden pariert und dabei den Ball auch sicher unter Kontrolle gebracht, um den dann mit überhasteten Abwürfen den Gegnerinnen, die dann freie Bahn hatten, wieder zukommen zu lassen.
Mit sieben Treffern hatte der VfL bis zu diesem Zeitpunkt seinen sonstigen Toreschnitt auch bei weitem noch nicht erreicht. Das hatte eine Reihe von Gründen. Einer der wichtigsten: Jarplunds Torhüterin Silke Callsen stand Jeanine Hildebrand kaum etwas nach. Auch sie zeigte glänzende Reaktionen am Fließband, an denen sich ihre Truppe immer aufrichten konnte.
Damit raubte sie insbesondere den Rückraumwerferinnen des VfL den Nerv. Das fing mit Melanie Bernecker (nur ein Tor), die auch im allgemeinen etwas „neben dem Spiel“ stand, an. Es setzte sich fort bei ihrer Schwester Stefanie, die nach dem Treffer zum 0:1 in der 3. Minute im Angriff blaß und stumpf blieb und wurde bei Britta Peterat am augenfälligsten. Sie warf und zielte wirklich nicht schlecht und hat von allen VfLerinnen mutmaßlich den härtesten Wurf, aber Silke Callsen hatte sie voll „ausgerechnet“ und ließ davon nicht einen Wurf passieren. Selbst einen Siebenmeter in der 47. Minute beim Spielstand von 15:11 parierte sie.
Die Schwächen im Rückraum waren sicher auch die Ursache dafür, daß der zwölfte Sieg des VfL trotz der geschilderten deutlichen Führung nach 23 Minuten, der eine Minute später gar noch auf 8:3 ausgebaut würde, noch nicht besiegelt war.
Für gut zehn Minuten nach dem Seitenwechsel des glänzenden Schiedsrichtergespanns Rade/Übben geriet die Truppe von Trainer Claus Schilk sogar richtig ins Schwitzen. Die Rückraumschwäche nämlich eskalierte noch, weil Ulrike Rühter (auch nur ein Tor) vor lauter Nervosität Fehlabgaben in Serie produzierte.
Bei Zwischenständen von 8:9 (36.) und 9:10 (39.) standen die Gastgeberinnen plötzlich gar vor dem Ausgleich, und mit dem hätte das Spiel, so hatte man von außen den Eindruck, durchaus noch kippen können.
Aber in den Reihen der Oldesloerinnen standen, abgesehen von Torhüterin Jeanine Hildebrand, die bis auf zwei Siebenmeter, für die Annette Schümann eingewechselt wurde, durchspielte, noch weitere Aktivposten, die sich in prächtiger Form befanden. Allen voran Andrea Hasenberg! Die Mannschaftsführerin ist in der Abwehr ja stets eine sichere Bank beim VfL. Jetzt übertraf sie sich in dieser Beziehung noch und auch im Angriff stand sie voll ihren Mann, auch wenn das bei einem Treffer sicher nicht voll zum Ausdruck kommt.
In toller Verfassung präsentierte sich auch Marion Werner auf Linksaußen. So konzentriert in Abwehr (über ihre Seite fiel kein Gegentor) und Angriff (3 Tore) hat man die Jugend-Nationalspielerin im VfL-Dress noch selten gesehen. In hervorragender Form waren auch Zsuzsa Nyari und Roswitha Bein (beide warfen je sechs Tore mit jeweils zwei verwandelten Siebenmetern), aber von den beiden ist man ja kaum anderes gewohnt.
Ansprechend auch die Leistung von Birte Stooß, die in der zweiten Halbzeit überwiegend in der Abwehr zum Einsatz kam und dabei gutes Stellungsspiel zeigte.
Dazu hatte Babette Bischof keine Gelegenheit. Sie kam überhaupt nicht zum Einsatz. Darüber war sie, die sonst zur Stammformation zählt, doch ein wenig sauer. Nicht ganz unverständlich. wie wir meinen. Sicherlich gab es keinen Grund, Marion Werner auf der Linksaußenposition, auf der die Grönauerin ja auch zu Hause ist, abzulösen. Aber angesichts der Rückraummisere wäre Babette Bischof, die dort ja Handball „gelernt“ hat, als Schützin aus der zweiten Reihe sicher einen Versuch wert gewesen.
STORMARNER TAGEBLATT vom 20.1.1992
Freitag, 24. Januar 1992
DHB zieht dem Spitzenreiter vier Punkte ab
Rückschlag für die Handball-Damen des VfL Oldesloe
(us). Empfindlicher Dämpfer für die Handball-Damen des VfL Oldesloe: Der Deutsche Handballbund (DHB) hat dem Spitzenreiter der zweiten Bundesliga die Punkte aus den Spielen gegen Motor Hennigsdorf und Jarplund-Weding aberkannt. Die Begegnungen werden mit 0:2 Punkten und 0:0 Toren gewertet.
Grund für diese Entscheidung: In diesen beiden Spielen wurde Kreisläuferin Birte Stooß eingesetzt, obwohl für sie keine Freigabe vorlag. Die Spielerin war zu Saisonbeginn vom Liga-Konkurrenten TuS Alstertal zu den Stormarnerinnen gewechselt.
Die Hamburgerinnen hatten Birte Stooß die Freigabe verweigert, da der VfL die finanziellen Forderungen des TuS Alstertal nicht erfüllt hatte. Mit einer halbjährigen Sperre, so dachte man wohl beim VfL, sei die Sache erledigt.
Doch für Bundesliga-Spielerinnen gelten offenbar andere Regeln. Bei der Durchsicht des Spielberichtsbogens stieß DHB-Bundesfrauenwartin Heidrun Klimke auf den Namen Birte Stooß und prüfte die Angelegenheit.
Die Folge: Die Punkte aus den Spielen, in denen Birte Stooß mitwirkte, werden aberkannt. „Eine offizielle Freigabe lag nicht vor, es tut mir leid, aber ich mußte so handeln“, so Heidrun Klimke.
Die Kreisläuferin ist nun erst einmal gesperrt und der VfL ist seinen ersten Tabellenplatz los. Trainer Claus Schilk hatte schon Anfang der Woche Böses geahnt: „Dunkle Wolken ziehen herauf“, hatte der Coach befürchtet.
Die bösen Ahnungen haben sich nun bewahrheitet. Im ungünstigsten Fall droht der Spielerin jetzt sogar eine zweijährige Sperre. Der DHB hat sich mit seiner Entscheidung offenbar sehr viel Zeit gelassen.
Denn das Spiel gegen Hennigsdorf fand bereits am 11. Januar statt, aber erst Mitte dieser Woche wurde der VfL Oldesloe vom Punktabzug unterrichtet.
Ohne Birte Stooß und als „frischgebackener“ Tabellenzweiter muß die Schilk-Truppe heute abend (20.15 Uhr) in der Stormarnhalle gegen den Verfolger Holstein Kiel antreten.
Zur „Affaire Birte Stooß“ äußert sich Trainer Claus Schilk wie folgt: „Noch ist nichts entschieden, der Handballbund scheint seine eigenen Regeln nicht zu kennen. Bei uns ist jedenfalls noch kein offizielles Schriftstück vom Verband eingegangen.“ Er ist guten Mutes, daß die Entscheidung des DHB keinen Bestand haben wird.
STORMARNER TAGEBLATT vom 24.1.1992
Freitag, 24. Januar 1992
Schlagerspiel gegen den Landesrivalen
Jetzt erst recht, VfL! Beim Topspiel setzt die Schilk-Truppe auf ihre Fans
(us). Schlagerspiel in der Stormarnhalle! Nach zwei „leichten“ Heimspielen gegen Eilbek und Hennigsdorf bekommen es die Handball-Damen des VfL Oldesloe nun mit einem „dicken Brocken“ zu tun. Nach dem Spiel gegen Jarplund-Weding ist dabei wieder eine Mannschaft aus Schleswig-Holstein der Gegner.
Heute abend (20.15 Uhr, Stormarnhalle) stellt sich mit Holstein Kiel ein direkter Mitbewerber um einen der ersten Plätze beim VfL vor. „Das Spiel ist extrem wichtig“, sagt VfL-Coach Schilk, der die Kielerinnen wesentlich höher einschätzt als den letzten Gegner Jarplund-Weding.
Die Fans in der Stormarnhalle erwartet also ein absolutes Schlagerspiel. Will der VfL seine „weiße Weste“ behalten, dann muß ein Sieg gegen den Rivalen aus der Landeshauptstadt her. Beim ersten Aufeinandertreffen beider Teams zu Saisonbeginn ging es mächtig knapp zu: In allerletzter Sekunde gelang der Schilk-Truppe damals der Siegtreffer zum vielumjubelten 21:20.
„So nahe an einer Niederlage waren wir danach nie mehr“, erinnert sich Claus Schilk. Der KSV Holstein weist in der Tabelle der zweiten Bundesliga einen Rückstand von sieben Punkten auf den VfL auf und kann sich durchaus noch Hoffnungen auf den zweiten Platz machen. In der Mannschaft von Trainer Torsten Preer stehen einige sehr gute Spielerinnen.
Besonders die lettische Kreisläuferin Aive Kuusk, aber auch die beiden Junioren-Nationalspielrinnen Sabine Peuker und Mandy Heinelt (kam aus Rostock) zählen zu den Stützen der Kielerinnen. Der VfL kann sich heute abend keinen „Durchhänger“ leisten, will er die erhofften zwei Punkte einfahren.
Trainer Schilk setzt einerseits auf die Heimstärke seiner Truppe, andererseits aber auch auf die stimmgewaltige und leidenschaftliche Unterstützung des Publikums. Die Mannschaft hat in dieser Saison schon so viele gute und mitreißende Spiele geboten und fast immer überzeugt. Nur die rechte Stimmung wollte dabei nicht immer aufkommen.
Die Halle wird heute abend sicherlich wieder aus allen Nähten platzen. Wenn dann der Funke vom Spielfeld auf die Zuschauerränge überspringt, sind eigentlich alle Voraussetzungen für ein echtes „Handball-Fest“ in der Stormarner Kreisstadt gegeben.
Das war zuletzt gegen den Hastedter TSV der Fall, als die Schilk-Truppe gegen den damaligen Spitzenreiter mit 23:14 triumphierte. Auch diesmal ist eine Spitzenmannschaft der Gegner und gegen unmittelbare Verfolger hat der VfL ja meist seine stärksten Spiele geliefert.
Also: Auf geht's VfL! Mit einem Sieg kann der Spitzenreiter einen der Mitkonkurrenten abschütteln und den Vorsprung auf satte neun Punkte ausbauen
STORMARNER TAGEBLATT vom 24.1.1992
Freitag, 24. Januar 1992
VfL Oldesloe – Holstein Kiel 22:13 (10:6)
KSV Holstein Kiel im Endspurt noch glatt mit 22:13 besiegt
Auf dem Spielfeld bleiben die Handball-Damen weiter unbesiegt
(mth). Ob die 13. Partie in der zweiten Bundesliga für die Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe unter einem glücklichen oder unglücklichen Stern stehen würde, war vorher sehr zweifelhaft gewesen.
Das Dutzend an Siegen hatte die Mannschaft auf dem Spielfeld ja schon vorher klar gemacht. Und eigentlich gab es keine übermäßig wahrscheinliche Prognose vor dem Spiel gegen den KSV Holstein Kiel, daß diese Erfolgsserie reißen müßte.
Sicher, die Mannschaft aus der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt hatte dem VfL im Hinspiel so zugesetzt wie sonst kein anderes Team und beim 21:20-Sieg in Kiel hatte der VfL eine gehörige Portion Glück gehabt. Aber dadurch war er ja auch gewarnt und mit wiederum rund 600 Zuschauern im Rücken war er ganz sicher in der Favoritenrolle.
Aber natürlich war fraglich, wie die Mannschaft den „Donnerschlag“ aus den Tagen vor dem Spiel wohl verdauen würde. Die vier Punkte aus den gewonnenen Spielen gegen Motor Hennigsdorf und SG Jarplund-Weding, so hatte die Bundesfrauenwartin des Deutschen Handballbundes (DHB) Heidrun Klimke verlauten lassen, werden dem VfL wieder aberkannt.
Der Grund: Die in diesen beiden Spielen eingesetzte Spielerin Birte Stooß ist nach Ansicht des DHB für den VfL nicht spielberechtigt. Ligakonkurrent TuS Alstertal (übrigens nächster Gegner des VfL in Hamburg-Wandsbek), bei dem sie bis zum letzten Sommer gespielt hat, hat ihr die Freigabe nach Oldesloe verweigert, weil der VfL die Zahlung einer Ablösesumme in Höhe von mehreren tausend Mark abgelehnt hat.
Der Rechtsauffassung, die beim VfL dazu vorherrschte, nach der eine Spielberechtigung in einem solchen Fall automatisch nach einer halbjährigen Sperre (die war am 1. Januar abgelaufen) für den neuen Verein vorliegen würde, widersprach die DHB-Funktionärin.
Bei einem Wechsel zwischen Bundesligisten, so ihre Aussage, könne die Sperre auf bis zu zwei Jahre ausgedehnt werden, wenn sich die beiden Vereine nicht untereinander einigen. Beim VfL, bei dem bis zum Spiel gegen Kiel ein offizieller Bescheid vom DHB noch nicht vorlag, hat man die Hoffnung, die Sache sei noch nicht ausdiskutiert.
Dabei glaubt man, andere – dem widersprechende – Paragraphen gefunden zu haben, die das Unheil eines Punktabzuges noch abwenden können. Bleibt abzuwarten, wie die Sache ausgeht. Auf jeden Fall ist man beim VfL nun offensichtlich bestrebt, nicht weitere Risiken einzugehen. Gegen KSV Holstein Kiel jedenfalls stand Birte Stooß nicht im VfL-Team.
Wie aber würde die Mannschaft die neue Ausgangsbasis verkraften, war vor dem Spiel die bange Frage vieler Fans. Immerhin hat sie, wenn der ungünstigere der beiden denkbaren Fälle eintritt, die Tabellenführung am grünen Tisch verloren und selbst der zweite Platz erschiene dann nicht mehr gänzlich ungefährdet.
Die Antwort hat sie dann auf dem Spielfeld gegeben. Am Ende hatte die Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg mit 22:13 (10:6) die Oberhand behalten. Aber ganz so klar, wie es das Endergebnis auszusagen scheint, waren Spiel und Antwort dann doch nicht gewesen.
Mehr als eine Dreiviertelstunde stand das Landesderby auf des Messers Schneide. 11:8 führte der VfL bis zur 47. Minute und er hatte diese Führung ganz, ganz wesentlich der glänzend aufgelegten Torhüterin Jeanine Hildebrand zu verdanken.
Die großgewachsene Torhüterin, die ja schon im Spiel bei Jarplund-Weding in hervorragender Form gewesen war, war von der ersten Sekunde an topfit und war von den Kielerinnen einfach nicht zu bezwingen. Nicht vom Kreis, nicht von den Außenpositionen, nicht bei Tempogegenstößen und selbst bei zwei Siebenmetern in wichtigen Phasen (bei 10:6 in der 30. und bei 11:8 in der 42. Minute) nicht. Ganz zu schweigen von Würfen aus der zweiten Reihe, die sie nicht selten sogar fing.
Das machte sie unter dem Strich eindeutig zur Spielgewinnerin. Der VfL lag zwar auch in den ersten 45 Minuten nie im Rückstand, aber er hatte doch lange Durststrecken zu durchstehen. Und in der ersten Viertelstunde der zweiten Halbzeit waren Chancen und Spielvorteile ziemlich eindeutig auf Kieler Seite, so daß ohne Jeanines Glanzleistung das Spiel leicht hätte kippen können, ja, kippen müssen.
Aber der Reihe nach: So lange wie gegen Kiel haben die Zuschauer in der Stormarnhalle lange nicht mehr auf Tore warten müssen. Erst nach sechs Minuten und 39 Sekunden traf Roswitha Bein zum 1:0 für den VfL und erst weitere vier Minuten später gelang Tina Asmussen per Siebenmeter der 1:1-Ausgleich.
Dann aber schien beim VfL der Bann gebrochen. „Jetzt geht‘s los!“ und „Nie mehr zweite Liga!“, frohlockten die Fans, als ihre Mannschaft bis zur 20. Minute auf 8:3 davongezogen war. In der Tat: Die VfL-Abwehr schien eindeutig Herr der Lage, weil nicht zuletzt Marion Werner die quirlige Mandy Heinelt glänzend im Griff hatte, und vorn hatte Melanie Bernecker einen guten „Lauf“.
Aber mit einer Zwei-Minuten-Strafe für Marion Werner (23. Minute) bekam das VfL-Spiel einen spürbaren Knacks. Bis zur Halbzeit traf nun nur noch Zsuzsa Nyari zweimal, so daß die Pausenführung mit 10:6 schon knapper ausfiel.
Als dann aber nach dem Wechsel auch noch die Ungarin plötzlich Nerven und Schwächen zeigte, drohte (siehe oben) das Spiel in der Tat zu kippen. In den ersten 17 Minuten des zweiten Durchgangs markierte nur Andrea Hasenberg, vorbildlich im Einsatz wie immer, einen Treffer für den VfL (zum 11:7 in der 39. Minute), der ansonsten mehr und mehr verkrampfte.
Die zweite große Wende im Spiel trug wieder die Handschrift von Marion Werner. Mehr als 20 Minuten war sie nach ihrer Zeitstrafe auf die Bank verbannt worden. Babette Bischof hatte sie dabei in der Defensive gut vertreten, spielte aber in der Offensive unglücklich.
Marion Werner aber hatte dann dort ihre großen Auftritte. Ihre beiden Treffer innerhalb von 40 Sekunden zum 12:8 und 13:8 in der 47./48. Minute entschieden das Spiel endgültig. Nun plötzlich spielte der VfL wieder befreit auf und baute den Vorsprung schließlich bis zum Schluß noch auf neun Treffer bis zum 22:13 von Roswitha Bein in der 60. Minute aus.
Marion Werner war dabei noch drei weitere Male erfolgreich, so daß sie schließlich mit sechs Toren (sie hatte vorher auch schon das 2:1 erzielt) erfolgreichste Werferin ihrer Mannschaft war. Ihr folgte Melanie Bernecker mit fünf (davon drei verwandelte Siebenmeter) Toren vor Roswitha Bein (4), Zsuzsa Nyari (3), Andrea Hasenberg (2), Stefanie Bernecker (1) und der in den letzten 60 Sekunden eingewechselten Nicole Röhrs, die prompt einen Siebenmeter verwandelte.
Leer gingen neben Babette Bischof auch Britta Peterat und Ulrike Rühter aus. Im Tor hatte es Annette Schümann in den letzten neun Minuten natürlich schwer, noch aus den Schatten der alles überragenden Jeanine Hildebrand herauszukommen.
STORMARNER TAGEBLATT vom 27.1.1992
Sonnabend, 25. Januar 1992
Meisterehrung beim VfL Oldesloe
Handball-Damen und Anke sind die „Aushängeschilder“
(us). „Eure Leistung ist nicht hoch genug einzuschätzen“, lobte Walter Busch „seine“ Sportler. Zum zweiten Mal hatte der VfL Oldesloe ins Vereinsheim eingeladen, um die Meister des Jahres 1991 auszuzeichnen.
Der 1. Vorsitzende des VfL beglückwünschte alle Sportler und ehrte sie mit einer Urkunde und einem Buchpreis. Besonders lobend erwähnte er die Damen-Handballmannschaft und die „Leichtathletin 1991“, Anke Lakies. „Eure Erfolge sind schon fast beängstigend“, so Walter Busch an die Adresse von Handball-Coach Claus Schilk.
Dabei vergaß er nicht zu erwähnen, daß mit Spielführerin Andrea Hasenberg eine seiner ehemaligen Schülerinnen in den Reihen des Zweitligisten steht. Auch Anke Lakies drückte beim VfL-Vorsitzenden einst die harte Schulbank. „Ob sie wohl 1992 unter zwei Minuten läuft“, rätselte Busch, zog sich damit aber den nicht ganz ernst gemeinten Protest der Mittelstrecklerin zu. …
STORMARNER TAGEBLATT vom 28.1.1992
NN Januar 1992
VfL Oldesloe – Buxtehuder SV 26:29
Freitag, 31. Januar 1992
Handball: Ablöse-Streit
(st). Für die frühere Handball-Junioren-Nationalspielerin Birte Stooß (23) vom VfL Oldesloe gibt es morgen (17 Uhr, Rüterstraße) nur am Rande des Feldes ein Wiedersehen. Ihr ehemaliger Klub TuS Alstertal (Zweitliga-Siebter) fordert laut DHB-Satzung 8136 Mark Ablöse. Oldesloe bietet 3000 Mark. Weil Stooß zweimal ohne Spielberechtigung mitwirkte, will der Deutsche Handballbund Oldesloe (zuvor 26:0) vier Punkte abziehen.
HAMBURGER ABENDBLATT vom 31.1.1992
Freitag, 31. Januar 1992
VfL-Damen reisen zum TuS Alstertal
Einen Ausrutscher kann sich die Truppe von Claus Schilk nicht leisten
(us). Trotz der Querelen um den drohenden Punktabzug: Die Handball-Damen des VfL Oldesloe sind momentan prächtig in Form. Das zeigte sich auch bei einem Trainingsspiel gegen den Erstligisten Buxtehuder SV: Die Schilk-Truppe, die ohne Jeanine Hildebrand, Zsuzsa Nyari und Marion Werner antrat, verkaufte sich sehr gut und unterlag nur knapp mit 26:29.
„Ein richtig schönes Spiel ohne Druck und taktisches Geplänkel“, meinte VfL-Trainer Claus Schilk. Zwar fehlten bei den Buxtehuderinnen die Nationalspieler, aber auch der VfL konnte nicht in stärkster Besetzung antreten. Claus Schilk hatte nur zwei Spielerinnen auf der Reservebank, Britta Peterat und „Tiger“ Nicole Röhrs spielten je 40 Minuten und machten ihre Sache gut.
Am Sonnabend steht nun das nächste Pflichtspiel auf dem Programm: Um 17 Uhr gastiert der Spitzenreiter in der Sporthalle Hamburg-Wandsbek (Rüterstraße 75) beim Tabellen-Siebten TuS Alstertal, dem Ex-Klub von Kreisläuferin Birte Stooß. Spielen die VfL-Damen da mit besonderer Wut im Bauch? „Nein, auf keinen Fall“, sagt Claus Schilk entschieden. „Das ist ein Spiel wie jedes andere auch.“ Durch den Punktabzug ist seine Truppe unter Druck geraten, aber Schilk ist fest davon überzeugt, daß das Team damit·gut leben kann. Die Mannschaft ist so stark, daß sie sich nicht aus dem Konzept bringen läßt.
In der Sache Birte Stooß hat der VfL Kontakt mit einem Rechtsanwalt aufgenommen. Nach Auskunft von Handballabteilungsleiter Jürgen Dorn ist ein Schreiben des DHB eingegangen, in dem von einem Punktabzug für das Spiel gegen Hennigsdorf die Rede ist. Ansonsten hat sich nichts getan.
Zurück zum Sportlichen: Der Einsatz von Jeanine Hildebrand und Zsuzsa Nyari (beide grippekrank) ist noch fraglich, aber Claus Schilk ist optimistisch, am Sonnabend beide Spielerinnen einsetzen zu können. Gegen die Hamburgerinnen ist seine Truppe, wie eigentlich fast immer, klar favorisiert.
Der TuS Alstertal krebst mit 13:13 Punkten im Mittelfeld der Tabelle herum. Vor der Saison hatte man sich einen Platz im oberen Mittelfeld gewünscht. Lokalrivale TH Eilbek hat der Mannschaft von Trainerin Birgit Geißler in Hamburg mittlerweile den Rang abgelaufen. Zu den Spielen des TuS verliert sich meist nur eine Handvoll Zuschauer in der Wandsbeker Sporthalle, in der 2500 Fans Platz finden würden.
Sicherlich werden auch diesmal die mitgereisten VfL-Schlachtenbummler wieder in der Mehrheit sein. Vor dem wichtigen Heimspiel gegen den SV Neubrandenburg (am nächsten Sonnabend, 19.30 Uhr in der Stormarnhalle) sollte der VfL, ohne zu sehr in Optimismus zu verfallen, eigentlich in Hamburg einen weiteren Sieg landen können.
Die Mannschaft hat gegen Holstein Kiel gezeigt, daß sie auch Rückschläge verkraften kann. Einen Punktverlust kann man sich nicht erlauben, denn es ist wohl nicht damit zu rechnen, daß der Rivale Hastedt im Heimspiel gegen Frankfurt/Oder Federn läßt.
STORMARNER TAGEBLATT vom 31.1.1992
Sonnabend, 1. Februar 1992
TuS Alstertal – VfL Oldesloe 23:30 (13:15)
Nach der Pause drehten die Oldesloerinnen auf
23:30. Auch TuS Alstertal konnte den Siegeszug des VfL nicht stoppen
(mth). Auch den Monat Februar begann die Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe mit einem Erfolg. In der Sporthalle an der Rüterstraße im Hamburger Stadtteil Wandsbek hatte die Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg mit dem TuS Alstertal nur eine Halbzeit lang unerwartet viel Mühe, um dann aber nach einer 15:13-Pausenführung noch sicher mit 30:23 zu gewinnen.
Vor knapp 250 Zuschauern, von denen weit mehr als die Hälfte aus der Stormarner Kreisstadt kam, standen die Oldesloerinnen nach 100 Sekunden vor einer Situation, die sich ihnen in dieser Saison nur ein einziges Mal gestellt hatte. Sie lagen mit 0:2 im Rückstand. Mit einem Zwei-Tore-Rückstand waren die Schützlinge von Trainer Claus Schilk bislang nur ein einziges Mal (kurz nach der Pause im Spitzenspiel gegen den Hastedter TSV) konfrontiert gewesen.
Seinerzeit hatte sie das nicht sonderlich beeindruckt. Vielmehr hatte sie sich damals schnell gefangen und anschließend zur besten Saisonleistung gesteigert. Schon allein deswegen gab es für die Mannschaft in Hamburg eigentlich keinen Grund, über den Fehlstart sonderlich beunruhigt zu sein. Aber so ganz ungerührt steckte die Mannschaft das doch nicht weg, obwohl sie durch Treffer von Roswitha Bein (3. Minute) und Zsuzsa Nyari bis zur 6. Minute auf 2:2 gleichgezogen hatte. Die Truppe wirkte unruhig, nervös und nicht voll konzentriert
Voll im Bilde waren von Anbeginn an eigentlich nur die wieder einmal überragende Roswitha Bein und Andrea Hasenberg.
Im Rückraum waren Melanie Bernecker und Ulrike Rühter zunächst überhastet und ohne Form. Noch gravierender aber war, daß die gefürchtete „Flügelzange“ des VfL eher neben sich stand. Marion Werner, in den beiden letzten Spielen in überragender Form, stand dabei nur knapp zehn Minuten auf dem Parkett. Sie wurde dann durch Babette Bischof abgelöst, die sich mit der Zeit in prächtige Spiellaune steigerte, und diese Lücke mehr als vollwertig stopfte.
Aber auf der anderen (der rechten) Seite blieb ein großes Loch. Zsuzsa Nyari war ja schon im Spiel gegen KSV Holstein Kiel nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte gewesen. Mutmaßlich steckte ihr da schon die Grippe, die sie dann unter der Woche „auslebte“, in den Gliedern. Geschlaucht war sie davon auch in Hamburg noch ganz offensichtlich. Daß ihr Treffer zum 2:2 ihr einziger im ganzen Spiel blieb, ist dafür sicher symptomatisch. Nicht ganz erklärlich allerdings waren die vielen gravierenden Stellungsfehler, die ihr m der Defensive unterliefen. Wieder und wieder ließen sich die Stormarnerinnen auf der rechten Deckungsseite von immer dem selben Alstertaler Spielzug düpieren, wovon insbesondere die siebenfache Torschützin Petra Heile ein um das andere Mal profitierte.
Die Folge davon war, daß sich in der ersten Halbzeit ein außerordentlich spannendes, enges und offenes Spiel entwickelte. Die Hamburgerinnen hatten dabei noch längere Zeit die Nase vorn. Meist mit einem Tor voraus, aber beim 8:6 in der 17. Minute sogar noch einmal mit einer Zwei-Tore-Führung.
Echte Chancen, selbst einmal in Führung zu gehen, hatte der VfL erstmals nach dem 8:8-Ausgleich (19.Minute durch Andrea Hasenberg), aber Britta Peterat (löste in der 16. Minute Ulrike Rühther ab, wurde aber niemals Herr ihrer Nerven) und Roswitha Bein scheiterten innerhalb von 20 Sekunden mit zwei Tempogegenstößen an Alstertals Ersatztorhüterin Sanya Posuda (Stammtorhüterin Erika Stüven fällt verletzt aus).
So dauerte es noch bis zur 25. Minute, ehe die überragende Roswitha Bein ihre Mannschaft erstmalig in Front (11:10) brachte. Bis zur 29. Minute aber hielt der Gastgeber noch dagegen (13:13), ehe noch einmal „Rossi“ und Babette Bischof innerhalb von 30 Sekunden die 15:13-Pausenführung für den VfL herauswarfen.
Nach dem Wechsel hielt TuS Alstertal – die Mannschaft sprühte vor Ehrgeiz und spielte, so die Aussage einiger ihrer Fans, engagiert wie noch nie in dieser Saison – dann noch knapp zehn Minuten (bis zum 16:18 in der 39. Minute) mit.
Dann ging beim VfL endgültig „der Knopf auf“. Nun drehte vor allem Melanie Bernecker voll auf. Auch ihre Schwester Stefanie war nun mit von der Partie und hatte Anteil daran, daß die Stormarnerinnen bis zur 52. Minute auf 28:18 davongezogen waren.
Nach diesem Zwischenspurt ließ es der VfL dann wieder ruhiger und gemächlicher angehen, so daß die Hamburgerinnen das Endergebnis mit 23:30 für sich noch wieder etwas erträglicher gestalten konnten. In den letzten fünf Minuten bedienten sie sich dabei fast einer offenen „Mann“-Deckung, mit der sich die VfLerinnen nicht so recht anfreunden mochten.
Bei denen war am Ende Roswitha Bein mit acht Toren (davon drei verwandelte Siebenmeter) nicht nur überragende Spielerin, sondern auch erfolgreichste Werferin. Mit sechs Treffern war Andrea Hasenberg so erfolgreich, wie sonst noch nie in dieser Saison als Torjägerin.
Auf die gleiche Ausbeute (dabei ein verwandelter Siebenmeter) kam Melanie Bernecker. Die gute Leistung von Babette Bischof spiegelt sich auch in ihren fünf Toren wider. Die restlichen Treffer teilten sich Stefanie Bernecker (2), Zsuzsa Nyari, Britta Peterat und Nicole Röhrs. Letztere kam in der 46. Minute für die bis dahin weiter indisponiert wirkende Ungarin in die Mannschaft. Leer gingen Marion Werner und Ulrike Rühter aus.
Im Tor bot Annette Schümann 50 Minuten – dann wurde sie von der zuletzt überragenden, in der Woche aber von einer Grippe geplagten Jeanine Hildebrand abgelöst – eine solide Leistung. Bei den nicht nur für den Geschmack ihres Trainers zu vielen Gegentoren vor der Pause war sie zumeist von ihren Deckungsspielerinnen im Stich gelassen worden, so daß sie daran keine Schuld traf.
STORMARNER TAGEBLATT vom 3.2.1992
Montag, 3. Februar 1992
Birte Stooß bleibt die Hauptleidtragende
(mth). Im Vorfeld der Bundesliga-Partie in der Sporthalle Wandsbek hatte es Anzeichen und Meldungen gegeben, die besagten, im Konflikt um den Wechsel von Birte Stooß vom TuS Alstertal zum VfL Oldesloe könnte es zu einer Annäherung oder gar zu einem Interessenausgleich beider Vereine kommen.
Ein reibungsloser Wechsel war ja an Ablöseforderungen der Hamburgerinnen, die der VfL nicht tragen wollte und konnte, gescheitert. Bekanntlich war man beim VfL der Meinung, die damit verbundene Freigabeverweigerung sei nach halbjähriger Sperre auch für die Bundesliga gegenstandslos, Birte Stooß also für die Oldesloerinnen spiel berechtigt.
Entsprechend dieser Auffassung hat sie Trainer Claus Schilk in den ersten beiden Spielen des neuen Jahres eingesetzt. Mutmaßlich mit fatalen Folgen. Der Deutsche Handballbund (DHB) will deshalb dem VfL die vier gewonnenen Punkte aus den Spielen gegen Motor Hennigsdorf und bei SG Jarplund-Weding aberkennen.
Mittlerweile sind – die DHB-Mühlen mahlen da ziemlich langsam – Bescheide für beide Spiele in Oldesloe eingegangen. Damit will man sich beim VfL nicht abfinden. Heute wird der Verein seinen Widerspruch gegen die Punktabzüge an den DHB abschicken. Bleibt abzuwarten, ob er damit Chancen hat, das Unheil noch abzuwenden.
Die Chancen der Mannschaft, auch im ungünstigen Fall die Aufstiegsrunde zur ersten Bundesliga zu erreichen, sind, wie ein Blick auf die Tabelle zeigt, groß, da ja die ersten beiden Teams diese Runde erreichen. Sie muß also nicht notgedrungen Opfer dieser Affaire werden.
Hauptleidtragende aber, das steht fest, ist die Spielerin Birte Stooß. Für sie ist die Saison so oder so gelaufen. So langsam nämlich die DHB-Mühlen mahlen, so gründlich tun sie es auch. Mit einer Bestrafung der Mannschaft (Punktabzug) nämlich läßt es der Verband nicht bewenden.
Wirkt ein Aktiver ohne die erforderliche Spielberechtigung in einem Spiel mit, so wird er auch noch mit einer Individualstrafe (Spielsperre für alle Mannschaften) belegt.
Für die Dauer von vier Wochen bei einem unberechtigten Einsatz (Spiel des VfL gegen Hennigsdorf). Im Wiederholungsfall (Spiel in Jarplund) kommen dann sogar acht Wochen auf die Spielerin zu. Beide Sperren werden dabei nicht gegeneinander verrechnet, sondern addiert. Birte Stooß ist also nach augenblicklicher Lage der Dinge bis Ende März für jegliche Handballspiele gesperrt.
Unabhängig davon, ob sich die beiden Vereine zwischenzeitlich gütlich über Freigabebedingungen einig werden oder nicht. Natürlich ist für die Kreisläuferin die Saison damit gelaufen und deshalb haben die Oldesloer am Sonnabend auch auf Einigungsgespräche mit TuS Alstertal verzichtet. In der Beziehung sieht man in der augenblicklichen Ausgangslage keinen Handlungsbedarf.
Birte Stooß selbst hat sich mit ihrem Schicksal, den Eindruck erweckte sie im Gespräch als Zuschauerin beim Spiel ihres alten gegen ihren neuen Verein inzwischen abgefunden. Natürlich war sie enttäuscht und frustriert über die Entwicklung, aber darüber ist sie inzwischen hinweg. Ihrem alten Verein ist sie dabei nicht unbedingt gram.
„Mit der Festlegung von Ablösesummen, die nicht unwesentlich von Spielen in DHB-Auswahlmannschaften abhängig ist“, so ihre Meinung, „schadet der Verband seinem Sport nicht unerheblich, weil er gerade talentierte Spieler(innen) in ihrer Freiheit beschneidet. Aber ich habe Verständnis dafür, daß TuS Alstertal auf der Zahlung einer Ablöse besteht. Er hat schließlich für meinen Wechsel von Bad Schwartau nach Alstertal auch blechen müssen und liegt mit seiner jetzigen Forderung unter der damals geleisteten Zahlung.“
Und sie gewinnt der Angelegenheit noch eine tröstliche Seite ab: Ein Berufspraktikum in Paris, das sie für den Sommer ohnehin geplant hatte, wird sie nun möglicherweise schon früher antreten.
STORMARNER TAGEBLATT vom 3.2.1992
Freitag, 7. Februar 1992
VfL-Handball-Damen streben 15. Sieg an
Mit SV Neubrandenburg kommt stärkstes Zweitliga-Team aus den neuen Bundesländern
(mth). Ob der Deutsche Handballbund (DHB) bei der Einteilung der Bundesligen nach der Vereinigung eine glückliche Hand besessen hat, kann man auch als Außenstehender bezweifeln. Dabei unterstellen wir den guten Willen, möglichst viele Mannschaften aus den neuen Bundesländern in die vorrübergehend (nur für eine Saison) jeweils zwei erste und drei zweite Ligen zu integrieren.
Der Gedanke, daß die ehemalige DDR in der Leistungsspitze international bei Damen und Herren der „alten“ Bundesrepublik mindestens ebenbürtig, oft sogar überlegen war, mag da Pate gestanden haben.
Aber die Verhältnisse sind nicht mehr danach. Viele Vereine aus dem Osten sind förmlich ausgeblutet. Sportlich und finanziell, nicht zuletzt, weil viele Spitzenkräfte im jetzt freien Markt den Weg zum großen Geld im Westen genommen haben.
Ein Blick auf die aktuellen Tabellen – bei den Damen wie bei den Herren, in den ersten ebenso wie in den zweiten Ligen – macht deutlich, daß von gelungener Integration der Ostvereine nicht die Rede sein kann. Vielmehr mutet die augenblickliche Situation an, als ginge es darum, die Teams aus den neuen Bundesländern so schnell als möglich wieder „auszuschwitzen“.
Wobei rigorose Abstiegsregelungen dem noch Vorschub leisten, weil im Schnelldurchgang die ersten Ligen wieder eingleisig, die zweiten wieder zweigleisig gefahren werden sollen. Die wenigen Ausnahmen, die es auch zu beobachten gibt, bestätigen da eher die Regel.
In der zweiten Bundesliga Gruppe Nord der Damen ist (mit Abstrichen) der SV Neubrandenburg eine solche Ausnahme. Während die anderen fünf Mannschaften aus Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern einträchtig die letzten Ränge einnehmen, haben sich die Neubrandenburgerinnen als derzeitiger Fünfter in die Phalanx der Westclubs drängeln können.
Das kommt nicht von ungefähr, wie Claus Schilk, Trainer von Spitzenreiter VfL Oldesloe, der morgen (Sonnabend) um 19.30 Uhr in der Stormarnhalle die Mecklenburgerinnen als Gast erwartet, meint. Er hat mit seiner Truppe zwar auch das Hinspiel in Neubrandenburg für sich entscheiden können (mit 20:13), wie ja alle 13 anderen Spiele auch, aber dabei hinterließ dieser Gegner für ihn den mit Abstand besten Eindruck aller Ostvereine.
„Die Mannschaft ist mit ihrer Mischung aus besonders erfahrenen Spielerinnen (Torhüterin Rosemarie Meyer, die frühere polnische Nationalspielerin Bozena Bachen und Liane Michaelis) und jungen Nachwuchstalenten (u.a. Claudi Feist und Karina Hein) nicht leicht zu spielen“, warnt er sein Team vor einer zu lässigen Gangart.
Dennoch ist auch er für das morgige Spiel zuversichtlich. Nicht zuletzt, weil der Gegner offenbar nicht in Bestform ist, was eine 17:22-Heimniederlage am letzten Wochenende gegen Fiko Rostock deutlich machte.
Beim VfL wird mutmaßlich alles an Bord sein. Annette Schümann konnte unter der Woche wegen einer Bronchitis zwar nicht trainieren, wird aber wohl ebenso dabei sein wie Marion Werner, die Abiturarbeiten geschrieben hat. Im Training hat sich dafür die zuletzt nach einer Grippeerkrankung indisponierte Zsuzsa Nyari wieder in alter Frische gezeigt.
Bringt sie wieder ihre Normalform und platzt bei den zuletzt merkwürdig gehemmt und nervös agierenden Rückraumspielerinnen Ulrike Rühter und Britta Peterat der Knoten, dann sollte dem 15. VfL-Sieg im 15. Saisonspiel eigentlich nichts entgegenstehen.
Nichts Neues gibt es im übrigen inzwischen in Sachen Punktabzug. Der VfL hat zu Beginn dieser Woche seinen Widerspruch gegen die Bescheide des DHB abgeschickt, und Claus Schilk ist zuversichtlich, daß sich das Blatt in dieser Angelegenheit noch zugunsten der Stormarner wendet.
STORMARNER TAGEBLATT vom 7.2.1992
Sonnabend, 8. Februar 1992
VfL Oldesloe – SV Neubrandenburg 21:11 (11:6)
Die Oldesloer Damen im 15. Spiel nur selten gefordert
Beim 21:11 gegen SV Neubrandenburg zeigte der VfL nur selten seine Klasse
(mth). Erfolg macht satt. Diese nicht ganz neue Erkenntnis bewahrheitet sich langsam aber sicher auch bei den Bundesliga-Handball-Damen des VfL Oldesloe. Und das in mehrfacher Hinsicht. Als in der Stormarnhalle die Partie in der zweiten Bundesliga Gruppe Nord zwischen den Stormarnerinnen und dem SV Neubrandenburg angepfiffen wurde, hatten sich bei weitem nicht so viele Zuschauer dort eingefunden wie in den letzten Spielen.
Rund 400 Besucher sind zwar noch immer eine Zahl, nach der sich sämtliche Ligakonkurrenten und viele Erstligisten die Finger lecken würden, aber es waren halt doch fast 200 weniger als zuletzt. Dabei war mit dem SV Neubrandenburg ja immerhin der Tabellenfünfte und damit die mit Abstand beste Mannschaft in der Liga aus den neuen Bundesländern Gast des VfL.
Aber Siege von Andrea Hasenberg und Co. Gegen solche Gegner werden in der Stormarner Kreisstadt mittlerweile a1s pure Selbstverständlichkeit angesehen, und mit Alltäglichem kann man halt niemand aus dem Sessel reißen oder hinter dem Ofen vorlocken.
Und die Fans, egal ob sie zu denen gehörten, die dennoch gekommen waren oder denen, die diesmal wegblieben, sollten recht behalten. Vor ernsthafte Probleme ist die VfL-Mannschaft nicht gestellt worden. Mit 21:11 (11:6) landete sie im 15. Spiel ihren 15. Sieg.
Ob sie damit weiterhin Spitzenreiter ist, hängt davon ab, wie der Rechtsstreit des VfL mit dem Deutschen Handballbund (DHB) über die Wertung der Spiele der Oldesloerinnen gegen Motor Hennigsdorf und bei der SG Jarplund-Weding ausgehen. Neue Entwicklungen gibt es in dem Fall noch nicht. Der DHB hat dem VfL ja per Bescheid die Punkte aus diesen Spielen aberkannt, der Verein hat dagegen über einen Rechtsanwalt vor einer Woche Widerspruch eingelegt.
Mit einer Entscheidung der DHB-Gremien, so wurde uns beschieden, ist noch in dieser, spätestens aber in der nächsten Woche zu rechnen. …
Ein gewisser Sättigungsgrat aber war nicht nur bei den Stormarner Handballfans zu spüren, auch die VfL-Mannschaft ließ davon Anzeichen erkennen. Noch nie in dieser Saison hat man in der Stormarnhalle ein so zerfahrenes Spiel gesehen und die Oldesloerinnen selbst haben dabei nur für ein paar kurze Phasen angedeutet, wessen sie fähig sind.
Ihr Erfolg gegen eine zwar verbissen und mit großem körperlichen Einsatz kämpfende Neubrandenburger Mannschaft stand deshalb nie in Frage, und deshalb kann man ihr die mangelnde Konzentration sicher auch nachsehen. Es sind schließlich Menschen aus Fleisch und Blut, die dort ihrem Sport nachgehen und nicht Leistungsmaschinen.
Aber natürlich wird sich die Mannschaft im nächsten Monat noch wieder ein gutes Stück steigern müssen, wenn es gilt, die Auswärtsspiele bei Hastedt (14. März) und Eilbek (28. März) erfolgreich zu bestehen. Ernsthafte Zweifel, daß die Mannschaft das kann und wird, sind sicher unangebracht. Wenn sie gefordert wurde, war die Schilk-Truppe in dieser Saison noch immer voll da.
In Ansätzen hat sie das auch im Neubrandenburg-Spiel gezeigt. Der Gast ging zwar in der ersten Minute mit verwandeltem Siebenmeter in Führung, aber nach kurzer Anlaufzeit schlug der VfL zurück und sorgte mit einem 5:1 nach zwölf Minuten schnell für klare Verhältnisse.
Dann ließ es die Truppe bis zum 8:6 in der 25. Minute gemächlicher angehen. Bis zur Halbzeit aber hatte sie den Vorsprung dann schon wieder auf 11:6 ausgebaut. Mittlerweile war der Gast aus Mecklenburg-Vorpommern in seine größte Durststrecke hineingeschliddert. Von der 25. bis zur 43. Minute blieb sie ohne jeden Torerfolg.
Dabei hatte die Mannschaft mit einigen Holztreffern auch eine Portion Pech, vor allem aber scheiterte sie an ihren flatternden Nerven und einer VfL-Keeperin Jeanine Hildebrand, die sich erneut in bestechender Form vorstellte. Sie hielt von ein, zwei Schnitzern abgesehen 60
Minuten lang bravourös.
Vor allem dank Melanie Bernecker, die in dieser Phase alle ihre vier Tore erzielte, war der VfL mittlerweile auf 17:6 davongezogen. Damit aber ließ er es erst einmal bewenden und legte sich „auf die faule Haut“. Das Resultat: Nun warf der Gast bis zur 50. Minute fünf Tore in Folge und gestaltete mit 11:17 aus seiner Sicht das Resultat etwas freundlicher. Aber damit hatte er sein Pulver dann auch verschossen. In den hüben wie drüben zerfahrenen letzten zehn Minuten blieb er wieder ohne jeden Torerfolg, während der auch nicht mehr groß auftrumpfende VfL immerhin noch vier weitere Treffer markierte.
Unter dem Strich war am Ende Roswitha Bein mit 5/2 Toren erfolgreichste Werferin ihrer Mannschaft vor Melanie Bernecker und Zsuzsa Nyari (3). Auf je zwei Tore brachten es Andrea Hasenberg, Marion Werner, Babette Bischof und Britta Peterat. Einen Treffer erzielte schließlich Stefanie Bernecker. Nicole Röhrs und die immer noch merkwürdig gehemmt aufspielende Ulrike Rühter gingen leer aus. Annette Schümann kam nur zu einem Kurzeinsatz.
STORMARNER TAGEBLATT vom 10.2.1992
Montag, 10. Februar 1992
Mit zwei Bussen nach Hastedt
(mth). Wichtigstes Spiel im Restprogramm der Handball-Damen des VfL Oldesloe ist ganz ohne Zweifel die Partie am 14. März beim Hastedter TSV. Dort und dann wird mutmaßlich die Meisterschaft entschieden. Um dort erfolgreich bestehen zu können, braucht die Mannschaft auch Unterstützung von ihren Fans. Deshalb ist beabsichtigt, bei entsprechender Nachfrage einen zweiten Fanbus zu chartern.
Anmeldungen dafür nehmen ab sofort Abteilungsleiter Jürgen Dorn (täglich ab 15 Uhr) unter der Oldesloer Telefonnummer 5108 und sein Schatzmeister Holger Orlowski (täglich ab 18 Uhr) unter der Rufnummer 04531/81479 entgegen.
Der Fahrpreis für die Mitfahrt im Fanbus ist mit 15 Mark fünf Mark günstiger als der für die Mitfahrt im Mannschaftsbus.
STORMARNER TAGEBLATT vom 10.2.1992
Freitag, 14. Februar 1992
Hennigsdorf wird für die Oldesloer Handball-Damen keine große Hürde sein
(mth). Die Handball-Damenmannschaft des VfL Oldesloe kann den beiden Spitzenspielen der Liga im März, wenn sie am 14. März zunächst den Hastedter TSV und zwei Wochen später die TH Eilbek aufsuchen muß – in diesen beiden Spielen wird spätestens die Entscheidung darüber fallen, welche beiden Teams der zweiten Bundesliga Gruppe Nord die Aufstiegsrunde zur künftig wieder eingleisigen ersten Bundesliga erreichen –, in aller Ruhe und Gelassenheit entgegensehen und entgegenarbeiten.
Das nächste Auswärtsspiel, das morgen um 16 Uhr in Hennigsdorf bei Berlin in der Halle an der Spandauer Allee ausgetragen wird, wird für sie genau so wenig eine unüberwindliche Hürde sein, wie eine Woche später das Heimspiel in der Stormarnhalle gegen Schlußlicht Grün-Weiß Schwerin.
Das gilt umso mehr, als Trainer Claus Schilk von keinerlei personellen Sorgen geplagt wird. Alle Spielerinnen seines Kaders sind putzmunter und können eingesetzt werden. Da dürfte ein weiterer, es wäre dann schon der 16. in Folge, Sieg keine Frage sein.
Claus Schilk übt sich deshalb auch nicht erst in falscher Bescheidenheit. „Natürlich fahren wir nach Hennigsdorf, um dort zu gewinnen“, macht er aus seiner Prognose keinen Hehl. Gegen die Hennigsdorfer hat der VfL ja erst vor wenigen Wochen (am 11. Januar) gespielt und seinerzeit mit 31:16 gewonnen. Auf nennenswerten Widerstand ist die Mannschaft um Kapitän Andrea Hasenberg dabei nicht gestoßen.
Um die beiden Punkte aus diesem Spiel allerdings muß der VfL ebenso weiter bangen wie aus die aus dem Spiel in Jarplund. Beim Deutschen Handballbund (DHB) hat man auf den Widerspruch des VfL gegen den Punktabzug bislang noch nicht reagiert. Ja, merkwürdigerweise war bis Redaktionsschluß dieser Ausgabe, noch nicht einmal der Rückschein, man hatte sein Widerspruchsschreiben per Einschreiben mit Rückschein versandt, in Bad Oldesloe eingetroffen.
Immerhin ist die Sendung schon vor elf Tagen auf die Reise gegangen(!?). Aber vielleicht wird ja auf einer Sitzung der DHB-Technik-Kommission am Wochenende in Dortmund auch über den Fall mitberaten.
Dort wird es unter anderem auch um die Hallenzulassungen für die kommende Saison gehen. Auch dort ist Oldesloe wegen der nicht genügenden Maße in der Stormarnhalle ja „im Gespräch“. Bleibt abzuwarten, ob es für den VfL für ein weiteres Jahr eine Ausnahmegenehmigung gibt, wie Stadt und Verein beantragt haben.
Für das Spiel in Hennigsdorf besteht im übrigen wieder eine Mitfahrgelegenheit für Fans im Mannschaftsbus. Die Abfahrt erfolgt um 11 Uhr an der Stormarnhalle. Schon jetzt ist im übrigen die Nachfrage für eine Mitreise zum Spitzenspiel am 14. März in Bremen-Hastedt riesengroß. Es ist daher geplant, einen zweiten Fanbus einzusetzen. Anmeldungen dafür nehmen weiterhin VfL-Abteilungsleiter Jürgen Dorn (Tel. 04531/5108 ab 15 Uhr) und sein Schatzmeister Holger Orlowski (04531/81479 ab 18 Uhr) entgegen.
STORMARNER TAGEBLATT vom 14.2.1992
Sonnabend, 15. Februar 1992
Motor Hennigsdorf – VfL Oldesloe 20:30 (10:12)
Auch in Hennigsdorf gelang ein ungefährdeter Erfolg
Glatter 30:20-Erfolg, aber bei den Oldesloern lief nicht viel zusammen
(mth). Der VfL Oldesloe hat praktisch die Aufstiegsrunde zur – in der nächsten Saison wieder eingleisigen – ersten Bundesliga erreicht. Das läßt sich sechs Spieltage vor dem Abschluß in der zweiten Bundesliga Gruppe Nord jetzt ohne „wenn“ und „aber“ feststellen. Bei dieser Einschätzung ist unerheblich, wie denn das Verfahren beim Deutschen Handballbund (DHB) über einen Abzug von vier Punkten zuungunsten der Oldesloerinnen letztlich ausgeht. In der Angelegenheit gibt es im übrigen noch immer keine neuen Entwicklungen oder gar Entscheidungen.
Die Würfel in der Spielklasse aber sind auch so gefallen. Im Spitzenspiel des Wochenendes nämlich hat der Tabellenzweite, der Hastedter TSV, den Tabellendritten (TH Eilbek) mit 21:18 bezwungen. Damit haben die Hamburgerinnen nun schon zehn Minuspunkte auf ihrem Konto.
Auf eine solche Anzahl von Minuspunkten kann der VfL Oldesloe bei sechs noch ausstehenden Spielen auch im Fall eines Punktabzuges und selbst bei Niederlagen gegen seine beiden Verfolger am 14. (in Hastedt) und 28. (in Hamburg) März, die nicht einmal als besonders realistische Möglichkeit einzuschätzen sind, allenfalls noch theoretisch kommen.
Ansonsten nämlich treffen die Stormarnerinnen nur noch auf Mannschaften aus dem unteren Tabellendrittel. Und die sind ihnen durchweg nicht gewachsen. Nicht einmal dann, wenn die Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg ein gutes Stück von ihrer Bestform entfernt ist.
Das war der Fall, als der VfL beim Drittletzten der Tabelle, BSG Motor Hennigsdorf, antrat. Die Schützlinge von Trainer Claus Schilk zeigten in der Industriestadt nordwestlich von Berlin ihre bislang sicher schwächste Saisonleistung. Dennoch stand der 16. Sieg des Klassenneulings im 16. Spiel nie ernstlich in Frage. Mit 30:20 (12:10) fiel der Erfolg am Ende auch noch deutlich aus.
Ernsthaft in Gefahr war der doppelte Punktgewinn im übrigen zu keinem Zeitpunkt. Wie so oft in dieser Saison geriet der VfL nicht ein einziges Mal in Rückstand. Nur bis zur 6. Minute hielt der Gastgeber vor kaum mehr als 50 Zuschauern das Spiel im Gleichstand (2:2). Dann zog der Tabellenführer erstmals davon.
Als es aber nach 14 Minuten dann schon 8:3 für die Oldesloerinnen stand, schalteten die gleich mehrere Gänge zurück. Die Folge: Bis zum Halbzeitpfiff des nicht immer überzeugenden Schiedsrichtergespanns Schnepel/Stabenow (Berlin) waren die Brandenburgerinnen fast wieder zum Favoriten aufgeschlossen. Nur noch mit 12:10 führte der VfL.
Grund genug für Trainer Claus Schilk, in seiner Pausenkritik ein wenig deutlicher zu werden. Besonders bemängelte er dabei, daß seine Schützlinge das Einzelspiel übertrieben. Sie hatten offensichtlich vergessen, daß Handball in erster Linie ein Mannschaftssport ist. Dabei waren in der vergangenen Woche im Training fast ausschließlich Spielzüge geübt worden.
Die Kritik in der Kabine bewirkte immerhin für ein paar Minuten einen Motivationsschub. Nach dem Wechsel waren noch nicht einmal vier Minuten gespielt, da hatte der VfL seinen Vorsprung auf 17:10 ausgebaut und damit ganz schnell wieder für klare Verhältnisse gesorgt.
Damit aber hatte sich eine erhöhte Motivation bei den Oldesloerinnen auch schon wieder erledigt. Die Mannschaft kehrte in ihren vorher gezeigten Trott zurück. Das reichte nicht, um Begeisterung bei den Zuschauern auszulösen, wohl aber, um einen ungefährdeten Erfolg über die Bühne zu bringen. Mit 30:20 fiel der am Ende dann auch noch halbwegs standesgemäß aus.
Wenn auch im Verlauf der 60 Minuten beim VfL eine ganze Menge Leerlauf zu registrieren war, so gab es doch auch ein paar erfreuliche Aspekte. So langte endlich Rückraumspielerin Ulrike Rühter nach wochenlanger Ladehemmung endlich wieder einmal tüchtig hin. Am Ende standen bei ihr sechs Treffer zu Buche.
Auf die gleiche Quote kam auch Babette Bischof. Sie erzielte dabei mit dem 10:5 in der 18. Minute das 400. Saisontor für den VfL und erwies sich in der zweiten Halbzeit auch als sichere Siebenmeterwerferin, als sie drei Strafwürfe verwandelte.
Auf sechs Treffer kam schließlich auch Roswitha Bein, die dabei vier Strafwürfe verwandelte, mit einem aber scheiterte. Einen Siebenmeter-Fehlwurf hatte auch Zsuzsa Nyari (3 Tore), die auch ansonsten noch nicht so ganz ihre Bestform wiedergefunden hat. Übertroffen wurde sie auch noch von Marion Werner, die es auf vier Treffer brachte.
Die restlichen Tore teilten sich Stefanie Bernecker (3), Andrea Hasenberg und die indisponierte Melanie Bernecker. Leer gingen von den Feldspielerinnen Nicole Röhrs (eifrig, aber im Angriff unglücklich) und Britta Peterat aus. Letztere ist schon seit einigen Spielen sichtlich von der Rolle. Sie, die im Herbst einen so guten Einstand in der Truppe hatte, findet zur Zeit einfach keine Bindung zur Mannschaft.
Im Tor hinterließ Jeanine Hildebrand erneut einen etwas stärkeren Eindruck als Annette Schümann. Ganz fehlerlos allerdings waren beide nicht. Aber das kann man von ihnen ja ebensowenig verlangen, wie von allen anderen Spielerinnen der Mannschaft.
Sie sind schließlich keine Automaten, die auf Knopfdruck reagieren. Ihnen sollte man schon nachsehen, daß sie einmal Motivationsmängel zeigen, weil sie so vielen Gegnern in der Klasse hoffnungslos überlegen sind.
STORMARNER TAGEBLATT vom 17.2.1992
Freitag, 21. Februar 1992
Am Sonnabend um 19.30 Uhr in der Stormarnhalle
Schwedt wird für die Damen des VfL keine Hürde sein
(mth). Auch den Monat Februar wird die Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe in der zweiten Bundesliga aller Voraussicht nach ohne Niederlage und Punktverlust überstehen können. Letzter Gegner in diesem Monat ist morgen (Sonnabend) um 19.30 Uhr in der Stormarnhalle der SSV Schwedt.
Es wäre schon mehr als eine Sensation, wenn die Truppe von Trainer Claus Schilk ausgerechnet gegen das Schlußlicht der Liga zum ersten Mal in dieser Saison stolpern würde. Die Mannschaft aus der Industriestadt an der Oder in der Uckermark gehört zu den Teams aus den neuen Bundesländern, die eher Opfer denn Nutznießer der Klasseneinteilung des nun vereinigten Deutschen Handballbundes sind.
Anders als andere Teams aus der ehemaligen DDR hat die Truppe aus Schwedt zwar keinen Aderlaß durch Abwanderung der besten Spielerinnen zu finanzkräftigeren Westvereinen hinnehmen müssen, aber von Chancengleichheit mit der Konkurrenz hat für sie deshalb keine Rede sein können. Dem Verein fehlte durch den Strukturwandel plötzlich jede wirtschaftliche Grundlage für einen Sportbetrieb in höheren Spielklassen. Vorher war die Mannschaft, von den petrochemischen Werken in der Stadt – in Schwedt endet die Öl-Pipeline aus der früheren Sowjetunion – unterstützt und getragen worden. So wie eigentlich alle Leistungssportvereine in der DDR. Um wirtschaftliche Dinge brauchte sich in den Sportvereinen niemand zu kümmern, vielmehr konnte man sich voll auf die sportlichen Belange konzentrieren. Das galt, mit Abstrichen, auch für die einzelnen Sportler.
Mit der Umstellung von der Plan- zur Privatwirtschaft hat sich das grundlegend geändert. Unterstützung von außen fließt dem SSV nun praktisch überhaupt nicht mehr zu und jede einzelne Spielerin steht voll im wirtschaftlichen Existenzkampf. Da ist dann an eine bundesligagenehme Vorbereitung (Training usw.) nicht im entferntesten zu denken.
Hinzu kommen außergewöhnliche Strapazen und Entbehrungen, die die Spielerinnen bei jedem Auswärtsspiel auf sich nehmen müssen. Die Oldesloerinnen und einige ihrer Anhänger können das ermessen, seit sie im letzten November die Reise zum Hinspiel hinter sich haben. Gut sechs Stunden war seinerzeit der Mannschaftsbus pro Tour unterwegs. Dabei ging es im wesentlichen nicht über ausgebaute Straßen oder Autobahnen, sondern über reine Holper- und Schüttelstrecken.
Und was für den VfL, weil praktisch einmalig, noch fast wie ein interessantes Abenteuer war, ist für die Schwedterinnen immer wiederkehrende Strapaze bei jedem Auswärtsspiel. Leicht auszumalen, daß der Gast morgen in der Stormarnhalle schon reichlich ausgelaugt ist, wenn das Spiel erst angepfiffen wird.
Da die Mannschaft zudem noch sportlich reichlich hausbacken wirkt – beim 27:17-Sieg im Hinspiel hatte der VfL weit mehr mit äußeren Widrigkeiten (die Halle in Schwedt ist alles andere als bundesligawürdig/tauglich) und der Reisemüdigkeit als mit dem Gegner zu schaffen gehabt –, ist fest damit zu rechnen, daß der VfL locker seinen 17. Erfolg in der laufenden Serie einfährt.
Vielleicht gelingt ihm dabei ja sogar ein Sieg in Rekordhöhe. Immerhin haben sich Trainer und Mannschaft vorgenommen, die treuen Fans für die etwas weniger guten Leistungen in den beiden letzten Spielen gegen SV Neubrandenburg und bei Motor Hennigsdorf zu entschädigen.
Schließlich will man sich und den Anhang für das Spitzenspiel beim Hastedter TSV einstimmen. Das ist dann nämlich die nächste Aufgabe für das VfL-Team. Allerdings erst in drei Wochen. An den kommenden beiden Wochenenden darf die Mannschaft eine verdiente Verschnaufpause einlegen.
Vielleicht ist bis zum Spitzenspiel ja auch beim DHB dann eine Entscheidung über den Punktabzug gegen den VfL beziehungsweise dessen Widerspruch darüber gefallen. Bis Redaktionsschluß dieser Ausgabe nämlich war davon, trotz der Eilbedürftigkeit, die Verband und Verein der Sache beimessen, nämlich noch nichts in Erfahrung zu bringen.
STORMARNER TAGEBLATT vom 21.2.1992
Sonnabend, 22. Februar 1992
VfL Oldesloe – SSV Schwedt 37:10 (19:4)
Torfabrik auf vollen Touren
Rekordsieg. Gegen das Schlußlicht drehten die VfL-Damen voll auf
(mth). Gewonnen hat die Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe in den letzten Wochen ja auch alle ihre Spiele. Da sie aber im sicheren Gefühl, ohnehin jeweils beide Punkte locker einfahren zu können, dabei manchesmal die Zügel hatte schleifen lassen, war die Begeisterung im Umfeld zuletzt ein wenig abgeklungen.
Man hatte sich in Bad Oldesloe schon an Siege der Schilk-Truppe gewöhnt und nahm sie als schlichte Selbstverständlichkeit. Natürlich haben auch Spielerinnen und Trainer gespürt, daß eine gewisse Abkühlung zwischen der Mannschaft und ihrem Publikum erfolgt war. Um das wieder gerade zu rücken, hatte man sich beim VfL deshalb für die Partie gegen Schlußlicht SSV Schwedt einiges vorgenommen.
In den letzten Wochen hatte das Üben von Spielzügen im Mittelpunkt des Trainings gestanden und davon, so der Vorsatz, sollte dem treuen Stammpublikum etwas „vorgezaubert“ werden. Die Rechnung ist voll aufgegangen. So prächtig wie gegen Schwedt war die Stimmung in der Stormarnhalle schon lange nicht mehr gewesen.
Und das nicht ohne Grund. Der VfL ging nach längerer Zeit wieder einmal über die volle Spielzeit konzentriert zur Sache, brannte dabei ein wahres Feuerwerk handballerischer Delikatessen ab und landete schließlich auch den avisierten Rekordsieg. 37:10 (19:4) lautete schließlich das Endergebnis.
Mit einer solchen Differenz ist in dieser Saison noch kein anderes Spiel in der zweiten Bundesliga Gruppe Nord ausgegangen und so hoch hat auch der VfL noch nie in seiner Geschichte je gewonnen. Dabei entsprach das Ergebnis absolut den Spielstärken beider Mannschaften. Der VfL spielte wie aus einem Guss, zeigte herrliche Spielzüge und geizte nicht mit harten und raffinierten Torwürfen.
Der SSV Schwedt stand dem geradezu hilflos gegenüber. Spielerisch hatte sie dem nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen. Aber auch das Team von der Oder verdient Hochachtung. Die Mannschaft trug ihr bitteres Los als sportlicher „Prügelknabe“ in bewundernswerter Haltung.
60 Minuten lang kämpften die Gäste unverdrossen mit offenem Visier. Sie dachten nicht daran, zu resignieren, sondern waren von der ersten bis zur letzten Minute bemüht, das Resultat so erträglich wie nur irgendmöglich für sich zu gestalten.
Das ist auch von den eingefleischten Oldesloer Fans ganz offensichtlich so gesehen worden. Natürlich überschlugen sich bei ihnen mit dem stetig wachsenden Vorsprung die Jubel- und Freudengesänge. Aber es wurde auf den Rängen, die mit rund 350 Zuschauern nur wenig dünner als zuletzt besetzt waren, auch nicht mit Beifall gespart, wenn die Gäste ihre Treffer anbrachten.
Übermäßig häufig war dazu ja nicht Gelegenheit. Besonders nicht in der ersten Halbzeit. Ihr erstes Tor gelang zwar schon in der 2. Minute zum 2:1, dann aber dauerte es bis zur 12. Minute, ehe ein weiterer (zum 7:2) folgte. Als Silvia Piotrowski (am Ende mit drei Toren erfolgreichste Werferin ihrer Mannschaft) das dritte Tor für ihr Team erzielte (26.) war der VfL schon bei seinem 17. Treffer angelangt.
In dem Turn ging es weiter, wobei es den Gästen nicht ein einziges Mal gelang, zwei Treffer in Folge zu erzielen. Das und mehr behielt sich bis zum Schluß der VfL vor, wobei dem egal war, welche der zehn Feldspielerinnen gerade auf
der Platte standen.
Logische Folge: An dem reichlichen Torsegen der Oldesloerinnen waren sie alle beteiligt. Mit je zwei Toren waren dabei Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg und Babette Bischof am bescheidensten. Je einen Treffer mehr verbuchten mit Marion Werner, Melanie Bernecker, Ulrike Rühter, Stefanie Bernecker und Nicole Röhrs gleich fünf Spielerinnen.
Nicole Röhrs spielte dabei die zweite Halbzeit voll durch und zeigte sich bei ihrem bislang längsten Einsatz in dieser Saison in starker Verfassung. Weit verbessert gegenüber den letzten nicht so überzeugenden Spielen wirkte Britta Peterat und das nicht nur wegen ihrer vier Treffer.
Von Roswitha Bein (6/2) ist man konstante Spitzenleistungen ja nun schon seit Monaten gewohnt und nach längerer Durststrecke zauberte auch Zsuzsa Nyari wieder einmal mit vollem Einsatz. Prompt war sie mit acht Toren auch wieder erfolgreichste Werferin ihres Teams.
Im Tor stand 60 Minuten lang Annette Schümann. Sie hatte
zwar einen verunglückten Beginn – beim ersten Schwedter Treffer sah sie gar nicht gut aus – war dann aber ein sicherer Rückhalt ihrer Mannschaft. Stammtorhüterin Jeanine Hildebrand hatte sich beim Training in der Woche leicht am Fuß verletzt und wurde deshalb vorsorglich geschont.
Die sympathische Mannschaft aus Schwedt konnte einem fast ein wenig leid tun. In der fairen Partie. die das Schiedsrichtergespann Graf/Mahlich (Stendal) ohne jegliche Probleme über die Bühne brachte, blieb ihnen nicht der Hauch einer Chance, wie sehr sie sich auch mühten.
Und um sich diese „Klatsche“ abzuholen, hatte die junge Truppe reichlich Strapazen auf sich genommen. Gut fünfeinhalb Stunden hatte für sie die Anreise gedauert. Zeit, sich Bad Oldesloe anzugucken, blieb dann nicht, denn unmittelbar nach dem Spiel gings wieder in Richtung Heimat. Das hieß, wenn es denn gut gegangen ist, noch einmal fünfeinhalb Stunden eintönige Busfahrt. Wahrlich kein Zuckerschlecken für Hobbysportler!
STORMARNER TAGEBLATT vom 24.2.1992
Montag, 24. Februar 1992
Abwarten
(mth). Weiter warten muß der VfL Oldesloe auf eine Entscheidung des Deutschen-Handballbundes (DHB) über seinen Widerspruch gegen die Aberkennung seiner Punkte aus den gewonnenen Spielen gegen Motor Hennigsdorf und bei Jarplund-Weding. Immerhin scheint man beim DHB inzwischen den Widerspruch zur Kenntnis genommen zu haben.
Allerdings kaum sorgfältig gelesen. Das wurde dem VfL auf Umwegen bekannt. Der Verband hat nämlich dem VfL Bad Schwartau mitgeteilt, über den Widerspruch würde am 29. Februar beraten und entschieden. Die Schwartauer waren dann so freundlich, das Schreiben an die Oldesloer weiterzuleiten
STORMARNER TAGEBLATT vom 24.2.1992
Montag, 24. Februar 1992
Endspurt
(mth). Wer die Handball-Damen des VfL Oldesloe zum Spitzenspiel der zweiten Bundesliga am 14. März beim Hastedter TSV begleiten will, muß sich nun schnell entscheiden. Die Oldesloer wollen zu diesem Spiel bekanntlich einen zweiten Fanbus neben dem Mannschaftsbus einsetzen. Die Fahrkosten betragen 15 Mark für jeden Schlachtenbummler. Anmeldungen nimmt Abteilungsleiter Jürgen Dorn nur noch bis zum 1. März unter der Oldesloer Telefonnummer 5108 (ab 15 Uhr) entgegen.
Für die Fans, die mit dem Bus mitfahren, gibt es auch ausreichend Karten für das Spiel. Wer privat zu dem Spitzenspiel fahren will, sollte sich umgehend um Karten kümmern. Beim Hastedter TSV nämlich rechnet man mit einer ausverkauften Halle.
STORMARNER TAGEBLATT vom 24.2.1992
Dienstag, 25. Februar 1992
Eintracht Lüneburg – VfL Oldesloe NN
Donnerstag, 5. März 1992
Sportlerehrung 1992 im Rathaus
Der Ruhm der Sportler kommt ganz Oldesloe zugute
(us). Alle Jahre wieder… kommt nicht nur der Weihnachtsmann, sondern auch die Ehrung der Stadt Bad Oldesloe für ihre erfolgreichen Sportler, die im abgelaufenen Jahr einen Meistertitel auf nationaler oder Landesebene errangen. 1991 standen 46 Athletinnen und Athleten ganz oben auf dem Treppchen.
Den Löwenanteil daran hatten die Frauen mit 29 Titeln, für das „starke Geschlecht“ blieben nur 17 Meisterschaften übrig. Da paßte es ganz gut, daß eine Frau die Ehrung vornahm: Bürgerworthalterin Ilse Siebel vertrat bei der Feierstunde im Rathaus Bürgermeister Ulrich Gudat und überreichte den Meistern eine Urkunde und einen Buchpreis. …
Eine (noch sehr junge Teilnehmerin) hatte besonders viel Spaß an der Veranstaltung: Claus Schilks Tochter Nina tobte fröhlich und ausgelassen zwischen den Tischen umher und sorgte dafür, daß die anfänglich etwas steife Feierstunden-Atmosphäre aufgelockert wurde. …
Handball: Damen-Mannschaft des VfL Oldesloe mit Trainer Claus Schilk, Melanie und Stefanie Bernecker, Martina Gliewe, Andrea Hasenberg, Jeanine Hildebrand, Heinke Juds, Dörte Knickrehm, Zsuzsa Nyari, Nicole Röhrs, Ingrid Schilk, Annette Schümann.
STORMARNER TAGEBLATT vom 7.3.1992
Freitag, 6. März 1992
Handballschlager in Hastedt
Nachfrage in Oldesloe riesengroß
(mth). Riesengroß ist in Bad Oldesloe und Umgebung die Nachfrage nach Eintrittskarten und Mitfahrgelegenheiten für das Spitzenspiel der zweiten Bundesliga der Handball-Damen zwischen dem Hastedter TSV und dem VfL Oldesloe am 14. März in dem Bremer Stadtteil. Für die Stormarner Fans gibt es diesbezüglich gute (wenn sie sich beim VfL rechtzeitig angemeldet haben) und weniger gute (wenn sie eine Anmeldung bislang versäumt haben) Nachrichten.
Die gute: Das aus Hastedt zugesagte Kartenkontingent (100 Karten) ist inzwischen in Bad Oldesloe eingetroffen. Um die angelegten Listen abgleichen zu können und vorhandene Überhänge bei der Nachfrage nach Karten und Mitfahrgelegenheiten wenigstens noch zum Teil befriedigen zu können, bitten die Verantwortlichen des VfL darum, noch ausstehende Fahr- und Eintrittsgelder (die Fahrkosten betragen im Bus pro Person 15 Mark, Eintrittskarten für garantierte Sitzplätze kosten zehn Mark pro Person) umgehend zu entrichten.
Eingesetzt werden vom VfL im übrigen drei Busse. Zwei von ihnen sind für die Fans vorgesehen, ein dritter – kleinerer – bleibt der Mannschaft und ihren Betreuern vorbehalten. Bereits bezahlte Aufpreise für die Mitfahrt im Mannschaftsbus werden mit dem Preis der Eintrittskarte verrechnet. Garantiert ist, daß es für alle Mitfahrer in den Fanbussen auch eine Eintrittskarte gibt.
Neben Überweisungen auf das Konto 14845 bei der Kreissparkasse Stormarn (BLZ 230 51610) besteht die Möglichkeit, das Geld bar bei Abteilungsleiter Jürgen Dorn oder Kassenwart Holger Orlowski am Sonnabend (7. März) zwischen 14 und 17.30 Uhr in der Stormarnhalle zu entrichten. Eventuell besteht dann auch noch die Chance für Kurzentschlossene, einige, wenige Restplätze/-karten zu ergattern.
Die weniger gute Nachricht: Fans, die vorhaben, ohne Karte auf gut Glück nach Hastedt zum Spiel zu fahren, können sich dieses Vorhaben abschminken. Das Spiel, das mutmaßlich die Meisterschaft in der Klasse entscheidet, so die Auskunft aus Bremen, ist praktisch ausverkauft. Eine Tageskasse wird es am Spieltag deshalb überhaupt nicht mehr geben.
STORMARNER TAGEBLATT vom 6.3.1992
Freitag, 13. März 1992
Urteil des DHB-Sportgerichts: Oldesloe behält die Punkte
VfL-Damen fahren mit weißer Weste zum Spitzenspiel
(mth). Die Mühlen des Sportgerichtes des Deutschen Handballbundes (DHB) mahlen zwar langsam, für die Handball-Damen des VfL Oldesloe aber nicht zu langsam. Seit Mitte Januar war beim DHB-Sportgericht der Widerspruch des VfL gegen die Aberkennung der vier Punkte aus den Spielen gegen Motor Hennigsdorf und bei der SG Jarplund-Weding anhängig.
Die Oldesloerinnen hatten ja beide Spiele gewonnen, aber die Staffelleitung hatte. ihnen per Bescheid ·die Punkte aberkannt, weil nach ihrer Ansicht Birte Stooß in den Spielen nicht hätte mitwirken dürfen. Jetzt ist dem Widerspruch des VfL dagegen stattgegeben worden. Die Spiele werden so gewertet, wie sie auf dem Spielfeld ausgegangen sind.
Die Begründung: Birte Stooß, die von ihrem ehemaligen Verein TuS Alstertal für die Bundesliga nicht freigegeben wurde (es wurde keine Einigung über eine Ablösesumme erzielt), war unstreitig für die zweite VfL-Damenmannschaft (Kreisklasse A) spielberechtigt. Als solche·darf sie, so eine Ausnahmebestimmung in der Bundesliga-Spielordnung, ohne Bedenken in zwei Spielen in der Bundesliga mitwirken, auch wenn der Verein keinen gültigen Spielerpaß für die obersten Spielklassen hat.
In der Hauptsache – der VfL, der sich in dem Verfahren vom Schwartauer Rechtsanwalt Knut Zeidler, der mit dem DHB für den VfL Bad Schwartau schon manchen Streit geführt hat, vertreten läßt, wollte eine Freigabe für Birte Stooß auch ohne Zahlung einer Ablöse erwirken – hat sich das DHB-Gericht um eine Entscheidung gedrückt. Dafür sei der Kontrollausschuß zuständig.
Dem liegt seit Mitte Januar ein Antrag des VfL vor, er hat es aber mit Verweis auf das Verfahren vor dem DHB-Gericht bislang weder beraten noch entschieden. Deshalb werden die Oldesloer, so Trainer und Manager Claus Schilk, auch gegen das aktuelle Urteil des DHB Widerspruch einlegen, weil sie auch in der Hauptsache noch Recht bekommen wollen.
Die vier Punkte aber kann ihnen nun niemand mehr nehmen. Zum Spitzenspiel morgen um 16.30 Uhr beim TSV Hastedt/Bremen fahren die VfL-Damen mit blütenweißer Weste.
STORMARNER TAGEBLATT vom 13.3.1992
Freitag, 13. März 1992
Die Stormarnerinnen sind im Spitzenspiel ohne Druck und Belastung
Mit einem Sieg in Hastedt kann VfL die Meisterschaft fast perfekt machen
(mth). Zwei Wochenenden hat die zweite Bundesliga der Handball-Damen pausiert. Die fast 20 Tage ohne Pflichtspiel haben natürlich alle Mannschaften zu einer schöpferischen Pause genutzt. Kaum ein anderes Team aber wird so erholt und frohgemut aus der Pause herauskommen wie der VfL Oldesloe.
Durch die Entscheidung des DHB-Sportgerichtes, den Stormarnerinnen die vier Punkte aus den Spielen gegen Motor Hennigsdorf (vom 11. Januar) und bei der SGJarplund-Weding (vom 18. Januar), die man ihnen per Bescheid aberkannt hatte, nun wieder gutzuschreiben, steht der VfL wieder ganz souverän und ungefährdet an der Tabellenspitze.
Mit 34:0 Punkten hat er drei Punkte Vorsprung vor dem Hastedter TSV und deren gar zehn vor TH Eilbek. Da steht die Qualifikation für die Aufstiegsrunde zur ersten Bundesliga, die erreichen ja die beiden ersten Mannschaften am Saisonende, praktisch jetzt schon fest und den Meistertitel könnte die Truppe um Mannschaftsführer Andrea Hasenberg schon morgen im Spitzenspiel beim Hastedter TSV in Bremen so gut wie perfekt machen.
Auf dieses Spitzenspiel fiebern Mannschaft, Trainer, Betreuer und Fans ja schon seit Wochen, wenn nicht gar seit Monaten, hin. Mit dem positiven Urteil des DHB-Sportgerichtes hat sich die Ausgangsbasis für den VfL natürlich schlagartig verbessert. Er kann in das Spiel, das um 16,30 Uhr in der Sporthalle Jacobsberg beginnt, ohne jeden Druck und ohne jede Belastung gehen. Selbst bei einer Niederlage bliebe er vor seinem schärfsten Rivalen.
Aber an eine Niederlage denkt im VfL-Lager zur Zeit niemand. Mit dem Urteil ist die Stimmung in der Mannschaft, die ja ohnehin stets recht gut war, noch gestiegen. Natürlich hatte der drohende Punktabzug auch im Team Spuren hinterlassen. Nicht zuletzt Trainer Claus Schilk war dabei, vornehmlich von außen, erheblicher Kritik ausgesetzt.
Umso mehr kann und darf er jetzt Genugtuung empfinden. Er war in der Angelegenheit immer sicher, Recht zu haben und Recht zu bekommen. Damit hat er ziemlich allein auf weiter Flur gestanden. Nicht im Verein, kaum in der Mannschaft und nicht in der öffentlichen und veröffentlichten Meinung, wir nehmen uns da ausdrücklich nicht aus, hat jemand noch einen Pfifferling auf die Punkte aus den fraglichen Spielen gegeben.
Aber Claus Schilk hat Recht behalten und Recht bekommen. Er ist nun alles andere als der „Dussel der zweiten Liga“, als den ihn in jüngster Vergangenheit so mancher hat hinstellen wollen. Entsprechend gut gelaunt und zuversichtlich geht es auch in das Spiel mit dem Hastedter TSV.
Da kratzen ihn auch kleine personelle Probleme nicht sehr. Verzichten wird er in Bremen auf Nicole Röhrs müssen. Die hat sich drei Tage nach dem letzten Punktspiel gegen Schwedt in einem Freundschaftsspiel bei Eintracht Lüneburg schwere Rückenprellungen zugezogen und ist noch nicht wieder einsatzbereit.
Fehlen wird auch Babette Bischof, die hätte ihren Skiurlaub im Zweifel früher abgebrochen, bekam nach der neuen Entwicklung nun aber von ihrem Coach generös Verlängerung bewilligt. Leicht angeschlagen ist zur Zeit auch noch Torhüterin Jeanine Hildebrand. Sie aber wird mit nach Bremen fahren und wohl auch spielen können. Zur Sicherheit aber wird auch die dritte Keeperin des VfL, Martina Pusch, im Aufgebot stehen.
Der Gegner aus Hastedt wird da mit einem größeren Handicap zurechtkommen müssen. Bei ihm fällt mit Heike Winsemann eine der Hauptleistungsträgerinnen für lange Zeit verletzt aus. Aber vielleicht beflügelt das den TSV Hastedt ja ähnlich wie im Herbst beim Hinspiel auf Oldesloer Seite der Ausfall von Zsuzsa Nyari. Die mußte damals ja ausgerechnet zum Spitzenspiel eine Rot-Sperre absitzen.
Dafür legten sich ihre Mannschaftskolleginnen dann besonders ins Zeug und schafften nach ausgeglichener erster Halbzeit einen überzeugenden 23:14-Erfolg. Dabei zeigte die VfL-Truppe ihr wohl bisher bestes Spie in dieser Saison. Entsprechend toll war damals auch die Stimmung in der restlos ausverkauften Stormarnhalle.
Daran erinnern sich die Stormarner Handballfans auch jetzt noch lebhaft. Entsprechend groß ist der Andrang gewesen, die VfL-Damen nach Hastedt zu begleiten und ihr da den Rücken zu stärken. Bis auf einen ganz kleinen Rest – Kurzentschlossene können sich noch sofort bei Abteilungsleiter Jürgen Dorn (Tel. 04531/5108) anmelden oder ihr Glück bei der Abfahrt der Busse (neben dem Mannschaftsbus werden noch zwei Fanbusse eingesetzt) versuchen – sind die 120 Eintrittskarten, die den VfL übersandt wurden, in Stormarn weggegangen wie „warme Semmel“.
In der Minderheit werden die VfL-Fans damit in Hastedt nicht sein, den die Halle faßt kaum mehr als 200 Besucher. Allerdings will man dort jetzt zusätzlich noch ein paar Stehplätze einrichten. Wer aus Oldesloe doch noch privat zum Spiel ohne Eintrittskarte anreisen will, hat, wenn er denn wenigstens eine Stunde vor Spielbeginn dort eintrifft, doch noch eine Chance hat, eingelassen zu werden.
STORMARNER TAGEBLATT vom 13.3.1992
Sonnabend, 14. März 1992
Hastedter TSV – VfL Oldesloe 19:21
Dramatische Schlußsekunden im Schlagerspiel der zweiten Bundesliga der Handball-Damen
21:19. VfL machte in Bremen/Hastedt sein Meisterstück
(mth). 50 Sekunden vor Schluß schien das Spitzenspiel in der zweiten Bundesliga Gruppe Nord im Damenhandball zwischen dem TSV Hastedt/Bremen und dem VfL Oldesloe endgültig gelaufen.
Junioren-Nationalspielerin Roswitha Bein hatte den ungeschlagenen Tabellenführer aus Stormarn gerade mit 20:18 in Führung gebracht. Das mußte zum Sieg eigentlich reichen, zumal die Bremerinnen bis zum Schluß in Unterzahl waren, da Carola Böe in der 59. Minute eine Zwei-Minuten-Zeitstrafe zudiktiert bekommen hatte.
Aber es wurde doch noch dramatisch. Natürlich versuchte der TSV Hastedt, seinen nächsten Angriff schnell abzuschließen. Das gelang auch und Kristine Schröder schaffte dabei mit einem Gewaltwurf den Anschlußtreffer zum 19:20. Ballbesitz und Überzahl aber hätten bei nur noch knapp 25 Sekunden Spielzeit dem VfL immer noch locker zum Sieg reichen müssen.
Doch gut 15 Sekunden später unterlief Marion Werner ein verhängnisvoller Schrittfehler. Das Schiedsrichtergespann Gremmen aus Hildesheim entschied folgerichtig auf Freiwurf für den TSV Hastedt. Der schaltete schnell und spielte einen Steilpaß auf Ulrike Hagestedt. Die tauchte so allein vor VfL-Torhüterin Jeanine Hildebrand auf, aber ausgerechnet der mit sechs Feldtoren erfolgreichsten Werferin der Begegnung versagten die Nerven. Sie verstolperte den Ball im Übereifer.
Damit war der Traum der Hastedterinnen, dem VfL den ersten Punkt in der laufenden Saison abzunehmen, endgültig geplatzt. Ihrer Enttäuschung darüber ließen die Bremerinnen schlagartig freien Lauf. Selbst Torhüterin Birgit Addix, die sich zuvor in prächtiger Form gezeigt hatte, ließ nun ihren Kasten unbeachtet. Das hatte als erste die schlitzohrige Zsuzsa Nyari registriert, die prompt in der allerletzten Sekunde mit einem Wurf über fast die gesamte Länge des Feldes noch mit dem Treffer zum 21:19 ins leere Tor den Schlußpunkt setzte.
Mit dem Sieg beim härtesten Rivalen hat sich der VfL Oldesloe endgültig den Meistertitel in der zweiten Bundesliga errungen. Theoretisch benötigt er aus den vier noch ausstehenden Spielen zwar noch drei Punkte, um auch den allerletzten Zweifel auszumerzen. Aber das ist angesichts der makellosen Bilanz von 36:0 Punkten aus den bisherigen 18 Spielen wirklich nur graue Theorie.
Den Einzug in die Aufstiegsrunde zur ersten Bundesliga aber hat auch der Hastedter TSV sicher in der Tasche. Er wahrte nämlich trotz der Niederlage seinen Sieben-Punkte-Vorsprung vor dem Tabellendritten TH Eilbek, denn der kassierte bei Blau-Weiß Frankfurt/Oder mit 18:20 ebenfalls eine Niederlage.
Mit dem VfL Oldesloe und dem Hastedter TSV haben sich zweifellos die beiden besten Mannschaften der Liga durchgesetzt. Das wurde auch in der Bremer Sporthalle am Jacobsberg – eine kleine Bezirkssporthalle, die alles andere als bundesligawürdig ist – deutlich.
Spielerisch hat die Partie vor rund 400 Zuschauern, von denen gut die Hälfte aus Bad Oldesloe kam, zwar nicht alle Erwartungen – die werden bei Spitzenspielen ja ohnehin oft etwas zu hoch geschraubt – erfüllen können, aber das Niveau war doch deutlich höher als bei allen anderen Spielen dieser Liga. Dazu war die Begegnung von der ersten bis zur letzten Minute außerordentlich spannend, ja – siehe oben – in der Schlußphase sogar hochdramatisch.
Dabei erwischte der Gastgeber den etwas besseren Start. Er ging mit 1:0, 2:1 und 3:2 auch dreimal in Führung. Das 3:2 in der 5. Minute hatte dabei durchaus Seltenheitswert. VfL-Torhüterin Annette Schümann hatte ihren Kasten verlassen, um einen vermeintlichen Steilpaß auf Ulrike Hagestedt abblocken zu können. Aber der Steilpaß wurde gar nicht gespielt. Birgit Addix im Hastedter Tor hatte gesehen, was ihre Kollegin vorhatte, schaltete blitzschnell und warf, statt auf einen Tempogegenstoß ihrer Kollegin zu bauen, den Ball selbst in das verlassene Tor. Mit erstaunlicher Genauigkeit über doch mehr als 40 Meter Entfernung!
Der VfL aber ließ sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen. Marion Werner, in der Anfangsphase beste Oldesloerin, sorgte postwendend, wie zuvor schon Melanie Bernecker und sie selbst einmal für den Ausgleich. Der nächste Hastedter Treffer ließ immerhin bis zur 17. Minute auf sich warten.
Inzwischen war der Spitzenreiter selbst mit 5:3 in Führung gegangen. Obwohl sich die Truppe von Trainer Claus Schilk gegen einen hochmotivierten Gegner – alle Spielerinnen des HTSV gingen, was Einsatz und Kampfgeist betraf 120 Prozent – schwer tat. Schwerer auf jeden Fall als im Hinspiel in Bad Oldesloe.
Dort war das Spiel der Bremerinnen sehr auf Heike Winsemann zugeschnitten gewesen. Das hatte der VfL seinerzeit auch ohne Zsuzsa Nyari glänzend in Griff bekommen. Ohne die überragende Einzelkönnerin (sie fiel und fällt auch in absehbarer Zukunft mit einer schweren Verletzung aus) war der TSV Hastedt wesentlich schwerer auszurechnen.
Mit ihrem unbändigen Einsatz kämpfte der sich im weiteren Verlauf der Partie auch immer wieder an den VfL heran. Allerdings gelang es dem Gastgeber nie wieder, selbst in Führung zu gehen. Wann immer er den Gleichstand markiert hatte – das geschah bis zum 18:18 in der 53. Minute noch recht häufig –, schlug der VfL nur Augenblicke später zurück.
Aber absetzen konnte sich die Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg trotz einiger Chancen dazu nie. Auch nicht, als sie in der 39. Minute auf 15:12 davongezogen war und damit die einzige Drei-Tore-Führung des Spiels hatte.
Der Sieg des VfL war am Ende ganz gewiß etwas glücklich, sicherlich aber nicht unverdient. Unter dem Strich produzierte er gerade in hektischen Phasen weniger Fehler als der Gegner und wirkte abgeklärter und routinierter. Damit konnte er verschmerzen und verkraften, das Zsuzsa Nyari, Roswitha Bein und Andrea Hasenberg (1 Tor) vom HTSV überwiegend gut abgeschirmt und abgeblockt wurden und Ulrike Rühter (nur ein Tor) und Melanie Bernecker (deren zwei in der Anfangsphase) aus dem Rückraum kaum trafen.
Zsuzsa (5/1) und „Rossi“ (5/3) waren am Ende dennoch die erfolgreichsten Werferinnen ihrer Mannschaft, wurden an Wirkung diesmal aber von Britta Peterat, die vier blitzsaubere Treffer erzielte und dem Spiel ihrer Mannschaft viel Schwung und Bewegung gab. Stark auch, solange bei ihr die Luft reichte, Marion Werner, auf deren Konto drei Tore und drei herausgeholte Siebenmeter gingen.
Von letzteren hätte das Schiedsrichtergespann durchaus noch ein paar mehr geben können. Aber die Gebrüder Gremmel waren dem VfL vor allem in der letzten Viertelstunde nicht wohlgesonnen, ohne daß sie deswegen das Spiel verpfiffen hätten.
Beim VfL, der auf Babette Bischof (Urlaub) und Nicole Röhrs (verletzt) verzichten mußte, kamen ansonsten noch Stefanie Bernecker und die Torhüterinnen Annette Schümann und Jeanine Hildebrand zum Einsatz. Beide versagten beileibe nicht, standen aber doch deutlich im Schatten ihrer Hastedter Kollegin Birgit Addix.
Aber die ist nach einhelligem Expertenurteil wohl auch klar die beste Torhüterin der Liga. Entscheiden konnte sie das Spitzenspiel letztlich dann doch nicht. Aber ihr Verdienst war es zu einem nicht unerheblichen Anteil, daß es an Spannung und Dramatik eines solchen würdig war.
STORMARNER TAGEBLATT vom 16.3.1992
Montag, 16. März 1992
Von VfL-Fans, die „voll“ daneben lagen
(mth). Anfangs herrschte in Hastedt Bewunderung vor. Vielleicht auch ein wenig Futterneid, finden Zweit-Bundesliga-Spiele dort vor eher spärlicher (im Schnitt kaum 150 Besucher) Kulisse statt.
Bewunderung darüber, wie viele Fans die VfL-Damen zum Spitzenspiel begleitet hatten. Zwei Fanbusse waren bis zum Rand gefüllt, und dazu hatten noch reichlich VfL-Anhänger auf anderen Wegen nach Bremen gefunden. Unter den rund 400 Zuschauern – die Halle, die für knapp 200 eingerichtet ist, war damit restlos überfüllt – waren die Oldesloer wahrlich nicht in der Minderheit.
Aber eine Minderheit von ihnen sorgte dafür, daß die Bewunderung bald dem Entsetzen wich. Eine kleine Clique von „Möchtegern-Hooligans“ und eine nicht ganz so kleine Gruppe vermeintlicher Fans, die solche Fahrten ausschließlich zu Zechgelagen nutzen, mühten sich nach Kräften, den gesamten VfL-Anhang in Bremen in Mißkredit zu bringen
Mit einigem Erfolg, wie man leider konstatieren muß, wenn auch gottlob ernsthafte Ausschreitungen ausblieben. Nicht zuletzt dank des Einsatzes besonnener VfL-Fans, die aber oft alle Hände voll zu tun hatten, Schlimmeres zu vermeiden und folglich kaum etwas vom spannenden Spiel mitbekamen.
Auch in ihrem Interesse ist es gewiß, in Zukunft die Fans bei der Vergabe von Mitfahrgelegenheiten von Hand zu verlesen. Im Interesse der Mannschaft ist das sowieso. Von unsportlichen Geschmacklosigkeiten fühlt die sich nämlich immer angewidert, egal, ob die von gegnerischen oder eigenen Fans kommen.
Und Unterstützung im Sinne von Anfeuerung hat die VfL-Truppe in Hastedt auch nicht erfahren. Die nämlich ging in einem stereotypen Lärmteppich von der ersten bis zur letzten Minute unter. Auch so gesehen lagen die Gemeinten in jedem Sinne des Wortes „voll“ daneben.
STORMARNER TAGEBLATT vom 16.3.1992
Freitag, 20. März 1992
Grün-Weiß Schwerin am Sonntag um 16 Uhr in der Stormarnhalle
Können VfL-Damen ihr Meisterstück machen?
(mth). Eigentlich brauchen die Handball-Damen des VfL Oldesloe aus den letzten vier Spielen noch drei Punkte, um endgültig Meister in der zweiten Bundesliga Gruppe Nord zu werden. Mit ein wenig Glück können die Schützlinge von Trainer Claus Schilk aber auch schon am Sonntag um 16 Uhr in der Stormarnhalle ihr Meisterstück machen.
Das wäre dann der Fall, wenn der TSV Hastedt am Tag zuvor bei der SG Jarplund-Weding wenigstens einen Punkt einbüßen würde. Ganz an den Haaren herbeigezogen ist diese Möglichkeit mit Sicherheit nicht. In der zweiten Liga hat sich nämlich harter Vierkampf um den sechsten und siebten Tabellenplatz entwickelt, die beide den Verbleib in der Klasse verheißen.
Die Jarplunderinnen stecken mit TuS Alstertal, Fiko Rostock und Blau-Weiß Frankfurt mittendrin in diesem Kampf und dürfen sich keine Ausrutscher erlauben, wollen sie am Ende nicht zu den beiden Teams gehören, die mit leeren Händen dastehen.
Der VfL hingegen und auch sein Gegner aus der mecklenburgischen Landeshauptstadt brauchen sich mit Rechenkunststücken nicht mehr zu plagen. Kein Zweifel, daß die Oldesloerinnen ihre noch benötigten Punkte zur Meisterschaft holen werden.
Bei den dreien, die es dafür theoretisch noch bedarf, will es die Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg nicht bewenden lassen. Vielmehr hat sie den Ehrgeiz, nun auch ihre makellose Bilanz aus den ersten 18 Spielen über die letzten vier Spiele zu behaupten.
Grün-Weiß Schwerin stellt dabei sicher die geringste Hürde da. Einen einzigen Sieg (gegen Schlußlicht Schwedt in der Hinrunde) hat die junge Mannschaft in dieser Saison bislang verbuchen können, und es ist absehbar, daß es dabei bis Saisonschluß bleibt. In Oldesloe wird die Mannschaft gewiß versuchen, die Niederlage, mit der sie fest rechnen muß, in einigermaßen erträglichen Grenzen zu halten.
Ob das gelingt, ist zweifelhaft. Im Hinspiel jedenfalls setzte es für die Schwerinerinnen eine 12:31-Niederlage. Geht der VfL ähnlich ehrgeizig und flott zu Werke, wie im letzten Heimspiel gegen Schwedt, müssen die Mecklenburgerinnen wohl mit einer ähnlich deutlichen oder gar noch höheren Schlappe rechnen.
Zumal der VfL gegenüber dem Spitzenspiel in Hastedt personell noch zulegen kann. Ein Einsatz von Nicole Röhrs ist nach ihrer Rückenverletzung zwar noch fraglich, aber dafür ist in jedem Fall Babette Bischof wieder mit von der Partie. Sie hat ihren Skiurlaub beendet und voll wieder das Training aufgenommen.
Vielleicht lassen sich die VfLerinnen ja auch durch eine Ehrung vor dem Spiel zu einer besonderen Leistung animieren. Bei der Ehrung der Stadt Bad Oldesloe vor wenigen Wochen hat ja nur eine kleine Abordnung des Teams im Rathaus dabei sein können. Bürgerworthalterin Ilse Siebel wird vor dem Spiel nun die Auszeichnung der restlichen Spielerinnen vornehmen.
Auch wenn die Punktrunde in der zweiten Liga ja beleihe noch nicht abgeschlossen ist, so beschäftigt den VfL schon jetzt nicht unerheblich die Aufstiegsrunde zur ersten Liga. Die Konturen dafür zeichnen sich langsam ab. Der VfL wird – vorausgesetzt, er wird wie angenommen Meister – die Runde am 25./26. April mit einem Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg (Zweiter in der zweiten Liga/Gruppe Süd) beginnen.
Es folgen dann zwei Auswärtsspiele am 1./2./3 Mai beim Achten der ersten Bundesliga Gruppe Süd (mutmaßlich BSV Sachsen Zwickau oder PSV Grün-Weiß Frankfurt/Main) sowie am 9./10. Mai beim Siebten der ersten Bundesliga Gruppe Nord (das Rennen zwischen VfL Oldenburg, TSV Nord Harrislee, TSG Wismar und eventuell gar Eintracht Minden oder auch Empor Rostock ist noch ziemlich offen).
Den Abschluß bildet dann am 16./17. Mai ein Heimspiel gegen die Dortmunder Borussia, die die zweite Bundesliga Gruppe Mitte ähnlich souverän (auch noch ohne Punktverlust) wie der VfL die Nord-Gruppe anführt. Am letzten Spieltag (23./24. Mai) ist der VfL dann Zuschauer und kann das Geschehen nicht mehr selbst beeinflussen. Aber das hat er dann, so oder so, vielleicht ja auch gar nicht mehr nötig.
STORMARNER TAGEBLATT vom 20.3.1992
Sonntag, 22. März 1992
VfL Oldesloe – SV Grün-Weiß Schwerin 37:14
Grün-Weiß Schwerin war nicht mehr als ein Trainingspartner
37:14-Rekordsieg / Der VfL ist schon drei Spieltage vor Schluß endgültig Meister
(mth). Die Weichen waren schon am Sonnabend gestellt worden. Nicht ganz unerwartet hatte der TSV Hastedt am Sonnabend bei der SG Jarplund-Weding Federn lassen müssen. Damit war klar, daß der Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe am Sonntag im Spiel gegen Grün-Weiß (die Namensgebung wirkt etwas verwunderlich, denn die Mannschaft spielte eindeutig in rot-weißem Dress) Schwerin schon mit dem Gewinn eines Punktes am viertletzten Spieltag vorzeitig Meister in der zweiten Bundesliga Gruppe Nord werden konnte.
Daran war im Ernst nicht zu zweifeln. Schließlich hatten die Oldesloerinnen ihre 18 vorangegangenen Begegnungen samt und sonders gewonnen, während die Truppe aus der mecklenburgischen Landeshauptstadt nur ein einziges Spiel hatte gewinnen können.
Bei dieser Ausgangslage konnten auch nur Außenstehende eine Sensation wittern, als es nach zehn Minuten 4:2 für die Gäste aus Schwerin stand. Die hatten mutig angefangen und führten gegen einen VfL, der überhaupt noch nicht im Bilde war, völlig verdient.
Das Oldesloer Handballpublikum – wieder hatten fast 400 den Weg in die Stormarnhalle gefunden – aber ist alles andere als „außenstehend“. Von Unruhe oder gar Mißmut war keine Rede. Man wußte, daß die Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg jederzeit das Tempo würde anziehen können.
Das tat die Mannschaft dann auch und schon war der Gegner chancenlos. Innerhalb der nächsten zehn Minuten markierte der VfL neun Treffer, Grün-Weiß Schwerin nicht einen einzigen. Innerhalb von zwei Minuten schlug es dann zwar noch zweimal bei Jeanine Hildebrand ein (zum 11:5 und 13:6), aber damit hatte es bis zum Seitenwechsel dann sein Bewenden.
18:6 führte der VfL bis dahin. Der hatte inzwischen lange zu „zaubern“ angefangen. Es gelangen zwar nicht alle Spielzüge und Tricks, die nun versucht wurden, aber genug Kurzweil gab es für das Publikum allemal.
Besonders natürlich, wenn Zsuzsa Nyari ihre Trickkiste aufmachte und den harmlosen, aber immer fairen und bemühten Gegner auf unnachahmliche Weise düpierte. Mit raffinierten Würfen ebenso wie mit verblüffenden Anspielen. Aber auch andere VfLerinnen zeigten, daß sie eine Menge drauf haben, wenn man sie denn fast ungehindert gewähren läßt.
In der zweiten Halbzeit ging das muntere Spiel so weiter. Bis zur 45. Minute hatte die Schilk-Truppe ihren Vorsprung schon auf 30:10 ausgebaut. Dann ließ sie es 13 Minuten ruhiger angehen (bis zu einem Spielstand von 33:14), ehe sie mit vier Toren in den letzten 120 Sekunden zum 37:14-Endstand noch einmal eine Schippe zulegten.
Vorher waren sie in ihrem Sturmlauf ein wenig auch von dem Berliner Schiedsrichtergespann Eisenblätter/Seide gebremst worden. Das hatte offensichtlich Mitleid mit den Schwerinerinnen. Dagegen war eigentlich nichts einzuwenden, aber ein wenig übertrieben wirkten die vier Zeitstrafen gegen den VfL (zwei gegen Andrea Hasenberg, je eine gegen Britta Peterat und Zsuzsa Nyari) schon.
Aber auch Unterzahlspiel will schließlich geübt werden. Schaden hat der VfL daran auch nicht genommen. Auch in diesen Zeitspannen hatte er immer eine Hand mehr im Spiel.
Die 37 Tore teilten sich die neun eingesetzten Feldspielerinnen – Nicole Röhrs fehlte noch immer wegen ihrer Rückenverletzung – ziemlich „brüderlich“. Mit je sechs Toren waren Zsuzsa Nyari und Melanie Bernecker am erfolgreichsten. Bei Melanie Bernecker waren darunter drei verwandelte Siebenmeter.
Auf je fünf Tore brachten es Marion Werner, Andrea Hasenberg und Britta Peterat. Roswitha Bein und Stefanie Bernecker erzielten je drei Treffer und Babette Bischof und Ulrike Rühter begnügten sich mit deren je 2.
Im Tor spielten Jeanine Hildebrand und Annette Schümann je 30 Minuten. Beide hatten, von kleinen Ausnahmen abgesehen, einen ziemlich dankbaren Part. Meist nämlich warfen die Schwerinerinnen so, daß die Oldesloer Torfrauen locker glänzen konnten. Wobei sie auch beide recht gut in Form schienen.
Vielleicht ja auch, wie die ganze Mannschaft, in die richtige Stimmung gebracht durch eine Ehrung vor dem Spiel. Bei der Auszeichnung der erfolgreichsten Sportler im Jahr 1991 durch die Stadt Bad Oldesloe vor wenigen Wochen hatte nur eine kleine Delegation des Teams anwesend sein können.
Um die Ehrung des erfolgreichsten Oldesloer Teams aller Zeiten aber ein wenig persönlicher zu gestalten, war Bürgerworthalterin Ilse Siebel zur Mannschaft gekommen. Damit mußte man sich jetzt ja schon ein wenig sputen, denn die nächste Ehrung kommt mit dem nun perfekten Meistertitel in der zweiten Bundesliga ja ganz gewiß.
Die Auszeichnung für 1991 galt ja noch nicht dem aktuellen Team für sein Abschneiden in der zweithöchsten Spielklasse. Vielmehr der (nur fast identischen) Truppe, die im letzten Jahr Meister in der Regionalliga geworden war. Deshalb waren auch Heinke Juds, Ingrid Schilk und
Martina Gliewe, die in dieser Saison nicht mehr zum Team gehören, auch bei der Ehrung mit von der Partie.
Bei der nächsten sind dann außer allen schon oben genannten Spielerinnen (natürlich einschließlich Nicole Röhrs) auch noch Dörte Knickrehm, Martina Pusch und Birte Stooß (über ihr weiteres Sportlerschicksal hat der DHB noch immer nicht befunden) mit dabei. Sicherlich dann auch wieder der ebenso ehrgeizige wie engagierte Trainer Claus Schilk, dessen Anteil an den Erfolgen erheblich ist, und der rührige VfL-Abteilungsleiter Jürgen Dorn, die auch zu den Ausgezeichneten gehörten.
STORMARNER TAGEBLATT vom 23.3.1992
Freitag, 27. März 1992
VfL-Damen morgen um 16 Uhr in Hamburg-Wandsbek
Schilk-Truppe ohne jeden Druck, aber mit viel Ehrgeiz gegen Eilbek
(mth). Auf dem Spiel steht in der Begegnung der zweiten Bundesliga der Handball-Damen am Sonnabend um 16 Uhr in der Sporthalle in der Rüterstraße in Hamburg-Wandsbek zwischen TH Eilbek und dem VfL Oldesloe für beide Mannschaften nichts mehr.
Schon am letzten Wochenende sind die Stormarnerinnen ja endgültig Meister der Klasse geworden, und zum gleichen Zeitpunkt sind auch die letzten Chancen der Hamburgerinnen dahingegangen, vielleicht doch noch den zweiten Platz zu schaffen und sich damit ebenfalls für die Aufstiegsrunde zur ersten Bundesliga zu qualifizieren.
Aber deswegen ist die morgige Partie keineswegs reizlos. Im Gegenteil: Beide Mannschaften sind sich, um es vornehm auszudrücken, nicht „grün“. Schon gar nicht ihre Trainer Claus Schilk (VfL) und Jochen Restorff (Eilbek).
Deren Verhältnis wurde auch nicht besser, als das Hinrundenspiel verlegt werden mußte. Auch wenn das deutlich wegen höherer Gewalt nötig war – die Stormarnhalle war seinerzeit vorübergehend wegen des Verdachts der Gesundheitsgefährdung gesperrt gewesen –, unterstellte der Eilbeker Coach dem VfL dafür unlautere Motive.
Claus Schilk revanchierte sich dafür mit ein paar scharfen Bemerkungen im Programmheft zum Spiel und fortan war die Atmosphäre zwischen beiden Teams reichlich vergiftet.
Sehr zum Leidwesen von Martina Gliewe im übrigen. Die langaufgeschossene Rückraumspielerin trägt ja erst seit Beginn dieser Saison den Dress der Eilbekerinnen. Vorher war sie lange erfolgreich für den VfL aktiv und ihrer ehemaligen Truppe fühlt sie sich durchaus noch eng verbunden, wie deutlich wurde, als sie am letzten Sonntag selbstverständlich zur Ehrung der letztjährigen Meistermannschaft durch Bürgerworthalterin Siebe! in der Stormarnhalle erschien.
Sportlich ging der Vergleich in der Hinrunde im übrigen klar für die Oldesloerinnen aus. Sie gewannen mit 22:14 und waren ihrem Gast in allen Belangen deutlich überlegen
Sie sind auch für das morgige Spiel eindeutig in der Favoritenrolle. Schließlich haben sie bislang alle ihre 19 Punktspiele gewinnen können, während die Eilbekerinnen gerade in den letzten Wochen immer wieder patzten.
Zuletzt unterlagen sie gar mit 15:17 bei Fiko Rostock und müssen nun sogar noch um den dritten Rang bangen. Vom KSV Holstein Kiel trennt sie zur Zeit ohnehin nur noch die bessere Tordifferenz und der SC Neubrandenburg ist zwischenzeitlich auch schon bis auf einen Zähler an sie herangekommen.
Das wird die Hamburgerinnen natürlich im Spiel gegen den VfL außer der besonderen Rivalität zwischen beiden Teams noch zu zusätzlichen Anstrengungen ermuntern. Aber auch der VfL, bei dem Trainer Claus Schilk hofft, auch Nicole Röhrs wieder einsetzen zu können, hat als Motivation für die Partie mehr als nur das Prestige zu bieten. Nach 19 Spielen ohne jeden Punktverlust hat das Team um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg natürlich den Ehrgeiz, nun auch die letzten drei Spiele ungeschoren zu überstehen.
Dazu will sie natürlich ihre vielen Fans nicht enttäuschen. Die werden, das ist abzusehen, auch in Hamburg-Wandsbek gewiß nicht in der Minderheit sein. Zu Heimspielen der TH Eilbek nämlich kommen im Schnitt lange nicht so viele Zuschauer, wie sie den VfL regelmäßig auch zu weiteren Auswärtsspielen begleiten.
STORMARNER TAGEBLATT vom 27.3.1992
Sonnabend, 28. März 1992
TH Eilbek – VfL Oldesloe 16:26 (6:12)
Glatter Sieg auch im 20. Saisonspiel
16:26. Auch TH Eilbek war gegen Zsuzsa Nyari und Co. ohne den Hauch einer Chance
(mth). Auf dem Spiel stand eigentlich für beide Mannschaften nichts mehr. TH Eilbek hatte seine Hoffnungen, in der zweiten Bundesliga Gruppe Nord vielleicht doch noch die Aufstiegsrunde zur ersten Bundesliga zu erreichen, schon nach Niederlagen in den ersten März-Spielen begraben müssen, und in eben denen hatte der VfL den Meistertitel endgültig perfekt gemacht.
Blieb für die Partie in der Sporthalle in Hamburg-Wandsbek als Anreiz eigentlich nur noch das Prestige. Einmal vom rein sportlichen Aspekt gesehen, hat natürlich jedes Team den Ehrgeiz, gegen einen Tabellenführer gut auszusehen. Wenn der dann noch gar, wie der VfL, eine blütenreine Weste besitzt. könnte man sein Ansehen besonders aufpolieren, wenn ihm als erster Gegner einen (oder gar zwei) Punkte abjagt.
Die Oldesloerinnen auf der anderen Seite haben natürlich das Ziel, nun auch die letzten Spiele noch ohne jeden Punktverlust zu überstehen, um so einen unauslöschlichen Rekord aufzustellen.
Unter das Stichwort „Prestige“ fällt auf der anderen Seite das spätestens seit dem Hinspiel etwas gespannte Verhältnis beider Vereine. Insbesondere die beiden Trainer – bei den Hamburgerinnen Joachim Restorff, beim VfL Claus Schilk – können nicht miteinander und möchten ihrem Kontrahenten, wo immer es geht, eins auswischen.
Natürlich hatten sie deswegen ihre Schützlinge für das Spiel noch einmal „heiß“ gemacht. Der Eilbeker Coach ganz offensichtlich weit mehr als der Oldesloer. Ihr Duell auf der Bank zu beobachten, gehörte zu den interessantesten Aspekten der Partie, die höheren Ansprüchen nur selten genügte.
Ansonsten gab es deutliche Parallelen. Klare Punktsieger waren in beiden Fällen die Stormarner Kreisstädter. Während Joachim Restorff von der ersten Minute an aufgeregt versuchte, das Spiel seiner Truppe zu lenken und zu coachen, gab sich Claus Schilk, sonst ja auch stets temperamentvoll und oft überschäumend, betont lässig und relaxed.
Ihn störte es auch nicht sonderlich, als in den ersten zwölf Minuten bei seinem Team noch nicht viel zusammenlief. Vor allem nicht in der Offensive, so daß TH Eilbek bis zu diesem Zeitpunkt mit 2:1 in Führung lag. Der Vorsprung hätte dabei bis zu diesem Zeitpunkt sogar noch deutlicher ausfallen können.
Die Hamburgerinnen nämlich hatten gleich in der Anfangsphase die meisten ihrer insgesamt fünf Holztreffer (diese Bilanz war am Ende im übrigen ausgeglichen) und dazu parierte Jeanine Hildebrand gleich zu Beginn ein paar schwere Würfe, die durchaus zu Toren hätten führen können, ohne daß ihr daraus ein Vorwurf zu machen gewesen wäre.
Aber viel mehr als zehn Minuten hielt die Ebenbürtigkeit der Eilbekerinnen nicht an. Dann zog der Meister das Tempo ein wenig an, und schon war es um den Gegner geschehen. Beinahe mühelos verwandelten Zsuzsa Nyari und Co. innerhalb von zehn Minuten den knappen Anfangsrückstand in einen uneinholbaren Vorsprung. 8:2 stand es nach 22. Minuten für den VfL und damit war die Begegnung natürlich schon entschieden.
Dem Eilbeker Coach verschlug das buchstäblich die Sprache. Schon vor der Halbzeit hatte er seine Stimmbänder überstrapaziert und krächzte nur noch seine Anweisungen. In der zweiten Halbzeit resignierte er dann sichtlich. Zu offensichtlich war geworden, daß sein Team den Oldesloern in keiner Beziehung das Wasser reichen konnte und absolut chancenlos war.
12:6 führten die Stormarnerinnen schon zur Pause. Spätestens beim 24:14 von Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg in der 50. Minute bahnte sich ein Debakel für den Gastgeber an. Aber in den letzten zehn Minuten ließ der VfL es ein Stück ruhiger angehen und begnügte sich am Ende mit einem 26:16-Sieg.
Dabei waren bei weitem nicht alle Spielerinnen des Schilk-Teams in Bestform gewesen. So fanden die beiden Bernecker-Schwestern fast nie Bindung zum Spiel ihrer Mannschaft. Das kam auch in magerer Torausbeute (nur Melanie verbuchte einen Treffer) zum Ausdruck.
Auch Marion Werner (ohne Tor) und Britta Peterat (2/1) waren bei weitem nicht so effektiv wie in den letzten Spielen. Schon stärker hat man beim VfL auch schon Babette Bischof (2) und Roswitha Bein (4/1) gesehen.
Aber zur Stärke des Teams gehört auch, daß immer Spielerinnen in die Bresche springen, wenn es bei einigen nicht ganz wunschgemäß läuft. In Hamburg-Wandsbek waren das insbesondere Ulrike Rühter, die nicht nur wegen ihrer sechs Treffer so glänzte wie schon lange nicht mehr, die zuverlässige Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg (4) und die ungarische Nationalspielerin Zsuzsa Nyari. Die nähert sich langsam aber sicher wieder ihrer Bestform und war nicht nur Dreh- und Angelpunkt des VfL-Spiels, sondern auch erfolgreichste Werferin ihres Teams (7/1).
In bestechender Form auch Torhüterin Jeanine Hildebrand. Aber auch Annette Schümann ließ in der knappen Viertelstunde, in der sie zum Einsatz kam, nichts anbrennen. Nicole Röhrs war auch in Hamburg nicht mit von der Partie. ihrer Rückenverletzung ist sie nun in Ski-Urlaub gereist.
STORMARNER TAGEBLATT vom 30.3.1992
Montag, 30. März 1992
Feier für die Fans
(us). Zum Saisonende darf gefeiert werden: Die Handball-Damen des VfL Oldesloe wollen sich nach dem letzten Heimspiel gegen Fiko Rostock (Sonnabend in der Heinrich-Vogler-Halle) bei ihren Fans für die tolle Unterstützung bedanken. Deshalb steigt im Anschluß an das Spiel in der Sporthalle der Theodor-Mommsen-Schule eine große Party mit vielen Attraktionen und Überraschungen.
STORMARNER TAGEBLATT vom 30.3.1992
Freitag, 3. April 1992
Fiko Rostock wird ein unbequemer Heimgegner für die Oldesloer
(mth). Das erste Heimspiel in dieser Saison (gegen SG Jarplund-Weding) hat die Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe in der Heinrich-Vogler-Halle austragen müssen. In der Stormarnhalle, ihrer eigentlichen Heimstatt, waren seinerzeit Renovierungsarbeiten am Hallendach, die später ja noch einmal für viel Verdruß sorgten, noch nicht beendet gewesen.
Morgen, kurz vor Abschluß der Saison in der zweiten Bundesliga Gruppe Nord, kehren die VfL-Damen zu ihrem letzten Heimspiel der Punktrunde gegen Fiko Rostock (Spielbeginn ist um 19 Uhr) noch einmal in die Heinrich-Vogler-Halle zurück.
Die Stormarnhalle war für diesen Termin langfristig vorher von den Oldesloer Keglern reserviert worden. Die hatten ursprünglich dort Festball und Siegerehrung der Stadtmeisterschaft durchführen wollen. Kurzfristig sind die Kegler nun doch noch in die Festhalle umgezogen.
Die Handballer allerdings waren mit ihren Planungen für die Heinrich-Vogler-Halle und die Turnhalle der Theodor-Mommsen-Schule, in der die Meisterfeier mit den Fans stattfinden wird, schon so weit, daß sie einen erneuten Umzug nicht mehr in Erwägung zogen.
Für die Oldesloerinnen ist der Hallenwechsel sportlich im übrigen kein Problem. In der Vogler-Halle trainiert sie schließlich regelmäßig und gute Spiele hat sie dort auch stets gezeigt, wenn sie dorthin ausweichen mußte.
Mit eigens aufgestellten Stuhlreihen wird dort auch für die Oldesloer Fans mutmaßlich genug Platz sein. Die Fans, die natürlich auch zu diesem Spiel reichlich erwartet werden, werden im übrigen vom VfL gebeten, ein wenig zu „arbeiten“, ehe sie zur Meisterfeier gehen. Im Programmheft zum Spiel veröffentlicht der VfL einen Fragebogen. Darin soll erforscht werden, wie die Fans mit der bisherigen Abwicklung von Bundesliga-Handballspielen in Bad Oldesloe zufrieden waren, und welche Veränderungen sie sich für die Zukunft noch wünschen. Den Verantwortlichen in der Handballabteilung käme ein reger Rücklauf gelegen. Ihnen geht es schließlich darum, das ohne Zweifel vorhandene Interesse, die hohen Zuschauerzahlen sprechen da eine deutliche Sprache, zu stabilisieren.
Mit guten sportlichen Leistungen, wenn es denn geht, natürlich in erster Linie, aber auch mit einem möglichst guten Service drumherum.
Gute sportliche Leistungen darf man auch für das Spiel am Sonnabend erhoffen. Natürlich will der VfL auch das vorletzte Saisonspiel unbedingt mit einem Sieg abschließen, wie die 20 vorher. Die VfL-Damen haben schließlich als Ziel, die gesamte Saison ohne Minuspunkt abzuschließen und mit einer Niederlage im Rücken fiele die Meisterfeier mit den Fans anschließend sicher nur halb so stimmungsvoll aus.
Feiern und Ehrungen für die VfL-Damen häufen sich im übrigen. Unmittelbar nach dem Spiel nämlich wird Bürgermeister Ulrich Gudat offiziell die Truppe für die Erringung des Zweitliga-Titels ehren. Auch diese Ehrung würde unter einer vorangegangenen Niederlage sicherlich ein wenig leiden.
Ein Selbstgänger allerdings verspricht das Spiel vorher nicht unbedingt zu werden. Gegen Fiko Rostock taten sich die Oldesloerinnen schon im Hinspiel ein wenig schwer und siegten, gemessen an der Höhe ihrer sonstigen Siege mit 26:21, verhältnismäßig knapp. Allerdings spielte seinerzeit eine etwas verworrene und langwierige Anreise eine nicht unwesentliche Rolle.
Diesmal ist das natürlich nicht der Fall, aber dafür werden die Rostockerinnen mit besonderem Ehrgeiz in die Partie gehen. Durch eine 14:17-Niederlage am letzten Wochenende in Frankfurt/Oder sind ihre Chancen, den siebten Platz und damit den Klassenerhalt noch zu schaffen, zwar ein gutes Stück gesunken, aber so ganz haben sie die Hoffnung noch nicht aufgegeben.
Aber dafür dürfen sie dann auch beim Meister nicht verlieren, und dafür werden sie bis zum Umfallen kämpfen.
STORMARNER TAGEBLATT vom 3.4.1992
Freitag, 3. April 1992
Fete mit den Fans
(us). Nach dem Spiel geht's erst richtig los: Die Handball-Damen des VfL Oldesloe wollen sich bei ihren Fans für die tolle Unterstützung bedanken und laden anläßlich des letzten Heimspiels der Punktrunde zur Meister-Fete ein. Die beginnt gleich nach der Partie gegen Fiko Rostock in der benachbarten Turnhalle der Theodor-Mommsen-Schule.
Da erwartet die Fans ein interessantes Programm mit vielen Überraschungen. Für Essen und Trinken ist reichlich gesorgt, es wird eine Versteigerung geben und bei einer Tombola können die VfL-Fans Freikarten für die Heimspiele in der Bundesliga-Aufstiegsrunde gewinnen.
Auch wer kräftig „abrocken“ will, kommt auf seine Kosten. Discjockey Udo „Ede“ Lorenz legt Platten auf und wird für mächtig Stimmung sorgen. Wer's etwas ruhiger mag, kann zuschauen oder mit den Spielerinnen über die Chancen des VfL in der Aufstiegsrunde fachsimpeln.
STORMARNER TAGEBLATT vom 3.4.1992
Sonnabend, 4. April 1992
VfL Oldesloe – SG Fiko Rostock 33:17 (17:7)
Die Oldesloer Handball-Damen gewannen auch ihr letztes Heimspiel der Saison
33:17-Erfolg über Fiko Rostock
Der VfL verwöhnte seine Fans mit einem weiteren Torfestival
(mth). In der Heinrich-Vogler-Halle begann die Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe am 21. September ihren Siegeszug in der zweiten Bundesliga. 31:15 schlug der VfL damals als Klassenneuling die alteingesessene Bundesliga-Truppe der SG Jarplund-Weding und sorgte damit für einen Paukenschlag zum Saisonbeginn.
Aber der Sieg entpuppte sich später keineswegs als „Ausrutscher“, der aus der Euphorie des Aufstiegs geboren war. So hatten ihn vor sechseinhalb Monaten viele eingeschätzt. Verbunden war damit die Warnung, nun dürfe die Mannschaft nicht abheben, denn es stünden noch reichlich Rückschläge ins Haus.
Aber die Skeptiker sollten nicht recht behalten. Die VfL-Damen hoben in der Tat ab. Allerdings in positivem Sinn. Sie wurden nicht etwa überheblich und verloren auch nicht ihren Realitätssinn. Vielmehr erhoben sie sich leistungsmäßig weit über ihre Konkurrenten und liefen allen Verfolgern auf und davon.
Klare Siege wie der zum Saisonauftakt waren an der Tagesordnung und gerieten zur Selbstverständlichkeit. Gegen Rostock schloß sich der Kreis. Die Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur ersten Bundesliga und der vorzeitige Gewinn der Meisterschaft waren zwar schon lange abgehakt, aber das nahm die Truppe von Trainer Claus
Schilk nicht zum Anlaß, im letzten Heim-Punktspiel der Saison gegen Fiko Rostock zurückzustecken.
Für das hatte man wieder, wie zu Beginn der Saison, in die Heinrich-Vogler-Halle ausweichen müssen. Aber das „Pflaster“ behagt der Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg genau so wie die Stormarnhalle. Mit 33:17 (17:7) gewannen die Oldesloerinnen auch ihr 21. Spiel in Folge und verwöhnten dabei ihre Fans einmal mehr mit einem wahren Torfestival.
Die waren, 263 hatten Eintritt bezahlt, ein wenig spärlicher als sonst erschienen. Das kam allerdings nicht ganz unerwartet. Die ungünstigere (vom Verband vorgeschriebene) Anfangszeit (19 Uhr statt sonst 20 oder 20.15 Uhr) war dafür sicher ebenso Ursache wie die Tatsache, daß die Vogler-Halle als Veranstaltungshalle in Bad Oldesloe weniger bekannt und beliebt ist als die Stormarnhalle.
Wiewohl sie durch die Aufstellung von Stuhlreihen durchaus mit der an Fassungsvermögen mithalten kann. Und natürlich gibt es auch schon so etwas wie einen „Gewöhnungseffekt“ in der Stormarner Kreisstadt, der das Zuschauerinteresse etwas dämpft, wenn der Gegner an Attraktivität zu wünschen übrig läßt.
Fiko Rostock fällt, ohne dem Team aus der mecklenburgischen Hafenstadt zu nahe treten zu wollen, sicher in diese Kategorie. Trainer und Mannschaftsführung der Rostocker hatten ihr Team zwar noch einmal heiß zu machen versucht, weil für das Team noch eine theoretische Chance auf den Klassenerhalt bestand.
Die Mannschaft hat dann in Oldesloe auch redlich gekämpft, aber man merkte ihr doch an, daß sie im Ernst nicht daran glaubte, dem übermächtigen Gegner Paroli zu bieten. Schon gar nicht, als dieser nach verhaltenem Beginn alle Register seines Könnens zog.
Insbesondere die ungarische Nationalspielerin Zsuzsa Nyari sprühte vor Spiellaune. Sie läuft zum Saisonende langsam aber sicher zu Höchstform auf. Gerade rechtzeitig, denn der Saisonhöhepunkt steht mit der am 25. April beginnenden Aufstiegsrunde zur ersten Bundesliga ja noch bevor.
Von ihr ließ sich die ganze Mannschaft mitreißen. Streckenweise bot die Truppe eine berauschende Leistung mit viel Tempo und herrlichen Kombinationen und technischen Kabinettstückchen. Höhepunkte waren dabei ein herrlicher Kempa-Trick, mit dem Zsuzsa Nyari unmittelbar nach der Pause ein Zuspiel von Roswitha Bein zum 18:7 verwandelte, und ein Tempogegenstoß drei Minuten später, den die Ungarin nach blitzschneller Drehung mit einem glasharten Rückhandwurf in den Torwinkel zum 20:8 verwandelte.
Zu diesem Zeitpunkt sah es so aus, als würde Fiko Rostock Opfer eines Rekordsieges mit 40 oder mehr Gegentoren werden. Aber der VfL legte dann und wann auch ein paar Ruhepausen ein und ging gelegentlich in seiner Experimentierfreude etwas zu weit. Aber wer wollte das der Mannschaft verübeln.
Fast selbstverständlich war, daß am Ende alle Feldspielerinnen des VfL am Torreigen beteiligt waren. Allen voran natürlich Zsuzsa Nyari, die sieben Treffer erzielte. Je sechs Tore hatten Roswitha Bein (4 Siebenmeter), Britta Peterat (2 Siebenmeter) und Marion Werner (ein Siebenmeter) auf ihrem Konto. Den Rest teilten sich Andrea Hasenberg (3), Melanie und Stefanie Bernecker (je 2) und Ulrike Rühter.
Im Tor hatten Annette Schümann in der ersten und Jeanine Hildebrand in der zweiten Halbzeit viele lichte und jeweils auch ein paar weniger glanzvolle Momente. Wegen einer Erkrankung konnte Babette Bischof am letzten Heimspiel nicht mitwirken. Sie war aber im Gegensatz zu Urlauberin Nicole Röhrs mit von der Partie, als Bürgermeister Ulrich Gudat die Mannschaft nach Spielschluß würdigte und ehrte. Die Stadt, so sagte er, würde die Truppe, die so viel Werbung für ihre Heimatstadt mache, nach ihren Möglichkeiten auch in Zukunft unterstützen.
Und sie drücke ihr für die Aufstiegsrunde alle Daumen und wünsche ihr den Aufstieg in die erste Bundesliga. Damit rannte er bei den begeisterten Fans natürlich offene Türen ein.
STORMARNER TAGEBLATT vom 6.4.1992
Sonnabend, 4. April 1992
Fröhliche Fan-Feier
(mth). Die Damen des VfL Oldesloe können nicht nur prächtig Handball spielen, sie verstehen es auch, fröhliche Feste zu feiern. Vielleicht auch deshalb, weil sie die besten Fans der Liga haben.
Denen einmal Dank für die Unterstützung in der laufenden Saison zu sagen, war einer der Auslöser dafür, nach dem letzten Heimspiel in der Turnhalle der Theodor-Mommsen-Schule eine fröhliche Meisterfeier mit den treuen Zuschauern aufzuziehen.
Ein paar besonders aktive Fans hatten die Sache in die Hand genommen und sie zogen eine zünftige Fete auf, auf der bis in die späte Nacht hinein gefeiert, gefachsimpelt, gejubelt und getanzt wurde. In toller Stimmung, zu der Udo „Ede“ Lorenz mit seiner Disco-Show, erheblich beitrug.
Da er sich ebenso selbstlos, er „arbeitete“ ohne Gage, der Sache zur Verfügung gestellt hatte, wie alle anderen Helfer und Organisatoren, sprang am Ende sogar noch ein erkleckliches Sümmchen heraus, das die Kasse der Oldesloer Erfolgstruppe auffrischt.
STORMARNER TAGEBLATT vom 6.4.1992
Montag, 6. April 1992
Lange Reise
(st). Zum letzten Saisonspiel steht den VfL-Damen ja noch eine lange Reise bevor. Am Sonnabend (11. April) um 19.30 Uhr spielt sie bei Blau-Weiß Frankfurt/Oder. Auch zu diesem Spiel können Fans die VfL-Damen begleiten. Abfahrt von der Stormarnhalle ist um 11.30 Uhr. Mit der Rückkehr ist erst am Sonntagmorgen zu rechnen. Interessenten sollten sich mit VfL-Abteilungsleiter Jürgen Dorn unter der Oldesloer Telefonnummer 5108 (ab 15 Uhr) in Verbindung setzen.
STORMARNER TAGEBLATT vom 6.4.1992
Freitag, 10. April 1991
VfL-Fans wünschen sich eine neue Halle
(mth). Damenhandball der Spitzenklasse genießt in Oldesloe hohes Ansehen und die Stadt sollte deshalb ihr Engagement zugunsten der Bundesliga-Damen des VfL in Zukunft eher noch verstärken. Auf dieses Fazit lassen sich kurz gefaßt die Ergebnisse einer Fragebogenaktion bringen, die der VfL anläßlich des Heimspiels am letzten Wochenende gegen Fiko Rostock bei seinen Fans durchführte.
Auch wenn die Umfrageergebnisse natürlich nicht repräsentativ sind, so zeitigen sie doch ein paar interessante Aufschlüsse. Weit mehr als 60 Prozent (genau 63,8) der Fans sind für den Bau einer neuen Halle, die nach ihren Vorstellungen 1000 oder gar 1500 Zuschauern Platz bieten müßte. Ob ein solcher Wunsch allerdings realistisch sei, da kommen ihnen doch Zweifel. Nur 32 Prozent der Befragten nämlich glauben, Bad Oldesloe sei eine „Sportstadt“, 59 Prozent kreuzten bei der diesbezüglichen Frage „mäßig“ oder „weniger“ an.
Dabei sind mehr als Dreiviertel (76,5 Prozent) der Meinung, die Attraktivität der Stormarner Kreisstadt gewönne durch Abschneiden und Auftreten der Bundesliga-Handball-Damen stark oder gar sehr stark. Wohl auch, weil fast alle (96 Prozent) Fragebogenausfüller meinen, die VfL-Damen spielten besonders attraktiven Handball.
Dafür ist fast die gleiche Anzahl (95 Prozent) bereit, für den Fall des Aufstiegs 10 bis 15 Mark pro Spiel als Eintrittsgeld hinzublättern. Wenn es denn mittels Dauerkarten nicht ein Stück billiger geht. Dafür sind immerhin auch 80 Prozent. Und das scheint kein leeres Versprechen zu sein. Für die Aufstiegsrunde nämlich bietet der VfL Eintrittskarten im Paket für beide Heimspiele (am 25. April gegen den 1.FC Nürnberg und am 16./17. Mai gegen Borussia Dortmund) an. 20 Mark beträgt dafür der Preis, während für jedes Spiel einzeln zwölf Mark zu entrichten sind.
Schon 100 Fans haben von diesem Angebot Gebrauch gemacht. Damit bleiben nur noch 104 garantierte Sitzplätze auf der Tribüne übrig. Wer sich davon einen oder mehrere für beide Spiele sichern will, sollte sich umgehend mit Handballabteilungsleiter Jürgen Dorn (Telefon 04531/5108) in Verbindung setzen.
STORMARNER TAGEBLATT vom 10.4.1992
Freitag, 10. April 1991
In Frankfurt will der VfL den 22. Sieg und die 600-Tore-Grenze knacken
(mth). Nach 21 Spieltagen in der zweiten Bundesliga Gruppe Nord der Handball-Damen hat der VfL Oldesloe nicht weniger als elf Punkte Vorsprung vor seinem nächsten Verfolger, dem Hastedter TSV. Natürlich hat die Mannschaft längst den Meistertitel und die Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur ersten Bundesliga in der Tasche.
Letztere beginnt schon eine Woche nach Ostern und natürlich wollen die Oldesloerinnen dafür natürlich, wenn möglich, noch ein wenig Kraft tanken. Aber dafür will sich die Mannschaft im letzten Punktspiel am Sonnabend um 19.30 Uhr bei Blau-Weiß Frankfurt nicht schonen. Auch für dieses Spiel hat die Mannschaft von Trainer Claus Schilk noch ehrgeizige Ziele.
Zu allererst will sie natürlich auch in ihrem 22. Spiel ihre blütenreine weiße Weste behaupten. 44:0 Punkte stünden bei einem Sieg auf ihrem Konto. Das ist im Sport, wenn auch nicht einmalig, so doch von außerordentlicher Seltenheit und noch dazu besonders bemerkenswert, wenn man berücksichtigt, daß die Oldesloerinnen Neuling in der Klasse sind.
Dazu ist der Torhunger von Zsuzsa Nyari und Co. noch immer nicht gestillt. Mit bislang 574 Trefffern hat der VfL schon bisher 150 mehr als das nächsterfolgreiche Team (SG Jarplund-Weding) in dieser Beziehung auf ihrem Konto, aber natürlich würde man jetzt zu gerne die 600 noch voll machen.
Aber 26 Tore bei Blau-Weiß Frankfurt/Oder zu erzielen, wird sicher für die VfLer nicht ganz einfach werden, auch wenn das noch unter dem bisherigen Trefferdurchschnitt
der Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg liegt. Die Truppe von der Ostgrenze nämlich gehört mit bisher 14 Pluspunkten in der Rückrunde zu den besten der Liga (nur der VfL und Holstein Kiel waren erfolgreicher), und für sie steht am letzten Spieltag noch einiges auf dem Spiel.
Unerwartet nämlich ist auch der achte Rang, auf dem die Frankfurterinnen zur Zeit rangieren, noch interessant. Da der MSV Duisburg für die kommende Saison sein Team zurückgezogen hat, bestreiten nämlich die Achten der drei zweiten Ligen noch eine Relegationsrunde, deren Sieger auch künftig zweitklassig spielen darf.
Das ist das erklärte Ziel in Frankfurt/Oder. Dort ist für die kommende Saison eine Fusion des Erstligisten BFV (vormals ASK Vorwärts) und des Zweitligisten Blau-Weiß geplant und man würde einen Platz in der zweiten Liga, den Blau-Weiß einbringen müßte, als willkommenen Unterbau der Bundesliga-Spitzentruppe (zur Zeit Zweiter hinter TuS Walle Bremen) ansehen.
Deshalb sind auch Ende letzten Jahres drei Spielerinnen aus dem Kader des Erstligisten zum Zweitligisten gewechselt. Aber trotz der deutlichen Verstärkung hat Blau-Weiß Frankfurt den vielleicht noch rettenden achten Rang nicht sicher. Fiko Rostock liegt nur einen Zähler (und neun Treffer in der Tordifferenz) zurück und könnte bei einem Sieg der Oldesloerinnen in Frankfurt mit einem Sieg oder Punktgewinn gegen Jarplund-Weding noch vorbeiziehen.
Die Oldesloerinnen müssen sich also noch einmal auf einen besonders ehrgeizigen Gegner einrichten. Aber Angst hat die Mannschaft deshalb natürlich nicht. Sie war ja zuletzt in prächtiger Form. Da wird sich auch kaum auswirken, daß Babette Bischof noch nicht mit von der Partie ist. Die befindet sich nach einer Lungenentzündung zwar entschieden auf dem Weg der Besserung, will aber vor der Aufstiegsrunde natürlich nichts riskieren. Mit dabei ist aber nach Verletzungs- und Urlaubspause wieder Nicole Röhrs.
Mit dabei können in Frankfurt auch wieder Schlachtenbummler sein. Noch sind im Bus ein paar Plätze frei. Interessenten sollten sich am Sonnabend rechtzeitig zur Abfahrt des Busses um 11.30 Uhr an der Stormarnhalle einfinden.
Ein wenig Zeit müssen sie dabei mitbringen. Mit der Rückkehr ist erst am Sonntagmorgen zu rechnen, denn unmittelbar nach dem Spiel geht es zunächst in die Hauptstadt Berlin, wo noch ein kleiner Bummel vorgesehen ist.
STORMARNER TAGEBLATT vom 10.4.1992
Sonnabend, 11. April 1992
Blau-Weiß Frankfurt/O. – VfL Oldesloe 15:23 (10:11)
Auch das letzte Spiel ohne Punktverlust überstanden
23:15 in Frankfurt/Oder
VfL-Damen mit blütenreiner Weste Meister
(mth). Bis zur 40. Minute hoffte der SV Blau-Weiß Frankfurt/Oder zum Abschluß der Punktspielsaison in der zweiten Bundesliga Gruppe Nord der Handball-Damen für eine handfeste Überraschung sorgen zu können. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Frankfurterinnen auf Tuchfühlung mit Spitzenreiter VfL Oldesloe, der ja seine 21 Spiele zuvor samt und sonders gewonnen hatte und als Meister der Liga seit langem feststand.
Der knappe Spielstand – die Stormarnerinnen führten „nur“ mit 13:12 – kam dabei nicht von ungefähr. Der Gastgeber von der Oder war hochmotiviert in dieses Spiel gegangen. Die Mannschaft wollte die Chance, über eine Relegationsrunde doch noch den Klassenerhalt in der zweiten Liga schaffen zu können, unbedingt aus eigener Kraft wahren.
Um den achten Tabellenplatz, den die Mannschaft auch vorher schon inne hatte, ganz sicher verteidigen zu können, brauchte Blau-Weiß Frankfurt/Oder einen Punkt aus dem Spiel gegen den Spitzenreiter, um nicht auf Schützenhilfe der SG Jarplund-Weding angewiesen zu sein. Die nämlich war zur gleichen Zeit Gast bei Fiko Rostock, jenem Team, das nur einen Punkt hinter den Frankfurterinnen zurücklag.
Über den Ausgang dieser Partie war man sich in Frankfurt nicht sicher, ja, man äußerte mehr oder weniger offen Befürchtungen, in Rostock könne es zu (nicht nachweisbaren) Manipulationen des Spielergebnisses kommen. Um dem vorzubeugen hatten Frankfurts Trainer und Betreuer ihre Spielerinnen regelrecht „heiß“ gemacht.
Die gingen dann auch wie aufgedreht und mit ungeheurem Einsatz und Elan zu Werke. Dabei war man weiß Gott nicht zimperlich in der Wahl seiner Mittel und das blieb, weil das Schiedsrichtergespann Lemme/Ullrich aus Magdeburg lange Zeit nicht energisch genug durchgriff, nicht ohne Wirkung.
Der VfL ging zwar in den ersten 100 Sekunden blitzschnell durch Treffer von Marion Werner und Zsuzsa Nyari mit 2:0 in Führung, aber dann kam die beste Zeit der Gastgeberinnen. Bis zur 6. Minute hatten sie auf 3:3 gleichgezogen und nach elf Minuten führten sie gar mit 5:3. Damit aber noch nicht genug. Drei Minuten später lag Blau-Weiß Frankfurt/Oder sogar mit drei Toren in Führung (7:4). Das war im Verlauf der Saison noch keinem Gegner des VfL gelungen.
Vielleicht lag es ja auch daran, daß die Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg erstmalig in dieser Saison ein „echtes“ Auswärtsspiel zu bestreiten hatte. Unter den knapp 100 Zuschauern nämlich waren die VfL-Fans diesmal deutlich in der Minderheit. Nur ein knappes Dutzend Anhänger hatte die weite Reise an die polnische Grenze nicht gescheut und das kam gegen den temperamentvollen Anhang der Gastgeber in punkto Lautstärke nicht an.
Aber der ungewohnte Rückstand irritierte die VfL-Spielerinnen allenfalls. Unterkriegen ließen sie sich davon nicht. Ihr Wille, auch das letzte Punktspiel der Saison ungeschoren überstehen zu wollen, blieb dadurch ungebrochen. Vor der Halbzeit waren es dabei insbesondere Zsuzsa Nyari und Marion Werner auf den Außenpositionen, die mit ihren Toren den Gegner in seine Schranken wiesen.
Außer ihnen trafen bis zur Pause für den VfL nur Britta Peterat (11. Minute zum 4:5) und Melanie Bernecker (22. Minute zum 9:9) je einmal ins Tor. Zsuzsa Nyari mit sechs blitzsauberen Toren und Marion Werner mit dreien – besonders herrlich dabei ihr 8:8 in der 19. Minute, als sie Frankfurts Torhüterin Martina Steffen, die in Erwartung eines Tempogegenstoßes sich weit vor ihrem Gehäuse aufhielt, mit einem 45-Meter-Wurf überwand – aber sorgten dennoch dafür, daß der Spitzenreiter mit einer knappen Führung (11:10) in die Pause gegen konnte, obwohl der Gastgeber noch bis zur 27. Minute die Nase vorn hatte (10:9).
Nach der Pause zog der VfL erstmals mit drei Toren (13:10 nach 32 Minuten) davon, aber noch mochte Frankfurt nicht „klein beigeben“. Die Truppe kämpfte sich auf 12:13 (38. Minute) heran und hielt noch immer voll gegen. Aber das Schicksal ereilte die Gastgeber dann doch. Zwischen der 41. (12:14 durch Stefanie Bernecker) und 44. (12:17 durch Marion Werner) erzielte der VfL vier Treffer in Folge und damit war die Partie gelaufen.
Auch · deshalb, weil die Frankfurterinnen nun immer wieder an einer immer stärker werdenden Jeanine Hildebrand scheiterten. Von da an geriet der VfL nie mehr ernsthaft in Gefahr. Mit Routine und Übersicht schaukelte er auch seinen 22. Sieg im 22. Spiel sicher nach Hause.
Dabei entwickelte er keinen übertriebenen Ehrgeiz, noch die 600 Treffer für die Saison voll zu machen. Wohl auch deshalb, weil die Frankfurterinnen bis zum Schluß ziemlich „zur Sache“ gingen und die VfLerinnen zusahen, mit heiler Haut davonzukommen. Deren 23 Treffer teilten sich Zsuzsa Nyari (8/1), Marion Werner (6), Melanie Bernecker, Roswitha Bein, Ulrike Rühter, Britta Peterat (je 2) und Stefanie Bernecker.
Zum Einsatz kamen außerdem noch Andrea Hasenberg und Nicole Röhrs. Im Tor spielte Jeanine Hildebrand die 60 Minuten voll durch. Annette Schümann war deshalb ebenso nur Zuschauerin wie Babette Bischof, die nach überstandener Lungenentzündung noch für die Aufstiegsrunde (beginnt ja in zwei Wochen) geschont wurde.
STORMARNER TAGEBLATT vom 13.4.1992
Montag, 13. April 1992
Die Gegner stehen fest
(us). Zweitliga-Meister VfL Oldesloe startet mit einem Heimspiel in die Aufstiegsrunde zur höchsten deutschen Spielklasse: Am Sonnabend (26. April) kommt der 1. FC Nürnberg in die Stormarnhalle. Dann muß die Schilk-Truppe zweimal auswärts spielen. Zunächst am 2. oder 3. Mai bei Grün-Weiß Frankfurt, am darauffolgenden Wochenende (9. oder 10. Mai) bei Empor Rostock. Im letzten Spiel erwartet der VfL am Sonnabend, dem 16. Mai um 19.30 Uhr Borussia Dortmund.
STORMARNER TAGEBLATT vom 13.4.1992
Sonnabend, 18. April 1992
VfL-Handball: Nachfrage riesengroß
(mth). Riesengroß ist die Nachfrage nach Karten für die Heimspiele der Aufstiegsrunde zur ersten Bundesliga der Handball-Damen des VfL Oldesloe. Die beginnt ja am 25. April um 19.30 Uhr mit dem Spiel des VfL gegen den 1. FC Nürnberg. Um weiter disponieren zu können, bittet der VfL dringend alle die, die Karten für die Runde bestellt haben, sich jetzt umgehend mit Abteilungsleiter Jürgen Dorn (Bad Oldesloe, Hagenstraße 15, Telefon 04531/5108) in Verbindung zu setzen, um die Karten einzulösen und zu bezahlen. Im Paket für beide Heimspiele kosten sie 20 Mark. Für jedes einzelne Spiel sind 12 Mark für einen Sitzplatz zu entrichten.
STORMARNER TAGEBLATT vom 18.4.1992
Dienstag, 21. April 1992
Aufstiegsrundenspielplan steht fest
VfL-Damen testen heute die Junioren-Nationalmannschaft
(mth). Der „Countdown“ für die Aufstiegsrunde zur ersten Bundesliga hat für die Handball-Damen des VfL Oldesloe begonnen. Inzwischen liegt für diese Runde der komplette Spielplan vor. Die Oldesloerinnen beginnen, wie von uns mehrfach angekündigt, am Sonnabend dieser Woche um 19.30 Uhr in der Stormarnhalle gegen den 1. FC Nürnberg (Zweiter der zweiten Liga Gruppe Süd). Fast parallel dazu (Anpfiff ist schon um 17 Uhr) spielen die Erstligisten Empor Rostock (7. der Gruppe Nord) und PSV Grün-Weiß Frankfurt (8. der Gruppe Süd) in Rostock gegeneinander.
Am zweiten Spieltag muß der VfL nach Frankfurt reisen. Gespielt wird am 3.Mai (Sonntag) um 16 Uhr in der Fabriksporthalle Frankfurt/Main. Zur gleichen Zeit hat dann Borussia Dortmund (Meister der zweiten Liga Gruppe Mitte) die Rostockerinnen zu Gast.
Der dritte Spieltag wird dann wieder an einem Sonnabend (9. Mai) ausgetragen. Um 17 Uhr gastiert der VfL dann in der Sporthalle Groß-Klein in Rostock. 45 Minuten später wird das Spiel Nürnberg gegen Dortmund angepfiffen.
Die Dortmunderinnen sind dann am 16. Mai um 19.30 Uhr in der Stormarnhalle letzter VfL-Gegner in dieser Runde. Dreieinhalb Stunden vorher steigt als zweite Begegnung des vierten Spieltages das Süd-Derby Frankfurt gegen Nürnberg.
Am fünften und letzten Spieltag ist der VfL dann spielfrei, wird aber je nach Lage der Dinge womöglich mit Spannung auf die Spiele Nürnberg gegen Rostock (23. Mai 17.45 Uhr) und Dortmund gegen Frankfurt (Sonntag 16 Uhr) warten.
Nach der nur kurzen Verschnaufpause in der Osterwoche bereitet sich das Schilk-Team in dieser Woche intensiv auf die Runde vor. Heute um 20 Uhr bestreitet die Mannschaft ein Testspiel gegen die Deutsche Juniorinnenauswahl. Der Anpfiff dazu erfolgt gegen 20 Uhr in der Sporthalle der Sachsenwald-Sportschule in Wentorf Reinbek.
Die Auswahl, zu deren Stamm auch die VfLerin Marion Werner zählt, bereitet sich zur Zeit dort auf ein Vier-Länder-Turnier in Schweden, das am nächsten Wochenende beginnt, vor. Daran hätte natürlich gern auch Marion Werner teilgenommen. Sie muß aber wegen der Aufstiegsrunde darauf verzichten.
Sie nimmt aber trotzdem an dem Lehrgang teil, spielt heute aber beim VfL. Der Verzicht auf die lukrative Auslandsreise wird ihr ein wenig dadurch erleichtert, daß der DHB-Auswahltrainer ihren Platz im Kader für die Schweden-Reise nicht anderweitig besetzt. Sie muß also nicht fürchten, ihren Platz im Auswahlteam auf Dauer zu verlieren.
Morgen (Mittwoch) testet dann Dr. Stefan Mücke vom sportmedizinischen Institut von Professor Liesen (Paderborn) Form und Leistungsvermögen der VfL-Damen. Wie schon einmal vor gut fünf Wochen nimmt er im Travestadion (19.30 Uhr) nach einem Dauerlauf einen Laktattest vor.
Claus Schilk hofft, daß seine Schützlinge dann ähnlich gute Ergebnisse erzielen wie beim ersten Test, als sie fast durchweg Spitzenwerte zu verzeichnen hatten, die manche Mittester (Verbandsliga-Fußballer) aus dem Leistungssportbereich vor Neid erblassen ließen.
STORMARNER TAGEBLATT vom 21.4.1992
Dienstag, 21. April 1992
Junioren-Nationalmannschaft – VfL Oldesloe 25:21
(us). … Ein Testspiel gegen die Junioren-Nationalmannschaft verloren die VfL-Damen in Wentorf knapp mit 21:25, doch für Coach Claus Schilk war das Ergebnis zweitrangig. Er nutzte die Partie zum Experimentieren und wechselte viel aus.
STORMARNER TAGEBLATT vom 23.4.1925
Donnerstag, 23. April 1992
VfL-Damen starten in die Aufstiegsrunde
Am Sonnabend geht’s los
(us). Die Oldesloer Handball-Fans sollten sich beeilen: Noch gibt es Sitz- und Stehplatzkarten für die mit Spannung erwartete Partie gegen den 1. FC Nürnberg, die am Sonnabend um 19.30 Uhr in der Stormarnhalle beginnt. Die Kassen werden ab 18 Uhr geöffnet sein.
Zum Auftakt der Aufstiegsrunde zur ersten Bundesliga muß sich der ungeschlagene Meister der zweiten Liga Nord mit dem Zweiten der Südstaffel auseinandersetzen. Nürnbergs Trainer Gerhard Sauer sagt selbstbewußt: „Wir haben Ambitionen auf den Aufstieg.“ …
Der VfL kann am Sonnabend in stärkster Besetzung auflaufen, während bei den Gästen aus Franken wahrscheinlich zwei wichtige Spielerinnen ausfallen werden. …
STORMARNER TAGEBLATT vom 23.4.1925
Freitag, 24. April 1992
Sonnabend um 19.30 Uhr ist der 1. FC Nürnberg erster Gegner des VfL in der Aufstiegsrunde
Bei den VfL-Damen steigen Anspannung und Optimismus
(mth). Für eine bestimmte Spezies von Leuten, die alles immer ganz genau, am liebsten sogar alles besser weiß (auch bekannt als Boulevard-Journalisten), steht die Diagnose schon lange fest: Bad Oldesloe, so ihr Urteil, liege seit Wochen und Monaten im Handballtaumel und das Fieber erreiche in diesen Tagen rekordverdächtige Temperaturen.
Ein Rundgang durch die Stadt an der Trave entlarvt eine solche These schnell als gröbere Übertreibung. In der Stormarner Kreisstadt gehen die Menschen ganz normal ihrer Arbeit oder womit sie sonst auch immer beschäftigt sein mögen, nach. Auch die Schaufenster der Geschäftsstraßen zeigen nichts Außergewöhnliches. Weder gibt es dort „Orgien“ in Blau-Weiß, den Vereinsfarben des größten Sportvereins (VfL) in der Stadt, noch zieren Porträts oder Gruppenbilder der Star-Handballtruppe die Auslagen.
Und doch: So ganz aus der Luft gegriffen ist das Bild der Kollegen aus den Massenblättern nicht. Wo immer in diesen Tagen in Oldesloe über Sport geredet wird, gibt es (fast) nur ein Thema: Schafft die Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe nach ihrem beispiellosen Siegeszug in der zweiten Liga – alle 22 Spiele hat die Truppe von Trainer Claus Schilk, obwohl Neuling in der Klasse, in dieser Saison gewonnen und dabei fast 600 Tore geworfen, in Punktspielen ist sie gar schon 19 Monate hintereinander ohne Niederlage – nun auch noch im ersten Anlauf den Sprung in die (in der nächsten Saison wieder eingleisige) erste Bundesliga?
Die Meinungen sind da noch sehr geteilt. Die Skala reicht von euphorischen Fangesängen: „Nie mehr zweite Liga, nie mehr, nie mehr!“ bis hin zu unverhohlener Skepsis: „Der Truppe, die in der Saison selten oder nie echt gefordert wurde, wird in der Aufstiegsrunde Hören und Sehen vergehen.“
Aber das Rätsel, wer denn nun recht behält, die Skeptiker oder die Optimisten, wird bald gelöst sein. Morgen, Sonnabend, hebt sich um 19.30 Uhr der Vorhang in der Stormarnhalle für die Aufstiegsrunde. Erster Gegner des VfL ist dann der 1. FC Nürnberg, der Zweiter in der Gruppe Süd der zweiten Liga war.
Die Stormarnhalle, die ja schon im Verlauf der Saison immer glänzend gefüllt war – mit rund 400 Zuschauern im Schnitt steht der VfL in einer diesbezüglichen Rangliste im Deutschen Damenhandball ganz weit oben –, wird gewiß aus allen Nähten platzen. Die Nachfrage nach Karten für dieses Spiel ist schon seit Wochen riesengroß und wer noch am Spieltag ein Ticket erwerben will, wird sich frühzeitig auf den Weg in die Stormarnhalle machen müssen.
Und kein Zweifel: Für Stimmung werden die Stormarner Handballfans schon ausreichend sorgen. An Unterstützung haben sie es ihren „Lieblingen´“ in dieser Saison ja wahrlich nicht fehlen lassen. Dieser Begeisterung gerecht zu werden, hat sich die Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg vorgenommen. „In meiner Truppe sind in den letzten Tagen, Anspannung und Nervosität deutlich gestiegen“, gibt Trainer Claus Schilk, für den die Aufstiegsrunde natürlich auch der bisherige Höhepunkt seiner Karriere ist, seine Beobachtungen wieder. Aber das macht ihm keine Angst. „Die Mannschaft hat in den letzten Tagen und Wochen konzentriert und intensiv gearbeitet. Alle Spielerinnen sind prächtig motiviert für die kommenden Aufgaben. Wir wissen, daß wir nun schwerere Aufgaben als in der ganzen Saison zu lösen haben, gehen aber mit einer gehörigen gen Portion Zuversicht und Optimismus an die Spiele heran“, umreißt der VfL-Coach die Stimmung in seiner Truppe.
Natürlich weiß er, daß dem ersten Spiel in der Runde besondere Bedeutung zukommt. „Natürlich müssen wir gegen alle Gegner aus unserer Gruppe bestehen können. Sonst brauchen wir uns um die erste Liga überhaupt keine Gedanken zu machen. Aber wenn wir erst einmal die erste Partie erfolgreich hinter uns gebracht haben sollten, dann haben wir Rückenwind für die weiteren Aufgaben“, macht er aus der Zielsetzung, gegen den 1. FC Nürnberg zwei Punkte unter Dach und Fach bringen zu wollen, keinen Hehl.
Personell hat er keine Probleme. Lediglich Ulrike Rühter war in der Woche nicht ganz fit, aber beim VfL hofft man, die hochaufgeschossene Rückraumspielerin bis zum Sonnabend wieder „hin“ zu kriegen. Alle anderen haben die kurze Osterpause ohne Schaden überstanden und zur Regeneration nach der langen, kräfteraubenden Saison genutzt.
Aber nicht nur sportlich will der VfL jetzt seine Chance nutzen. Um das – eventuelle – Abenteuer Bundesliga auch finanziell bewältigen zu können, wird die Mannschaft in Zukunft noch mehr Unterstützung als in der Vergangenheit benötigen.
Neben der Zusammenarbeit mit den bisherigen Hauptsponsoren – die Firmen Glaxo, August Ernst und Seidel und Lingner (Coca-Cola) – ist ein „VfL-Pool 100“ in Vorbereitung. Wer dem VfL helfen will, die großen Zukunftsaufgaben anzupacken, sollte sich die am Sonnabend beim Spiel ausgelegten Informationen dazu sorgfältig durchlesen.
Interessant dürfte das auch werblich gerade für Firmen und Geschäftsleute allemal sein. Die tollen Erfolge der VfL-Damen nämlich haben ihre Attraktivität spürbar ansteigen lassen. Auch und gerade auf sportlichen Sektor gibt es inzwischen eine große Nachfrage nach dem Schilk-Team.
So hat jetzt sogar der amtierende Deutsche Meister, TuS Walle/Bremen, um ein Testspiel in Oldesloe nachgesucht. Ohne dafür eine Antrittsgage zu verlangen. Ins Auge gefaßt, allerdings noch nicht endgültig bestätigt, ist dafür schon der Dienstag kommender Woche. Spielbeginn in der Stormarnhalle wäre dann um 19.30 Uhr. Claus Schilk ist während der Aufstiegsrunde – anders als in der Vorbereitung dafür – zwar nicht vorbehaltlos für ein solches „Zwischenspiel“, würde es aber wegen der Attraktivität des Gegners und der Möglichkeit, aus einem solchen „Superspiel“ Kapital für zukünftige Aufgaben schlagen zu können, dennoch in Kauf nehmen.
STORMARNER TAGEBLATT vom 24.4.1992
Freitag, 24. April 1992
„Wir haben einigen Respekt vor dem VfL“
(us). Vor ausverkauftem Haus spielen die Handball-Damen des 1. FC Nürnberg nur ganz selten. „Im Schnitt kommen zu unseren Heimspielen etwa 150 Zuschauer“, erzählt „Club“-Trainer Gerhard Sauer. Seine Truppe belegte in der zweiten Liga Süd den zweiten Platz hinter Meister Wiesbaden. Vor der Kulisse hat der Coach der Franken aber keine Angst.
Im Gegenteil: „Volle Hallen stimulieren uns“, meint Sauer. Immerhin brachten die Nürnbergerinnen vor 600 Fans Wiesbaden die einzige Heimniederlage der Saison bei. „An guten Tagen können wir fast jede Mannschaft schlagen“, so Manager Walter Keim, der mit dem Aufstieg in die erste Liga liebäugelt.
„Kopf“ der Mannschaft ist die ehemalige Nationalspielerin Claudia Starke auf der rechten Rückraumposition. Neben Spielmacherin Vesna Putja, die aus Belgrad nach Nürnberg kam und Kreisläuferin Gerlinde Csutak zählt sie zu den auffälligsten Spielerinnen beim 1. FCN. Der Einsatz von Csutak am Sonnabend ist wegen einer Verletzung allerdings fraglich.
„Wir haben einigen Respekt vor dem VfL“, meint Trainer Sauer. Seine Taktik: Das Tempospiel des VfL soll durch aggressive Abwehrarbeit unterbunden werden. „Ich hoffe auf eine interessante Partie, die möglichst lange offen bleibt“, sagt der Nürnberger Trainer.
Sein eigenes Team schätzt er wie folgt ein: „Zu stark für die zweite Liga, zu schwach für die erste Liga“. Die desolate Finanzsituation der Fußballabteilung des Vereins (mehrere Millionen Schulden) belastet auch die Zukunft der Handballerinnen. Dazu Trainer Sauer: „Es ist sehr schwer, in dieser Lage Sponsoren für uns zu finden.“
STORMARNER TAGEBLATT vom 24.4.1992
Sonnabend, 25. April 1992
Es wird ernst für die VfL-Damen
(mth). In Stormarns Sportgeschehen gibt es am Wochenende ein volles Programm, aber das Interesse konzentriert sich fast ausschließlich auf ein Top-Ereignis: Heute um 19.30 Uhr beginnt in der Stormarnhalle für die Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe die Aufstiegsrunde zur ersten Bundesliga. Erster Gegner der Truppe um Publikumsliebling Zsuzsa Nyari ist der 1. FC Nürnberg.
Die Chancen der Oldesloerinnen, die in der zweiten Liga ja mit 22 Siegen in Folge eine beispiellose Erfolgsserie hinlegten, stehen ganz gewiß nicht schlecht und würden mit einem Auftaktsieg ganz gewiß noch weiter steigen.
Dazu will sie das begeisterungsfähige Stormarner Handballpublikum mit seiner Unterstützung treiben. Die Stormarnhalle wird ganz sicher bis zum letzten Platz gefüllt sein, und bei einem Sieg des VfL einem Tollhaus gleichen.
Wer sich noch eine Karte sichern will, sollte sich heute rechtzeitig auf den Weg in die Halle machen. Die Kassen werden ab 18 Uhr besetzt sein.
STORMARNER TAGEBLATT vom 25.4.1992
Sonnabend, 25. April 1992
VfL Oldesloe – 1. FC Nürnberg 28:18 (12:9)
Die restlos ausverkaufte Stormarnhalle glich am Ende einem Tollhaus / „Standing Ovations“ für die Schilk-Truppe
28:18. Für die Oldesloerinnen begann die Aufstiegsrunde nach Maß
1. FC Nürnberg vom „VfL-Express“ überrollt
(mth). Als das Schiedsrichtergespann Baumert/Lückert (aus Marienheide und Gummersbach) um 20.45 Uhr das erste Spiel in der Aufstiegsrunde zur ersten Handball-Bundesliga zwischen dem VfL Oldesloe und dem 1. FC Nürnberg abpfiff – die pünktliche Ausführung dieses Aktes gehörte zu den ganz wenigen Aktionen der Herren in Schwarz, die die ungeteilte Zustimmung aller Beteiligten fand –, fand ein wahres Handballfest in der mit rund 550 Zuschauern restlos ausverkauften Stormarnhalle noch lange nicht sein Ende.
Minutenlang verharrten die Zuschauer noch auf ihren Plätzen und dankten der Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg mit „Standing ovations“ für eine berauschende Leistung. Der „VfL-Express“, der ja schon in der zweiten Liga nicht aufzuhalten gewesen war – die Mannschaft hatte ihre sämtlichen 22 Punktspiele gewonnen –, war wie ein Sturmwind auch über die Nürnbergerinnen hinweggefegt. Mit 28:18 (12:9)
hatten die Stormarnerinnen die Partie für sich entschieden.
Den Aufstieg in die Bundesliga haben sie zwar auch mit diesem grandiosen Sieg noch lange nicht in der Tasche – noch stehen drei hohe Hürden vor ihnen –, aber die Truppe hat nun wirklich alle Chancen, den Traum Wirklichkeit werden zu lassen.
Das räumte nach Spielschluß auch Nürnbergs Trainer Gerhard Sauter unumwunden ein. Er war sichtlich konsterniert von dem, was vorher auf ihn und seine Schützlinge eingeprasselt war, zeigte sich aber als beispielhaft fairer Verlierer. „Der Sieg der Oldesloerinnen war verdient. Ich kann der Stadt Oldesloe zu dieser tollen Mannschaft und zu diesem großartigen Publikum, das bei aller Begeisterung für ihr Team auch uns fair behandelt hat, nur gratulieren. Abgerechnet wird in der Aufstiegsrunde, in der noch viel passieren kann, zwar erst zum Schluß, aber ich kann mir gut vorstellen, daß diese homogene Truppe ihren Weg machen wird“, verteilte er geradezu überschwängliche Komplimente.
Dazu konnte das Geschehen aber auch wirklich animieren. Der VfL war topfit und hochmotiviert an seine große Aufgabe herangegangen. Und er ließ sich durch nichts erschüttern und aufhalten. Auch nicht durch einen Blitzstart des Gastes aus dem Frankenland. Der hatte Anwurf und schon nach 17 Sekunden erzielte Ex-Nationalspielerin Claudia Starke mit mächtigem Wurf aus der zweiten Reihe das 0:1.
Das hätte sicher manchen Gegner nervös gemacht, aber der VfL hat schließlich mit Zsuzsa Nyari eine Ausnahmespielerin in ihren Reihen, für die das Wort „Nervosität“ nicht nur deshalb ein Fremdwort ist, weil ihre Muttersprache ungarisch ist. In unnachahmlicher Art und Weise drehte sie den Spieß innerhalb von knapp 100 Sekunden um.
2:1 führte der VfL nach drei Minuten und fortan hatte er stets die Nase vorn. Nur ein einziges Mal noch kam der 1. FCN zum Ausgleich (2:2 in der 5. Minute). Dann lief das VfL-Spiel wie am Schnürchen. Dabei konnte von einer „Ein-Mann(Frau)-Schau“ dann nicht mehr die Rede sein.
Zsuzsa Nyari spielte zwar auf ihrem überragenden Niveau, mit dem sie gleich losgelegt hatte, weiter, bis sie wegen einer hoffentlich nicht schwerwiegenden Wadenverletzung kurz nach der Halbzeit kürzer treten mußte. Aber auch alle ihre Mitspielerinnen steigerten sich in prächtige Form.
Am nötigen Siegeswillen fehlte es, das war deutlich zu spüren, ohnehin niemandem im VfL-Team. Ob Roswitha Bein, Britta Peterat, Marion Werner, Andrea Hasenberg oder Melanie Bernecker, alle gingen von der ersten Minute an „volle Pulle“ und bewegten sich am oberen Rand ihrer Leistungsmöglichkeiten.
Ein Sieg für den VfL hatte sich dabei schon nach 13 Minuten abgezeichnet. 8:3 führte die Mannschaft da schon und der Gegner war schon sichtlich gezeichnet. Dabei hatte der VfL, bei dem Stefanie Bernecker wegen Krankheit ausgefallen war, schon vorher einen weiteren Ausfall hinnehmen müssen. Britta Peterat, die blendend gestartet war, war in der 11. Minute ohne gegnerische Einwirkung mit dem rechten Fuß umgeknickt und mußte ausscheiden.
Der Einsatz von Ulrike Rühter an ihrer Stelle verhieß ein Risiko zu werden. Sie war die Woche über krank gewesen und mutmaßlich, so ihr Mann, Co-Trainer Jens Rühter, nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte. Umso erstaunlicher dann ihre Leistung über fast noch 50 Minuten. So energisch, sicher und unternehmungslustig hat man die Hamburgerin im VfL-Dress noch nie gesehen und aus der homogenen Truppe verdient sie sicher besonders herausgehoben zu werden.
Wiewohl auch andere Spielerinnen noch über sich hinauswuchsen. So Melanie Bernecker, die anfangs ein wenig Pech mit ihren Würfen hatte, aufgebaut durch einen Siebenmeterwurf in der 38. Minute aber zu altem Selbstvertrauen zurückfand und am Ende mit fünf Treffern zu den erfolgreichsten Spielerinnen ihrer Mannschaft zählte.
Ihr Siebenmeter bedeutete im übrigen das 17:9 für den VfL. Nach dem oben erwähnten 8:3 (13.Minute) war es für
die Stormarnerinnen noch zehn Minuten (bis zum 12:7 von Roswitha Bein) nahezu optimal gelaufen. Dann hatte der VfL eine kleine Durststrecke, so daß die Gäste bis zur Pause auf 9:12 herankamen. Fünf Treffer in Folge nach dem Wechsel aber sorgten dann schnell wieder für klare Verhältnisse.
Die wollten offensichtlich auch die Schiedsrichter schaffen. Von Anfang an machten die „Herren Wichtig“, wie Nürnbergs Coach sie treffend bezeichnete, auf ihre herausgehobene Rolle aufmerksam. In der Partie, in der beide Teams zwar durchaus körperbetont aber eigentlich nur selten unfair zur Sache gingen, warfen sie mit gelben Karten und Zeitstrafen nur so um sich.
Zu Hauptopfern wurden dabei Vesna Budja (42.), Nikola Stark (51.) und Roswitha Bein (56.) die jeweils für ihre dritten Zwei-Minuten-Zeitstrafen Rot sahen. Sicher übertriebene Strafmaßnahmen, wie beide Trainer nach dem Spiel übereinstimmend konstatierten, ohne daß sie allerdings für den Ausgang des Spiels von maßgeblicher Bedeutung waren.
Dafür hatten vielmehr die tollen Tore von Zsuzsa Nyari (7/2), Roswitha Bein (5/3), Melanie Bernecker (5/1), Andrea Hasenberg, Ulrike Rühter (je 4) und Marion Werner (3) gesorgt. Ohne Tor blieb neben der früh verletzten Britta Peterat auch Babette Bischof, die dennoch eine tadellose Leistung (vor allem in der Abwehr) bot.
Im Tor ließ sich Jeanine Hildebrand zwar von ein paar Fernwürfen von Claudia Starke (5 Tore) und Lisa Gerber (4) überraschen, obwohl die exakt so kamen, wie man es sich beim VfL vorher ausgerechnet hatte, dafür aber zeigte sie vor allem in der ersten Phase der zweiten Halbzeit ein paar traumhafte Reaktionen, mit denen sie die Nürnbergerinnen schier zur Verzweiflung brachte.
Annette Schümann hatte da in den letzten acht Minuten einen eher undankbaren Part und kassierte noch fünf der insgesamt 18 Gegentreffer, durfte sich dafür aber schließlich noch mit einem gehaltenen Siebenmeter (58. Minute) trösten.
Das animierte ihre Kolleginnen schließlich noch zu zwei weiteren Treffern in den Schlußsekunden, was mit dem 28:18-Endstand noch wieder den Zehn-Tore-Vorsprung bescherte, den es auch zwischenzeitlich ein paar Mal gegeben hatte. Damit ist der VfL erster Tabellenführer in der Aufstiegsrunde. Im zweiten Spiel nämlich siegte der nächste VfL-Gegner, PSV Grün-Weiß Frankfurt, etwas unerwartet aber weniger deutlich (24:19) bei SC Empor Rostock,
STORMARNER TAGEBLATT vom 27.4.1992
Montag, 27. April 1992
Und jetzt kommt Meister TuS Walle
(mth). Bis zum nächsten (und letzten) Heimspiel der Handball-Damen des VfL Oldesloe in der Aufstiegsrunde zur ersten Bundesliga müssen sich die Oldesloer Handballfans noch ein wenig gedulden. Am 16. Mai ist dann der BVB Borussia Dortmund (Meister der zweiten Liga Gruppe Mitte) Gast in der Stormarnhalle. Gut möglich, daß in der Partie dann die Entscheidung fällt, wer den Sprung in die erste Liga schafft.
Wer auch immer es sein wird, der wird sich dann in der kommenden Saison unter anderem mit dem amtierenden Deutschen Meister TuS Walle/Bremen, der auch in diesem Jahr ein heißer Titelaspirant ist, auseinandersetzen müssen. Einen Vorgeschmack darauf können die Stormarner Handballfans aber schon jetzt genießen.
Ein Testspiel gegen einen solch starken Gegner paßt VfL-Coach Claus Schilk im Moment zwar nicht unbedingt „in den Kram“ – die Aufstiegsrunde ist schließlich stressig und kräftezehrend genug –, aber es gibt auch im Sport gelegentlich Angebote, die man nicht ablehnen kann. Und als solches sieht man beim VfL die Nachfrage des Deutschen Meisters an, morgen (Dienstag) um 19.30 Uhr in der Stormarnhalle ein Freundschaftsspiel auszutragen. Das abzulehnen wäre den VfL-Verantwortlichen als Frevel gegenüber seinem treuen Anhang vorgekommen.
Immerhin tritt das Starensemble aus Bremen – in dem Team, das in dieser Saison nur knapp am Gewinn des Europapokals vorbeischrammte, tummeln sich fast ausschließlich Nationalspielerinnen verschiedenster europäischer Länder – in der Stormarner Kreisstadt ohne Gagenforderung an.
Das ist für eine Profitruppe wie den TuS Walle alles andere als eine Selbstverständlichkeit und ist sicher auch Ausdruck der großen Wertschätzung, die den VfL-Damen inzwischen im deutschen Spitzenhandball zuteil wird.
Natürlich wird der VfL in dieser Partie nicht an die Grenzen seiner physischen Leistungsfähigkeit herangehen. Schließlich will er seine Kräfte für die Aufstiegsrunde nicht verpulvern. Aber achtbar möchten sich die Damen um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg schon gegen den Meister aus der Affaire ziehen.
Schon um ihren Fans, denen sie wegen der beispiellosen Unterstützung ja auch einen Teil ihrer tollen Erfolge verdanken, einen weiteren sportlichen Leckerbissen zu schenken. Vielleicht gar einen einmaligen, unwiederbringlichen. Denn ob es eine Startruppe aus dem Bremer Vorort in der derzeitigen Zusammensetzung auch in Zukunft geben wird, ist eher fraglich. Deren finanzstarker Mäzen nämlich hat seine Unterstützung, ohne die ihre Blütezeit undenkbar gewesen wäre, für das Ende der Saison aufgekündigt.
STORMARNER TAGEBLATT vom 27.4.1992
Montag, 27. April 1992
Wer will mit nach Rostock?
(mth). Zum ersten Auswärtsspiel in der Aufstiegsrunde am kommenden Sonntag um 16 Uhr bei PSV „Grün-Weiß“ Frankfurt/Main können die Handball-Damen des VfL Oldesloe ihren treuen Fans keine Mitfahrgelegenheit anbieten. Der Grund ist einleuchtend: Die Truppe von Trainer Claus Schilk tritt die lange Reise mit der Bahn an.
Zum zweiten Auswärtsspiel am 9. Mai bei Empor Rostock aber haben Schlachtenbummler wieder die Chance, die Mannschaft zu begleiten. Allerdings werden auch dann Plätze eher rar sein. Rund 40 Leute aber werden die Chance haben, Zsuzsa Nyari und Co. direkt zu begleiten.
Interessenten dafür sollten sich umgehend mit Abteilungsleiter Jürgen Dorn (Telefon 04531/5108) in Verbindung setzen. Fahrkosten in Höhe von 20 Mark (ohne Eintrittskarte) sind gleich bei der Anmeldung zu entrichten.
STORMARNER TAGEBLATT vom 27.4.1992
Dienstag, 28. April 1992
Heute um 19.30 Uhr TuS Walle Bremen in Oldesloe
VfL-Damen testen den Meister
(mth). Arm an Höhepunkten ist die Handballsaison in Bad Oldesloe ja bislang wahrhaftig nicht gewesen und vielleicht steht der krönende Abschluß mit einem Aufstieg der VfL-Damen in die erste Bundesliga ja noch bevor.
Heute um 19.30 Uhr aber wird den Stormarner Handballfans noch einmal ein besonderer Leckerbissen geboten. Um 19.30 Uhr gastiert der amtierende Deutsche Meister im Damen-Handball, der TuS Walle/Bremen, zu einem Testspiel gegen die Truppe von Trainer Claus Schilk in der Stormarnhalle.
Die Mannschaft aus der Bremer Vorstadt ist gespickt mit Nationalspielerinnen und bereitet sich zur Zeit auf die Play-Off-Runde vor, in der sie gern ihren Titel verteidigen möchten.
Vielleicht als letzte Großtat des Ausnahmeteams, denn dessen Zukunft ist nach dem Rückzug seines Mäzens zum Saisonende ungewiß.
Gegen diesen hochkarätigen Gegner möchte sich der VfL gern achtbar aus der Affaire ziehen. Ohne sich dabei aber kräftemäßig zu verausgaben, denn das Hauptaugenmerk gilt selbstverständlich der Aufstiegsrunde. Aber vielleicht sind gerade deshalb heute technische Kabinettstückchen zu bewundern.
STORMARNER TAGEBLATT vom 28.4.1992
Dienstag, 28. April 1992
VfL Oldesloe – TuS Walle Bremen 20:25
20:25. Auch ohne Nyari, Peterat und Bein gegen den Deutschen Meister gut aus der Affaire gezogen
Im zweiten Aufstiegsrundenspiel in Frankfurt/Main fühlt sich der VfL trotzdem nur als Außenseiter
(mth). Die Voraussetzungen für die Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe, sich auch gegen den amtierenden Deutschen Meister TuS Walle/Bremen ordentlich aus der Affaire ziehen zu können, waren eigentlich nicht die besten. Über weite Strecken der Punktrunde in der zweiten Liga war die Truppe von Trainer Claus Schilk ja von größeren Verletzungsmiseren verschont geblieben.
Auch das war sicher ein Grund mit für die konstant guten Leistungen und die 22 Siege in Folge. Aber ausgerechnet jetzt, wo es in der Aufstiegsrunde darum geht, die tolle Serie nun auch noch mit dem Aufstieg in die Bundesliga zu krönen, trifft den VfL das Verletzungspech.
Den tollen Sieg gegen den 1. FC Nürnberg zum Auftakt dieser Runde nämlich hat die Mannschaft womöglich reichlich teuer bezahlen müssen, Britta Peterat war in der Partie ja schon nach rund zehn Minuten ausgeschieden – sie war mit dem rechten Fuß umgeknickt – und auch Zsuzsa Nyari kam nicht unversehrt über die Runden. Sie plagt sich seither mit einer Muskelverletzung in einer Wade.
Beide standen für das Freundschaftsspiel gegen die Star-Truppe von der Weser nicht zur Verfügung. Und als die Partie kaum eine Viertstunde als war, gesellte sich mit Roswitha Bein noch eine weitere Leistungsträgerin der Verletztenabteilung zu. Sie wird in ihrem Leistungsvermögen von einer Brustbeinprellung behindert.
Alle drei allerdings unterziehen sich einer intensiven physiotherapeutischen Behandlung und sind selbst zuversichtlich, am Sonntag in Frankfurt wieder dabei sein zu können.
Gegen TuS Walle aber waren sie, wie gesagt, nicht dabei und da schwante manchem, es könne für die Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg eine derbe „Klatsche“ geben. TuS Walle ist schließlich nicht irgendeine Mannschaft. Zusammen mit dem TSV Lützellinden ist sie unbestritten die „Nummer l“ im deutschen Damen-Handball und selbst in ganz Europa, ja in der ganzen Welt können ihr nur wenige Vereinsmannschaften das Wasser reichen.
Ihr Aufgebot besteht mit Ausnahme der dritten Torhüterin Christine Lindemann ausschließlich aus erfahrenen Nationalspielerinnen. Zusammen bringt es das Team locker auf 1350 Einsätze in Nationalteams. Viele von ihnen (drei aus Ungarn, eine aus der früheren UdSSR, eine aus Polen und mehrere aus der ehemaligen DDR) dabei aus jenen Ostblockteams, die jahrzehntelang die internationale Handballszene geprägt und beherrscht haben.
Und so profihaft, wie dort für die Auswahlmannschaften gearbeitet worden ist, so profihaft trainieren und spielen sie jetzt in Bremen. Wobei man nicht recht weiß, wie lange noch, weil der Mäzen, der diesen Höhenflug mit seinem Geld möglich machte, zum Saisonende aufhört. Noch aber ist das Team zusammen und will den im letzten Jahr errungenen Meistertitel erfolgreich verteidigen.
Das Spiel in Oldesloe war für die Bremerinnen als ein Test für die bald beginnenden Play-Off-Spiele gedacht. Entsprechend ernst hat es die Truppe um die deutsche Rekordnationalspielerin Dagmar Stellberg (205 Länderspiele) auch genommen. Nicht so sehr mit dem Ziel, den VfL nun so hoch wie irgend möglich zu schlagen, wohl aber eintrainierte Spielzüge einmal unter Wettkampfbedingungen zu testen.
Das war dann streckenweise auch wirklich verblüffend, was da an verwirrenden Kombinationen gezeigt wurde. Alles dazu in schier unglaublichem Tempo und von beeindruckender Dynamik. Physisch nämlich ist – was Wunder bei mindestens zwei Trainingseinheiten am Tag – jede einzelne Spielerin blendend auf dem Posten.
Aber die tolle Vorstellung des TuS Walle war nicht das einzig Verblüffende an diesem Spiel. Die gut 200 Zuschauer, die dem VfL so zu einer willkommenen Finanzspritze verhalfen – der Deutsche Meister war ohne Gage zu fordern angetreten, hatte selbst allerdings eigentlich mehr an ein Trainingsspiel ohne Zuschauer gedacht und verbat sich Videoaufnahmen, weil er fürchtete, sie könnten in die Hände von Konkurrenten geraten –, erlebten auch eine einheimische Mannschaft, die trotz der erwähnten personellen Handikaps unterstrich, daß sie nicht umsonst an der Schwelle zur ersten Bundesliga steht.
Als nach etwas zögerlichem Beginn die ganze Mannschaft den Respekt vor dem übermächtigen Gegner abgelegt hatte, hielt sie prächtig mit und zog sich insgesamt glänzend aus der Affaire. Einige VfLerinnen, wie Marion Werner, Ulrike Rühter und Torhüterin Jeanine Hildebrand, hatten ohnehin mit Ehrfurcht vor dem Gegner von Anfang an nichts am Hut. Sie spielten gleich couragiert und rotzfrech (Marion Werner) auf und zogen nach und nach auch ihre übrigen Mannschaftskolleginnen mit.
Beispielsweise die beiden Bernecker-Schwestern, die am Ende ebenso wie Marion Werner (1 Siebenmeter) und Ulrike Rühter vier Treffer auf ihrem Konto stehen hatten. Melanie verwandelte dabei drei Siebenmeter ganz sicher, Stefanie einen. Babette Bischof (2/1), Andrea Hasenberg und – zum Jubel ihrer vielen Fans – auch die wieselflinke Nicole Röhrs je einen.
Damit blieben die Stormarnerinnen eigentlich immer auf Sichtweite zum Gegner. Der hatte anfangs mit 7:3 (8. Minute) und 8:4 (13.) seine höchsten Führungen. Dann blieb der VfL zumeist auf Tuchfühlung, holte gelegentlich sogar auf und schaffte einmal zur Freude seiner Fans (39. Minute zum 15:15) den Gleichstand.
Vier, fünf, sechs (25:19) und am Ende wieder fünf Tore Vorsprung hatte der Meister dann erst in den Schlußminuten, als das ansonsten ordentliche Schiedsrichterpaar aus dem Kreis Segeberg meinte, dem VfL zu guter Letzt ein paar Zeitstrafen aufbrummen zu müssen. Aber das tat dem VfL dann auch nicht mehr weh.
In der Verfassung, in der er sich gegen Walle vorstellte, zu der auch Annette Schümann in den letzten 22 Minuten ihr Scherflein beitrug, kann der VfL durchaus optimistisch die Reise nach Frankfurt antreten. Schon gar, wenn sich bis dahin wie erhofft, das Lazarett auflöst.
„Wir sind in Frankfurt ganz sicher nur Außenseiter, denn die Hessen müssen nach dem Auswärtssieg in Rostock im Duell der Bundesligisten in unserer Gruppe als die großen Favoriten angesehen werden“, dämpft VfL-Coach Claus Schilk überzogene Erwartungen bei den Fans. „Aber Motivation und Einstellung bei meinen Spielerinnen sind zur Zeit so vorzüglich, daß wir dort nicht hinfahren, um uns das Fell über die Ohren ziehen zu lassen.“
Schilk hat die Frankfurterinnen einmal in einer Bundesliga-Begegnung gegen Motor Zwickau unter die Lupe nehmen können. In der ansonsten sehr ausgeglichen besetzten Mannschaft hat er dabei die 120fache Nationalspielerin Hannelore Koch, die Ungarin Tünde Hajdn und Torhüterin Michaela Geiger als herausgehobene Leistungsträgerinnen ausgemacht. Letztere kennt besonders Roswitha Bein sehr gut, haben beide zusammen doch an der letzten Junioren-Weltmeisterschaft teilgenommen.
STORMARNER TAGEBLATT vom 30.4.1992
Donnerstag, 30. April 1992
Jetzt hebt der VfL ab
(mth). Auf sportlichem Höhenflug ist die Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe ja schon geraume Zeit. Jetzt aber hebt sich endgültig ab. Und das ist wörtlich zu nehmen. Zum Auswärtsspiel am Sonntag um 16 Uhr bei PSV Grün-Weiß Frankfurt in der Fabrik-Sporthalle in der Main-Metropole hatte die Mannschaft eigentlich per Bahn reisen wollen.
Aber der Streik im öffentlichen Dienst hat durch dieses Vorhaben einen Strich gemacht. Das Risiko, hier oder irgendwo auf der Strecke festzusitzen, will man beim VfL nicht eingehen. Dann wären, „höhere Gewalt“ hin, „höhere Gewalt“ her, mutmaßlich die Punkte futsch.
Also hat man sich kurzerhand entschlossen, mit dem Flugzeug an den Main zu reisen. Die Truppe tritt dabei den Trip schon am Sonnabendnachmittag an. Sie übernachtet in einem Sporthotel, nachdem sie vorher in der Heimhalle des Deutschen Meisters bei den Herren, SG Wallau/Massenheim, noch ein Auflockerungstraining gemacht hat. Am Sonntag hofft sie dann ausgeruht in die wichtige Partie gehen zu können.
STORMARNER TAGEBLATT vom 30.4.1992
Sonnabend, 2. Mai 1992
VfL-Damen morgen in Frankfurt
Ein Sieg wäre die „halbe Miete“
(mth). Im zweiten Spiel der Aufstiegsrunde zur ersten Bundesliga tritt die Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe am Sonntag um 16 Uhr bei PSV Grün-Weiß Frankfurt/Main an.
Nach dem tollen Auftaktsieg am letzten Wochenende gegen den 1. FC Nürnberg (28:18) wäre ein Erfolg bei dem Bundesligisten (8. in der Abschlußtabelle der ersten Liga/Süd) für die Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg schon die „halbe Miete“ auf dem Weg ins Oberhaus.
Können Zsuzsa Nyari, Britta Peterat und Roswitha Bein, die zuletzt an Verletzungen laborierten und deshalb auch das Testspiel gegen den Deutschen Meister TuS Walle/Bremen nicht mitmachen konnten, wieder mitwirken, beim VfL ist man da ganz zuversichtlich, geht sie mit einer gehörigen Portion Optimismus in das schwere Spiel.
Wiewohl sie sicher nur als Außenseiter nach Frankfurt reisen, denn nach dem 24:19-Erfolg beim Bundesliga-Konkurrenten SC Empor Rostock ist PSV Grün-Weiß Frankfurt nun heißer Favorit der Aufstiegsgruppe.
STORMARNER TAGEBLATT vom 2.5.1992
Sonntag, 3. Mai 1992
PSV Grün-Weiß Frankfurt/M. – VfL Oldesloe 22:19 (8:13)
In der Schlußphase ging dem VfL in Frankfurt die Puste aus
VfL hatte den Sieg vor Augen, aber in den letzten elf Minuten waren Konzentration und Kondition verbraucht
(mth). Um 17.04 Uhr war die Welt für die Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe in Ordnung. Ja, der Himmel hing, wie es ein uralter Schlager besagt, für sie voller Geigen.
Zu diesem Zeitpunkt führte die Truppe von Trainer Claus Schilk am zweiten Spieltag der Aufstiegsrunde bei der Bundesliga-Vertretung des PSV Grün-Weiß Frankfurt (8. in der Gruppe Süd nach der abgelaufenen Saison) mit 19:16. Zsuzsa Nyari, die ungarische Nationalspielerin in den Reihen des VfL, hatte gerade ihren fünften Treffer markiert und es waren noch elf Minuten bis zum Schlußpfiff.
Das war noch nicht einmal die höchste Führung für die Stormarnerinnen in dieser Partie gewesen. Zur Halbzeit hatte der VfL sogar mit 13:8 in Führung gelegen und wie der sichere Sieger ausgesehen. Aber die Mannschaft hatte, um zu solchen Zwischenresultaten zu kommen, bis an die äußerste Leistungsgrenze gehen müssen.
Und die ließ sich in der Schlußphase dann nicht mehr hinausschieben. Die Stormarnerinnen waren schlicht und ergreifend ausgelaugt und am Ende ihrer Möglichkeiten angelangt. Physisch und psychisch, das wußte der routinierte Gegner auszunutzen. Ihm gelang fortan alles, dem VfL überhaupt nichts mehr.
Noch sechs Tore legte die Truppe aus der Main-Metropole in den letzten elf Minuten nach, dem VfL, dem nun in ein paar Situationen auch das Pech an den Händen klebte, gelang kein einziges mehr.
Insbesondere Ex-Nationalspielerin Hanne Koch, die vorher gegen Andrea Hasenberg „keine Schnitte“ gesehen hatte, drehte in dieser Phase groß auf, ließ all ihre Cleverness spielen und war am Umschwung mit vier Toren in Folge maßgeblich beteiligt.
Ein Umschwung hatte sich erstmals schon in den ersten Minuten nach der Pause angedeutet. Binnen weniger Minuten hatten die Hessinnen den Halbzeitrückstand von 8:13 auf 13:14 verkürzt. Sie konnten sich dabei auf Marion Müller im Tor stützen, die mit überragenden Paraden in Serie den VfL schier zur Verzweiflung brachte.
Die Jugend-Nationalspielerin hatte in der Halbzeit die weit weniger glücklich agierende Michaela Geiger zwischen den Pfosten abgelöst. Die hatte vorher deutlich im Schatten von Jeanine Hildebrand gestanden, die sich in prächtiger Verfassung präsentierte und Garant für die tolle Halbzeitführung gewesen war.
Die war bis zur 22. Minute wahrlich nicht abzusehen gewesen. 8:8 stand es bis zu diesem Zeitpunkt. Nach wechselvollem Geschehen. Dem 1:0 aus der Anfangsminute ließ der VfL bis zur 6. Minute drei Treffer hintereinander folgen. Dann drehte Frankfurt den Spieß um und führte nach elf Minuten seinerseits mit 5:3. Zwischen dem 6:6 fünf Minuten später bis zum angesprochenen 8:8 verlief die Partie dann ausgeglichen.
Dann setzte Zsuzsa Nyari mit dem 8:9 nach herrlichem Spielzug ein Signal für einen tollen Oldesloer Zwischenspurt, der im 13:8 zur Pause einmündete. Dieser Zwischenspurt gab dem VfL auch Mut und Rückhalt für die Phase nach dem Anschlußtreffer der Gastgeberinnen zum angesprochenen 13:14 in der 36. Minute. Und noch einmal klappte es für die Oldesloerinnen, obwohl Melanie Bernecker in der 40. Minute einen Siebenmeter verwarf.
Bis zum 19:16 neun Minuten später reichte der Akku bei der Schilk-Truppe noch, dann aber war er von einer auf die andere Sekunde plötzlich gähnend leer. Da paßte ins Bild, daß der VfL den Treffer zum 21:19 für Frankfurt in der 56. Minute sogar in Überzahl kassierte und Zsuzsa Nyari, trotz der gerade überstandenen Wadenverletzung in toller Verfassung und einmal mehr Mittelpunkt des VfL-Spiels, in der Schlußminute auch mit einem Siebenmeter scheiterte.
Bei dem allerdings hätte bestenfalls noch Ergebniskosmetik herausspringen können. Das Spiel war zu diesem Zeitpunkt schon zugunsten der Frankfurterinnen gelaufen. Dafür hat es, betrachtet man die Partie insgesamt im Rückblick, natürlich auch ein paar Gründe gegeben.
Die Schiedsrichter Kranz/Mehlin aus Lörrach waren dabei sicher keiner. Sie boten zwar eine bestenfalls oberligareife Leistung, benachteiligten mit ihren Fehlentscheidungen aber beide Teams etwa gleichmäßig.
Schwerer ins Gewicht fielen da sicher Rückraumschwächen beim VfL. Weniger, was den Spielfluß angeht, wohl aber den Abschluß. Melanie Bernecker und Britta Peterat trafen nicht ein einziges Mal, Ulrike Rühter und Stefanie Bernecker nur je einmal.
Blieb Roswitha Bein, aber ihre fünf Tore (davon zwei Siebenmeter) fielen alle vor der Pause. Nach dem Wechsel
hatten die Frankfurter Lunte gerochen und deckten „Rossi“
eng und konsequent.
Also war der VfL fast ausschließlich auf Tore vom Kreis und von den Außenpositionen angewiesen. Zsuzsa Nyari (5), Andrea Hasenberg und Babette Bischof (je 3) erfüllten dabei ihr Soll voll, aber von Marion Werner hatte man sich nach den letzten tollen Leistungen sicher mehr als einen Treffer erhofft. Sie aber hatte eine besonders starke und aufmerksame Gegenspielerin, in der Anfangsphase dazu Pech mit ein paar Versuchen und später durch zwei Zeitstrafen verunsichert.
Eine Ursache für die Niederlage waren sicher auch die vorangegangenen Verletzungen. Masseur Ralph Gericke (Bargteheide) hatte in der Woche zwar wirklich ganze Arbeit geleistet und alle Rekonvaleszenten rechtzeitig wieder fit bekommen. Aber insbesondere bei Britta Peterat hatte die Verletzung doch noch deutliche Spuren zurückgelassen, und auch der Kräfteabbau von Roswitha Bein erklärt sich damit etwas leichter.
Einzig Zsuzsa Nyari ließ sich von ihrer Verletzung nicht beeindrucken. Vielleicht ja auch, weil man ihrer Flugangst flexibel entsprochen hatte. Ihr war die Vorstellung, im Flugzeug nach Frankfurt reisen zu müssen, ein Greuel gewesen. Brauchte sie dann auch nicht. Peter Roeder vom Oldesloer „City-Taxi“ packte sie flugs in eines seiner Fahrzeuge und kutschierte sie, ohne sein Taxameter einzuschalten, zum Spiel und von dort an die Trave zurück.
Er war dann auch einer der wenigen Oldesloer Fans, die die Reise an den Main hatten mitmachen können. Ansonsten hatte es nur knapp 20 Stormarner – einschließlich einiger „Buten-Stormarner“, die jetzt in der Region leben – dorthin verschlagen.
Ungewohnt wenig für die Mannschaft, der sonst stets so viel Unterstützung zuteil wird. Vielleicht ja auch das mit ein Grund für den Rückschlag, der aber alles andere als ein Weltuntergang ist.
STORMARNER TAGEBLATT vom 4.5.1992
Dienstag, 5. Mai 1992
VfL-Handball: Fans können mitreisen
(mth). Einen Grund für die bittere Niederlage am Sonntag in Frankfurt hatte man im VfL-Lager schnell ausgemacht. Die Stimmung während des Spiels entsprach nicht dem, was man sich von einer Aufstiegsrunde zur Bundesliga erwartet. Weit weniger als 200 Zuschauer, darunter wegen der großen Entfernung nur etwa 20 VfL-Fans, verloren sich in der Frankfurter Fabriksporthalle.
„Mit unseren Fans im Rücken hätten wir die Bundesliga-Truppe, sicher geschlagen“, war sich Trainer Claus Schilk noch gestern ganz sicher. Damit seine Truppe am Sonnabend dieser Woche nicht noch einmal Unterstützung von den Rängen vermißt, wird es für Fans wieder eine Mitfahrgelegenheit geben. Noch ist schließlich für den VfL nichts verloren!
Interessenten sollten sich umgehend mit Abteilungsleiter Jürgen Dorn unter der Oldesloer Telefonnummer 5108 (ab 15 Uhr) in Verbindung setzen. Der Fahrpreis (ohne Eintrittskarte) wird 20 Mark betragen. Abfahrt ist am Sonnabend um 10.30 Uhr an der Stormarnhalle. Bei entsprechender Nachfrage wird neben dem Mannschaftsbus auch ein zweiter Reisebus eingesetzt.
STORMARNER TAGEBLATT vom 5.5.1992
Freitag, 8. Mai 1992
Am Sonnabend zweites Auswärtsspiel der VfL-Damen
Bei SC Empor Rostock kämpfen Nyari und Co. um die letzte Aufstiegschance
(mth). Realisten hatten es vorher, wenn nicht gewußt, dann aber zumindestens geahnt, und der Austragungsmodus der Aufstiegs-/Relegationsrunde zur ersten Bundesliga der Handball-Damen ließ für andere Interpretationen ohnehin kaum Ausweichmöglichkeiten: Die Chancen der Damenmannschaft des VfL Oldesloe, die so souverän durch die Punktrunde in der zweiten Liga marschiert und die so glänzend in die Runde gestartet war, sind mit der Niederlage am letzten Sonntag bei PSV Grün-Weiß Frankfurt rapide gesunken.
Aus eigener Kraft, soviel ist jetzt schon sicher, kann es die Truppe von Trainer Claus Schilk nicht mehr schaffen. Aber der verkehrteste Schluß, den man daraus ziehen könnte, wäre, nun die Flinte ins Korn zu werfen.
Nervenkitzel ist die einfache Runde der fünf Erstligaaspiranten, in der es keine Chancen gibt, etwaige Niederlagen in einem Rückspiel wieder auszugleichen, nicht nur für den VfL. Alle anderen Teams stehen vor der gleichen Ausgangsposition.
Auch die Frankfurterinnen, die an diesem Wochenende nur Zuschauer sind, können durchaus noch stolpern und Opfer ihrer eigenen Nerven werden. Geschieht das tatsächlich im Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg (16. Mai) oder im Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund (23. Mai), dann ist in der Gruppe alles wieder offen.
Alle anderen Mannschaften sind bislang schließlich (schon oder erst, ganz wie man das beurteilen will) mit zwei Minuspunkten belastet. Und da können die Karten natürlich noch ganz neu gemischt werden.
Für den VfL sähen sie dann sicher nicht schlecht aus. Deshalb hat VfL-Trainer Claus Schilk seine Schützlinge für das Spiel morgen um 17 Uhr beim SC Empor Rostock (gespielt wird in der Sporthalle Groß-Klein in der mecklenburgischen Hansestadt) auch noch einmal besonders heiß gemacht und zu motivieren versucht.
Sofern Letzteres überhaupt nötig war. An Ehrgeiz, Einstellung und Leistungsbereitschaft hat es die Mannschaft ja eigentlich nie fehlen lassen. Auch und schon gar nicht in Frankfurt. Auch dort hat sie sich gut und so teuer als irgend möglich verkauft.
Natürlich hat die Art- und Weise der Niederlage – die Mannschaft hatte ja einen Sieg greifbar nahe vor Augen, ehe sie durch elf desolate Schlußminuten um die Früchte ihrer Anstrengungen gebracht wurde – Spuren hinterlassen. Aber die sind mittlerweile wieder verwischt.
„Wir fahren ganz gewiß nicht chancenlos nach Rostock“, ist sich Claus Schilk sicher, „und wenn uns dort ein Sieg gelingt, dann haben wir auch noch eine Chance, den Aufstieg zu schaffen.“
Natürlich weiß er, daß die Aufgabe für sein Team nicht leichter als am letzten Sonntag sein wird. Die Rostockerinnen, so hat er registriert, als der den Siebten der ersten Bundesliga Gruppe Nord während der laufenden Serie unter die Lupe genommen hat, spielen ähnlich harten, körperbetonten Handball wie die Frankfurterinnen.
Sie haben ihre Hauptstützen in der ehemaligen DDR-Auswahlspielerin Iris Teichert, Dorin Schulz, die zusammen mit Roswitha Bein in der Junioren-Nationalmannschaft spielte, und Manuela Rudolf, die in der gleichen Truppe jetzt ebenso einen Stammplatz hat, wie die VfLerin Marion Werner.
Vor·Jahresfrist sind beide Mannschaften in einem Freundschaftsspiel im übrigen auch schon einmal, ebenfalls in Rostock, aufeinandergetroffen. Der VfL schlug sich seinerzeit ganz beachtlich, als der mit dem Aufgebot, mit dem er Regionalliga-Meister geworden war – also noch ohne Roswitha Bein, Ulrike Rühter, Babette Bischof, Britta Peterat und Marion Werner –, dem Bundesligisten nur mit vier Toren Differenz (18:22) unterlegen war.
Die Oldesloer hoffen, in Rostock wieder mit stärkstem Aufgebot auflaufen zu können. Ulrike Rühter und Britta Peterat mußten beim Training in dieser Woche zwar noch kürzer treten beziehungsweise geschont werden, werden aber in Rostock aller Voraussicht nach mit von der Partie sein können.
Dann hofft der VfL auch wieder auf Unterstützung seiner vielen treuen Fans, die er in Frankfurt wegen der großen Entfernung und des ungünstigsten Termins so schmerzlich vermißte. Die Entfernung nach Rostock ist schließlich nicht alle Welt und dazu gibt es für Fans Mitreisegelegenheit im Mannschaftsbus.
Der setzt sich um 10.30 Uhr an der Stormarnhalle in Bewegung. Wer dort noch einen der letzten freien Plätze ergattern möchte (der Fahrpreis ohne Eintrittskarte beträgt 20 Mark), sollte sich rechtzeitig vor Abfahrt einfinden.
STORMARNER TAGEBLATT vom 8.5.1992
Sonnabend, 9. Mai 1992
Handball: Prüfung in Rostock
(mth). Die Aufstiegsrunde zur ersten Handball-Bundesliga der Damen geht für den VfL Oldesloe jetzt in ihre entscheidende Phase.
Heute um 17 Uhr bestreitet die Truppe von Erfolgstrainer Claus Schilk in der Halle Groß-Klein in Rostock bei der Bundesliga-Vertretung des SC Empor Rostock ihr zweites Auswärtsspiel in der Runde.
Nach der unglücklichen Niederlage am letzten Sonntag in Frankfurt/Main darf der VfL dieses Spiel unter keinen Umständen einen weiteren Punktverlust erlauben, will er seine Chancen auf den Aufstieg wahren.
In der einfachen Runde, die fast einem k.o.-System gleicht, haben die Oldesloerinnen ja ohnehin nur noch mit fremder Hilfe die Möglichkeit, den ersten Rang, der allein zum Aufstieg berechtigt, zu schaffen. Aber natürlich müssen sie auch das Ihre dazu leisten, um den Traum noch Wirklichkeit werden zu lassen.
An Leistungsbereitschaft und Motivation dafür läßt es die Mannschaft ja ohnehin nicht fehlen. Sie sollte sich auch heute nicht unnötig unter Erfolgsdruck setzen. Schließlich hat sie in dieser Saison schon soviel Überragendes geleistet, daß sie, egal, wie die Aufstiegsrunde letztlich ausgeht, allen Grund hat, weiter erhobenen Hauptes ihren Weg zu gehen.
STORMARNER TAGEBLATT vom 9.5.1992
Sonnabend, 9. Mai 1992
SC Empor Rostock – VfL Oldesloe 21:26 (12:14)
Der VfL wahrte seine Aufstiegschancen mit einem 26:21-Erfolg bei Empor Rostock
Zsuzsa Nyari tanzte mit dem Bundesligisten Csardas
Sie steuerte 13 Tore zum wichtigen Auswärtssieg bei
(mth). Als in der Sporthalle Groß-Klein (so heißt der Stadtteil der Hansestadt wirklich) der Schlußpfiff der Begegnung in der Aufstiegsrunde zur ersten Handball-Bundesliga der Damen zwischen Empor Rostock und dem VfL Oldesloe ertönte, hatten alle Oldesloer in der Halle den gleichen Gedanken. Wie auf Kommando stürzten sich alle auf die ungarische Nationalspielerin Zsuzsa Nyari.
Sekundenbruchteile später flog der ungarische Wirbelwind durch die Luft und wurde von ihren Mannschaftskolleginnen und dem Anhang enthusiastisch gefeiert. Und das aus gutem Grund. Mit ihrem Trickreichtum und ihrer Pfiffigkeit hat sie sich ja·schon lange in die Herzen des Oldesloer Handballpublikums – das stellte unter den knapp 200 Zuschauern wohl die Mehrheit und übertraf, was Lautstärke und Unterstützung der eigenen Mannschaft anging, den Rostocker Anhang um Längen – und ihrer Mitspielerinnen gespielt.
Nicht zuletzt auch deshalb, weil sie ihr Können immer ganz und gar in den Dienst der Mannschaft stellt. Egoistisch in positivem Sinn spielt sie immer nur dann, wenn sie meint, mit Einzelleistungen ihrer Mannschaft am besten helfen zu können.
In Rostock war solch ein Tag und solch ein Spiel. All ihren Leistungen, die sie im VfL-Dress bislang in den letzten zwei Jahren gezeigt hat, setzte sie in Rostock die Krone auf. Das Prädikat „Weltklasse“, das wir ihr dafür hier anheften wollen, ist sicher keine Übertreibung.
Daran, daß sie in Hochform dieser Kategorie zuzuordnen ist, besteht kein Zweifel. Das hat sie bei ihren internationalen Einsätzen (170 Spiele für das ungarische Nationalteam, die ihren Höhepunkt mit dem Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Seoul fanden) immer wieder unter Beweis gestellt.
Beim VfL hat sie – erst in der Regionalliga, dann in der zweiten Bundesliga – nie an ihre Leistungsgrenze herangehen müssen. Auch ohne voll aus sich herauszugehen, hat sie ihre Fans „verzaubert“ und die Spiele in ihrem Sinne dirigiert. Aber sie hat dabei von ihrem Leistungsvermögen nichts eingebüßt. In Rostock hat sie das eindrucksvoll unter Beweis gestellt.
Dem Bundesligisten aus der Ostseestadt hat sie praktisch im Alleingang die letzten Hoffnungen auf den Klassenerhalt geraubt. Obwohl man in Rostock natürlich um ihre Gefährlichkeit wußte und deshalb ihr mit Doreen Schulz die beste Abwehrspielerin im Empor-Team entgegengestellt hatte, entschied sie fast ganz allein das Spiel für den VfL Oldesloe.
Womit wir beim Spielverlauf der selten hochklassigen, aber immer dramatischen und spannenden Partie wären. Beide Mannschaften begannen das Spiel reichlich nervös und so ganz sollte sich die Nervosität über die gesamten 60 Minuten hüben und drüben nie legen.
In den ersten fünf Minuten gab es nur einen einzigen Treffer, den Melanie Bernecker in der 2. Minute per Siebenmeter erzielte. Dann glich Rostock innerhalb von 50 Sekunden aus und ging gar mit 2:1 in Führung. Es war, wie sich später herausstellen sollte, die einzige Führung der Gastgeber im Verlauf der 60 Minuten.
Daraus den Schluß zu ziehen, der VfL, der bis zur 8. Minute den Spieß umgedreht hatte und seinerseits mit 4:2 führte, hätte vor da an eher leichtes Spiel gehabt, wäre aber verfehlt. Vielmehr stand die Partie noch lange auf des Messers Schneide.
Bis zum 7:8 in der 21. Minute lagen beide Mannschaften stets auf Tuchfühlung. Dann setzte der VfL zu einem mächtigen Zwischenspurt an und zog bis zur 24. Minute auf 13:8 davon. Mit exakt diesem Vorsprung hatte die Truppe von Trainer Claus Schilk ja in der Vorwoche in Frankfurt geführt und die Erinnerung an die danach folgende bittere Niederlage mag die Aktionen des VfL in den nächsten Minuten gelähmt haben.
Vielleicht auch, weil die Anzeichen die gleichen waren, wie in der Main-Metropole. Wieder konnte der VfL aus dem Rückraum keine Tore erzielen. Melanie Bernecker, Ulrike Rühter und Britta Peterat hatten mit ihren besten Würfen etwas Pech, weil sie damit Pfosten und Latte trafen. Ansonsten warfen sie reichlich „Fahrkarten“, beziehungsweise sie stellten die Empor-Torhüterinnen vor keine großen Probleme.
In Verbindung mit einer ganzen Reihe von Abspielfehlern – die gab es auf Rostocker Seite aber auch – führte das dazu, daß der Gastgeber bis zur Halbzeit auf 12:14 herankam. Das 15:12 durch Marion Werner unmittelbar nach Wiederbeginn hätte da Balsam für die Nerven des VfL sein können, aber die Arznei“ wirkte zunächst nur bei Torhüterin Jeanine Hildebrand.
Die wurde von den Rostockerinnen nun regelrecht warm geschossen und hielt serienweise Würfe der Gastgeberinnen. Egal ob vom Kreis, aus dem Rückraum oder gar bei Tempogegenstößen, „J.R.“ war immer schon da. Als dann Zsuzsa Nyari mit ihren Treffern sieben und acht (36. und 37. Minute) und Ulrike Rühter mit ihrem einzigen Treffer zum 18:14 für den VfL erhöht hatten, hätte die Partie für die Stormarnerinnen eigentlich schon gelaufen sein können.
Zumal wenig später Annette Schümann einen Siebenmeter von Manuela Nötzel parierte. Es war in dem Spiel der einzig gehaltene Strafwurf, von denen beide Mannschaften am Ende acht zugesprochen bekamen. Aber die Entscheidung war noch lange nicht gefallen. Es folgten elf bittere Minuten für den VfL, in denen die Erinnerungen an Frankfurt immer deutlicher zutage traten.
Bei der Mannschaft lagen nun die Nerven blank. Sie warf nicht einen einzigen Treffer in dieser Zeitspanne und ohne die weiterhin aufmerksame Jeanine Hildebrand hätte das Spiel noch ganz kippen können. Schon gar, wenn der Gegner noch mehr Biss und Durchsetzungswillen an den Tag gelegt hätte.
Eng genug aber wurde es für die Oldesloerinnen ohnehin
noch. Auf 17:18 kam Rostock in der 47. Minute durch Beate Liermann heran und auch das 17:19 in der 49. Minute, als Zsuzsa Nyari endlich wieder traf, war noch nicht die endgültige Erlösung. Dem folgte nämlich postwendend das 18:19 durch Birgit Holtz.
Aber bei der Ungarin im VfL-Dress war nun endgültig der Knopf aufgegangen. Sie, die schon vorher exzellente Form gezeigt hatte, spielte nun wie aufgedreht und zwang mit ihren weiteren Toren Rostock endgültig in die Knie. Am Ende lag der VfL wieder mit fünf Toren in Führung. Der Endstand lautete 26:21.
Von den 26 Toren hatte Zsuzsa Nyari am Ende exakt die Hälfte erzielt. Vier ihrer 13 Tore rührten dabei aus eiskalt verwandelten Siebenmetern, alle anderen waren von Schlitzohrigkeit, technischem Können, Tempo und Dynamik geprägt.
Ihr am nächsten kam mit sechs Treffern (davon drei ebenfalls sicher verwandelte Siebenmeter) Roswitha Bein, bei der Kampfgeist und Mut trotz härtester Bedrängnis (in der zweiten Halbzeit meist kurz gedeckt) wirklich vorbildlich sind.
Diese Eigenschaften zeichneten im übrigen auch alle anderen VfL-Spielerinnen aus. Beispielsweise die beiden zweifachen Torschützinnen Marion Werner und Babette Bischof, von denen diesmal die Letztgenannte den stärkeren Eindruck auf der Linksaußenposition hinterließ.
In der Offensive zwar immer einsatzfreudig und eifrig, in Abspiel, Ballannahme und Torwurf aber oft unglücklich, waren Ulrike Rühter und Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg, die je einen Treffer verbuchten. Beide aber standen wie Felsen in der Abwehr.
Dort hat der VfL, abgesehen vom Sturmwirbel von Zsuzsa Nyari, die Partie letztlich zu seinen Gunsten entschieden. Und daran hatten neben der überragenden Jeanine Hildebrand auch Melanie Bernecker (ein Siebenmetertor), Britta Peterat und Stefanie Bernecker ihren Anteil. Annette Schümann kam nur bei mehreren Siebenmetern zum Einsatz und hätte um ein Haar noch zwei weitere gehalten. Nicole Röhrs blieb nur die undankbare Rolle auf der Auswechselbank, was ihre Freude über den tollen Sieg aber sichtlich nicht schmälerte.
STORMARNER TAGEBLATT vom 11.5.1992
Montag, 11. Mai 1992
Die Lage
VfL darf wieder hoffen
(mth). Mit dem 26:21-Erfolg in Rostock darf der VfL Oldesloe weiter auf einen Aufstieg in die erste Bundesliga hoffen. Mit 4:2 Punkten und 73:61 Toren nimmt die Truppe von Trainer Claus Schilk nach drei Spieltagen den zweiten Rang in der Fünfergruppe ein. Vorn liegt der PSV Grün-Weiß Frankfurt, der am Wochenende spielfrei war und weiter 4:0 Punkte und 46:38 Tore hat.
Die Hessen müssen, soll die Rechnung des VfL aufgehen, in ihren beiden letzten Spielen – am kommenden Sonnabend daheim gegen den 1. FC Nürnberg, acht Tage später dann bei Borussia Dortmund – mindestens zwei Punkte abgeben. Und die Stormarnerinnen müssen selbst natürlich ihr letztes Spiel am nächsten Sonnabend um 19.30 Uhr gegen die Dortmunderinnen gewinnen.
Die Westfalen sind mit 0:4 Punkten und 37:48 Toren ebenso aus dem Rennen wie Empor Rostock (2:4/62:67). Noch Chancen aber darf sich nach dem 26:20 über Dortmund der „Club“ aus Nürnberg ausrechnen. Er weist nun 2:2 Punkte und 44:48 Tore auf. Das kann für den VfL nur von Vorteil sein, gehen die Franken doch so mit Sicherheit hochmotiviert in ihr Spiel in Frankfurt. Und da drückt ihnen ganz „Handball-Stormarn“ die Daumen.
STORMARNER TAGEBLATT vom 11.5.1992
Mittwoch, 13. Mai 1992
Zuwachs für VfL-Fangemeinde
(mth). An Anhängerschaft mangelt es der Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe zur Zeit wahrhaftig nicht. Die Stormarnhalle, da sind wir uns ganz sicher, wird am Sonnabend dieser Woche bis unters Dach voll sein, wenn das letzte Spiel der Aufstiegsrunde zur ersten Bundesliga gegen Borussia Dortmund steigt. Spielbeginn ist um 19.30 Uhr.
Aber Fans kann man nie genug haben und man muß diesbezüglich auch an die Zukunft denken. Das tut beim VfL wieder einmal Trainer Claus Schilk, der dort ja ohnehin „Mädchen für alles“ ist.
Er ist in der Nacht zum Montag Vater von Zwillingen geworden. Und daß Lisa und Julia, so heißen die beiden, Handballfans werden, daran kann kein Zweifel bestehen. Mutter Ingrid, wie ihre beiden Sprößlinge den Umständen entsprechend wohlauf, war schließlich bis zum Ende der letzten Saison Spielerin in der Erfolgstruppe und hätte ihr auch in dieser Saison ohne die Erwartung auf das freudige Ereignis ja auch noch zur Verfügung gestanden.
Das dürfte im übrigen die Stimmung am Sonnabend in der Stormarnhalle noch zusätzlich anheizen. Schließlich möchte die Mannschaft ihrer Mitspielerin und ihrem Coach ein besonderes Geschenk bereiten. Der Aufstieg in die Bundesliga wäre da gerade angemessen. Auch wenn die „Großfamilie Schilk“, außer den Genannten gehört dazu ja auch noch die dreijährige Nina, dann vermutlich noch weniger zur Ruhe käme.
STORMARNER TAGEBLATT vom 13.5.1992
Freitag, 15. Mai 1992
In der Stormarnhalle wird morgen Rekordbesuch erwartet
Saisonausklang und Höhepunkt zugleich: Gegen Borussia Dortmund geht es für die VfL-Damen um alles
(mth). Die lange Saison für die Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe neigt sich nicht mehr langsam, aber sicher, sondern rapide ihrem Ende entgegen. Aber der Höhepunkt steht der erfolgsverwöhnten Truppe – hoffentlich – noch bevor.
Morgen hat die Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg in ihrem letzten Spiel in der Staffel 1 der Aufstiegsrunde zur ersten Bundesliga um 19.30 Uhr den BVB Borussia Dortmund in der Stormarnhalle zu Gast. Mit einem Sieg in dieser Partie können die Schützlinge von Trainer Claus Schilk entweder die Tür zur höchsten deutschen Spielklasse – im nächsten Jahr wieder als eingleisige Bundesliga vorgesehen – ganz weit aufstoßen oder zumindestens die Chance dafür bewahren.
Schützenhilfe von Nürnberg?
Diese Einschränkung muß natürlich vorgenommen werden. Ganz allein aus eigener Kraft kann der VfL bekanntlich den Aufstieg nicht mehr realisieren. Er muß natürlich das Seine dazu tun, also gegen die Dortmunderinnen den dritten Sieg in der Runde einfahren, ist dazu aber unbedingt auf Schützenhilfe anderer Teams angewiesen. Ob der 1. FC Nürnberg den Stormarnerinnen diese Schützenhilfe hat angedeihen lassen können, steht bei Spielbeginn in der Stormarnhalle schon gut zwei Stunden fest. Das Spiel der Franken beim aktuellen Spitzenreiter der Staffel, PSV Grün-Weiß Frankfurt/Main, wird am Sonnabend nämlich schon um 16 Uhr angepfiffen, ist also gegen 17.15 Uhr schon beendet.
Klar, daß dann die Telefondrähte zwischen Bad Oldesloe und der Ballsporthalle in Frankfurt-Hoechst glühen werden. Eine positive Nachricht aus der Main-Metropole – sprich ein Sieg der Nürnbergerinnen – würde dem Spiel in der Stormarnhalle noch mehr Brisanz und Feuer verleihen, als ohnehin in ihm steckt.
Tordifferenz wird wichtig
Zsuzsa Nyari, die zuletzt alle überragende ungarische Nationalspielerin im VfL-Dress, und ihre Mitspielerinnen hätten es dann in der Hand, mit einem Sieg selbst wieder die Weichen in Richtung Aufstieg zu stellen. Ihre dann 6:2 Punkte wären am fünften und letzten Spieltag in einer Woche allerdings noch von den Nürnbergerinnen und Frankfurterinnen einzuholen, so daß der Vergleich der Tordifferenzen entscheiden müßte.
Und auf dem Gebiet hat der VfL bereits jetzt gute Karten. Mit 12 hat er dort schon jetzt die Nase vorn vor den Frankfurterinnen (8) und den Nürnbergerinnen (-4), und bei den genannten Wunschresultaten würde sich diese Bilanz zumindest gegenüber den Hessen noch positiv verschieben.
Unsicherheit bis zuletzt
Allerdings: Letzte Sicherheit hätten die Oldesloerinnen – vorausgesetzt, die anderen Voraussetzungen stimmen – selbst bei einem deutlichen Sieg über die Dortmunderinnen noch nicht. Der fünfte Spieltag ohne sie ließe noch immer Platz für (dann allerdings ziemlich extreme) Rechenexempel.
Auf die liefe es ohnehin hinaus, wäre die Kunde aus Frankfurt am Sonnabend weniger positiv (Sieg oder Remis für Frankfurt). Dann müßte der VfL weiter auf Schützenhilfe hoffen, die dann von den Dortmunder Borussen (oder sagt man Borussinnen?) kommen müßte.
Zwiespältige Gefühle
Die Gefühle, mit denen man dem morgigen Gegner gegenübertritt, könnten also durchaus zwiespältig sein. Natürlich will man ihn unter allen Umständen schlagen, gern sogar, wenn irgend möglich, recht eindeutig. Auf der anderen Seite wünscht und erhofft man sich von ihm, daß er sich acht Tage später im Heimspiel gegen PSV Grün-Weiß Frankfurt mächtig ins Zeug legt und, wenn nötig, zerreißt.
Dafür wäre sicher hilfreich, wenn das Spiel in Bad Oldesloe morgen sportlich einwandfrei – dafür soll das Schiedsrichtergespann Klapproth/Leistner aus Mettingen und Recke (beides in Nordrhein-Westfalen) sorgen –, mit möglichst wenig Hektik und ohne Streit über die Bühne geht.
Das sollte sich auch das begeisterungsfähige Oldesloer Publikum – die Stormarnhalle müßte, alles, was recht ist, morgen aus allen Nähten platzen – zu Herzen nehmen. Dabei muß und soll es mit Anfeuerung und Unterstützung für das eigene Team nicht sparen und darf diesbezüglich alle Register ziehen. Verunglimpfungen gegnerischer Spielerinnen aber gehören nicht dazu und könnten bei denen ungute Rachegefühle auslösen.
Unterstützung ist gefragt
Viel besser wäre es, die Dortmunderinnen würden hinterher mit gleicher Hochachtung vom Oldesloer Handballpublikum sprechen wie in jüngster Vergangenheit der 1. FC Nürnberg und Empor Rostock.
Positive Unterstützung im übrigen wird der VfL am Sonnabend sicher jede Menge gebrauchen können. „Die Dortmunder Borussia in ihrer augenblicklichen Situation ist als Gegner gefährlicher als alle unsere bisherigen Gegner in der Aufstiegsrunde“, warnt Claus Schilk vor der Erwartung, gegen das Schlußlicht der Gruppe hätte sein Team leichtes Spiel.
„Die Mannschaft, die für mich einer der Favoriten auf den Aufstieg war, ist nach ihren – für sie - deprimierenden Niederlagen, die sie um alle Chancen brachten, gefährlich wie ein angeschlagener Boxer. Sie wird alles tun, um ihren angekratzten Ruf aufzupolieren, und kann nun, da sie nichts mehr zu verlieren hat, unbeschwert und locker aufspielen“, macht er auf die Schwere der Aufgabe aufmerksam.
Gegner verdient viel Respekt
In der zweiten Liga Gruppe Mitte waren die Westfälinnen, deren stärkste Kräfte die tschechische Nationalspielerin Zuzana Hudakova, Meike Neitsch (als Meike Boteführ vielfache Nationalspielerin) und Junioren-Nationalspielerin Anja Kramer sind, ähnlich souverän wie der VfL in der Gruppe Nord. Auch sie waren bis zum letzten Punktspiel ohne Verlustpunkt, ehe sie bei Süd Braunschweig in der letzten Begegnung noch strauchelten.
Der VfL tut deshalb gut daran, dem Gegner mit dem nötigen Ernst und Respekt zu begegnen. Angst allerdings braucht er nicht zu haben. Auch deshalb nicht, weil Trainer Claus Schilk, in dieser ereignisreichen Woche ja Vater von Zwillingen geworden, auf alle Spielerinnen seines Kaders wird zurückgreifen können. Ihm möchte die Mannschaft natürlich zu gern einen Sieg und, wenn möglich, den Aufstieg als passendes Geschenk für den Familienzuwachs überreichen.
Die „Mutter der Kompanie“
Und noch jemand würde sich über einen Sieg an diesem Tag ganz besonders freuen. Andrea Hasenberg, Oldesloer Urgewächs in der tollen Truppe und als Mannschaftsführerin „Mutter der Kompanie“, feiert am Spieltag ihren 31. Geburtstag. Auch für sie werden sich ihre Mannschaftskolleginnen sicher besonders ins Zeug legen.
Tolles Fest zum Abschluß
Verspricht doch dann auch die Saisonabschlußfeier in der Gaststätte „Zur Mühle“ ein überschäumend fröhliches Fest zu werden. Aber ein solches hat sich die tolle Truppe, so oder so, nach einer beispiellosen Saison ohnehin verdient.
STORMARNER TAGEBLATT vom 15.5.1992
Freitag, 15. Mai 1992
Noch gibt es Stehplatzkarten
(mth). Die Nachfrage nach Karten für das Spiel gegen Borussia Dortmund ist in Oldesloe so groß wie nie zuvor. Die Sitzplatzkarten sind auch längst alle vergriffen. Aber es gibt für die Partie noch eine ganze Menge Stehplatzkarten. Sie werden an der Abendkasse verkauft, die um 18 Uhr in der Stormarnhalle ihre Pforten öffnet. Wer sicher sein will, noch ein Ticket erwerben zu können und auch noch einen guten Platz ergattern will, sollte sich deshalb rechtzeitig auf den Weg in die Stormarnhalle machen.
STORMARNER TAGEBLATT vom 15.5.1992
Sonnabend, 16. Mai 1992
Heute will der VfL Entscheidung erzwingen
(mth). Heute schlägt für die Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe die Stunde der Entscheidung. In ihrer letzten Partie in der Aufstiegsrunde, die um 19.30 Uhr in der Stormarnhalle angepfiffen wird, müssen die Schützlinge von Trainer Claus Schilk unbedingt gegen Borussia Dortmund gewinnen, wollen sie den Sprung in die erste Bundesliga schaffen.
Allerdings: Ein eigener Sieg allein genügt für den größten sportlichen Triumph, den je eine Oldesloer Mannschaft vor Augen hatte, nicht. Zusätzlich ist die Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg, die heute ihren 31. Geburtstag feiert, auf Schützenhilfe anderer Clubs angewiesen.
Entweder heute durch den 1. FC Nürnberg, der um 16 Uhr beim bislang noch ungeschlagenen PSV Grün-Weiß Frankfurt spielt, oder in acht Tagen durch die Dortmunder Borussen, die dann am Schlußspieltag, an dem die Stormarnerinnen spielfrei sind, die Hessen empfangen.
Auf jeden Fall dürfte die Stormarnhalle heute bis unter das Hallendach mit Zuschauern gefüllt sein. Die Sitzplatzkarten für das heutige Spiel sind bereits restlos vergeben. Stehplatzkarten aber sind an der Abendkasse ab 18 Uhr noch erhältlich.
STORMARNER TAGEBLATT vom 16.5.1992
Sonnabend, 16. Mai 1992
VfL Oldesloe – Borussia Dortmund 28:20 (16:9)
Die erhoffte Schützenhilfe durch den 1. FC Nürnberg blieb aus
Trotz des 28:20-Erfolges gegen Borussia Dortmund nur noch geringe Aufstiegshoffnungen für die Oldesloer
(mth). Als um 20.45 Uhr in der mit annähernd 600 Zuschauern restlos gefüllten Stormarnhalle beim Aufstiegsrundenspiel zur ersten Bundesliga zwischen dem VfL Oldesloe und BVB Borussia Dortmund der Schlußpfiff des Schiedsrichtergespanns Hauke/Janssen ertönte, ging für die Stormarnerinnen eine lange und ereignisreiche Saison zuende.
Die Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg wurde nach der Partie von ihren Fans mit stehenden Ovationen gefeiert. Mit 28:20 (16:9) hatte sie im 26. Pflichtspiel ihren 25. Sieg in dieser Saison errungen. Dabei hat sie annährend 700 Tore (genau 698) erzielt. Wahrlich eine imposante Bilanz!
Und doch wird der beispiellosen Erfolgsserie mutmaßlich das Tüpfelchen auf dem „i“ fehlen. Wie ein Lauffeuer hatte sich vor dem Spiel eine schlechte Nachricht aus Frankfurt in der Stormarnhalle verbreitet. Aus der erhofften Schützenhilfe für den VfL durch den 1. FC Nürnberg war nichts geworden. PSV Grün-Weiß Frankfurt hat auch sein drittes Spiel in der Aufstiegsrunde unbeschadet überstanden.
Der Achte der ersten Bundesliga Gruppe Süd besiegte die Nürnbergerinnen mit 22:17 und hat mit nunmehr 6:0 Punkten alle Trümpfe in der Hand, um in der höchsten
Spielklasse der Republik zu bleiben. Die letzten Hoffnungen des VfL Oldesloe ruhen nun auf den Schultern des BVB Borussia Dortmund.
Der hat am kommenden Sonntag um 16 Uhr die Frankfurterinnen zu Gast und müßte die Hessen besiegen, wenn der VfL, der am letzten Spieltag nur noch Zuschauer ist, doch noch den ersten Rang und damit den Aufstiegsplatz erobern soll. Aber nach dem Spiel haben alle Oldesloer Handballfans große Zweifel, ob die eher schmalen Dortmunder Schultern diese Last werden tragen können.
Die Mannschaft, die für viele Experten als Geheimfavorit in die Runde gegangen war, hat die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen können. Mit 0:6 Punkten belegt sie abgeschlagen den letzten Platz in der Runde. Die auch von reichlich Verletzungspech gebeutelte Truppe – in Bad Oldesloe fehlte außer den etatmäßigen Torhüterinnen, die mit Kreuzbandrissen schon länger ausfallen, auch noch Ex-Nationalspielerin Meike Neitsch (sie wird auch gegen Frankfurt nicht mit von der Partie sein können) – dürfte weder physisch noch psychisch in der Lage sein, die routinierten Frankfurterinnen zu stoppen.
Natürlich hofft man im Oldesloer Lager noch auf ein kleines Wunder – die gibt es im Sport ja immer mal wieder (siehe den Sieg der Rostocker Fußballer über Eintracht Frankfurt) –, aber die Vermutung, die Saison für Zsuzsa Nyari und Co. habe zehn Minuten zu lange gedauert, überwiegt im Moment bei den Betrachtungen.
Gemeint sind jene zehn Minuten am Ende der Partie in Frankfurt vor vierzehn Tagen, als beim VfL plötzlich nichts mehr lief und als aus einem 19:16-Vorsprung eine 19:22-Niederlage wurde. Es gab kaum jemanden in der Mannschaft oder ihrem Umfeld, der nach dem Spiel diesen zehn Minuten nicht nachtrauerte.
Sie verstellen den Blick auf eine gerechte Würdigung der Leistung, die die Mannschaft in dieser Saison erbracht hat. Die ist nämlich, egal ob sie nun durch ein „Wunder von Dortmund“ noch ihren gerechten Lohn findet oder nicht, über jeden Zweifel erhaben.
Die Mannschaft von Trainer Claus Schilk hat Einmaliges im Stormarner Sport geleistet und hat allen Grund, darauf stolz zu sein und weiterhin erhobenen Hauptes durch die Welt zu gehen. Was sie zu leisten imstande ist, machte sie auch im letzten Spiel noch einmal deutlich.
Den Schock über das wenig günstige Ergebnis aus Frankfurt hatte die Mannschaft nach wenigen Minuten abgeschüttelt. Roswitha Bein hatte den VfL zwar schon nach 24 Sekunden mit 1:0 in Führung gebracht, aber dann war für ein paar Minuten Sand im Getriebe.
Auch deshalb sicher, weil Zsuzsa Nyari nur schwer in Tritt kam. Das war nicht weiter verwunderlich. Die Ungarin nämlich hatte sich bei ihrem überragenden Spiel in Rostock zusätzlich zu ihrer Wadenverletzung im rechten Bein – damit quält sie sich seit Beginn der Aufstiegsrunde herum – noch eine Zerrung im linken Oberschenkel zugezogen und konnte nur mit Tapes und Bandagen auflaufen. Das behinderte sie natürlich und statt sie für ihre schwache Anfangsphase zu tadeln – sie ist schließlich keine Maschine – verdient sie Lob, wie sie sich später trotz der Behinderung noch in Szene setzte.
Zunächst aber trumpften die Dortmunderinnen auf. 3:1 führten die Gäste nach fünf Minuten und nach dem 3:3 zwei Minuten später (obwohl Roswitha Bein zwischenzeitlich einen Siebenmeter verwarf) gingen sie noch einmal mit 4:3 (9.Minute) in Führung. Dann aber drehte der VfL auf. Bis zur 15. Minute hatte er den Spieß gründlich umgedreht. Sechs Tore in Folge bescherten ihm eine 9:4-Führung und damit war die Partie auch schon entschieden und gelaufen. In dieser Phase zeigte der VfL auch ohne ihren Ungarn-Star – Zsuzsa Nyari beschränkte sich in dieser Zeit darauf, Siebenmeter eiskalt zu verwandeln – begeisternden Tempo-Handball und den setzte sie dann auch mit ihm bis zur Halbzeit fort.
16:9 führte der VfL zur Pause und natürlich gab es schon da keinen Zweifel mehr am späteren Sieger. In der zweiten Hälfte war der Vorsprung dann schnell auf zehn Tore (19:9 in der 36. Minute) ausgebaut. Fortan schlichen sich Nachlässigkeiten in das Spiel der Oldesloerinnen. Das rührte auch daher, daß Claus Schilk nun munter ein- und auswechselte, um auch den Spielerinnen, die nicht zur Stammformation gehören, Spielanteile zu gönnen.
Etwas merkwürdig in diesem Zusammenhang allerdings, daß er dabei Stefanie Bernecker – „ihr fehlt seit geraumer Zeit die richtige Einstellung“ (Schilk) – ganz links liegen ließ. Die ältere der beiden Bernecker-Schwestern, die nach dieser Saison den VfL verlassen wird, hat schließlich zehn Jahre für den VfL gespielt und hätte einen würdigeren Abschied verdient gehabt.
Da auch die Dortmunderinnen weiterhin ziemlichen „Murks“ zusammenspielten, sank das Niveau nun phasenweise ziemlich tief. Parallel dazu ließ auch die Stimmung ein wenig nach. Aber ein paar Highligths gab es schließlich doch noch. So wurden drei Treffer von Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg – der letzte davon in buchstäblich letzter Sekunde zum Endstand von 28:20 – besonders bejubelt. „Hasi“ hatte schließlich Geburtstag und da waren Torerfolge natürlich besonders gegönnt.
Mächtig in Fahrt kam auch noch Marion Werner, die am Ende nicht von ungefähr mit sieben Toren erfolgreichste Werferin ihrer Mannschaft war. Und schließlich drückte das Oldesloer Publikum auch noch Nicole Röhrs besonders die Daumen. Allerdings ohne Erfolg. Sie nämlich scheiterte mit zwei Würfen ganz knapp.
Die weiteren Tore teilten sich Zsuzsa Nyari (6/3), Roswitha Bein (5/1), Britta Peterat (3), Babette Bischof und Ulrike Rühter (je 2). Leer ging neben Nicole Röhrs auch Melanie Bernecker aus.
Im Tor präsentierte sich Jeanine Hildebrand wie schon in der gesamten Aufstiegsrunde in Glanzform. Annette Schümann, die sie nach 45 Minuten ablöste, konnte auch noch zwei, drei Glanzparaden zeigen, hatte ansonsten aber eine etwas undankbarere Rolle, weil vor ihr nun eine weniger konzentrierte Deckung stand.
Aber Torverhältnis und Tordifferenz spielten ja in dieser Partie keine Rolle. Der Sieg des VfL geriet nie in Gefahr und allein auf ihn kam es an. In der Tordifferenz nämlich hat der VfL gegenüber PSV Grün-Weiß Frankfurt ein Plus (20 gegenüber 13 der Hessen), so daß es daran – und damit schließt sich der Kreis – nicht scheitern wird, wenn denn das „Wunder von Dortmund“ doch noch eintritt.
„Psycho-Trick“ und ein teures Angebot
· VfL-Coach Claus Schilk wollte seine Truppe vor dem Spiel mit einer Falschmeldung so richtig „heißmachen“: Er erzählte der Mannschaft, daß der 1. FC Nürnberg in Frankfurt mit 20:18 gewonnen hätte. Dieses Ergebnis verbreitete sich schnell in der Halle und sorgte kurzzeitig für Hoffnung, doch kurz vor dem Anpfiff dann die Ernüchterung: Frankfurt hatte mit 22:17 die Oberhand über den „Club“ behalten.
· Besonderer Anreiz für die Spielerinnen von Borussia Dortmund: „Wenn ihr am nächsten Sonntag Frankfurt schlagt, dann zahle ich für jedes Tor einen Hunderter“, versprach Klaus Petzold, Torwart beim SC Union und einer der treuesten Fans der VfL-Handballerinnen.
· Wer die Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg noch einmal „live“ erleben möchte, hat dazu am Dienstag Gelegenheit: Da spielen die VfL-Damen im Rahmen der Festwoche zum 50jährigen Bestehen des SV Großhansdorf um 20 Uhr in der Sporthalle des Emil-von-Behring-Gymnasiums (Sieker Landstraße, Anpfiff 20 Uhr).
· „Warmer Regen“ für die Mannschaftskasse: Geburtstagskind Andrea Hasenberg konnte bei der Saisonabschlußfeier in der Gaststätte „Zur Mühle“ 900 Mark in Empfang nehmen. Das war der Erlös aus der Meisterfeier im April in der Heinrich-Vogler-Halle.
· Die anschließende Pressekonferenz geriet zum Monolog: Die Journalisten warteten vergeblich auf Dortmunds Trainer Gustel Wilke. Der hatte wohl den Termin verschwitzt, war unbemerkt aus der Halle „entwischt“ und in den Mannschaftsbus geklettert. Die Vertreter der schreibenden Zunft sahen nur noch die Rücklichter des Busses.
· Das Daumendrücken half nichts: Die Dortmunder Handballerinnen hatten so sehr gehofft, daß die Fußballer den Meistertitel schaffen. Doch um 17.11 Uhr zerstörte der Kopfballtreffer von Guido Buchwald alle Hoffnungen der Schwarz-Gelben. Ein schwacher Trost: Vereinzelte „Chapuisat!“-Rufe der VfL-Fans in der Halle.
· Im Schnitt sehen etwa 150 Zuschauer die Heimspiele der Borussia-Handball-Damen. Am nächsten Sonntag (16 Uhr) gegen Frankfurt könnten es ein paar mehr werden: Einige Oldesloer Fans wollen den Weg ins Ruhrgebiet antreten, um den BVB zum Sieg zu schreien. (us)
STORMARNER TAGEBLATT vom 18.5.1992
Montag, 18. Mai 1992
Jetzt hofft der VfL auf das „Wunder von Dortmund“
(mth). Die Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe hat am Sonnabend alles in ihrer Macht stehende getan, um den Aufstieg in die höchste Spielklasse in der Republik doch noch zu schaffen.
In ihrem letzten Spiel der Aufstiegsrunde besiegte die Truppe von Trainer Claus Schilk in der mit rund 600 Zuschauern proppevollen Stormarnhalle den BVB Borussia Dortmund mit 28:20 (16:9).
Damit schlossen die Stormarnerinnen, die zuvor ja nach beispielloser Erfolgsserie mit 44:0 Punkten Meister in der zweiten Liga Gruppe Nord geworden waren, die Aufstiegsrunde mit 6:2 Punkten und 101:81 Toren ab.
Diese Bilanz entspricht etwa den optimistischsten Hochrechnungen, die man vor Beginn der Runde, die ja, weil es keine Gelegenheit gibt, etwaige Niederlagen in Rückspielen selbst wettzumachen, ein gnadenloser Ausleseprozeß ist, in Oldesloe angestellt hatte.
Damit, so hatte nicht nur Trainer Claus Schilk gerechnet, müßte man eigentlich den Aufstieg schaffen.
Aber diese Rechnung ist mutmaßlich ohne den Wirt gemacht worden. Und die Rolle hat in der Gruppe des VfL Bundesligist PSV Grün-Weiß Frankfurt übernommen.
Bei dem hatten die Stormarnerinnen vor zwei Wochen ja ebenso unglücklich wie überflüssig mit 19:22 verloren, und seither waren sie darauf angewiesen, daß ihnen noch ein anderer Konkurrent Schützenhilfe durch einen Sieg über Frankfurt würde leisten müssen.
Hoffnungen hatte man diesbezüglich auf den 1. FC Nürnberg gesetzt, aber der unterlag am Sonnabend in der Main-Metropole mit 17:22.
Da das Ergebnis bei Spielbeginn m Oldesloe schon bekannt war, war die Stimmung in der Stormarnhalle natürlich streckenweise ein wenig gedämpft.
Aber noch braucht der VfL seine Hoffnungen nicht ganz zu den Akten zu legen. Nun muß er am kommenden Sonntag auf ein „Wunder von Dortmund“ hoffen, denn dort bestreiten die Frankfurter ihr letztes Spiel.
Eine vage Hoffnung gewiß, aber „Wunder“ gibt es ja auch im Sport immer wieder und verdient hat sich die tolle VfL-Mannschaft ein solches allemal.
STORMARNER TAGEBLATT vom 18.5.1992
Dienstag, 19. Mai 1992
SV Großhansdorf – VfL Oldesloe 11:41
(us). Das Freundschaftsspiel beim SV Großhansdorf gewannen die VfL-Damen klar mit 41:11.
STORMARNER TAGEBLATT vom 21.5.1992
Donnerstag, 21. Mai 1992
Damen-Handball-Bundesliga
Noch Chancen für VfL?
(us). Sportlich haben die Handball-Damen des VfL Oldesloe nur noch theoretische Chancen, den Sprung in die höchste deutsche Spielklasse zu schaffen. Dazu benötigen sie die Schützenhilfe von Borussia Dortmund.
Doch bei Tabellenführer PSV Grün-Weiß Frankfurt gibt es derzeit erhebliche Probleme. Den Verein drücken mehrere 100.000 Mark Schulden, alleine wäre die Bundesliga wohl kaum zu finanzieren.
Deshalb strebt man eine Spielgemeinschaft mit der DJK Wiesbaden an. Der Spitzenreiter der anderen Relegations-Gruppe braucht nur noch ein Unentschieden, um in die erste Liga aufzusteigen. Fusionieren beide Clubs, dann würde ein Platz in der Bundesliga frei.
Der VfL wäre im Falle des Frankfurter Rückzugs erster Nachrücker. Trainer Schilk warnt aber vor übereilten Spekulationen: „Noch hat Wiesbaden sich dazu nicht geäußert.“
STORMARNER TAGEBLATT vom 21.5.1992
Montag, 25. Mai 1992
Grün-Weiß Frankfurt war nicht zu stoppen
Aus! VfL steigt nicht auf
(mth). Der Traum von der ersten Bundesliga in der Stormarner Kreisstadt ist vorerst ausgeträumt. Die Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe, die so überlegen Meister in der zweiten Liga geworden war und die sich auch in der Aufstiegsrunde mit 6:2 Punkten so bravourös geschlagen hatte, hat ihr Ziel nicht erreichen können.
Der PSV Grün-Weiß Frankfurt hat gestern bei Borussia Dortmund auch sein viertes Aufstiegsspiel gewonnen und wurde mit 8:0 Punkten Erster vor dem VfL in der Relegationsrunde.
Die vagen Hoffnungen des Oldesloer Teams und auch seiner vielen Anhänger, die Dortmunder Borussia würde dem VfL noch Schützenhilfe leisten können, waren schnell zerstoben. Schon zur Pause führte Frankfurt mit 13:4 und am Ende hieß es 24:13 für die Hessen.
Die haben inzwischen auch deutlich verlauten lassen, ihren Platz in der ersten Bundesliga auch wahrzunehmen. Das soll noch in dieser Woche über eine wirtschaftliche Ausgliederung der Mannschaft aus dem verschuldeten Verein offiziell geschehen.
Fusionsplänen der Frankfurter mit DJK Wiesbaden, die Mannschaft hat am Sonnabend in der anderen Aufstiegsgruppe den Aufstieg perfekt gemacht, hat deren Sponsor strikt abgelehnt.
STORMARNER TAGEBLATT vom 25.5.1992
Sonnabend, 13. Juni 1992
Kleinfeld-Handball-Turnier in Großensee
VfL Oldesloe schrammte in Unterzahl knapp am Sieg vorbei
(mth). Einen gehörigen Dämpfer hatte Ingo Naths, Trainer und Macher der Damenhandball-Oberliga-Mannschaft der GHG Hahnheide schon vor Beginn des Kleinfeldturnieres aus Anlaß des 40jährigen Bestehens des SSV Großensee (einem der Stammvereine der GHG) hinnehmen müssen.
Mit der TSG Wismar war die ranghöchste Mannschaft einfach nicht erschienen. Ohne es auch nur für nötig zu befinden, den Veranstalter davon zu unterrichten. Aber es war ja immer noch ein erlesenes Feld, das sich in Großensee einfand. Jedenfalls von den Namen her.
Aber Stormarns Handballfans bewiesen einen guten Riecher. Saisonende, sommerliche Hitze und ein ungewohntes Terrain – ein etwas holperiger Rasenplatz statt des gewohnten schieren Hallenbodens – mochten sie mit Spitzenhandball, den die Namen der teilnehmenden
Teams zu versprechen schienen, nicht in Einklang zu bringen und blieben der Veranstaltung fern.
Den Spielerinnen machte das nichts aus. Sie nahmen die Sache locker und leicht und genossen es sichtlich, „unter sich“ bleiben zu können. Ehrgeiz hatte allein Regionalligist Wandsbek 72 mitgebracht. Jedenfalls deren Trainer, der seinem Team bei jedem Spielzug lautstark die Leviten las.
Das reichte am Schluß immerhin zum Turniersieg. Den „Schröder-Cup“ (benannt nach dem Sponsor der GHG) und die dickste Siegprämie (500 Mark) bekamen die Hamburgerinnen allerdings nur, weil sie gegenüber dem VfL Oldesloe bei Punktgleichheit (je 6:2) die bessere Tordifferenz (16 gegenüber 5 der Oldesloerinnen) aufwiesen.
Der VfL warf zwar mit Abstand die meisten (59) Tore, kassierte aber auch die meisten (54). Das kam nicht von ungefähr, denn Claus Schilk hatte einschließlich Torhüterin nur sechs Spielerinnen dabei und mußte so ständig in Unterzahl spielen. Das blieb bei vier Spielen über jeweils 30 Minuten in sengender Sonne natürlich nicht ohne Folgen.
Platz drei eroberte sich die Lüneburger Eintracht (4:4 Punkte und 36:42 Tore) vor Gastgeber GHG Hahnheide. Die Naths-Truppe hatte dabei mit 2:6 Punkten und 35:40 Toren nur knapp vor dem Oldenburger SV (2:6/37:47) gegen den sie ihren einzigen Sieg errungen hatte (10:8) die Nase vorn.
STORMARNER TAGEBLATT vom 16.6.1992



