Brichte 2. Halbjahr der Saison 1991-92 2. Bundeskliga Nord 

Sonnabend, 16. Januar 1993

Mit Personalnot ins Spitzenduell

(cr). Eigentlich wollte Handball-Trainer Claus Schilk die kurze Winterpause zur Regeneration seines lädierten Bundesliga-Teams nutzen, aber dafür erwies sich die Zeit als zu kurz. Denn wenn es heute nachmittag (Anpfiff 17 Uhr) im Rückrundenspiel gegen den Tabellenzweiten der Gruppe Nord, den TSV Nord Harrislee, geht, kann der Oldesloer Coach noch immer nicht auf seinen ganzen Kader zurückgreifen.

Torhüterin Petra Küsel leidet an einer Grippe und wird vermutlich nicht eingesetzt werden können. Babette Bischof hat nach ihrem Bänderriß zwar bereits wieder mittrainiert, doch für einen Einsatz in der Bundesliga ist es für sie noch zu früh.

„Außerdem zu gefährlich“, meint Trainer Schilk, „denn immerhin haben wir noch zehn Spiele vor uns.“ Auch Spielmacherin Roswitha Bein klagt weiterhin über erhebliche Knieprobleme. Als Stütze der Mannschaft wird sie zwar wohl auch in Flensburg wieder die Zähne zusammenbeißen, aber wegen der Schmerzen gewiß nicht ihre volle Leistungsfähigkeit entfalten können.

Gerade das wäre aber nötig, denn bei einer Niederlage in diesem Spitzenduell, könnte der VfL den Anschluß an die Tabellenführung verlieren. Außerdem sind die Damen von Nord-Harrislee gerade gegen die Stormarnerinnen hochmotiviert, denn ohne die knappe 21:22 Hinrunden-Niederlage wären die Gastgeber jetzt

Spitzenreiter.

In dieser Situation hofft Trainer Claus Schilk auf eine Trotzreaktion seiner Mannschaft und natürlich auch auf die Unterstützung durch die Oldesloer Fans. Die Abfahrt des Busses ist um 13.30 Uhr an der Stormarnhalle.

STORMARNER TAGEBLATT vom 16.1.1993

 

Sonnabend, 16. Januar 1993

TSV Nord Harrislee – VfL Oldesloe 27:12 (12:8)

Der Meisterschaftszug für den VfL dürfte abgefahren sein

12:27. Im Spitzenspiel der zweiten Liga geriet die Schilk-Truppe unter die Räder

(mth). Trainer Claus Schilk hatte es schier die Sprache verschlagen. Auf einer improvisierten Pressekonferenz unmittelbar nach dem 12:27-Debakel im Spitzenspiel beim TSV Nord Harrislee brachte er nach einer Gratulation für den Gegner – „Der Sieg geht auch in dieser Höhe in Ordnung“ – nicht viel mehr als den Satz „Wir sind jetzt in eine Lage geraten, in der wir sehr intensiv über uns selbst nachdenken müssen“ heraus.

Weitaus redseliger natürlich sein Gegenüber Heie Jacobsen. Der räumte zwar ein, daß der Sieg für seine Truppe wohl ein wenig zu hoch ausgefallen sei – „So krass, wie es der Endstand ausdrückt, waren die Leistungsunterschiede beider Teams auch heute nicht“ –, aber ansonsten wollte er seine Triumpfgefühle nicht hinter dem Berg halten.

„Vier Monate haben wir auf dieses Spiel gewartet und hingearbeitet. Wir wollten unbedingt Revanche nehmen für die für uns so unglückliche Niederlage im Hinspiel in Oldesloe. Dafür haben wir uns intensiv vorbereitet, deswegen über die Weihnachtszeit durchtrainiert und seit dem offiziellen Trainingsbeginn am 3. Januar fast täglich intensiv trainiert.“

Der Stachel saß vor allem deshalb so tief, weil die Truppe aus dem Flensburger Vorort sich in Oldesloe um einen Punktgewinn betrogen fühlte. Sekunden vor Schluß war damals bei einem Tempogegenstoß der Harrisleerinnen VfL-Trainer Claus Schilk aufs Parkett gestürmt. Das Schiedsrichtergespann Birgit Möller (Uetersen) und Britta Sauerbeck (Seevetal), das ein Abonnement auf Spiele dieser beiden Teams zu haben schein, denn beim dritten Pflichtspiel beider Teams innerhalb von 15 Monaten war es auch wieder mit von der Partie, hatte seinerzeit das Spiel unterbrochen, um Schilk eine gelbe Karte (eine sehr milde Strafe) zu zeigen und stahl damit den Harrisleerinnen einen Vorteil, der ihnen sicher zum Torerfolg und damit zum 21:21-Ausgleich verholfen hätte.

Heie Jacobsen hatte damals auf einen Protest verzichtet und sich stattdessen vorgenommen, dafür im Rückspiel in eigener Halle auf sportlichem Wege Genugtuung zu erlangen. Und seine Rechnung ist aufgegangen.

Seine Spielerinnen waren von der ersten Sekunde an bis in die Haarspitzen motiviert und steigerten sich in der zweiten Halbzeit in einen wahren Spielrausch. Dem stand der VfL in den letzten 20 Minuten regelrecht hilflos gegenüber, nachdem er auch vorher schon, was Eifer, Einsatz, Engagement und Kampfwillen anging, Defizite gegenüber dem Gegner hatte.

Abgesehen vom 1:0 in der 1. Minute durch Marion Werner liefen die Oldesloerinnen ab der 4. Minute stets und ständig einem Rückstand hinterher. Dabei führte der Gastgeber bisweilen schon recht deutlich – 6:3 in der 13., 9:6 in der 24. und 11:7 in der 28. Minute –, aber bis zur 40. Minute bei einem Spielstand von 14:10 für Harrislee waren sich die gut 600 Zuschauer nicht sicher – der größere Teil fürchtete es, der kleinere hoffte es –, ob der VfL das Spiel nicht noch würde kippen können.

Immerhin hatten sich Andrea Hasenberg und Co. In der ersten Halbzeit mehrfach nach vergleichbaren Rückständen wieder herangekämpft und ein paar Leistungsträgerinnen des TSV (Iris Mainusch und die schon 38jährige Marina Nikolova) schienen sich kräftemäßig schon verausgabt zu haben.

Aber als der VfL in den ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit reichlich Möglichkeiten ausließ, den Rückstand zu verringern und Zsuzsa Nyari schließlich auch noch mit einem Siebenmeter an der überragenden Silke Christiansen·im Harrisleer Tor scheiterte, riß der Faden endgültig.

Der TSV spielte nun bis zum Schluß wie im Rausch, während beim VfL überhaupt nichts mehr zusammenlief. Das Verhängnis nahm so seinen Lauf und wuchs sich für den VfL zu einem Debakel aus. Eine Fülle von Zeitstrafen gegen den VfL in dieser Phase waren sicher nicht Ursache, sondern eher Folge von diesem völligen Zusammenbruch, wiewohl man über die eine oder andere dieser Strafen sicher rechten konnte.

Aber der VfL wird gut daran tun, die Ursachen für die Niederlage nicht beim Schiedsrichtergespann zu suchen. Die Wurzeln dafür lagen im Team selbst. Die Mannschaft hat insbesondere im Angriff eine enttäuschende Leistung geboten.

Gegen die kompakte 6:0-Abwehrformation des TSV wirkte der VfL hilf- und einfallslos. Das Spiel im Rückraum war viel zu statisch und es gelang eigentlich nie, Freiräume für Kreisanspiele – innen und außen – zu schaffen.

Dazu erwies sich die Maßnahme, Harrislees Spielmacherin Petra Schulz durch Zsuzsa Nyari kurz decken zu •lassen, im Nachhinein, wie auch Claus Schilk einräumte, als Bumerang. Dadurch hatte die Marina Nikolova reichlich Spielraum und den wußte sie vor allem in der ersten Halbzeit routiniert zu nutzen. Sie war schließlich mit sechs Feldtoren auch erfolgreichste Werferin des Spitzenspiels. Übertroffen wurde sie am Ende noch von Petra Schulze, von deren acht Treffern aber fünf aus sicher verwandelten Siebenmetern resultierten.

Der VfL hatte nicht eine herausragende Werferin. Sechs Spielerinnen kamen auf je zwei Treffer. Marion Werner hatte dabei schon nach fünf Minuten ihr Soll erfüllt und stand später ebenso im Schatten ihrer Gegenspielerin (Ulrike Andresen) wie auf der anderen Außenposition Zsuzsa Nyari (ihre beiden Treffer resultierten aus Siebenmetern) in dem von Brit Krüger.

Je zwei Tore erzielten auch Irina Derr (mit ein paar erfreulichen Ansätzen, aber insgesamt immer noch zu zögerlich), Andrea Hasenberg, Roswitha Bein (davon ein Siebenmeter) und Mona Münstermann. Babette Bischof (nach ihrer Bänderverletzung doch dabei), Ivonn Bosza und Eike Lange gingen leer aus.

Im Tor waren Alexandra Hoffmann und Petra Küsel jeweils zeitweilig erfolgreich um Schadensbegrenzung bemüht – nicht zuletzt mit kühnen, aber nicht ungefährlichen Aktionen bei Tempogegenstößen –, ehe auch sie machtlos dem Sturmlauf des TSV Nord Harrislee gegenüberstanden.

STORMARNER TAGEBLATT vom 18.1.1993

 

Montag, 18. Januar 1993

12:27-Debakel für die VfL-Damen in Harrislee

(mth). Der Start in die Rückrunde der zweiten Bundesliga/Gruppe Nord ist den Handball-Damen des VfL Oldesloe gründlich mißlungen. Im Spitzenspiel beim TSV Nord Harrislee wurde der Mannschaft von Trainer Claus Schilk das Fell nach allen Regeln der Kunst über die Ohren gezogen.

Nach noch halbwegs ausgeglichener erster Halbzeit (12:8 für Harrislee) brachen die Stormarnerinnen nach dem Wechsel völlig zusammen und verloren mit sage und schreibe 12:27.

Der Zug in Richtung erfolgreiche Titelverteidigung dürfte damit für den VfL endgültig abgefahren sein. Noch sind in der gerade begonnenen Rückrunde zwar zehn Spieltage zu absolvieren, aber fünf Punkte Rückstand auf Spitzenreiter TSG Wismar (19:16 gegen TSV Hastedt) und deren vier auf den TSV Nord Harrislee sind wohl auch dann nicht mehr aufzuholen, wenn man berücksichtigt, daß die Oldesloerinnen von allen Mannschaften des oberen

Tabellendrittels das wohl beste Restprogramm haben. Schon gar nicht, wenn sich die Mannschaft in einer Verfassung präsentiert, wie am Sonnabend in Harrislee.

STORMARNER TAGEBLATT vom 18.1.1993

 

Sonnabend, 23. Januar 1993

VfL will „weiße Heim-Weste“ behalten

(cr). Auch wenn der Meisterschaftszug für die Damen des Handball- Bundesligisten des VfL Oldesloe abgefahren ist, die weiße Weste ihrer Heimbilanz wollen sie heute abend (19.30 Uhr in der Stormarnhalle) auf jeden Fall bestätigen.

Und dafür sind sie gegen den HC Empor Rostock besonders motiviert, hat der Absteiger sie doch gerade am letzten Wochenende in der Tabelle überholt.

„Eigentlich ist es ganz unsinnig, enttäuscht über unser bisheriges Abschneiden zu sein“, meint Trainer Claus Schilk nach der letzten Niederlage, „denn mit vier Absteigern aus dem Oberhaus ist im Vergleich zur letzten Saison die Liga viel, viel stärker geworden.“

Deshalb wollen die Oldesloerinnen auch weiterhin motiviert bleiben, um sich einen Platz im oberen

Mittelfeld zu sichern. Und dafür haben sie die zwei Punkte gegen Rostock – wo sie auch noch das Hinspiel mit 20:22 verloren hatten – eigentlich schon einkalkuliert.

STORMARNER TAGEBLATT vom 23.1.1993

 

Sonnabend, 23. Januar 1993

VfL Oldesloe – HC Empor Rostock 23:17 (11:7)

Glatter 23:17-Erfolg gegen den Bundesliga-Absteiger

VfL-Damen zeigten sich gut erholt

Gelungene Revanche gegen Rostock

(mth). So leicht lassen sich die Handball-Damen des VfL Oldesloe in der zweiten Bundesliga/Gruppe Nord nicht unterkriegen! Nach der katastrophalen Niederlage (12:27) vor einer Woche hatte es nicht wenige Stimmen gegeben, die gemeint hatten, die Mannschaft könnte an dem Rückschlag, mit dem sie sicher alle Hoffnungen auf eine Verteidigung des im Vorjahr errungenen Titels „begraben“ muß, zerbrechen.

Nahrung erhielten diese „Cassandra-Rufe“ zusätzlich durch den Spielplan. Im ersten Heimspiel der Rückrunde hatten die Stormarnerinnen mit dem HC Empor Rostock einen weiteren Bundesliga-Absteiger als Gegner. Und mit denen hat der VfL in dieser Saison ja bislang seine liebe Mühe und Not gehabt.

Alle vier Niederlagen in der laufenden Saison resultieren aus Spielen gegen die Teams, die in der letzten Saison noch erstklassig waren. Auch der HC Empor Rostock hatte den VfL in der Hinrunde in eigener Halle bezwungen (22:20) und die Mecklenburgerinnen kamen mit der Empfehlung eines haushohen Sieges über VB Berlin (auch ein VfL-Bezwinger aus der Hinrunde) zum Rückrundenauftakt.

Aber die Moral in der Truppe von Trainer Claus Schilk ist ungebrochen. Schon im Training, so der Oldesloer Coach, hatte er gespürt, daß seine Schützlinge fest entschlossen waren, sich für die Vorstellung in Harrislee zu rehabilitieren. Zum einen, um vor sich selbst bestehen zu können, aber auch, um das treue Oldesloer Publikum zu versöhnen.

Das ließ seine Mannschaft dann auch nicht im Stich. Auch gegen Empor Rostock war die Stormarnhalle mit fast 450 Zuschauern nahezu ausverkauft. Dabei legten sich die VfL-Anhänger lange Zeit viel Zurückhaltung auf und gingen erst in der Schlußphase, als der VfL zu zaubern begann, etwas mehr aus sich heraus.

Zu einem Zeitpunkt, als feststand, daß der Heimnimbus der Stormarnerinnen auch weiter würde Bestand haben. In der Stormarnhalle hat der VfL ja zuletzt vor zweieinhalb Jahren (in der Regionalliga gegen VfL Oldenburg II) ein Punktspiel verloren.

Gegen Rostock mußte man nur in den ersten Minuten fürchten, Andrea Hasenberg und Co. könnten einen neuerlichen Rückschlag erleiden. Nicht, weil es der Mannschaft an Form und Willen gefehlt hätte. Vielmehr war die Truppe eher übermotiviert und wirkte deshalb hektisch und nervös.

Das 0:1 von Susanne Eggert aus der Anfangsminute konnten Marion Werner und Zsuzsa Nyari zwar bis zur 3. Minute in eine 2:1-Führung umwandeln, aber dann war für ein paar Minuten Sand im Getriebe des Oldesloer Spiels. Rostocks Torhüterin Manja Radeloff hielt in den folgenden Minuten Siebenmeter von Roswitha Bein und Zsuzsa Nyari und, da die VfL-Deckung das Zusammenspiel von Iris Teichert und Ines Lankowski nicht in den Griff bekam, führte der Gast durch drei Lankowski-Treffer in Folge nach neun Minuten mit 4:2.

Da hätte es leicht kritisch für die Stormarnerinnen werden können. Aber genau zu diesem Zeitpunkt fanden dann die Leistungsträger im VfL-Team zu ihrer Form. Petra „Piet“ Küsel lief im Tor nun zu großer Form auf, Marion Werner und Zsuzsa Nyari nahmen die Rostocker Abwehr in die Flügelzange, und auch Roswitha Bein bekam als Spielmacherin die Begegnung mehr und mehr in den Griff.

An ihren Leistungen rankten sich im weiteren Spielverlauf dann auch die anderen Spielerinnen empor. Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg war dann sofort im Bilde, Babette Bischof und Eike Lange gesellten sich später als gleichwertige Ergänzungen dazu. Lediglich Ivonne Bosza blieb bis zum Ende blaß. Sie macht offensichtlich eine Formkrise durch, aber die muß man der 18jährigen, die ja noch in der A-Jugend spielen könnte, wohl nachsehen.

Bei Irina Derr und Mona Münstermann kann weniger von fehlender Form die Rede sein. Beide haben noch Schwierigkeiten, sich in die Mannschaft zu integrieren, wobei Irina Derr vor allem im Kopf noch nicht frei zu sein scheint.

Vom Ergebnis her stand die Partie noch bis fünf Minuten vor der Halbzeit auf des Messers Schneide. Erst in den letzten fünf Minuten vor dem Wechsel spielte sich der VfL richtig frei und baute seinen Vorsprung von 8:7 (24.) auf 11:7 aus. Nicht zuletzt auch deshalb, weil mit Eike Lange endlich die richtige Siebenmeterwerferin gefunden war.

Sie erzielte bis zum Wechsel noch zwei Strafwurftore (am Ende insgesamt drei), nachdem vorher drei Siebenmeter verworfen worden waren. Marion Werner hatte dabei das Glück, ihren Strafwurf (zum 6:6 in der 18. Minute), wenigstens im Nachwurf zu verwandeln. Ein Kunststück, das sie in der zweiten Halbzeit in der 49. Minute zum 20:13 noch einmal wiederholte.

Zu dem Zeitpunkt war die Partie längst endgültig entschieden. Mit dem Zwischenspurt kurz vor der Halbzeit hatte sich der VfL endgültig freigespielt. Im zweiten Spielabschnitt lief es über weite Strecken beim VfL dann wie in besten Zeiten. Der Vorsprung wuchs bis zur 39. Minute auf 16:9 an und nun konnten es sich die VfLerinnen sogar leisten, zu „zaubern“.

Der Höhepunkt dabei war ein gelungener „Kempa-Trick“ in der 58. Minute, den Marion Werner auf Vorlage von Zsuzsa Nyari zum 23:16 verwandelte. Zwei weitere Versuche mit der Ungarin als „Fliegerin“ scheiterten danach jeweils knapp. Aber auch so hatte es für den VfL ja zu einem sicheren Sieg gereicht.

Zu dem hatte Marion Werner die meisten Treffer (8) beigesteuert. Auf je drei Tore kamen neben Eike Lange (alles Siebenmeter) noch Roswitha Bein, Andrea Hasenberg und Babette Bischof. Zsuzsa Nyari (2) und Irina Derr teilten sich den Rest.

Im Tor löste Alexandra Hoffmann die glänzende Petra Küsel nur bei drei Siebenmetern in der zweiten Halbzeit ab. Den ersten konnte sie dabei in toller Manier halten, bei den beiden nächsten hatte sie trotz guter Reflexe ein wenig Pech. So wurde sie auch in der Beziehung noch von ihrer Kollegin übertroffen, denn die parierte zwei Strafwürfe.

Allgemein aber waren bei allen VfL-Spielerinnen und ihrem Anhang die Freude und Erleichterung nach dem Spiel. In der Verfassung wird der VfL auch in seiner zweiten Saison in der zweiten Bundesliga eine gute Rolle spielen. Es muß ja nicht in jedem Jahr ein Meistertitel sein.

STORMARNER TAGEBLATT vom 25.1.1993

 

Freitag; 29. Januar 1993

Nach Sieg wieder voll motiviert

(cr). Der Sieg gegen Empor Rostock aus der letzten Woche hat den Handball-Damen vom VfL in der zweiten Bundesliga psychisch offensichtlich sehr gut getan. Denn auch ohne weitere Meisterschaftsambitionen wollen die Oldesloerinnen morgen in dem vorgezogenen Spiel gegen den SV Neubrandenburg auf jeden Fall wieder als Sieger vom Feld gehen.

Motivation haben die Damen vom VfL jedenfalls genug. „Wenn man fünf Stunden im Bus hinfährt und ebenso lange zurück braucht“, meint Trainer Claus Schilk schmunzelnd, „dann will man nicht auch noch verlieren.“ Außerdem hatten die VfL-Damen in einem allerdings nicht sehr schönen Hinspiel die Mecklenburgerinnen mit einem sicheren Sieg in der Stormarnhalle das Fürchten gelehrt.

„Damals haben wir die ehemalige polnische Nationalspielerin in der Neubrandenburger Mannschaft gleich kurz genommen und ausgeschaltet“, erzählt der Coach, „aber wenn sie sich daran erinnern und das Spiel nun anders organisieren, müssen wir uns etwas anderes einfallen lassen.“

Trotzdem ist Schilk zuversichtlich, daß sie die Mannschaft aus dem Tabellenmittelfeld schlagen können, auch wenn in der Neubrandenburger Stadthalle die Vorzeichen eher auf Seiten der Gastgeberinnen sind. „Die Halle ist in einem Oval gebaut“, erzählt Schilk, „und das ist jedes Mal eine etwas merkwürdige Optik, an die man sich erst gewöhnen muß.“

Außerdem verfügt die Neubrandenburger Mannschaft über eine lautstarke Anhängerschaft, die sie erheblich unterstützen wird. Die Oldesloerinnen hoffen aber durch viele mitreisende Fans auch in dieser Hinsicht mithalten zu können. (Abfahrt des Busses ist entgegen der Ankündigung in der Hallenzeitung bereits um 10.30 Uhr an der Stormarnhalle.)

STORMARNER TAGEBLATT vom 29.1.1993

 

Sonnabend, 30. Januar 1993

SV Neubrandenburg – VfL Oldesloe 17:19 (7:9)

Wichtiger Handball-Sieg in Neubrandenburg

Die Matchwinnerin stand im Tor

(cr/mth). „Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden, mit dem Spiel nicht unbedingt“, war der lapidare Kommentar von Handball-Trainer Claus Schilk nach dem wichtigen 19:17-Auswärtserfolg der VfL-Bundesliga-Damen gegen den SV Neubrandenburg. Denn auch wenn die Oldesloerinnen am Ende als Sieger vom Feld gingen, zeigten sie doch nicht die Leistung, zu der sie eigentlich fähig sind.

Aber auch das gehört zum Erfolgsrezept einer guten Mannschaft, daß sie schwierige Partien vor allem mit Teamgeist für sich entscheiden können. Und genau den bewiesen die Oldesloerinnen in der Stadthalle von Neubrandenburg, wo sie gegen den Tabellensiebenten antreten mußten.

Denn sind es im VfL-Team sonst vor allem Roswitha Bein und Marion Werner, die durch ihre Aktionen entscheidende Akzente im Oldesloer Spiel setzen, so zeigten gerade sie in dieser Begegnung nicht gerade ihre Top-Form. Roswitha Bein, die mit ihrer Routine normalerweise spielbestimmend für die Stormarner Mannschaft ist, traf nur zweimal das gegnerische Tor, ebenso wie Marion Werner, die zusätzlich noch einen Siebenmeter verwandelte. Außerdem mußten beide zweimal für zwei Minuten vom Platz, so daß Roswitha Bein ab Mitte der ersten Halbzeit nur noch im Angriff eingesetzt wurde.

Statt dessen machten lrina Derr und Mona Münstermann mit jeweils drei Treffern deutlich, daß sie auf dem besten Wege sind, sich in der Mannschaft zu etablieren. Nicht ganz verständlich war daher die Auswechslung der

glänzend agierenden Deutsch-Russin lrina Derr, die nach einem 15-MinutenEinsatz wieder zurück auf die Bank mußte .

Eike Lange hingegen bestätigte mit drei Treffern ihre Leistung aus dem Rostock-Spiel. Ebenfalls dreimal erfolgreich waren auch Babette Bischof und Zsuzsa Nyari, die allerdings nicht ganz zu ihrem Spiel fand.

Nur in der Anfangsphase der ersten Halbzeit gelang es den Gastgeberinnen, den Heimvorteil ihrer optisch äußerst gewöhnungsbedürftigen Halle zu einer 2:1-Führung zu nutzen. Danach waren es die Oldesloerinnen, die ständig, aber knapp in Führung lagen und mit einem 9:7-Vorsprung in die Halbzeit gingen.

Doch auch im zweiten Durchgang schafften es die Gäste nicht, ihren Vorsprung entscheidend auszubauen. Bis zur 40. Minute lieferten sich beide Teams eine relativ ausgeglichene, spannende Partie. Erst in der 47. Minute glaubten die Stormarnerinnen beim Spielstand von 17:11 eine Vorentscheidung getroffen zu haben.

Allerdings waren es jetzt die Neubrandenburgerinnen, die aufholen konnten und bis 15:17 herankamen. Die endgültige Entscheidung zugunsten des Tabellendritten aus Oldesloe brachte erst in der 59. Minute das zweite Tor von Roswitha Bein, die zum 18:15 traf.

Wenn am Ende der Trainer auch mit der Leistung seines Teams nicht ganz zufrieden sein wollte, eine Spielerin mußte er von diesem Urteil ausklammern: Alex Hoffmann. Denn von der ersten Minute an zeigte die quirlige Torfrau eine ganz hervorragende Partie.

Sie muß als Matchwinnerin gelten, denn mit ihren tollen Reaktionen, mit denen sie manch Neubrandenburger Spielerin fast zur Verzweiflung brachte, war letztlich sie es, die ihrer Mannschaft zu diesem wichtigen Sieg verhalf.

STORMARNER TAGEBLATT vom 1.2.1993

 

Freitag, 12. Februar 1993

Schlußlicht TH Eilbek Gast des VfL

In der Stormarnhalle treffen sich viele „alte“ Bekannte

(mth). Sonnabend um 19.30 Uhr ist in der Oldesloer Stormarnhalle wieder Bundesliga-Zeit. Die Damenmannschaft des VfL hat dann mit TH Eilbek das Schlußlicht der zweiten Bundesliga/Gruppe Nord zu Gast. Klar, daß die Truppe von Trainer Claus Schilk als eindeutiger Favorit in die Begegnung geht. Schließlich ist das Stormarner Renommierteam in eigener Halle in Punktspielen seit mehr als zweieinhalb Jahren ohne Niederlage, während die Hamburgerinnen in dieser Saison kaum ein Bein auf die Erde bekommen und den Abstieg in die Regionalliga kaum noch werden vermeiden können.

Ganze vier Punkte haben sie bislang verbuchen können, von denen sie zwei noch dazu am grünen Tisch wieder zu verlieren drohen. Ihr Sieg über die Reinickendorfer Füchse ist nämlich wegen eines Regelverstoßes vom Sportgericht inzwischen in eine Niederlage umgewandelt worden. Allerdings versucht TH Eilbek noch, sie auf dem Gnadenweg zurückzubekommen.

Weniger wohl, weil man sich noch eine Chance auf den Klassenerhalt ausrechnet, der Abstand zum rettenden Ufer ist schon beträchtlich, als vielmehr, um die ohnehin etwas angeknackste Moral der Truppe nicht vollständig zu knicken. Die Mannschaft hat schließlich nicht nur sportlich in dieser Saison einiges wegstecken müssen.

Auch im Umfeld hat es einigen Trubel gegeben. So gab es in der Hansestadt den ersten und bisher einzigen Trainerwechsel der Liga. Joachim Restorff, ein Kollege, mit dem sich der streitbare VfL-Coach Claus Schilk in der Vergangenheit besonders oft gerieben hatte, ist von Tina Blietz abgelöst worden.

Die ist zugleich Vorsitzende des Vereins und „Denkmal“ in der Hamburger Handball-Szene, aber durchaus nicht unumstritten. Als Folge dieses Trainerwechsels haben zwei Spielerinnen die Mannschaft verlassen. Eine von ihnen, Mona Münstermann, ist ja von der Alster an die Trave gewechselt und ist nach Anlaufschwierigkeiten auf dem besten Wege, sich fest in die VfL-Truppe zu integrieren.

Aber Mona Münstermann ist nicht die einzige Spielerin, die morgen auf „alte“ Bekannte trifft. In Reihen des VfL hatte sich darauf auch Alexandra Hoffmann gespitzt. Allein, die Keeperin, die vor dieser Saison von Eilbek nach Oldesloe wechselte, ist nicht gerade vom Glück verfolgt. Sie hat sich im Training eine Meniskusverletzung zugezogen und fällt für die nächste Zeit aus. Das ist für sie besonders ärgerlich, hatte sie doch zuletzt in Neubrandenburg geglänzt und großen Anteil am Sieg ihres Teams gehabt. Nun ruht die Verantwortung im Tor allein auf Petra Küsel. Aber die wird es, wenn sie denn gesund bleibt, sicher „wuppen“.

Auf bekannte Gesichter treffen aber auch zwei Spielerinnen des TH Eilbek in der Stormarnhalle. Martina Gliewe wechselte vor eineinhalb Jahren nach dem Aufstieg des VfL in die zweite Liga zum Konkurrenten und Annette Schümann folgte ihr im letzten Sommer, weil sie keine Chance für sich gegen die neuverpflichteten Torhüterinnen sah und nicht beim VfL als Nummer drei versauern wollte.

Natürlich werden sich beide im Spiel gegen ihren ehemaligen Verein besonders reinhängen. An einer eindeutigen Favoritenstellung des VfL für die morgige Partie ändert das natürlich nichts, aber ein reiner Spaziergang muß sie für Andrea Hasenberg und Co. deshalb nicht werden.

Auch TH Eilbek ist trotz des schlechten Tabellenstandes und der schier aussichtslosen Lage im Abstiegskampf in der Lage, guten Handball zu spielen. Der 23:18-Erfolg am letzten Wochenende gegen VB Berlin sollte für die Stormarnerinnen da Warnung genug sein. Schließlich hatten sie ihr Gastspiel bei dem Bundesliga-Absteiger aus der Hauptstadt im November verloren.

STORMARNER TAGEBLATT vom 12.2.1993

 

Sonnabend, 13. Februar 1993

VfL Oldesloe – TH Eilbek 26:21 (10:9)

26:21-Erfolg über Schlußlicht TH Eilbek

Fünf starke Minuten reichten den VfL Bundesliga-Handballerinnen

(mth). In der Halbzeitpause der Begegnung der zweiten Bundesliga/Gruppe Nord zwischen dem VfL Oldesloe und TH Eilbek/Hamburg rieben sich die rund 400 Zuschauer in der Stormarnhalle etwas verwundert die Augen. Die hochfavorisierten Stormarnerinnen führten gegen das Schlußlicht nur mit 10:9 und sie mußten dabei sogar noch hochzufrieden sein, daß es für sie überhaupt zu einem knappen Vorsprung gereicht hatte.

60 Sekunden vor dem Halbzeitpfiff des umsichtigen Schiedsrichtergespanns Hauke/ Janssen aus Moormerland/Holtland hatte es danach nicht ausgesehen. Eilbek hatte nämlich gerade durch ihre gefährlichste Spielerin, Christine Rahmelow, zum 9:9 ausgeglichen und Marion Werner war mit einer Zwei-Minuten-Strafe bedacht worden.

Da kurz zuvor auch Roswitha Bein eine Verschnaufpause „zwangsverordnet“ worden war, mußte der VfL bis zum Wechsel in doppelter Unterzahl agieren. Aber da zeigte sich, warum die Hamburgerinnen in dieser Saison einfach nicht aus dem Tabellenkeller herauskommen. Ängstlich beharrten sie auch gegen nur vier Gegnerinnen im Feld auf einer 6:0-Deckung.

So kam der VfL in der brenzligen Situation nicht nur ungeschoren über die Zeit, er schaffte sogar durch Babette Bischof noch das Führungstor. Und doch gab es auf den Rängen in diesen Minuten leichte Zweifel über den späteren Sieger.

Das Schlußlicht hatte mit einer ansonsten beherzten Leistung deutlich gemacht, daß der Sieg eine Woche zuvor gegen VB Berlin nicht von ungefähr gekommen war. Gegenüber der Hinrunde hat sich die Mannschaft nach dem Trainerwechsel im Spätherbst (Christiane Blietz für Joachim Restorff) spielerisch deutlich verbessert.

Daran haben auch die beiden ehemaligen Oldesloerinnen Martina Gliewe (sie schaffte vier Tore gegen ihren alten Verein) und Annette Schümann (sie hielt sich im Tor gegen die scheinbare Übermacht des VfL streckenweise prächtig) ihren gehörigen Anteil.

Beim VfL dagegen lief bei weitem nicht alles nach Wunsch. Ivonn Bosza, erneut in der Grundformation eingesetzt, hat ihre momentane Unsicherheit noch immer nicht überwunden und Mona Münstermann, nach besagtem Trainerwechsel von Eilbek nach Oldesloe gewechselt, war gegen ihre ehemaligen Mannschaftskolleginnen derart übermotiviert, daß sie kaum einen Ball festhalten konnte.

Dazu zeigte die Deckung der Oldesloerinnen ungewohnt viele Lücken. So stand die Partie dann auch nach 37 Minuten bei einem Stand von 13:12 für den VfL auf des Messers Schneide. Dann aber drehten Zsuzsa Nyari und Co. für fünf Minuten auf und das reichte, um die Begegnung zu entscheiden.

Bis zur 42. Minute war der VfL auf 18:12 davongezogen und damit war natürlich alles gelaufen. Bei dem Abstand blieb es bis zum Endstand von 26:21 in etwa, wobei die Abwehrlücken bei den Stormarnerinnen gegen Ende immer eklatanter wurden.

Erfolgreichste Torwerferin beim VfL war Marion Werner mit sechs Treffern, wovon fünf aus verwandelten Siebenmetern herrührten. Sie verdarb ihren sonst guten Eindruck aber ein wenig mit leichtfertiger Vergabe hochkarätiger Chancen.

Auf je fünf Tore brachten es Zsuzsa Nyari und Babette Bischof, die sich in guter Form vorstellten. Eike Lange (4/2) machte einmal mehr deutlich, daß ihr Integrationsprozeß in die Mannschaft langsam abgeschlossen ist. Auf je zwei Tore kamen Roswitha Bein (sehr mannschaftsdienlich) und Andrea Hasenberg. Je eines markierten Mona Münstermann und Irina Derr, der man gerne mehr Einsätze wünschen würde, damit sie ihr Defizit in punkto Spielpraxis schneller abbauen kann.

Im Tor spielte trotz ihrer Meniskusverletzung – operiert wird sie voraussichtlich erst in dieser Woche – in der ersten Halbzeit Alexandra Hoffmann, die sich gegen ihre frühere Mannschaft natürlich besonders ins Zeug legte. Petra Küsel, die sie nach der Pause ersetzte, hatte nicht unbedingt ihren besten Tag erwischt.

Aber zur Wahrung der tollen Heimbilanz – der VfL ist in der Stormarnhalle seit mehr als zweieinhalb Jahren in Punktspielen ungeschlagen – reichte es ja auch so.

STORMARNER TAGEBLATT vom 15.2.1993

 

Montag, 15. Februar 1993

Paukenschlag

Claus Schilk hat gekündigt

(mth). Der Knalleffekt kam unvermittelt eine knappe halbe Stunde nach dem Spiel der Oldesloer Handball-Damen gegen TH Eilbek. Claus Schilk, Trainer und Manager der VfL-Renommiertruppe in Personalunion und als solcher untrennbar mit deren Höhenflug verbunden, ließ die Sensation quasi in einem Nebensatz auf einer kleinen Pressekonferenz fallen: Er hat seinen Vertrag beim VfL zum Saisonende gekündigt. Seine kurze und knappe Begründung: Er fühle sich in seinen Bemühungen, die Bundesliga-Truppe optimal zu vermarkten, um so ihren Bestand zu sichern und Zukunftsperspektiven in Richtung erste Liga aufzuzeigen, behindert und alleingelassen. Als endgültigen Schlußstrich will er seine Kündigung allerdings nicht unbedingt verstanden wissen. „Hätte ich meinen Vertrag bis Ende Februar nicht gekündigt, hätte er sich automatisch um ein Jahr verlängert. Eine Verlängerung kommt für mich aber nur dann in Frage, wenn ich hier ungehindert arbeiten kann und mir nicht dauernd Knüppel zwischen die Beine geworfen werden.“

STORMARNER TAGEBLATT vom 15.2.1993

 

Freitag, 19. Februar 1993

3. Runde im DHB-Pokal der Damen

Die VfL-Damen erneut vor halber „Weltreise“

(mth). Wahrlich nicht vom Glück verfolgt ist die Damen-Zweitliga-Mannschaft des VfL Oldesloe im Pokalwettbewerb des Deutschen Handballbundes (DHB) auf Bundesebene. In der dritten Hauptrunde müssen sich die Stormarnerinnen erneut auf eine halbe „Weltreise“ begeben.

Nachdem man in der ersten Runde nach Bremen-Hastedt und in der zweiten Runde gar nach Augsburg/Hochzoll (noch dazu am vierten Advents-Wochenende) reisen mußte, geht es diesmal nach Ebersdorf/Coburg im Frankenland. Durch ein Freilos in der zweiten Runde hat sich der bayrische Oberligist (vierte Liga) qualifiziert, und just der VfL, der ja schon in den beiden ersten Runden wie kaum eine andere Mannschaft gebeutelt wurde, was Reisekosten und -strapazen angeht, bekam die unterklassigste noch im Wettbewerb verbliebene Mannschaft zugelost.

Das Spiel in der Frankenlandhalle in dem Coburger Ortsteil beginnt um 19.30 Uhr. Um dafür rechtzeitig vor Ort zu sein, treten die Oldesloerinnen die Anreise mit der Bahn bereits um 8.15 Uhr in der Stormarner Kreisstadt an.

Dort werden sie, wenn alles fahrplanmäßig verläuft – VfL-Trainer Claus Schilk hat nach schlechten Erfahrungen in Augsburg die Abfahrzeiten der Züge für seine Schützlinge diesmal sicherheitshalber fotokopiert -erst gut 26 Stunden später zurückerwartet. Wahrlich eine Strapaze!

Was sie da bei sportlich erwartet, wissen die Oldesloerinnen nicht. Der bayrische Oberligist ist für sie und ihren Coach ein gänzlich unbeschriebenes Blatt. Aber natürlich gehen sie davon aus, daß sie die Hürde überspringen können, und sie hoffen sehr, daß das Lospech ihnen dann endlich untreu wird.

Die Reise in den Süden der Republik machen bis auf Torhüterin Alexandra Hoffmann alle Spielerinnen des Kaders mit. „Alex“ ist zu Beginn dieser Woche nun doch am Meniskus operiert worden. Man hofft aber zuversichtlich, sie bald wieder dabeizuhaben. Meniskus-Operationen sind, anders als früher, wenn sie ohne Komplikationen verlaufen, keine Eingriffe mehr, die Sportlerkarrieren beenden oder auch nur für längere Zeit unterbrechen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 19.2.1993

 

Sonnabend, 20. Februar 1993

TV Ebersdorf/Coburg – VfL Oldesloe 12:24 (3:10)

(3. Runde DHB-Pokal)

24:12-Erfolg

VfL-Damen zogen ohne Mühe in die vierte DHB-Pokalrunde

(mth). Für die Zweitliga-Mannschaft des VfL Oldesloe war war die dritte Runde des Pokalwettbewerbs des Deutschen Handballbundes (DHB) keine ernstzunehmende Hürde. Die Fahrt zum bayrischen Oberligisten TV Ebersdorf/Coburg war nicht viel mehr als eine Vergnügungsreise für die Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg. Allerdings eine ziemlich langwierige und damit strapaziöse.

Insgesamt war man rund 26 Stunden unterwegs und damit gut zwei Stunden länger als in der zweiten Runde, als man mit DJK Hochzoll/Augsburg ja auch schon einen bayrischen Gegner zugelost bekommen hatte.

Damals – unmittelbar vor Weihnachten – hatte sich die Angelegenheit für den VfL ja zu einer echten Strapaze ausgeweitet. Vor allem, weil An- und Abreise nicht ganz reibungslos über die Bühne gingen. Auch sportlich hatte sich die Mannschaft zusammennehmen müssen. In Gefahr war sie ernsthaft damals zwar nicht geraten, aber immerhin hatte sich der Regionalligist gut gewehrt und auch vom Ergebnis (14:17) achtbar geschlagen.

Dagegen war der Ausflug nach Coburg absolut stressfrei. „Es war eine richtig schöne und nette Reise“, zog Trainer Claus Schilk am Sonntagmorgen, als er taufrisch und ausgeschlafen – man hatte für die Rückreise einen Liegewagen gebucht – daheim ankam, zufrieden Bilanz. Ausgiebige Zwischenaufenthalte in Würzburg (Hinfahrt) und Nürnberg (Rückfahrt) hatten auf den langen Touren für Abwechslung und Kurzweil gesorgt und sportlich hatte der VfL in Ebersdorf nicht das Geringste auszustehen.

Schon beim Aufwärmen hatten die Oldesloerinnen ihren Gegner, der für sie vorher ja ein gänzlich unbeschriebenes Blatt war, unter die Lupe genommen und schon da festigte sich die Erwartung, daß man auf keine ernstzunehmende Probe gestellt würde.

Und so ist es dann auch gekommen. Vor immerhin 400 Zuschauern beherrschte der VfL den Gastgeber, der in der bayrischen Oberliga zur Zeit den zweiten Platz einnimmt – sein Hauptziel ist der Aufstieg in die Regionalliga, für das er am kommenden Wochenende sein entscheidendes Spiel gegen den Spitzenreiter hat – ganz nach Belieben und ließ zu keiner Sekunde Zweifel am späteren Sieger aufkommen.

Zur Pause führten die Stormarnerinnen schon mit 10:3, am Ende hatten sie mit 24:12 die Nase vorn. Dabei spielte die Mannschaft keineswegs verbissen und zielstrebig, sondern ließ Experimenten und kleinen Spielereien freien Lauf. „Wären wir ernsthaft zur Sache gegangen, hätten wir sicher auch 40 Tore erzielen können“, war sich Schilk sicher.

Aber er war auch so mit dem Spiel seiner Schützlinge zufrieden. Am Torsegen waren sämtliche Feldspielerinnen beteiligt. Auf je vier Treffer brachten es Zsuzsa Nyari, Roswitha Bein und Andrea Hasenberg als erfolgreichste Werferinnen. Marion Werner, Babette Bischof (je 3), Eike Lange, Irina Derr (je 2), Ivonn Bosza und Mona Münstermann (je 1) teilten sich den Rest. Im Tor spielte Petra Küsel durch, denn Alexandra Hoffmann hatte die Reise wegen ihrer Meniskus-Operation nicht mitmachen können.

Beim VfL hofft man nun für die vierte Runde endlich auf mehr Losglück. Nach drei Auswärtsspielen in Folge im Pokal käme ein Heimspiel, am besten gegen einen attraktiven Gegner aus der ersten Bundesliga, gelegen. Aber man wäre auch schon zufrieden, wenn man nicht wieder gar so weit würde reisen müssen.

Die Auslosung für die vierte Runde erfolgt am 3. März in der DHB-Zentrale in Dortmund. Vorgesehener Termin für die Spiele sind dann die Osterfeiertage. Da Marion Werner dann wieder mit der Junioren-Nationalmannschaft unterwegs ist, wird der VfL, auf wen er auch immer trifft, dann auf einen Wochentag davor oder danach ausweichen müssen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 22.2.1993

 

Freitag, 26. Februar 1993

VfL muß bei den Füchsen aufpassen

(mth). Berlin ist für die Handball-Damen des VfL Oldesloe am Sonnabend mal wieder eine Reise wert. In der Sporthalle an der Cyclopstraße in Berlin 26 tritt die Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg gegen die Reinickendorfer Füchse an.

Die Stormarnerinnen haben den Aufsteiger aus der Hauptstadt im Hinspiel in der Stormarnhalle sicher besiegt und gelten auch für die morgige Partie als eindeutiger Favorit.

Das gilt um so mehr, als Trainer Claus Schilk mutmaßlich in Bestbesetzung wird antreten können. Selbst Torhüterin Alexandra Hoffmann wird knapp zwei Wochen nach ihrer Meniskus-Operation mit nach Berlin fahren, dort allerdings nur auf der Bank sitzen und allenfalls im äußersten, hoffentlich nicht eintretenden Notfall eingesetzt werden.

Unterschätzen aber darf der VfL auch diesen Gegner nicht. Die „Füchse“, eine relativ junge, unerfahrene Mannschaft in der Bundesliga, haben sich im Verlauf der Saison enorm zu steigern gewußt. So unterlagen sie zuletzt Bundesliga-Absteiger VB Berlin im Lokalderby nur denkbar knapp mit 12:13, und davor hatten sie TuS Alstertal sicher bezwungen.

Die vom früheren Nationalspieler Dieter Finkelmann trainierte Truppe hat dazu jeden Punkt im Kampf um den Klassenerhalt nötig und wird es an Kampfgeist sicher nicht fehlen lassen.

Wie fast immer bei Auswärtsspielen der VfL-Bundesliga-Damen können auch nach Berlin Schlachtenbummler mit dem Mannschaftsbus mitfahren. Sie sollten sich rechtzeitig vor Abfahrt des Busses am Sonnabend um 13.45 Uhr an der Stormarnhalle einfinden.

Nach dem Spiel in Berlin pausiert die zweite Bundesliga zwei Wochenenden. Der Grund: Lehrgänge und Länderspiele der Damen- und Juniorinnen-Nationalmannschaft. Die Juniorinnen-Nationalmannschan, in der ja auch die VfLerin Marion Werner ihren festen Platz hat, ist dabei in Stormarn zu Gast. Sie weilt vom 28. Februar bis zum 5. März im Hotel „Stormansche Schweiz“ in Grönwohld.

Im Rahmen des Lehrganges trägt sie drei Länderspiele gegen die Auswahl Norwegens aus. Eines davon findet am 4. März um 20 Uhr in der Sporthalle in Trittau statt.

STORMARNER TAGEBLATT vom 26.2.1993

 

Sonnabend, 27. Februar 1993

Reinickendorfer Füchse – VfL Oldesloe 16:17 (5:9)

Herzschlag-Finale beim Spiel in Berlin

Siegtor für den VfL durch Babette Bischof in letzter Sekunde

(mth). So knapp hat es der VfL Oldesloe in der zweiten Bundesliga der Handball-Damen noch selten gemacht. Den Siegtreffer zum 17:16 für die Stormarnerinnen bei den Reinickendorfer Füchsen in Berlin brachte Babette Bischof buchstäblich in letzter Sekunde an.

Das jedenfalls war die Meinung der Oldesloer, der beiden Schiedsrichter und eines Teils des Kampfgerichtes. Die Berliner und der andere Teil des Kampfgerichts sahen das ganz anders. Sie waren der Meinung, der Wurf von Ba bette Bischof wäre erst nach der Schlußsirene erfolgt und hätte keine Anerkennung mehr finden dürfen.

Für diese Annahme sprach einiges. Die Mehrzahl der Augen- und Ohrenzeugen war dieser Meinung und offensichtlich auch die Berliner Spielerin, die an Babette Bischof im entscheidenden Moment „dran“ war und sicher fester und länger zugepackt hätte, wenn sie denn nicht den für sie erlösenden Ton vom Kampfgericht gehört hätte.

Die Schiedsrichter aber ließen an ihrer Entscheidung auf Tor nur ganz kurz Zweifel aufkommen. Schlußsirene hin, Schlußsirene her, so ihre Meinung, Tatsache wäre gewesen, daß die Spielzeit auf ihrer Stoppuhr beim Wurf noch nicht abgelaufen war. Und die gäbe schließlich den Ausschlag.

Dieser klaren Entscheidung schloß sich auch der anwesende Schiedsrichterbeobachter an, und dem Urteil beugten sich mit deutlichen Bauchschmerzen auch die Berliner, was in dem Durcheinander allerdings längere Zeit unklar blieb.

Die Entscheidung über das letzte Tor aber war auch so ziemlich das einzige, was der Schiedsrichterbeobachter an der Leistung der Unparteiischen Nestler/Steffen aus Radeberg in der zweiten Halbzeit guthieß. Und mit diesem harten Urteil lief er bei den Oldesloern offene Türen ein.

So recht überzeugend hatten die beiden Herren in Schwarz schon in der ersten Halbzeit nicht gepfiffen. Dabei hatten sie allerdings keine Mannschaft benachteiligt. Das änderte sich nach der Pause gravierend. Nun wurden die Oldesloerinnen mehr und mehr Opfer von Fehlentscheidungen.

Knackpunkt der Partie war dann eine Entscheidung in der 43. Minute, die wenig Fingerspitzengefühl bewies. Nach einer schon umstrittenen Zwei-Minuten-Strafe gegen Roswitha Bein wurde von Kampf- und Schiedsgericht moniert, sie wäre schon eine Sekunde vor Ablauf der Frist auf das Feld zurückgekehrt.

Obwohl der VfL erkennbar nicht den geringsten Vorteil in der Situation hatte, bekam „Rossi“ eine weitere Zeitstrafe aufgebrummt. Fortan war Hektik im Spiel und die bekam den Oldesloerinnen, die vorher zwar nicht gerade überragend gespielt hatten, aber das Geschehen stets sicher im Griff hatten, überhaupt nicht.

Zumal sich die Fehlentscheidungen gegen sie häuften, je mehr es auf den Schlußpfiff zuging und je dichter die tapfer kämpfende Berliner Truppe, die einen weit stärkeren Eindruck als beim Hinspiel in der Stormarnhalle hinterließ, herankam.

Geradezu hanebüchen wurde es in den letzten 60 Sekunden. Der Gastgeber, der in der 53. Minute erstmals seit der Anfangsphase (zuletzt beim 2:2 in der 8. Minute) einen Gleichstand (13:13) erzielte, nachdem der VfL vorher lange Perioden mit vier Toren Vorsprung geführt hatte (vom 9:5 zur Pause bis zum 13:9 in der 46. Minute), witterte Morgenluft, als er in der 59. Minute erneut auf 15:16 herangekommen war.

Um seine Chance beim Schopfe zu packen, war er in der Wahl seiner Mittel nicht mehr wählerisch. Vielmehr ging er mit Brachialgewalt vor, ohne daß die Schiedsrichter durchgriffen. So schafften die Füchse in der Schlußminute sogar das 16:16.

Den Vorsprung versuchten sie mit Klauen und Zähnen zu verteidigen. Dabei schreckten sie selbst vor Catchergriffen nicht zurück, aber die Unparteiischen griffen noch immer nicht ein. Vielmehr bekam Zsuzsa Nyari 25 Sekunden vor Schluß eine Zeitstrafe, als sie ihrem Ärger nach einem Ausheber gegen sich Luft machte, zudiktiert.

Das Spiel schien mit einem Eklat zu enden, als der Anschein verbreitet wurde, das letzte VfL-Tor sei zu spät gefallen. Nun verloren die Gäste fast die Beherrschung. Allen voran Trainer Claus Schilk, der wütend seinen Trainingspullover gegen das Kampfgericht schleuderte. Das brachte ihm schließlich eine Eintragung in den Spielbericht ein, blieb aber – siehe oben – sportlich ohne Folgen.

Das nahm schließlich auch Reinickendorfs Trainer Dieter Finkelmann als eine Art „höhere Gerechtigkeit“ hin. „Die Schiedsrichter“, so seine Schlußbemerkung, „bekamen wohl Angst vor ihren eigenen Entscheidungen, mit denen sie den VfL in der Schlußphase benachteiligten, und versuchten durch die Anerkennung des meiner Ansicht zu späten Tores eine Art ausgleichende Ungerechtigkeit zu praktizieren.“

Für den VfL war Roswitha Bein mit sechs verwandelten Siebenmetern beste Torwerferin. Ihr am nächsten kam Zsuzsa Nyari mit fünf Toren Den kargen Rest teilten sich Marion Werner, Babette Bischof (je 2), Andrea Hasenberg und Mona Münstermann.

Eike Lange, die einen Siebenmeter verwarf, ging ebenso leer aus wie Ivonn Bosza. Irina Derr kam nach der Grippe unter der Woche nur in den letzten fünf Sekunden zum Einsatz und gab dabei den Paß zum spielentscheidenden Treffer. Im VfL-Tor war Petra Küsel 45 Minuten lang souverän, ehe auch sie sich von der allgemeinen Hektik anstecken ließ.

Jetzt hat der VfL drei Wochen Ruhe, sich von den Strapazen auszuruhen. Nächstes Spiel ist erst am 20. März in der Stormarnhalle gegen Blau-Weiß Frankfurt/Oder.

STORMARNER TAGEBLATT vom 1.3.1993

 

Montag, 1. März 1993

Quälen für ein Comeback im Handball-Tor

(nup). Fast täglich quält sich Alexandra Hoffmann in der medizinischen Massagepraxis von Ralph-Erhard Gericke (Masseur) bei dessen jüngerem Bruder und Krankengymnasten Malte-Nando Gericke (24) in Bargteheide. Denn vor genau vierzehn Tagen unterzog sich die Handball-Torhüterin des Zweitbundesligisten VfL Oldesloe einer ambulanten Innenmeniskus-Operation.

„ie Krankengymnastik ist so ausgelegt, daß die Muskeln des gesamten Körpers beansprucht werden, mit Schwerpunkt auf das operierte rechte Knie“, erklärt Malte-Nando Gericke, während er „Alex“ pausenlos anleitet. „Fuß runter, Ferse nach außen, und drück das Bein runter, Fuß hoch, Ferse nach innen, und zieh hoch“ – die 23jährige Torhüterin des Zweitbundesligisten VfL Oldesloe quält sich für ihr Comeback im Tor der VfL-Handball-Damen.

Am 20. März im Heimspiel gegen Blau-Weiß Frankfurt/Oder will sie wieder zwischen den Pfosten stehen. In Berlin am Sonnabend saß sie bereits auf der Ersatzbank. Kräftigungsübungen zur Stärkung der Kniemuskulatur, inklusive Bauch-, Rücken- und Armmuskulatur, gehören zum fast täglichen Pensum bei der Krankengymnastik.

Kniebeschwerden hat Alexandra Hoffmann keine. „Ich habe mein Knie nach der Operation ständig gekühlt, daher ist es nur minimal angeschwollen“, gibt sie sich optimistisch. Schon in dieser Woche will die Studentin der Betriebswirtschaftslehre das Handball-Training wieder aufnehmen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 1.3.1993

 

Freitag, 5. März 1993

Claus-Dieter Schilk bleibt Trainer der VfL. Damen

(mth). Für Kenner der Szene ist das keine Überraschung: Claus-Dieter Schilk, der im Februar seinen Vertrag zum Saisonende gekündigt hatte, bleibt für ein weiteres Jahr Trainer der Damen-Bundesliga-Mannschaft der Handballabteilung des VfL Oldesloe.

Gekündigt hatte er mehr vorsorglich, weil sich sein bisheriger Vertrag sonst automatisch mit Ablauf des Monats Februar um weitere zwölf Monate verlängert hatte. Und ganz so einfach hatte der Erfolgstrainer die Angelegenheit nicht gesehen.

Vorher wollte er ein paar für ihn wesentliche Dinge im Umfeld geklärt sehen, und dazu wollte er Rückendeckung im Verein für sein Vorhaben, in der nächsten Saison mit allen Konsequenzen einen ernsthaften Anlauf in Richtung erste Liga machen zu können. Beide Anliegen sind in dieser Woche mit dem Vorstand des Vereins besprochen und verabredet worden, so daß einer Vertragsverlängerung Schilks nichts mehr im Wege stand.

Endgültig geklärt ist inzwischen auch der Termin für den Pokal-Knüller gegen die Erstliga-Spitzenmannschaft aus Buxtehude. Die Begegnung der vierten DHB-Hauptrunde wird endgültig am 7. April in der Stormarnhalle stattfinden. Anpfiff ist dann um 20.15 Uhr. Der Sieger des Spiels zieht in das Viertelfinale ein.

STORMARNER TAGEBLATT vom 5.3.1993

 

Freitag, 12. März 1993

VfL-Karten als Eröffnungsangebot

(mth). Die Bundesliga-Damen der Handballabteilung des VfL Oldesloe haben, wie schon vor einer Woche, auch an diesem Wochenende kein Spiel. Der Grund ist so einfach wie einleuchtend: Der Spielplan sieht für die gesamte Liga keine Spiele vor. Aber das nächste Spiel der VfL-Damen am 20. März um 19.30 Uhr in der Stormarnhalle gegen Blau-Weiß Frankfurt/Oder wirft schon jetzt seine Schatten voraus.

Oder besser seine Sonnenseiten. VfL-Sponsor Lancia Mittasch hat die Partie komplett gekauft. Zur Eröffnung des neuen Autohauses der Firma an der Lohe in Bargteheide können dort ab morgen kostenlos Karten für das Handballspiel abgeholt werden. Das Eröffnungsangebot für die Handballfreunde läuft, wenn der Vorrat so lange reicht, bis zum Freitag kommender Woche.

Der Rest der Karten wird am Spieltag in Bad Oldesloe direkt in der Stormarnhalle verkauft. Die Dauerkartenbesitzer brauchen um ihre Plätze natürlich keine Angst zu haben. Die werden für sie selbstverständlich reserviert.

STORMARNER TAGEBLATT vom 12.3.1993

 

Freitag, 19. März 1993

Blau-Weiß Frankfurt/Oder in der Stormarnhalle

VfL mit Ingrid, aber ohne Claus Schilk

(mth). Die „bundesligalose" Zeit in der Stormarnhalle – manchem Stormarner Handballfan schien sie unendlich lang zu sein, obwohl sie tatsächlich nicht länger als vier Wochen dauerte – neigt sich ihrem Ende entgegen. Morgen (Sonnabend) um 19.30 Uhr wird dort das Spiel der Oldesloerinnen gegen Blau-Weiß Frankfurt/Oder angepfiffen.

Die Oldesloerinnen wollen alles daransetzen, ihren derzeitigen dritten Rang (inzwischen nur noch knapp hinter dem TSV Nord Harrislee) zu behaupten. Der Gast von der deutschen Ostgrenze steht dagegen noch mitten im Abstiegskampf und hat deshalb an der Trave nichts zu verschenken. Es ist also mit einer spannenden und aufregenden Partie mit durchaus ungewissem Ausgang zu rechnen.

Natürlich ist die Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg in der Favoritenrolle. Schließlich hat sie in eigener Halle seit zweieinhalb Jahren kein Punktspiel mehr verloren und diese Superserie gedenkt sie natürlich fortzusetzen. Aber der Gegner aus Frankfurt ist nicht von Pappe.

In der Industriestadt an der Oder ist man brennend daran interessiert, Blau-Weiß in der zweiten Liga zu halten. Als Unterbau für den Erstligisten BFV. Die beiden Vereine arbeiten nämlich, um möglichst viele Spielerinnen aus den Nachwuchskadern in der Region halten zu können, eng zusammen.

Um die Aussichten von Blau-Weiß im Abstiegskampf zu stärken, sind deshalb (wie schon vor einem Jahr) in der kurzen Weihnachtspause zwei Spielerinnen vom Erst- zum Zweitligisten gewechselt. Der VfL muß also auf der Hut sein, will er keine unangenehme Überraschung erleben.

Deshalb nimmt man bei ihm das Spiel auch absolut ernst. So läßt man dann auch die Lücke die durch Urlauberin Mona Münstermann gerissen wird, nicht einfach eine Lücke sein. Für sie hilft nach eineinhalbjähriger Pause in der ersten VfL-Mannschaft Ingrid Schilk wieder in der Bundesliga-Truppe aus.

Sie hatte nach der Geburt ihrer Zwillinge im letzten Sommer in den letzten Wochen wieder intensiver mit dem Training begonnen und zuletzt auch schon ein paar Mal in der zweiten VfL-Mannschaft (Kreisliga) ausgeholfen.

Damit ist dann wenigstens die Mitwirkung eines Mitgliedes der Schilk-Familie gesichert. Ihr Mann, Trainer Claus Schilk, nämlich darf nicht – beziehungsweise nur als Zuschauer – mit von der Partie sein.

Dabei ist es nicht eine starke Grippe, wegen der er in dieser Woche das Training nicht leiten konnte, die ihn an der Mitwirkung hindert. Vielmehr sind es Spätfolgen des letzten Spiels bei den Reinickendorfer Füchsen. Dort hatte es ja reichlich Turbulenzen am Ende der Partie gegeben, in deren Verlauf Schilk seinen Trainingspullover wutentbrannt in Richtung Kampfgericht geschleudert hatte.

Der DHB hat diesbezüglich zwar noch keine Strafe verhängt – womit Schilk aber noch rechnet –, aber da der Vorfall seinerzeit im Spielbericht aktenkundig gemacht worden war, ist er automatisch für das nächste Spiel seines Teams gesperrt.

Da wird er gut daran tun, sich rechtzeitig für das Spiel morgen einen Zuschauerplatz zu besorgen. Die Karten nämlich sind beim Lancia-Autohaus Mittasch in Bargteheide, der VfL-Sponsor hat das ganze Spiel im Block gekauft und verschenkt die Karten aus Anlaß der Eröffnung seines neuen Firmensitzes an der Lohe seit letztem Sonnabend an Interessenten.

Ein paar Karten allerdings sind noch übriggeblieben. Sie können heute noch im Autohaus abgeholt werden. Es ist aber auch damit zu rechnen, daß ein Restposten noch am Sonnabend in der Halle zum Verkauf gelangt. Nach dem Spiel beginnt in der Stormarnhalle im übrigen der Vorverkauf für das Pokal-Schlagerspiel am 7. April um 20.15 Uhr gegen den Erstligisten SV Buxtehude. Die Nachfrage nach Karten dafür ist schon jetzt enorm.

STORMARNER TAGEBLATT vom 19.3.1993

 

Sonnabend, 20. März 1993

VfL Oldesloe – Blau-Weiß Frankfurt/Oder 29:15 (18:8)

Auch ohne ein Comeback von Ingrid Schilk glatter 29:15-Erfolg

Mehr als eine Halbzeit lang spielte der VfL so stark wie noch nie in dieser Saison

(mth). Claus Schilk, Trainer der Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe in der zweiten. Bundesliga, hatte vor der Begegnung gegen Blau-Weiß Frankfurt/Oder ein leicht mulmiges Gefühl. Die Frankfurterinnen hatten, wiewohl sie zu den abstiegsgefährdeten Mannschaften gehören, manche Spitzenmannschaft (auch den VfL im Hinspiel) ziemlich unter Druck setzten können und dabei beachtliche Resultate und gar einen Sieg (gegen Empor Rostock) herausholen können.

Außerdem hatten sie sich zwischenzeitlich mit Ilka Kaschke und Heike Blomsky vom Erstligisten BFV Frankfurt und der Russin Kolomijez Ljubow verstärkt, so daß sie zusammen mit Doreen Brückner und Doreen Buse jetzt über fünf Spielerinnen mit Erstligaerfahrung verfügen.

Dazu machte dem VfL-Coach natürlich Sorgen, daß er wegen einer Erkrankung in der Woche das Training nicht hatte leiten können und die Spielerdecke war auch nicht gerade üppig. Mona Münstermann nämlich weilt im Urlaub und das vorgesehene Comeback von Trainer-Gattin Ingrid Schilk konnte nicht stattfinden, weil sie inzwischen die Grippe ihres Mannes „übernommen“ hat.

Der weilte zwar – sichtlich angeschlagen – in der mit rund 400 Zuschauern wieder glänzend besuchten Stormarnhalle, durfte aber wegen der Vorkommnisse beim letzten Punktspiel vor drei Wochen in Berlin nicht mit auf die Bank und seine Truppe nicht coachen. Aber er konnte es sich auf seinem Platz unter den Zuschauern gemütlich machen. Seine Sorgen erwiesen sich allesamt als un begründet.

Der Mannschaft, der man anmerkte, daß ihr die dreiwöchige Punktspielpause gutgetan hat – alle Spielerinnen sprühten wieder vor Spielfreude –, machte es sichtlich Vergnügen, ihrem Trainer zu zeigen, daß es auch ohne ihn geht. Die Taktik, die sie sich unter der Woche ausgetüftelt und einstudiert hatten – unter Anleitung von Zsuzsa Nyari und mit vielen Tips und Informationen von Eike Lange über ihre ehemalige Mannschaft – ging voll auf.

Insbesondere in der ersten Halbzeit spielte der VfL wie aus einem Guß und brannte dabei ein wahres Handballfeuerwerk ab. Natürlich: Blau-Weiß Frankfurt war zu keinem Zeitpunkt der erwartet hartnäckige und unangenehme Gegner, aber mit der laschen und enttäuschenden Leistung der Gäste allein ist das Geschehen nicht ausreichend erklärt.

Da kam hinzu, daß beim VfL wirklich alles stimmte. Die Mannschaft war konzentriert in der Abwehrarbeit, lief Tempogegenstöße fast fehlerfrei und schulbuchmäßig mit erster und zweiter Welle und war auch bei „normalem“ Angriffsspiel so variabel und druckvoll wie schon lange nicht mehr.

Dem Gegner verging dabei Hören und Sehen und er wurde förmlich überrannt. Schon nach sechs Minuten hatte der VfL mit einer 4:1-Führung für klare Verhältnisse gesorgt. Dann hielt Frankfurt die Partie bis zur 13. Minute bei einem Spielstand von 6:4 für den VfL relativ offen.

Dann aber ging die Post endgültig ab. Der VfL „zauberte“ nun fast nach Belieben und zog über 9:4 (16.), 14:5 (23.) bis zur Halbzeit auf 18:8 davon. Ein Tor war dabei schöner als das andere.

Für besondere Höhepunkte sorgten Zsuzsa Nyari mit traumhaften Anspielen und verblüffenden Tricks und Petra Küsel. Die war nicht nur im Tor schier unüberwindbar, sie trug sich auch noch selbst in die Torschützenliste ein. In der 12. Minute fing sie einen Tempogegenstoß an der Mittellinie ab, stürmte energisch nach vorn und überwand, da sie keine vielversprechende Anspielmöglichkeit sah, zur Überraschung von Freund und Feind ihre Kollegin mit fulminantem Wurf aus der zweiten Reihe.

Aber hinter diesen besonderen Glanzlichtern brauchte sich niemand aus der Stammformation des VfL – die spielte bis zur 42. Minute voll durch – zu verstecken. Nicht Marion Werner (die Junioren-Nationalspielerin war in Topform und am Ende mit 8 Toren, davon ein Siebenmeter, erfolgreichste Werferin). Nicht Roswitha Bein (sie führte furios Regie), nicht Babette Bischof und Andrea Hasenberg (beide mit tollen Abwehrleistungen und vorbildlich mannschaftsdienlich im Offensivspiel).

Und schon gar nicht Eike Lange, die es gegen ihre alten Mannschaftskolleginnen besonders wissen wollte. Sie erwies sich nicht nur als totsichere Siebenmeterwerferin (vier Tore bei vier Versuchen), sie machte auch sonst deutlich, daß sie sich mittlerweile voll ins VfL-Team integriert hat und steuerte auch noch drei Feldtore hinzu.

In der zweiten Halbzeit ließ es der VfL dann ein wenig ruhiger angehen. Der Vorsprung wuchs nun nur noch langsam weiter an. Über 24:11 (Marion Werner in der 44. Minute mit tollem Kempa-Trick) und 26:13 (49.) erreichte er schließlich mit dem letzten Tor durch Irina Derr in der 59. Minute zum 29:15-Endergebnis seinen höchsten Stand.

Die Deutsch-Russin war in der 42. Minute für Babette Bischof (2 Tore) ins Spiel gekommen. Ihr hat die Pause sichtlich nicht so gut wie ihren Kolleginnen getan. Ansätze zur Integration in die Mannschaft sind offensichtlich wieder verschüttet. Wohl auch deshalb, weil sie noch immer zu zögerlich und ohne Selbstvertrauen agiert.

Noch schwerer, sich in die Mannschaft zu finden, hatte es Ivonn Bosza. Sie kam erst in den letzten zehn Minuten zum Einsatz und fand keine Bindung mehr zum Spiel. In die Torschützenliste konnten sich außer den schon benannten Werferinnen noch Roswitha Bein (4), Andrea Hasenberg und Zsuzsa Nyari (je 3) eintragen.

Im Tor wurde Petra Küsel, die unter anderem auch einen Siebenmeter parieren konnte, nur bei zwei Siebenmetern von Alexandra Hoffmann abgelöst, ohne daß ihrer Vertreterin, die gerade braungebrannt aus dem Urlaub zurückgekehrt war, Erfolg beschieden war.

Erfolg hatte dagegen VfL-Kassenwart Holger Orlowski mit seiner Vorverkaufsaktion für das Pokalspiel am 7. April gegen den SV Buxtehude. Sämtliche Sitzplatzkarten und auch schon 80 Stehplatzkarten ·gingen weg „wie warme Semmel“. Natürlich gelangen auch noch die restlichen Stehplatzkarten in den Verkauf. Aber wer bei dem Schlagerspiel dabei sein will, wird sich sicher sputen müssen. Die Nachfrage wird nach der neuen Glanzleistung der VfL-Damen gewiß noch steigen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 22.3.1993

 

Donnerstag, 25. März 1993

Bad Oldesloe belohnte seine Spitzensportler

(hh). Dabei sein ist eben doch nicht alles: Manche Athleten sind einfach besser als andere und erringen Landesmeister- oder noch höhere Ehren. Bürgermeister Gerd M. Achterberg und Bürgerworthalterin Ilse Siebel ehrten 63 Sportler aus Bad Oldesloe, die im vergangenen Jahr besonders erfolgreich waren. …

Stellvertretend für die anderen Mitglieder des Handball-Damen-Teams nahmen Trainer Claus Schilk und Marion Werner die Auszeichnung entgegen. Die Handball-Truppe errang in der Saison 1991/92 in der zweiten Bundesliga (Staffel Nord) den begehrten Meistertitel und scheiterte in der Aufstiegsrunde für die erste Liga denkbar knapp. …

LÜBECKER NACHRICHTEN vom 27.3.1993

 

Freitag, 26. März 1993

Landesderby in der zweiten Bundesliga

Bei Holstein Kiel sind die VfL-Damen nur bedingt in der Favoritenrolle

(mth). Derbys, so pflegt man zu sagen, haben im Sport oft ihre eigenen Gesetze und sind meist von besonderem Reiz. Gegen Gegner aus der unmittelbaren Nachbarschaft legt man sich halt immer besonders ins Zeug, nicht zuletzt, um zu zeigen, wer Herr im eigenen Haus ist.

Das ist im Fußball so, wo an diesem Wochenende mit dem KSV Holstein Kiel und dem TuS Hoisdorf die beiden ranghöchsten Mannschaften aus Schleswig-Holstein aufeinandertreffen, und das ist in der zweiten Handball-Bundesliga der Damen nicht anders.

Dort ist am Wochenende der Kieler Renommierclub Holstein ebenfalls mit von der Partie. Er hat am Sonnabend um 16.30 Uhr den VfL Oldesloe bei sich zu Gast. Allerdings nicht in der Landeshauptstadt. Dort ist die Tallinhalle, in der die Kieler Mannschaft bis zum letzten Jahr spielte, in dieser Saison gesperrt. Dem trauert eigentlich niemand so recht nach, denn der Bundesliga diente die Stätte nicht gerade als Zierde. Da in Kiel keine andere Halle in Frage kam, sind die Holstein-Damen für diese Saison nach Preetz ausgewichen. Sie tragen dort alle ihre Heimspiele in der Blandford-Halle aus.

Bleibt abzuwarten, ob die Kielerinnen dem VfL dort auch so zusetzen können wie vor einem Jahr in der alten Heimstätte.

Damals kam der VfL, der ja die Saison mit makelloser Bilanz beendete, nur mit reichlich viel Glück um einen Punktverlust, ja um eine Niederlage herum. 20:20 stand es da noch zehn Sekunden vor Schluß. Dann gaben die Schiedsrichter einen Kieler Treffer nicht – die Entscheidung war mächtig umstritten –, und im Gegenzug sicherte seinerzeit Stefanie Bernecker dem VfL doch noch den Sieg.

So knapp hat es der VfL in den Spielen danach gegen den gleichen Gegner nicht wieder gemacht. Das Rückspiel in der letzten Saison entschied er in der Stormarnhalle dann deutlich für sich, und auch in der Hinrunde dieser Serie hatte er mit 21:17 deutlich die Oberhand. Dennoch ist die Schilk-Truppe für das morgige Spiel nur bedingt in der Favoritenrolle.

Natürlich stünde ein Erfolg in Preetz außer Frage, könnte die Mannschaft so auftrumpfen wie zuletzt in den ersten 40 Minuten am letzten Sonnabend gegen Blau-Weiß Frankfurt/Oder, als sie ein wahres Handball-Feuerwerk abbrannte. Aber auswärts hat die Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg in dieser Saison bislang nur selten so richtig auftrumpfen können. Irgendwie ist sie dort immer ein wenig gehemmt gewesen.

Und das könnte gegen die Kielerinnen ins Auge gehen, denn die zeigten zuletzt mit einem 18:18-Unentschieden bei VB Berlin 49 (dort hatte der VfL seinerzeit verloren), wie gut ihre Form zur Zeit ist.

Personell wird es beim VfL keine Veränderungen geben. Mona Münstermann weilt noch immer im Urlaub. Möglich ist deshalb, daß Ingrid Schilk nun ihr Comeback im VfL-Team gibt. Ihre Grippe jedenfalls hat sie mittlerweile überwunden. Auf der anderen Seite sieht ihr Mann keinen Grund, die eingespielte Truppe vom letzten Sonnabend zu verändern.

Die Mannschaft fährt um 14 Uhr von der Stormarnhalle ab. Fans haben, wie eigentlich bei allen Auswärtsspielen, die Möglichkeit, als Schlachtenbummler mitzureisen, wenn sie sich rechtzeitig vor der Abfahrt dort einfinden.

STORMARNER TAGEBLATT vom 26.3.1993

 

Sonnabend, 27. März 1993

Holstein Kiel – VfL Oldesloe 21:19

Fünfte Auswärtsniederlage der VfL-Handball-Damen

Die Schilk-Truppe ließ sich von Holstein Kiel den Schneid abkaufen

(mth). Wer die beiden Spiele der Handball-Damen des VfL Oldesloe innerhalb von acht Tagen in der Oldesloer Stormarnhalle gegen Blau-Weiß Frankfurt/Oder und im ostholsteinischen Preetz, wo der KSV Holstein Kiel seine Heimspiele austrägt, verfolgt hat, mochte kaum glauben, daß dort zweimal dieselbe Stormarner Mannschaft mit von der Partie war.

Dabei war die Aufstellung des VfL in beiden Spielen absolut identisch. Aber nachdem sie gegen die Frankfurterinnen über weite Strecken ihre beste Saisonleistung gezeigt hatte, ließ sie sich vom Landesrivalen von der ersten Minute den Schneid abkaufen und kassierte mit 19:21 die fünfte Auswärtsniederlage in dieser Saison.

Damit sind für die Truppe von Trainer Claus Schilk auch die letzten theoretischen Chancen dahin, in dieser Saison vielleicht doch noch ganz nach oben zu kommen und den im Vorjahr errungenen Meistertitel zu verteidigen. Beim VfL haderte man am Ende des Spiels ein wenig mit seinem Schicksal. Die Kielerinnen, so der allgemeine Tenor, hätten viel zu hart gespielt und das Schiedsrichtergespann Möller/Sauerheck – mit den beiden jungen Damen aus Uetersen und Seevetal hat der VfL in der Vergangenheit ja höchst unterschiedliche Erfahrungen gemacht – wäre dem nicht entschieden genug entgegengetreten.

In den Vorwürfen steckte sicher ein wahrer Kern. In der Tat wirkten die Kielerinnen nicht nur durch die Bank hoch, sondern übermotiviert, und dabei übertrieben sie bisweilen den körperlichen Einsatz. Und sicher hätte man sich von den beiden Unparteiischen wünschen können, sie hätten ihr Augenmerk mehr darauf gerichtet, statt akribisch Kreisein- und -übertritte zu registrieren.

Unter dem Strich aber tut der VfL sicher gut daran, die Ursachen für die Niederlage nicht bei den Schiedsrichterinnen, sondern bei sich selbst zu suchen. Immerhin nämlich verfolgten Möller/Sauerheck von der ersten bis zur letzten Minute eine einheitliche, konsequente Linie, auf die man sich einstellen konnte, wenn man sich denn darauf konzentriert hätte.

Aber das war im VfL-Team nicht der Fall. Die Truppe fand nur selten zu geschlossenem Mannschaftsspiel und verzettelte sich in Einzelaktionen (Marion Werner, Irina Derr, Babette Bischof) oder rieb sich in Zweikämpfen und Zwistigkeiten (Roswitha Bein) auf.

So führte der VfL in der gesamten Begegnung auch nur ein einziges Mal (1:0 durch einen von Marion Werner verwandelten Siebenmeter nach 24 Sekunden). Vielleicht wäre die Partie ja anders verlaufen, hätte die Junioren-Nationalspielerin nicht 60 Sekunden später bei einem Tempogegenstoß das Lattenkreuz getroffen.

So übernahm danach der Gastgeber das Kommando. Der führte bis zur 7. Minute schnell mit 4:1, und so richtig konnte sich der VfL davon nie mehr erholen. Bis zum 6:6 in der 20. Minute schaffte er zwar den Ausgleich, aber die Chancenverwertung bei den Oldesloerinnen war schon in dieser Phase katastrophal.

Eigentlich waren nur Siebenmeter von Eike Lange eine sichere Bank. Bis zur 40. Minute verwandelte sie davon sieben Stück in Folge. Nur dem war es zu verdanken, daß der VfL, der zwischenzeitlich wieder mehrfach mit drei Toren in Rückstand geraten war, bis dahin auf Tuchfühlung (12:13) zu den Kielerinnen blieb.

Dann aber zogen die Gastgeberinnen bis zur 46. Minute auf 16:12 davon. Damit war praktisch eine Vorentscheidung gefallen. Der VfL steckte zwar noch nicht auf und kam noch ein paar Mal bis auf zwei Tore (14:16 und 15:17) heran, schaffte aber den Anschluß nicht mehr, weil nun plötzlich selbst Siebenmeter nicht mehr in Tore umgemünzt wurden. Eike Lange scheiterte mit ihrem achten Versuch (49.), und auch Roswitha Bein (51.) hatte kein Glück.

Holstein zog bis zur 55. Minute auf 19:15 davon, und der Vorsprung reichte zum ersten Sieg in der Bundesliga über den Landesrivalen, obwohl plötzlich dem VfL auch Tore aus dem Spiel heraus (Babette Bischof und Zsuzsa Nyari) gelangen.

Mit ihren sieben verwandelten Strafwürfen blieb Eike Lange bis zum Schluß erfolgreichste VfL-Werferin. Auf fünf Treffer kam Zsuzsa Nyari, die 60 Minuten lang vergeblich versuchte, das Mannschaftsspiel anzukurbeln. Den Rest teilten sich Babette Bischof (3), Marion Werner (2/1), Roswitha Bein und Andrea Hasenberg. Irina Derr (immer noch mit großen Abstimmungsproblemen) und Ivonn Bozsa (gänzlich außer Form) gingen leer aus.

Im Tor war Petra Küsel in der ersten Halbzeit noch in ansprechender Form, wenn auch bei weitem nicht in der Verfassung der Vorwoche. Nach dem Wechsel verließ sie dann gänzlich das Glück. In der 46. Minute löste sie Alexandra Hoffmann ab, die einen guten Einstand hatte, aber letztlich das Blatt auch nicht mehr wenden konnte.

STORMARNER TAGEBLATT vom 29.3.1993

 

Freitag, 2. April 1993

VB 49 Berlin Gast in der Stormarnhalle

VfL-Damen wollen sich rehabilitieren und ihren Heimnimbus wahren

(mth). Die Realisten in der Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe und in ihrem Umfeld hatten Gedanken an eine erfolgreiche Titelverteidigung in der zweiten Bundesliga praktisch schon am ersten Rückrunden-Spieltag abgehakt. Durch die überdeutliche Niederlage beim TSV Nord Harrislee war für sie der Zug abgefahren.

Natürlich: Im Hinterkopf hoffte man immer noch auf Ausrutscher der Teams aus Wismar und Harrislee, aber so recht im Ernst mochte niemand daran glauben. Eingetreten sind solche Rückschläge des Spitzenduos bis jetzt ja auch noch nicht, und wenn sie jetzt noch kämen, wäre das für den VfL zu spät.

Die Niederlage am letzten Wochenende in Preetz gegen den Landesrivalen KSV Holstein Kiel hat alle Hochrechnungen der Stormarnerinnen, sofern sie denn noch angestellt wurden, zunichte gemacht.

Aber die Saison ist deswegen für die Oldesloer Renommiertruppe deswegen noch nicht abgehakt. Vielmehr steht ja der neue Saison-Höhepunkt unmittelbar bevor. Am Mittwoch kommender Woche ist die Erstliga-Spitzenmannschaft des SV Buxtehude in der vierten Runde (Achtelfinale) des DHB-Pokals Gast in der Stormarnhalle. Da wollen Zsuzsa Nyari und Co. Noch einmal alles zeigen, was in ihnen steckt und natürlich hoffen sie insgeheim auch darauf, dem haushohen Favoriten ein Bein stellen zu können.

Vor der Kür im Pokal aber kommt für die VfL-Damen noch die Pflicht. Die Punktspielsaison ist ja noch keineswegs abgeschlossen und auch wenn der Meistertitel nicht mehr erreichbar ist, so weit wie irgend möglich will der VfL natürlich in der Endabrechnung vorne landen.

Platz drei erscheint da als realistisches Ziel. Dafür muß die Mannschaft ihren Heimnimbus – in der Stormarnhalle ist die Truppe von Trainer Claus Schilk seit zweieinhalb Jahren in Punktspielen unbesiegt – auch am Sonnabend ab 19.30 Uhr gegen VB 49 Berlin verteidigen. Leicht wird das sicher nicht werden. Die Berlinerinnen haben, wie alle anderen Absteiger aus der ersten Bundesliga, das Heimspiel gegen den VfL gewinnen können.

Zuletzt war die Mannschaft zwar nicht mehr in der Form der Hinrunde, als sie in der Spitzengruppe mitmischte, aber stark genug, den VfL in Verlegenheit zu bringen, ist sie allemal. Zumal sie ziemlich rauhen, zupackenden Handball spielt. Den hat am letzten Wochenende ja auch der KSV Holstein praktiziert und damit wollten sich die Oldesloerinnen so gar nicht anfreunden.

Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Einstellung der Mannschaft nicht stimmte. Darüber sind in der Woche zwischen Trainer und Spielerinnen viele Gespräche geführt worden. Fazit: Die Mannschaft will sich für ihre wenig überzeugende Leistung in Preetz rehabilitieren und Revanche für die Hinspielniederlage nehmen.

Auch, um sich für das große Pokalspiel am kommenden Mittwoch gegen SV Buxtehude in die richtige Stimmung zu bringen. Bleibt zu hoffen, daß da auch das treue Oldesloer Handballpublikum mitmacht. Bislang hat es der Mannschaft ja immer die Stange gehalten und sicher ist, daß die Stormarnhalle am Mittwoch bis zum Bersten gefüllt sein wird. Vielleicht wollen sich ja auch die Fans auf das Großereignis einstimmen. Die Mannschaft hat es in der Hand, sie dazu zu animieren.

STORMARNER TAGEBLATT vom 2.4.1993

 

Sonnabend, 3. April 1993

VfL Oldesloe – VB Berlin 23:20 (11:9)

23:20-Sieg

Erfolgreiche Revanche gegen VB 49 Berlin

Die VfL-Damen wahrten Heimnimbus

(mth). In eigener Halle bleibt die Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe eine Macht. Die Truppe von Trainer Claus Schilk entschied auch ihr zehntes Punktspiel der laufenden Saison in der zweiten Bundesliga/Gruppe Nord in der Stormarnhalle für sich.

23:20 lautete der Endstand in der Partie gegen VB 49 Berlin. Den Oldesloerinnen glückte damit gegen den Bundesliga-Absteiger eine erfolgreiche Revanche, denn das Hinspiel in der Hauptstadt hatten sie mit 18:20 verloren.

Revanche zu nehmen war nicht das einzige Vorhaben der Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg. Sie wollte sich auch für ihre schwache Vorstellung vor einer Woche in Kiel rehabilitieren und nicht zuletzt ihre Fans – mit 250 verkauften Karten war die Stormarnhalle so schwach wie bei einem Bundesliga-Spiel schon lange nicht mehr besetzt – auf das Pokal-Großereignis am Mittwoch richtig einstimmen.

Dann ist ja der SV Buxtehude (Tabellendritter der ersten Bundesliga) Gegner des VfL im Achtelfinale des DHB-Pokalwettbewerbs. Dieses Spiel war rund um die Bundesliga-Partie Hauptgesprächsthema in der Halle und natürlich spukte es auch den VfL-Spielerinnen im Kopf herum.

Das hätte leicht ins Auge gehen können. Manchem VfL-Anhänger auf den Rängen jedenfalls wurde angst und bange, als die Gäste nach acht Minuten mit 4:1 führten. Beim VfL war bis dahin kaum etwas zusammengelaufen und ein Tor war lediglich Eike Lange per Siebenmeter geglückt.

Aber die Oldesloerinnen ergaben sich nicht, wie eine Woche zuvor im Holstein-Spiel ihrem Schicksal. Vielmehr erwachte in ihnen der Kampfgeist. Mehr und mehr freundeten sie sich mit der aggressiv/offensiven Deckung der Berlinerinnen und rissen Löcher in des Gegners Abwehr. Über dem Kampf fand der VfL dann auch bald zu seinem spielerischen Vermögen und da die Berlinerinnen, die so furios begonnen hatten, in gleichem Maße an Selbstvertrauen einbüßten wie das beim VfL wuchs, war der Spieß sehr schnell umgedreht.

Sechs Tore warfen die VfLerinnen nun in Folge und nach dem 7:4 von Babette Bischof in der 19. Minute geriet der VfL eigentlich nie wieder ernsthaft in Gefahr. Auch nicht, als nach der höchsten Führung vor der Pause (11:6 in der 24. Minute) der Vorsprung bis zum Seitenwechsel auf 9:11 schmolz.

Nach dem Seitenwechsel hieß es schnell wieder 13:9 (33.) und auch als dann die Hallenuhr streikte, war beim VfL die Uhr noch nicht abgelaufen. Bei 15:9 (35.) und 16:10 (40.) erreichte der Vorsprung im zweiten Spielabschnitt seinen höchsten Stand.

Dann ließ die Mannschaft es etwas ruhiger angehen. Dadurch konnten die Berlinerinnen, die nie aufgaben und, so ihr Trainer Gerd Kösterke, ihre Hemmungen erst ablegten, als das Spiel für sie schon verloren war, das Ergebnis dann noch etwas freundlicher gestalten. Am Ende hatte der VfL „nur“ noch mit 23:20 die Nase vorn. Am Erfolg selbst aber hat es auch in der Schlußphase keinen ernsthaften Zweifel mehr gegeben.

Zu dem steuerten Zsuzsa Nyari und Babette Bischof je fünf Treffer bei. Beide waren auch in prächtiger Spiellaune. Je vier Tore gingen auf das Konto von Marion Werner, Roswitha Bein (davon zwei Siebenmeter) und Eike Lange (davon drei Siebenmeter). Auch „Rossi“ " und Marion Werner waren weit besser als vor einer Woche in Kiel in Form. Eike Lange war ja auch schon in Preetz stark und machte auch gegen Berlin deutlich, daß sie inzwischen zu einer Leistungsträgerin im VfL geworden ist.

Zur Stammformation, die die ersten 45 Minuten durchspielte, zählte natürlich auch Andrea Hasenberg, die einen Treffer zum Sieg beisteuerte. In der Schlußviertelstunde kam dann erstmals nach mehr als eineinhalbjähriger Pause Ingrid Schilk zum Einsatz. Ein Torerfolg war ihr zwar nicht vergönnt, aber verlernt hat sie das Handballspielen auch in der Babypause nicht.

Im Tor hielt Petra Küsel, die auf das Pokalspiel besonders heiß ist – sie hat ja vor ihrem Engagement beim VfL in Buxtehude gespielt und ist dort nicht unbedingt im Frieden geschieden – 45 Minuten makellos. Daran konnte Alexandra Hoffmann, die sie dann ablöste, nahtlos mit spektakulären Paraden anknüpfen.

Ivonn Bosza (hatte wegen einer Handverletzung in der Woche nicht trainieren können), Mona Münstermann (war gerade erst aus dem Urlaub zurückgekehrt) und Irina Derr kamen nicht zum Einsatz.

STORMARNER TAGEBLATT vom 5.4.1993

 

Dienstag, 6. April 1993

Oldesloer Handballfans fiebern dem Pokal-Schlagerspiel entgegen

(mth). Für die Stormarner, speziell die Oldesloer, Handballfans steht der Saisonhöhepunkt unmittelbar bevor. Morgen steigt um 20.15 Uhr in der Stormarnhalle das Achtelfinalspiel im DHB-Pokal der Damen zwischen der Zweitliga-Truppe des VfL Oldesloe und dem Erstliga-Spitzenclub SV Buxtehude.

Beim VfL fiebert man diesem Spiel förmlich entgegen, seit der Zug in der Meisterschaft – endgültig seit der Niederlage gegen KSV Holstein Kiel vor zehn Tagen – abgefahren ist. Natürlich geht die Truppe von Trainer Claus Schilk nur als krasser Außenseiter in dieses Spiel. Der Gegner aus Buxtehude scheint zu übermächtig, als daß sich die Stormarnerinnen eine reelle Siegchance ausrechnen können.

Der derzeitige Tabellendritte der ersten Liga ist gespickt mit Nationalspielerinnen aus verschiedenen Ländern. Insgesamt kommen die Buxtehuderinnen auf mehr als 600 Länderspiele. Da nehmen sich die rund 170 Spiele, die VfL-Star Zsuzsa Nyari für die ungarische Nationalmannschaft absolviert hat, fast bescheiden aus. Auf solche und ähnliche Quoten kommen im Buxtehuder Team mehrere Spielerinnen.

Und der Erstligist ist in guter Form, wie er am Wochenende mit einem 23:16-Erfolg bei DJK Wiesbaden deutlich machte. Weiter nach oben werden die Buxtehuderinnen in der Tabelle kaum noch klettern können. Dazu sind der TV Lützellinden und TuS Walle Bremen ihnen schon zu weit enteilt. Aber den dritten Rang wollen sie mit aller Macht gegen die nachdrängende Konkurrenz verteidigen, würde der ihnen doch eine Beteiligung an einem internationalen Wettbewerb in der nächsten Saison garantieren.

Die Aussichten, die über den Pokalwettbewerb, den man dafür ja im Endeffekt gewinnen müßte, zu erreichen, sind dagegen eher vage, denn noch sind alle Spitzenteams mit im Wettbewerb. VfL-Trainer Claus Schilk hofft denn auch ein wenig darauf, daß der SV Buxtehude seine Konzentration ganz wesentlich auf die Punktrunde verschwendet und es im Pokal vielleicht etwas lockerer angehen läßt.

Würde das in der Stormarnhalle der Fall sein, so seine Kalkulation, böte sich seinem Team eine Überraschungschance. Natürlich nur dann, wenn die Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg ihre Bestform erreicht, ja über sich hinauswächst. Vorgenommen haben sich die VfLerinnen auf jeden Fall eine ganze Menge. Sie wollen sich so teuer wie irgend möglich verkaufen.

Ganz besonders heiß ist dabei Torhüterin Petra „Piet“ Küsel, die es gegen ihre frühere Mannschaft – in der Saison 1991/92 stand sie in Buxtehude unter Vertrag, kam aber als zweite Torhüterin im Kader nur zu gelegentlichen Kurzeinsätzen – besonders wissen will.

Sie fühlte sich beim BSV unter Wert verkauft und sprüht vor Ehrgeiz, ihrem alten „Arbeitgeber“ zu zeigen, eine wie starke Torhüterin sie ist. Im VfL-Dress hat sie ja fast ausschließlich Glanzleistungen gezeigt und für sie wäre ein Sieg im Pokalspiel natürlich eine besondere Krönung der Saison.

Tatkräftige Unterstützung erhoffen sie und ihre Mannschaftskollegen vom begeisterungsfähigen Publikum in der Stormarnhalle. Die, da sind wir uns sicher, wird morgen bis zum Rand gefüllt sein. Noch allerdings ist sie nicht ausverkauft. An der Tageskasse, die ab 18 Uhr geöffnet sein wird, stehen auf jeden Fall noch etwa 80 Stehplatz-Tickets zum Verkauf.

Gut möglich aber auch, daß es dann noch ein paar Sitzplatzkarten gibt. Die waren zwar eigentlich schnell vergriffen, kaum daß der Vorverkauf begonnen hatte, aber nicht alle, die frühzeitig Karten für das Schlagerspiel bestellt hatten, haben die auch rechtzeitig abgeholt. Die Fristen dafür sind inzwischen verstrichen und da der VfL angesichts der riesigen Nachfrage natürlich nicht auf einem Restposten sitzenbleiben will, gelangt auch der noch an die Abendkasse.

Wer also diesbezüglich noch nicht versorgt ist, sollte sich morgen frühzeitig auf den Weg in die Halle machen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 6.4.1993

 

Mittwoch, 7. April 1993

VfL Oldesloe – Buxtehuder SV 21:28 (10:12)

(Achtelfinale DHB-Pokal)

Tolle Stimmung in der restlos ausverkauften Stormarnhalle

Am Ende war der SV Buxtehude eine Nummer zu groß

(mth). Die Stimmung hätte beim Abpfiff des Handball-Pokalschlagers um 21.30 Uhr in der Stormarnhalle kaum besser sein können: Die fast 600 Fans, die die Halle bis zum letzten Platz füllten, gaben beiden Mannschaften stehend Ovationen.

Der überwiegende Teil der Fans war natürlich aus Oldesloe und hätte auch Grund gehabt, traurig zu sein. Aus der großen Sensation im Achtelfinale des DHB-Pokals, die niemand ernsthaft erwartete, viele aber insgeheim doch erhofft hatten, nämlich war nichts geworden.

Am Ende hatte sich der SV Buxtehude, zur Zeit Dritter in der ersten Bundesliga, für den Zweitligisten als eine Nummer zu groß erwiesen. 29:21 lautete schließlich das am Ende noch klare Ergebnis. Aber die Stormarner Handballfans spürten, daß ihr Team alles gegeben hatte. Die Mannschaft um Zsuzsa Nyari hat sich wahrlich teuer verkauft und dem haushohen Favoriten, in dessen Team es von Nationalspielerinnen nur so wimmelt, einen tollen Kampf geliefert.

In der ersten Halbzeit war der VfL sogar fast die gesamten 30 Minuten am Gegner dran. Ja, bis zur 21. Minute, in der Marion Werner das 10:9 erzielte, führte der Außenseiter sogar fast immer. Einmal (beim 6:4 in der 9. Minute) sogar mit zwei Toren Vorsprung.

Ein kleiner Bruch in das VfL-Spiel kam erst, als ausgerechnet Marion Werner, am Ende mit sechs Treffern erfolgreichste VfL-Werferin, beim Stande von 10:11 zweimal hintereinander mit Tempogegenstößen scheiterte. So konnte Buxtehude sich zur Pause noch einen knappen 12:10-Vorsprung herauswerfen, statt mit Gleichstand oder gar mit einem Rückstand in die Kabine gehen zu müssen.

In der zweiten Halbzeit wurde der Widerstand des VfL dann nach etwa zehn Minuten geringer. Von 14:17 in der 41. Minute zog der Bundesligist bis zur 47. Minute auf 23:16 davon. Aber, auch wenn damit natürlich endgültig die Entscheidung gefallen war, klein beigegeben hat der VfL auch danach nicht. Bis zur letzten Minute fightete die Truppe von Trainer Claus Schilk entschlossen zurück.

Die Stimmung erreichte noch einmal einen Höhepunkt, als Zsuzsa Nyari in der Schlußminute innerhalb von Sekunden zwei tolle Treffer – ein Tempogegenstoß und ein mit Pirouette verwandelten Siebenmeter – erzielte und damit den Rückstand auf 21:28 verkürzte.

STORMARNER TAGEBLATT vom 8.4.1993

 

Sonnabend, 10. April 19993

Freundlich und dosiert: Das Oldesloer Publikum

(cr). Schon von der Oldesloer Schwimmhalle her war es zu hören, das rhythmische Dröhnen der Pauken und Trommeln in der Stormarnhalle beim Handballpokal-Spiel des VfL Oldesloe gegen den Erstligisten aus Buxtehude. Knapp 40 mitgereiste Fans hatten ihre Utensilien ausgepackt und machten damit – mit der Ausnahme einer Handvoll VfL-Fans, die ebenfalls einige Lärminstrumente traktierten – mehr Stimmung als alle Oldesloer Zuschauer zusammen.

Doch das heimische Publikum ließ sich auch von dieser Geräuschkulisse nicht so recht in Wallungen bringen. Freundlichen, aber dosierten Beifall spendend saß es da, als würde es einer gutgemachten Fernsehaufzeichnung statt einer spannenden Handball-Partie beiwohnen. Vielleicht hat man in Oldesloe immer noch nicht begriffen, daß ein lautstark begeistertes Publikum bei den Spielerinnen auf dem Feld zusätzliche Kräfte freisetzt, die am Ende entscheidend sein können.

Zwar wissen sie Stormarner Handballfans offenbar nicht, wie man Stimmung macht, aber Treue kennen sie. Immer spielen die Oldesloer Damen vor vollem Haus, doch beim Pokal-Schlager war es extrem. Kein einziger Sitzplatz blieb frei. Einige Besucher mußten sich aus Platzmangel mit Zustimmung der Schiedsrichter sogar an die Glaswand drängen und versperrten damit den „Schwarzguckern“ unliebsam die Sicht.

Wenn das heimische Publikum auch von dem schwingenden Getöse der Buxtehuder Pauken unberührt blieb, einer blieb es nicht: Der Holzstecken, der das Fenster der Sprecherkabine offenhalten sollte. Durch die Vibrationen löste er sich unvermittelt und schlug dem darunter sitzenden VfL-Vorsitzenden Walter Busch mit großer Wucht auf den Kopf, bevor er hinunter auf das Spielfeld fiel. Für den 65jährigen war es neben dem Schock auch der starke Schmerz, der ihn für ein paar Minuten völlig einnahm.

Der Buxtehuder Betreuer deutete den hinunterstürzenden Stab gleich als Attentat auf seine Person. Sofort stimmte er ein lautstarkes Gezeter an, an das sich die Oldesloer Bank während der ganzen Partie gewöhnen mußte. Doch auch sonst knisterte es zwischen den beiden Bänken vor Aggressivität, die vor allem Thomas Gloth und der besagte Betreuer auch verbal auslebten.

Auch auf dem Feld ging es hart zur Sache. Roswitha Bein mußte sich minutenlang mit Eis das Auge kühlen und hatte auch weit nach dem Abpfiff eine stark gerötete Stelle auf der Wange, nachdem sie von einer Gegenspielerin in Gesichtshöhe barsch abgestoppt worden war. Trotzdem schätzte sie die Härte in der Partie im Vergleich zu manchen Zweitliga-Sielen als gering ein; die Buxtehuderinnen spielten eben eine Klasse besser und brauchten sich auch wegen ihrer körperlichen Überlegenheit – sie waren durchschnittlich etwa zehn Zentimeter größer als die Gastgeberinnen – nicht mit Fouls durchzusetzen.

Bei den Siebenmetern konnten dennoch die VfL-Damen eine bessere Bilanz vorweisen. Sie verwandelten alle ihre Strafwürfe, während die Gäste zweimal (an Torhüterin Petra Küsel und am Pfosten) scheiterten. Beste Oldesloer Werferin war Marion Werner (6/3), auf deren Konto ein Tor mehr ging als auf das von Zsuzsa Nyari (5/1). Vier Treffer konnte Eike Lange erzielen, drei davon mit einem Siebenmeter. Je zweimal konnten Roswitha Bein und Irina Derr die Torhüterin überwinden, je einmal Andrea Hasenberg und Babette Bischof. Zum Einsatz kamen beim VfL außerdem noch Ingrid Schilk und die beiden Torhüterinnen Petra Küsel und Alexandra Hoffmann.

In dieser Pokal-Saison reicht es für einen solchen Gegner also noch nicht, doch das kann sich in der nächsten schon ändern. Denn neben dem schon feststehenden Neuzugang durch Katrin Behnke, die vom VfL Bad Schwartau an die Trave wechselt, hat jetzt auch Ivonne Grimm ihre Zusage gegeben. Die Junioren-Nationalspielerin wechselt von dem Erstligisten TSC Berlin zum VfL, nachdem sie von der Sparkasse Stormarn eine Zusage für einen Ausbildungsplatz zur Bankkauffrau bekommen hat. Für die Verpflichtung von Mandy Heinelt von Holstein Kiel stehen noch weiter Verhandlungen aus, nachdem man sich bisher nicht einig werden konnte. Eine definitive Absage zeichnet sich hingegen für die Verpflichtung von Catrin Köhnken vom TSV Nord Harrislee ab, die von einem anderen Club ein besseres Angebot bekommen hat.

STORMARNER TAGEBLATT vom 10.4.1993

 

Freitag, 16. April 1993

VfL-Damen morgen bei TuS Alstertal

Reicht die Motivation noch?

(mth). Langsam aber sicher geht auch in der zweiten Bundesliga der Handball-Damen die Saison 1992/ 93 ihrem Ende entgegen, nachdem die unterklassigen Teams in unserem Verbreitungsgebiet ja ihr Pensum schon seit ein paar Wochen erledigt haben. Im vorletzten Auswärtsspiel müssen die Damen des VfL Oldesloe morgen um 18 Uhr in der Sporthalle Wandsbek in der Rüterstraße bei TuS Alstertal antreten.

Eine Woche später geht es für die Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg dann noch zum Gastspiel beim TSV Hastedt/Bremen, ehe am 1. Mai die Saison in der Stormarnhalle mit dem Spiel gegen den Tabellenführer und mutmaßlichen (Wieder-)Aufsteiger in die erste Bundesliga, TSG Wismar, endgültig abgeschlossen wird.

Bleibt abzuwarten, wie sich die Truppe von Trainer Claus Schilk für diese Aufgaben noch einmal motivieren kann. In der Meisterschaft ist der Zug für die Stormarnerinnen ja spätestens seit der Niederlage im Landesderby bei KSV Holstein Kiel endgültig abgefahren. Seither können auch Ausrutscher des Spitzenduos (TSG Wismar und TSV Nord Harrislee), auf die man seit dem mißglückten Rückrundenauftakt in Harrislee ja insgeheim noch immer gehofft hatte, dem VfL nicht mehr zu einer erfolgreichen Titelverteidigung verhelfen.

Ja, es ist jetzt eher unwahrscheinlich, daß der VfL, wenn er denn schon selbst nicht mehr Meister werden kann, wenigstens noch „Zünglein an der Waage“ im Titelkampf spielen kann. Wismar hat zur Zeit drei Punkte Vorsprung vor Harrislee und sollte das so bleiben, dann steht auch am Schlußtag der Saison nichts mehr auf dem Spiel.

Darauf hatte man beim VfL eigentlich noch ein wenig gehofft, um noch einmal eine rappelvolle Stormarnhalle zu bekommen. Ähnlich wie vor eineinhalb Wochen beim Pokalschlager gegen den SV Buxtehude. Auch wenn es da letztlich nicht für die erhoffte Sensation gereicht hat, wußten die Oldesloerinnen in dem Spiel ja voll zu überzeugen.

Vielleicht motiviert sie das ja dazu, ihren treuen Anhängern, von denen der harte Kern sicher sie auch nach Hamburg begleiten wird, auch in den letzten Spielen noch annehmbare Kost abzuliefern. Erreicht die Mannschaft nur annähernd ihre Normalform, dürfte ein Sieg über TuS Alstertal kein großes Problem sein.

Wiewohl sich die Hamburgerinnen noch mitten im Kampf um den Klassenerhalt befinden – der Vorletzte der Tabelle muß noch in eine Relegation –, und zu Hause weit stärker als in fremden Hallen einzuschätzen sind. Gegen Zsuzsa Nyari und Co. werden sie sich deshalb sicher noch einmal besonders ins Zeug legen. Zumal zwischen dem VfL und den Hamburger Teams seit jeher ein besonderes Verhältnis besteht, das dazu nicht immer ganz spannungsfrei (siehe den Wirbel um den Wechsel von Birte Stooß in der letzten Saison) gewesen ist.

STORMARNER TAGEBLATT vom 16.4.1993

 

Sonnabend, 17. April 1993

Die Handball-Blessuren der Roswitha Bein

„Am nächsten Tag tut einem fast alles weh“

(cr). Minutenlang mußte sie sich mit einem Eisbeutel das Auge kühlen, um zumindest eine häßliche Schwellung zu verhindern. Die ganze Gesichtshälfte war nach dem unsanften Schlag gerötet, und das, nachdem sie kurz vorher schon heftig am Hals getroffen worden war.

Doch Schläge sind für die Bundesliga-Handballerin Roswitha Bein vom VfL Oldesloe scheinbar ebenso normal wie bei Ringkämpfern. „Es kann schon vorkommen, daß man einen Hieb in den Bauch bekommt“, berichtet sie, „oder Gegenspielerinnen lassen einen über ein stehengelassenes Bein stürzen. Und ab und zu wird auch mal der Arm verrenkt.“

Immer wenn sich die Oldesloer Rückraumspielerin am Kreis gegen eine gegnerische Abwehr durchsetzen will, muß sie damit rechnen: Fouls sind die Regel, nicht die Ausnahme. „Am nächsten Tag tut einem fast alles weh“,

erzählt die 2ljährige nüchtern, „aber wenn man gewinnen will, muß man auch bereit sein, alles zu geben.“

Und daß sie dazu bereit ist, beweist die zierliche VfL-Spielerin in jeder Partie. „Sie hat ein echtes Kämpferherz“, attestiert Handball-Trainer Claus Schilk, der auch im heutigen Bundesliga-Spiel bei TuS Alstertal (18 Uhr in der Sporthalle Wandsbek) auf sie baut, der Jurastudentin, „und sie scheut keinen Einsatz.“ Daß am Ende manche Blessur übrigbleibt, ist gerade bei der dynamischen Art einer Roswitha Bein nicht verwunderlich, zumal sie nicht über einen so robusten Körper wie manch andere Spielerin verfügt.

Tatsächlich „kennt“ sie ihre Gelenke wie kaum eine andere Spielerin, denn vom Ellenbogen, Fingern, Sprunggelenk, Knien bis hin zur Hüfte litt sie schon in einigen Gliedern an Sehnenscheiden-Entzündungen. Aber nicht nur von Fremdeinwirkungen durch Gegenspielerinnen stammen die Verletzungen, sondern auch von physischer Überlastung im Training, vom einfachen Umknicken und vom Fallen bei Torwürfen.

Gerade hier kann aber durch gezielten Aufbau der Stützmuskulatur und durch eine gute medizinische Betreuung einiges ausgeglichen werden. „Es ist ungeheuer wichtig, die Spielerinnen körperlich solide aufzubauen“, weiß der Trainer, „dann sind sie besser geschützt und können auch Stürze abfangen.“ Das Resultat dieser Arbeit ist eindrucksvoll: Nur wenige Bänderdehnungen und ein einziger Bänderriß stehen in der Verletzungsbilanz der VfL-Damen, seit Claus Schilk vor zwei Jahren die Betreuung der Handballerinnen übernahm.

Aber wenn das nicht hilft, kennt Roswitha Bein nur eine Devise: „Spielen, denn im Spiel vergißt man den Schmerz.“ Und das Gefühl des Sieges macht auch so manche Unannehmlichkeit wett.

STORMARNER TAGEBLATT vom 17.4.1993

 

Sonnabend, 17. April 1993

TuS Alstertal – VfL Oldesloe 19:23 (12:13)

23:19-Erfolg bei TuS Alstertal

Auswärtsbilanz der VfL-Damen ist jetzt wieder ausgeglichen

(mth). Statistiken können nicht immer alles zeigen, beweisen oder belegen. Sie sind halt nach einer alten Macho-Redensart wie Bikinis: Sie zeigen Interessantes, aber sie verbergen Wesentliches. Aber sie können durchaus auch aufschlußreich sein.

Beispielsweise läßt sich mit ihr schlüssig und stichhaltig erklären, warum der VfL Oldesloe in der zweiten Bundesliga der Handball-Damen in dieser Saison seinen im Vorjahr errungenen Meistertitel nicht hat verteidigen können. Die Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg hat in dieser Saison in fremden Hallen zu selten überzeugen und an die Leistungen in der heimischen Stormarnhalle – dort hat sie in Punktspielen ja seit mehr als zweieinhalb Jahren eine blütenreine Weste – anknüpfen können.

Vor dem Spiel in der Sporthalle Wandsbek gegen TuS Alstertal war die Auswärtsbilanz des VfL sogar negativ. Vier Siegen gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte standen fünf Niederlagen (gegen sämtliche Teams aus der oberen Etage) gegenüber.

Diese Bilanz drohte in Hamburg festgeschrieben zu werden. Die Alstertalerinnen nämlich, die auswärts durchweg kein Bein an die Erde bekommen haben, sind in heimischer Umgebung eine Bank. Verloren hatten sie dort vor dem Gastspiel der Schilk-Truppe lediglich gegen die Spitzenmannschaften aus Wismar und Harrislee und das jeweils nur denkbar knapp.

Da die Mannschaft von Trainerin Birgitt Geißler den Klassenerhalt noch nicht sicher in der Tasche hat, trat sie auch gegen den VfL natürlich mit besonderem Ehrgeiz an. Aber die Schützlinge von Trainer Claus Schilk, für die die Saison nach dem Pokal-Höhepunkt vor zehn Tagen eigentlich gelaufen ist – in der Tabelle kann sich für sie nach oben und unten kaum noch etwas bewegen –, wollten da nicht „klein beigeben“.

Der Ehrgeiz in der Truppe ist durchaus noch wach. Zumal das Verhältnis des VfL zu den Hamburger Konkurrenten nie ganz reizfrei gewesen ist. Das war auch jetzt deutlich zu spüren. Mit zunehmender Spieldauer wurde die Partie, die eher ruhig begonnen hatte, immer hektischer und verbissener.

Das hatte seine Ursachen auch im wechselvollen Spielverlauf. Für die Oldesloerinnen waren die 60 Minuten eine reine Berg- und Talfahrt. Schon früh lagen sie klar in Führung (4:1 nach sieben Minuten), aber immer wieder gab es nach starken Phasen auch Schwächeperioden, in denen die Alstertalerinnen bedrohlich aufkamen.

Nicht zuletzt wegen ihrer gewaltigen Rückraumschützin Regine „Bum-Bum“ Teschke. Die hatte am Ende nicht weniger als zehn Treffer auf ihrem Konto. Und das hätten leicht noch mehr werden können, wäre bei drei Gewaltwürfen nicht der Pfosten im Weg gewesen.

Dazu entschärften die VfL-Torhüterinnen – Alexandra Hoffmann bis zur 20. Minute später in höherem Maß Petra Küsel bis zum Schluß – noch zahlreiche „Teschke-Geschosse“ und bisweilen konnte auch Zsuzsa Nyari die Kreise der Rückraumwerferin durch kurze Deckung einengen.

Letztlich allerdings ist der VfL-Sieg nie ernsthaft in Gefahr geraten. Immer dann, wenn die Hamburgerinnen dicht an den VfL herangekommen waren – so beim Halbzeitstand von 13:12 –, zogen die Stormarnerinnen das Tempo an. Ihren höchsten Vorsprung erreichten sie dabei zum 20:13 nach 45 Minuten.

Danach ließen sie es wieder ruhiger angehen, so daß das Endergebnis von 23:19 für die Alstertalerinnen dann erträglicher ausfiel.

Die haderten nicht selten mit dem Schiedsrichtergespann Bannuscher/Repschläger aus Rostock, das in der Tat weit weniger souverän als vor zehn Tagen beim Pokalspiel gegen den SV Buxtehude in der Stormarnhalle pfiff. Der VfL durfte sich dabei am Ende nicht beklagen. Er kam unter dem Strich wohl etwas besser weg als der Kontrahent, wiewohl auch er von einigen Fehlentscheidungen betroffen wurde.

Die 23 Tore beim VfL verteilten sich auf viele Köpfe. Je vier Mal waren Andrea Hasenberg, Babette Bischof, Roswitha Bein (zwei Siebenmeter) und Zsuzsa Nyari (ein Siebenmeter) erfolgreich. Marion Werner (3/2), Eike Lange (2), Ingrid Schilk und Irina Derr (je 1) teilten sich den Rest. Ohne Tor blieben Ivonn Bosza und Mona Münstermann, die aber beide nach längerer Durststrecke endlich wieder eine Bewährungschance und damit Spielpraxis bekamen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 19.4.1993

 

Freitag, 23. April 1993

Vorletztes Saisonspiel

VfL-Damen ohne ihren Trainer beim TSV Hastedt

(mth). Als in der letzten Saison in der zweiten Bundesliga/Gruppe Nord der Handball-Damen das Spiel des VfL Oldesloe beim TSV Hastedt/Bremen anstand, setzte eine wahre Völkerwanderung von der Stormarner Kreisstadt in die Hansestadt ein. In dem Spiel (Mitte März 1992) sollte und konnte eine Vorentscheidung im Meisterschaftskampf fallen.

Nach hartem Kampf gewann der VfL seinerzeit auch dieses Spiel (wie alle anderen 21 in der Saison) und war damit zur Begeisterung seiner Fans, die die Halle in Hastedt fest im Griff hatten, klar auf Titelkurs. Morgen (Spielbeginn ist um 19.30 Uhr), wenn die Begegnung erneut auf dem Programm steht, wird sich die Völkerwanderung mit Sicherheit nicht wiederholen.

Auch wenn, wie bei fast allen Auswärtsspielen der VfL-Damen für Schlachtenbummler im Mannschaftsbus noch Plätze frei sind. Wer mitfahren möchte, sollte sich rechtzeitig vor der Abfahrt um 15.45 Uhr an der Stormarnhalle einfinden. Arg groß, so denken wir, wird der Andrang diesmal nicht sein. Denn für beide Mannschaften steht nicht mehr viel auf dem Spiel.

Der VfL kann sich vom augenblicklichen vierten Platz bestenfalls noch auf den dritten Rang verbessern, und der letztjährige Vizemeister aus Bremen hat inzwischen, nachdem er lange Zeit ganz am Tabellenende herumkrebste, den Klassenerhalt sicher. So wird denn nicht einmal Trainer Claus Schilk (ebenso wie seine Frau Ingrid) die Reise nach Hastedt mitmachen. Er weilt am Wochenende bei einem Trainerlehrgang in Frankfurt/Main.

Vertreten wird er von Thomas Gloth, der dem VfL ja schon seit eineinhalb Jahren als Berater zur Verfügung steht und oft auch für Schilk, der auch Managerfunktionen ausübt, das Training geleitet hat. Vielleicht auch deshalb haben sich die VfLerinnen in dieser Woche im Training noch einmal besonders reingehängt, um sich morgen vor dem bundesliga-erprobten Coach nicht zu blamieren.

Schließlich wollen sie eine Woche später zum Saisonabschluß noch einmal in Topform sein, wenn sie im Spiel gegen Spitzenreiter TSG Wismar in der Stormarnhalle den Meistermacher spielen wollen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 23.4.1993

 

Freitag, 23. April 1993

Nationalspielerin Bianca Urbanke sagte ab

VfL Oldesloe sucht weiter

(sc). Die Handball-Frauen des VfL Oldesloe suchen weiter nach einer Verstärkung für ihren Rückraum. Nachdem der Wechsel von Katrin Behnke (VfL Bad Schwartau) und Ivonne Grimm (TSC Berlin) bereits perfekt gemacht worden war, hatte der Tabellen vierte der zweiten Bundesliga Kontakt zu Bianca Urbanke vom Erstligisten Bayer Leverkusen aufgenommen.

VfL-Trainer Claus Schilk hatte der Nationalspielerin vor längerem ein Angebot gemacht, bisher aber noch ohne Resonanz. Jetzt ist die Entscheidung gefallen. Am Mittwochabend sagte die Linkshänderin ab.

Schilk zeigte sich allerdings nicht sonderlich enttäuscht: „Nach den bisherigen Gesprächen war damit zu rechnen, daß sie nicht kommt.“ Die 24jährige Leverkusenerin, die sich innerhalb eines Jahres zur stärksten Linkshänderin der Bundesliga gemausert hatte, begründete ihren Entschluß mit den fehlenden Perspektiven in der zweiten Liga. „Sie befürchtete, in der Nationalmannschaft nicht mehr berücksichtigt zu werden, wenn sie bei einem Zweitligisten spielt“, erklärte Schilk.

Der VfL-Coach hat aber weitere Wunschkandidaten auf seiner Liste. „Zur Zeit sind drei Spielerinnen im Gespräch. Zwei aus der zweiten, eine aus der ersten Liga.“ Namen wollte Schilk allerdings nicht nennen. „Da ist noch nichts spruchreif.“

STORMARNER TAGEBLATT vom 23.4.1993

 

Sonnabend, 24. April 1993

Hastedter TSV – VfL Oldesloe 19:22 (8:9)

VfL Oldesloe erfüllte Pflichtaufgabe

22:19 beim Hastedter TSV / Spiel der Experimente

(sc). „Spiel gewonnen, Pflicht erfüllt.“ So lautete das Fazit von Thomas Gloth nach dem 22:19 (9:8) des VfL Oldesloe über den Hastedter TSV. Gloth, für den verhinderten Claus Schilk auf der Bank des Handball-Zweitligisten hatte einen Grund für seine nüchterne Bewertung. Trotz klarer Überlegenheit brachten die VfL-Damen nur einen Drei-Tore-Sieg zustande. „Wir hätten mit zehn Toren gewinnen können, wenn wir nicht so viel vergeben hätten.“

An der schlechten Trefferquote waren allerdings nicht die VfL-Damen schuld, Ursache war die ungewohnte Spielweise. Gloth wollte diese Partie nach Absprache mit Trainer Schilk für Experimente nutzen und probierte deshalb gleich drei verschiedene Abwehrformationen. So sammelte der Interims-Coach zwar reichlich Aufschlüsse, mußte aber gleichzeitig mit ansehen, wie seine Spielerinnen ohne ihre gewohnte Linie zusehends nervöser wurden. „Solche Experimente bringen natürlich nicht unbedingt Ruhe ins Spiel. Das war mir aber von vornherein klar.“

Der VfL führte zwar nach fünf Minuten 2:0, vergab aber weitere Chancen, so daß Hastedt dranblieb. Bis zum 7:7 (25.) hielten die Gastgeber mit, erst mit dem Pausenpfiff gelang Oldesloe das 9:8.

Auch in der zweiten Hälfte zeigten die Gäste kein souveränes Spiel. Durch das ungewohnte 6:0- und 4:2-Abwehrspiel verunsichert, unterliefen den VfL-Damen auch im Angriff zahlreiche Fehler. Erst beim 13:10 (4.0.) schien die Nervosität abgelegt. Aber der Drei-Tore-Vorsprung währte nicht lange, bereits zehn Minuten später war Hastedt wieder auf 14:15 herangekommen.

Doch dann setzte sich die spielerische Überlegenheit des VfL durch. In der Schlußphase verzichtete Gloth auf weitere Experimente, beendete das Wechselspiel zwischen Nyari und Lange – beide hatten ihre Position kurzerhand getauscht – und brachte so mehr Ruhe in die Mannschaft. Beim 20:17 in der 56. Minute war die Partie praktisch entschieden, der Rest war Formsache.

TSV-Trainer Jörn Franke – er steht im Ruf, alles andere als ein guter Verlierer zu sein – nahm die Niederlage erstaunlich gelassen hin und schlich ohne weiteren Kommentar von dannen.

Das hatte seinen Grund: Der TSV-Coach leitet zur Zeit einen B-Trainer-Lehrgang des Deutschen Handballbundes und hatte seinen Anwärtern kurz vor Spielbeginn eine Taktik skizziert, mit der er den VfL Oldesloe „nach Strich und Faden“ auseinandernehmen wollte. Doch mit seinem Spiel der Experimente machte ihm der VfL einen Strich durch die Rechnung. „Gewollt war das natürlich nicht“, meinte Thomas Gloth, der seine Schadenfreude nur -schwer verbergen konnte. „Aber das ist eben Pech.“

Torschützen VfL Oldesloe: Werner (7), Hasenberg (2), Bein (3/2), Bischof (2), Lange (6/5), Bosza, Nyari (je 1).

STORMARNER TAGEBLATT vom 26.4.1993

 

Freitag, 30. April 1993

,,Wir fegen TSG Wismar aus der Halle“

VfL-Trainer Claus Schilk optimistisch vor letztem Saisonspiel / Riesenandrang erwartet

(mth). In einem Punkt sind sich Claus Schilk (VfL Oldesloe) und Udo Höller (TSG Wismar) vor dem Spitzenspiel der zweiten Bundesliga der Handball-Damen am Sonnabend um 19.30 Uhr in der Stormarnhalle einig.

Die 10:39-Niederlage des KSV Holstein Kiel beim TSV Nord Harrislee, durch die die Voraussetzungen für das Saisonfinale verändert wurden, haben sie kein Verständnis.

„Das Ergebnis ist eine Schweinerei. Mit solch einer Einstellung gehört Holstein Kiel nicht in die zweite Liga“, drückt es der VfL-Trainer drastisch aus.

„Die Kieler Mädchen, die sich gegen uns noch zerrissen haben, haben nicht sehr sportlich gehandelt“, ordnet Höller das Resultat ein, durch das seine Mannschaft nun gezwungen ist, in Oldesloe mindestens einen Punkt zu holen, um Meister zu werden und aufzusteigen.

„Das wird sehr schwer werden, denn wir wissen, wie stark der VfL daheim ist. Aber wir werden und wollen uns den ersten Platz am letzten Spieltag nicht mehr nehmen lassen“, gibt sich der Wismarer Coach dennoch zuversichtlich.

Da hält Schilk voll dagegen: „Meine Mannschaft ist heiß auf dieses Spiel. Sie hat in der Woche wie aufgedreht trainiert. Wenn wir das im Spiel umsetzen können, dann fegen wir Wismar aus der Halle“, macht er aus seinem Vorhaben, dem Spitzenreiter die Suppe zu versalzen, keinen Hehl.

Er kann auf alle Spielerinnen seines Kaders setzen, Höller muß auf Nicole Hübener und wahrscheinlich auf Anke Koop verzichten.

Nicht entgehen lassen werden sich die Fans das Spitzenspiel. Die Stormarnhalle wird knüppeldick voll werden. Allein nach Wismar sind im Vorverkauf 120 Karten gegangen und auch in Oldesloe ist der Run auf die rund 500 Plätze riesengroß.

STORMARNER TAGEBLATT vom 30.4.1993

 

Freitag, 30. April 1993

Oldesloer Fans zum Spitzenspiel

„Der VfL wird's packen“

In eigener Halle seit zweieinhalb Jahren ungeschlagen, wollen die Handball-Damen des VfL Oldesloe auch gegen die TSG Wismar keinen Punkt abgeben. VfL-Trainer Claus Schilk setzt auf Sieg – wie sehen die Oldesloer die Chancen ihres Teams? Unsere Redaktionsmitglieder Cordula Rassow und Stephan Clausen fragten die VfL-Fans.

Christian Moos, nur selten in der Stormarnhalle, verfolgt alle Spiele des VfL aber in der Presse: „Auch wenn Oldesloe zuhause ungeschlagen ist, glaube ich nicht, daß sie gegen Wismar gewinnen. Für die geht es um die Meisterschaft, die werden schon alles dransetzen. Außerdem spielen die als Bundesliga-Absteiger eine Spur professioneller.“

Wiebke Caesar, kennt den VfL nur aus der Zeitung, drückt ihm aber trotzdem beide Daumen: „Wenn die solange kein Spiel verloren haben, werden sie ihre Fans bestimmt auch diesmal nicht enttäuschen. Ich tippe auf einen Sieg.“

Hans-Werner List sieht sich nur Spitzenspiele an: „Ich glaube nicht, daß Wismar hier eine Chance hat. In eigener Halle spielt der VfL einfach zu sicher, da muß der Gegner schon ganz schön nervenstark sein, um etwas ausrichten zu können.“

Detlef Kneese verfolgt die Spiele nur über die Presse, hängt aber nach eigenem Bekunden „mit ganzem Herzen“ am VfL: „Ich schätze die Chancen 50:50 ein, der VfL ist zuhause unheimlich stark, Wismar als Spitzenreiter nicht zu unterschätzen.“

Ronny Richter, in Sachen Handball zwar absoluter Laie, schätzt die Chancen des VfL aber aufgrund des Heimvorteils hoch ein: „Wenn die sich zum Ziel gesetzt haben, in eigener Halle keinen Punkt abzugeben, werden die es bestimmt schaffen. Da kann sich Wismar noch so anstrengen.“

STORMARNER TAGEBLATT vom 30.4.1993

 

Freitag, 30. April 1993

Warten auf den Anruf

(sc). Wenn morgen in der Stormarnhalle die Partie VfL Oldesloe TSG Wismar angepfiffen wird, steigt der Adrenalinspiegel nicht nur bei den beteiligten Trainern. Ein Dritter wird dieses Spiel ebenfalls mit erhöhtem Puls verfolgen: Heie Jacobsen, Verantwortlicher des TSV Nord Harrislee. Für den Tabellenzweiten ist der Ausgang des Spiels von entscheidender Bedeutung: Gewinnt der VfL, ist Harrislee Meister und steigt auf. Heie Jacobsen, der mit seiner Mannschaft zeitgleich beim Berliner VB aufläuft, wird über das Spiel in Oldesloe jederzeit informiert sein. „Unser Jugendtrainer wird mit einem Mobiltelefon auf der Tribüne sitzen.“

Jacobsen, der trotz der Aufstiegschance vorerst für die zweite Liga geplant hat, sieht die Situation gelassen. „Wir können ohnehin nichts machen. Nur sitzen und warten.“ Für ihn spielt VfL-Trainer Claus Schilk die entscheidende Rolle. „Er hat es in der Hand. Wenn er seine Mannschaft dazu bringt, dieses Spiel zu gewinnen, sind wir Meister.“

Das hätte nach Meinung von Jacobsen auch für den VfL Oldesloe einen Vorteil. „Das ist eine ganz einfache Sache. Wenn die gewinnen, müssen sie in der nächsten Saison gegen uns keine Punkte abgeben.“

STORMARNER TAGEBLATT vom 30.4.1993

 

Freitag, 30. April 1993

Der Leitwolf verläßt das Rudel

Andrea Hasenberg: Letzter Auftritt für den VfL Oldesloe

Cordula Rassow – Bisher war es immer sie, die Blumensträuße überreichte. Jetzt bekommt Andrea Hasenberg selbst einen. Sie läuft zu ihrem letzten Punktspiel für den VfL Oldesloe auf. Seit 1972 spielt die 32jährige Handball, war mit dem VfL deutscher Jugendmeister, stieg bis in die zweite Liga auf. Gegen die TSG Wismar streift sie zum letzten Mal das Oldesloer Trikot über: „Zwanzig Jahre sind genug.“

„Ich habe alles erreicht, was ich wollte“, sagt Andrea Hasenberg. „Jetzt brauche ich auch mal Zeit für mich.“ Endlich will sie Squash oder Tennis spielen, und einfach Urlaub machen. Für sie ist der Rücktritt ein Gewinn, für den VfL ein Verlust. „Sie ist bekannter als der Bürgermeister“, sagt ihr Trainer Claus Schilk, „denn sie ist die letzte gebürtige Oldesloerin in der Mannschaft.“

In der Schule bekam sie zum ersten Mal einen Ball in die Hand, mit zwölf stand sie zum ersten Mal für den VfL auf dem Parkett, und heute gehört sie zu den Leistungsträgerinnen des Zweitligisten. „Ich bin kein Riesentalent, ich mußte mir alles hart erarbeiten.“ Auf ihrem sportlichen Weg war sie sich für nichts zu schade, auch als Kreisläuferin nicht: „Der mieseste Job im ganzen Team.“

Motiviert hat sie der Erfolg. „Die deutsche Meisterschaft 1979 mit der A-Jugend war mein schönstes Erlebnis.“ Ein besonderes Jahr in der Karriere der damals 18jährigen, denn zwei Wochen nach dem Titelgewinn wurde sie mit ihrer Schulmannschaft Vize-Meister bei „Jugend trainiert für Olympia“.

Es folgte das einzige Gastspiel in einem anderen Verein. Von 1979 an spielte sie für zwei Jahre bei Union 03 Hamburg in der ersten Bundesliga. „Doch dann wechselten die meisten aus der ehemaligen A-Jugend in die erste Damenmannschaft des VfL, da bin ich auch wieder zurück.“

Seit dieser Zeit hat die Kreisläuferin in Oldesloe viel mitgemacht, hat viele Spielerinnen kommen und gehen sehen. „Als letzte der alten A-Jugend bin nur noch ich dabei.“

Angefangen in der Bezirksliga, arbeitete sie sich mit dem VfL von der Oberliga hoch bis in die zweite Bundesliga. „Und dann im ersten Jahr gleich Meister, das war schon toll.“

Für den Aufstieg in das Handball-Oberhaus reichte es im vergangenen Jahr nicht. Andrea Hasenberg wertet das im Nachhinein positiv: „In der zweiten Liga können wir oben mitspielen, in der ersten wären wir nur Punktelieferant geworden.“ Für die erfolgsorientierte Spielerin die schlechtere Alternative, denn für sie ist nichts schlimmer, „als unten rumzukrebsen.“.

Zudem wäre damit mehr Training und Fahrten durch ganz Deutschland verbunden, noch mehr Abende und Wochenenden. „Wären wir aufgestiegen, hätte ich schon im letzten Jahr aufgehört.“

Jetzt aber ist endgültig Schluß, jetzt will sie ihre Freizeit ohne Termin- und Trainingsstreß planen können. „Wenn meine Freunde am Wochenende etwas unternahmen, konnte ich nie mit, das wird jetzt hoffentlich anders.“

Den Zeitpunkt für ihren Rücktritt hat sie sich genau überlegt. „Mir war wichtig, den Abschied selbst zu bestimmen. Noch bin ich erste Wahl und kann gut mithalten.“ Zwar kostet das Konditionstraining mittlerweile mehr Kraft und Überwindung, aber im Spiel macht sie vieles durch Routine wett.

Ruhe und Routine zeichnen sie auch als Mannschaftskapitän aus. „Sie ist der Leitwolf des Teams“, beschreibt VfL-Trainer Schilk ihre Position, „wenn sie weg ist, wird es eine neue Hackordnung geben.“

Vorstellen kann sich Andrea Hasenberg ihren Abschied nicht. Das mulmige Gefühl im Bauch, der letzte Applaus: „Ich habe ein bißchen Angst davor.“ Ihr wirklich letzter Auftritt im Bundesliga-Dress steht dem Fossil am 4. Juni bevor. Da soll sie noch einmal gegen ihre alte „A-Jugend“ antreten.

Im nächsten Jahr will sie noch in der VfL-Zweiten aushelfen. Ihren Ehrgeiz wird sie mitnehmen: „Vielleicht schaffen wir es dann endlich, aufzusteigen.“

STORMARNER TAGEBLATT vom 30.4.1993

 

Sonnabend, 1. Mai 1993

VfL Oldesloe – TSG Wismar 15:15 (6:7)

Mit dem Ergebnis allen gedient

TSG Wismar steigt nach 15:15 auf / VfL Oldesloe wahrte seinen Heimnimbus

(Manfred Thomsen). Das Ende war nahezu salomonisch. Mit dem 15:15 (6:7) zwischen den Handball-Damen des VfL Oldesloe und der TSG Wismar war allen gedient. Der VfL hatte seinen Heimnimbus gewahrt, der Gegner aus Mecklenburg hatte sein großes Ziel – direkter Wiederaufstieg in die erste Bundesliga – dennoch erreicht. So war die Begeisterung nach dem Schlußpfiff in der mit 600 Zuschauern übervollen Stormarnhalle allgemein. Der eigentliche Verlierer nämlich war weit weg. Der TSV Nord Harrislee hatte bei VB Berlin mit 31:19 gewonnen, Spitzenreiter Wismar damit aber nicht mehr überholen können. Dazu hätte es eines VfL-Sieges bedurft.

Der lag bis zur letzten Sekunde im Bereich des Möglichen. Noch in der Schlußminute, es stand schon 15:15, gab es hüben und drüben Angriffsversuche und Ballverluste, die das Blatt so oder so hätten wenden können.

TSG-Trainer Udo Höller war sichtlich gezeichnet, als er mit seinen Schützlingen und den lauten, aber disziplinierten Fans den Triumph feierte.

„Die Oldesloer haben uns das Leben schwer gemacht. Sie haben uns nichts geschenkt und die letzte Minute ist mir sehr lang geworden. Aber ich glaube, wir haben uns den Punkt durch eine tolle kämpferische Leistung aller Spielerinnen redlich verdient“, lautete seine erste Analyse.

Ähnlich sah es sein Gegenüber auf der Oldesloer Bank, Claus Schilk: „Die TSG Wismar hat es verdient, in die erste Liga aufzusteigen. Sie ist über die Saison das konstanteste Team gewesen. Wir haben alles versucht und alles gegeben und ich bin stolz auf meine Truppe, die eine saubere sportliche Lösung gesucht hat.“

Für eine solche Haltung hat in den letzten zwölf Jahren in der Oldesloer Mannschaft nicht zuletzt immer Andrea Hasenberg gestanden. Sie bestritt ihr letztes Punktspiel im VfL-Dress. Rote Rosen von ihren Mannschaftskolleginnen, dazu eine riesige Foto-Collage waren äußere Zeichen des Dankes, das Spiel selbst war dann ein besonderes Abschiedsgeschenk.

Denn die Partie verlief ganz nach dem Geschmack von „Hasi“. Sie wurde dominiert von zwei starken Abwehrreihen und dort hatte die nun scheidende VfL-Mannschaftsführerin immer ihre besonderen Stärken gehabt. 1:3 stand es nach 14 Minuten, dann drehten die Oldesloerinnen den Spieß um. Drei Treffer von Babette Bischof und je einer von Zsuzsa Nyari und Andrea Hasenberg bedeuteten bis zur 24. Minute eine 6:3-Führung.

Aber Wismar fightete entschlossen zurück und hatte bei Halbzeit mit 7:6 wieder knapp die Nase vorn. Das war nicht der letzte Umschwung in der Partie. Marion Werner (33.) mit einem Treffer aus extrem spitzem Winkel und Andrea Hasenberg (35.) mit ihrem endgültig letzten Bundesliga-Tor warfen den VfL wieder in Front. Das einzige (!) Rückraumtor des Gastes durch Doris Danner bescherte das 8:8, ehe Babette Bischof und Marion Werner den VfL bis zur 41. Minute erneut mit zwei Toren in Führung brachten.

Der neuerliche Ausgleich (10:10/44.) war beim VfL mit einem Schock verbunden, denn die bis dahin überragende Torhüterin Petra Küsel verletzte sich dabei schwer. Aber der VfL gab nicht nach, zog auf 12:10 (46.) davon und auch beim 13:12 (53.) erkämpfte er sich noch einmal die Führung. In der bisweilen hektischen Schlußphase war es dann der VfL, der zweimal (13:14/58. und 14:15/59.) einem Rückstand hinterherlaufen mußte. Aber der Ausgleich ließ jeweils nicht lange auf sich warten.

VfL Oldesloe: Küsel, Hoffmann, Lange, Hasenberg (2), Bischof (4), Werner (5), Nyari (3/1), Bein (1), Schilk, Münstermann. Irina Derr und I vonn Bosza nicht eingesetzt.

TSG Wismar: Beeckmann, Schmielewska, Herold, Reichel (2), Chzichy, Johannisson, Danner (1), Obst (2), Martens (1), Rösler (8/5), Koop (1), Marten.

STORMARNER TAGEBLATT vom 3.5.1993

 

Montag, 3. Mai 1993

Pechvogel Petra

(mth). Der Schmerzensschrei ging im Jubel der Wismarer Fans fast unter. Es war die 44. Minute des hochdramatischen Spiels. Gabriele Rösler, mit acht Toren erfolgreichste Werferin der Begegnung, hatte gerade das 10:10 erzielt. Bei einem Tempogegenstoß war sie dabei weit in den VfL-Torraum geflogen und hatte dann mit voller Wucht abgezogen.

Petra Küsel war ihr auf halbem Wege entgegengekommen. Als der Ball schon im Tor gelandet war, prallten beide mit Vehemenz aufeinander. Mit furchtbaren Folgen für die VfL-Torhüterin. Sie war über ihr rechtes Standbein abgeknickt und hatte sofort „irrsinnige Schmerzen“.

Physio-Therapeut Ralph Gericke sah schon bei seiner ersten Diagnose schwarz. Schon bevor er mit „Piet“ unverzüglich in die Paracelsus-Klinik aufbrach, ahnte er „das Innenband im Knie wird wohl abgerissen sein.“ Damit hatte er nur zu recht. Ungewiß ist jetzt lediglich, ob auch das Kreuzband und der Meniskus in Mitleidenschaft gezogen sind. Das wird sich erst heute zeigen, wenn die VfL-Torhüterin unters Messer kommt.

Natürlich war die Nr.1 des Stormarner Zweitligisten mächtig deprimiert. Eine mehrmonatige Pause ist sicher. Abgesehen von allen anderen Unannehmlichkeiten, die eine solche Verletzung für Beruf, Sport und Freizeit sonst noch mit sich bringt.

Aber Petra Küsel ist hart im Nehmen. Gegen Mitternacht tauchte sie auf der improvisierten Saisonabschlußfeier auf. Das verletzte Bein von oben bis unten bandagiert und auf Krücken. „Im Krankenhaus muß ich mich noch lange genug aufhalten. Aber ich kann dich doch auf deiner Abschiedsfete nicht im Stich lassen“, gab sie dafür ihrer Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg die Begründung.

STORMARNER TAGEBLATT vom 3.5.1993

 

Montag, 3. Mai 1993

Der Akku war leer

(mth). Die Aufregung war bei Harald Jacobsen schon vor dem Spiel groß. Der Jugendtrainer beim TSV Nord Harrislee war nach Oldesloe abgeordnet worden, um per heißem Draht Meldung über den Verlauf des Spiels in der Stormarnhalle nach Berlin zu geben. Aber das mobile Telefon, das man ihm dafür mitgeben hatte, versagte schon beim Test. Grund: Der Akku war leer.

Also hieß es, auf ein herkömmliches Telefon umzusteigen. Über das konnte er Laut geben, vom Wechselbad der Gefühle, das er während der Partie durchlitt. Während in Berlin schnell alles klar war – Harrislee gewann 31:19 –, gab es in Oldesloe ein ewiges Hin und Her.

Das zehrte bei dem gewichtigen Flensburger so sehr an den Nerven, daß am – für ihn und seinen Club schlechten – Ende auch sein Akku leer war. Im allgemeinen Trubel verdrückte er sich klammheimlich und ward nicht mehr gesehen. So war ihm auch kein Schlußstatement mehr zu entlocken. Immerhin hatte er zwischendurch dem VfL seine Hochachtung ausgesprochen. „Die versuchen wirklich

schlossen zurück und hatte bei alles, um zu gewinnen.“

STORMARNER TAGEBLATT vom 3.5.1993

 

Dienstag, 4. Mai 1993

Mandy Heinelt kommt nicht

(mth). Der Wechsel von Mandy Heinelt, Rechtsaußen beim Zweitliga-Konkurrenten Holstein Kiel, zu den Handball-Damen des VfL Oldesloe war eigentlich schon perfekt gewesen. Nur unterschrieben hatte die frühere Junioren-Nationalspielerin beim VfL noch nicht. Jetzt ist der Wechsel doch noch geplatzt. „Ich gehe nun davon aus, daß sie nicht zu uns kommt“, bestätigte VfL-Trainer Claus Schilk gestern auf Nachfrage. Die Gründe für den Sinneswandel der Kielerin bleiben im Dunkeln. „Wir waren uns über die Bedingungen für eine Verpflichtung beim VfL einig. Aber seit zweieinhalb Wochen ist die Verbindung plötzlich abgebrochen“, weiß der Oldesloer Coach als Begründung. „Auch das sie inzwischen in Kiel einen neuen Vertrag unterschrieben hat, wissen wir nur aus der Zeitung.“

STORMARNER TAGEBLATT vom 4.5.1993

 

Donnerstag, 6. Mai 1993

Vertrag perfekt

Verstärkung für den VfL

(sc/us). Auf der Suche nach einer Rückraumspielerin sind die Handball-Damen des VfL Oldesloe fündig geworden: Am Dienstagabend unterschrieb Catrin Köhnken, zuletzt beim Klassenkonkurrenten TSV Nord Harrislee im Einsatz, beim Zweitligisten einen Einjahresvertrag.

VfL-Trainer Claus Schilk, bereits seit Beginn der vergangenen Saison um eine Verstärkung bemüht, setzt große Erwartungen in die 30jährige Rechtshänderin. „Sie ist im Rückraum sowohl links als auch rechts einsetzbar.“

Köhnken, seit zwei Jahren beim TSV Nord. hatte ihr erstes Training beim VfL bereits am Dienstag absolviert und sich danach zu einem Wechsel entschlossen. „Eigentlich wollte ich kürzertreten, aber Claus Schilk hat mich so lange bearbeitet, bis ich es mir noch einmal überlegt habe.“ Maßgeblich für die Entscheidung, nach Oldesloe zu wechseln, war für die Aufbauspielerin das gespannte Verhältnis zu Nord-Trainer Heie Jacobsen. „Ich habe zuletzt nur noch auf der Bank gesessen und so gut wie keine Spielpraxis gehabt.“

Das soll sich beim VfL nach ihren Vorstellungen ändern. „Nach dem ersten Training bin ich optimistisch. Das klappte schon ganz gut, vor allem von dem Zusammenspiel mit Marion Werner verspreche ich mir viel.“

Letzte Hürde auf dem Weg nach Oldesloe könnten jetzt allerdings noch die Wechselformalitäten sein. Nach den

Differenzen mit ihrem Ex-Trainer fürchtet Catrin Köhnken um ihre Freigabe. „Ich hoffe, daß er mir keine Steine in den Weg legen wird.“

STORMARNER TAGEBLATT vom 6.5.1993

 

Donnerstag, 6. Mai 1993

Gameboy gegen die Langeweile

Innenband-Abriß im letzten Saisonspiel / VfL-Torhüterin Petra Küsel fällt bis zum Jahresende aus

(Ulrich Schröder). Es sollte der krönende Abschluß einer erfolgreichen Saison werden. Eine ausverkaufte Stormarnhalle, dazu ein attraktiver Gegner, Petra Küsel, Torhüterin der Handball-Frauen des VfL Oldesloe, hatte sich auf die Partie gegen die TSG Wismar gefreut. Eine Viertelstunde vor Spielende geschah es dann: Beim Versuch, einen Tempogegenstoß abzufangen, verletzte sie sich schwer.

Die niederschmetternde Diagnose des Arztes: Innen-band-Abriß im rechten Knie, dazu Verdacht auf Kreuzbandriß. „So ein Mist“, ärgert sich die 22jährige, „gerade im letzten Spiel mußte sowas passieren.“ Physiotherapeut Ralph Gericke fuhr mit „Piet“, gleich nach dem Unfall in die

Paracelsus-Klinik in Henstedt-Rhen. „Auf der Fahrt habe ich die ganze Zeit vor Wut geweint“, erinnert sich Petra Küsel.

Noch am selben Abend büxte sie wieder aus. Kurz vor Mitternacht erschien sie, an Krücken humpeln, zur Abschiedsfeier für VfL-Spielführerin Andrea Hasenberg. „Ich habe mir eine Ausrede einfallen lassen, ich wollte unbedingt zu Hasis Fete.“ Die Stimmung war gedrückt, die schwere Verletzung der Torhüterin war Gesprächsthema Nummer eins. Am Sonntag mußte sie, begleitet von Zsuzsa Nyari und Marion Werner, wieder in der Klinik antreten.

Jetzt liegt „Piet“ in einem Zweibett-Zimmer, das operierte Bein dick bandagiert. „Es ist so langweilig hier.“ Ihre erste schwere Verletzung nach 14 Jahren Handball – die sonst so fröhliche Torhüterin ist entsprechend genervt. „Die Hinrunde der neuen Saison kann ich wohl vergessen.“

Mit acht Jahren stand sie zum ersten Mal zwischen den Pfosten, spielte für den MTV Tostedt und ein Jahr lang für das Bundesliga-Team des Buxtehuder SV. Dort kam sie über Kurzeinsätze nicht hinaus. Als im vergangenen Jahr das Angebot aus Bad Oldesloe kam, überlegte sie nicht lange und griff zu. Sie hat sich schnell eingelebt, im Team nie um einen lockeren Spruch verlegen. Bei den Fans ist die Studentin sehr beliebt.

In der abgelaufenen Zweitliga-Saison zählte sie zu den besten Spielerinnen, riß mit ihren Paraden manche schon verloren geglaubte Partie aus dem Feuer. „Das erste Jahr ist super gelaufen“, freut sich die 22jährige – bis zu jenem unglücklichen Zusammenprall kurz vor Spielschluß.

Freundin Marion Werner hat einen Schach-Computer mitgebracht, ihre Eltern haben sie kurz nach der Operation besucht. Schlimmer als die Schmerzen ist das Nichtstun. „Piet“ ist ungeduldig. „Ich will so schnell wie möglich weg von hier.“

Für etwas Ablenkung sorgt ein Telespiel. „Wenn ich meinen Gameboy nicht hätte, wäre es noch langweiliger“, sagt Petra Küsel und greift nach dem kleinen piepsenden Gerät. Etwa zehn Tage muß sie sich noch gedulden. „Danach“, sagt Petra Küsel mit einem gequälten Lächeln, „muß ich erst einmal wieder unfallfrei laufen lernen.“

STORMARNER TAGEBLATT vom 6.5.1993

 

Mittwoch, 26. Mai 1993

Zugang beim VfL Oldesloe

(sh:z). Das Torhüter-Problem bei den Handball-Damen des VfL Oldesloe ist gelöst. Den Posten hinter der Nummer eins im VfL-Tor, Alexandra Hoffmann, wird zukünftig Silke Schwöbken einnehmen. Die 24jährige soll für Petra Küsel einspringen, die sich im letzten Saisonspiel einen Bänderriß im Knie zuzog. Schwöbken, die in der vergangenen Saison beim Regionalligisten VfL Bad Schwartau spielte, nahm gestern erstmals am Training teil und ist sich mit dem VfL laut Trainer Claus Schilk auch schon über „die formellen Dinge einig.“ Ob der Zugang bereits beim Abschiedsspiel von Kreisläuferin Andrea Hasenberg am Freitag, 4. Juni, spielen wird, ist noch nicht klar. Die langjährige Mannschaftsführerin wird ihr letztes offizielles Spiel mit dem VfL gegen eine Auswahl ehemaliger Oldesloer Spielerinnen bestreiten. Anpfiff ist um 19.15 Uhr, der Eintritt kommt gemeinnützigen Zwecken zugute.

STORMARNER TAGEBLATT vom 26.5.1993

 

Sonnabend, 29. Mai 1993

Weitere Verstärkung für Rückraum des VfL Oldesloe

Nana Conde wechselt vom Handball-Erstligisten TSC Berlin an die Trave

(sc). Nur zwei Tage nach der Verpflichtung von Torhüterin Silke Schwöbken meldet Handball-Zweitligist VfL Oldesloe einen weiteren Zugang: Nana Conde, zuletzt in Diensten des Erstligisten TSC Berlin, wird in der kommenden Saison bei den VfL-Damen spielen.

VfL-Trainer Claus Schilk, der bereits seit längerem mit der Linkshänderin verhandelte, meldete den Wechsel am Donnerstag als perfekt. „Sie hat ihren Vertrag schon unterschrieben, da kann nichts mehr schiefgehen.“

Die 29jährige Conde, beim TSC eine der Leistungsträgerinnen, wird in Hamburg eine Arbeitsstelle antreten und hatte sich deshalb auf die Suche nach einem neuen Verein gemacht. Für den VfL ein Glücksfall, denn Trainer Schilk fehlte nach der Verpflichtung der Harrisleerin Catrin Köhnken noch eine weitere Rückraumspielerin. „Da kam die Anfrage von Conde natürlich wie gerufen."

Mit seinem neuen Kader sieht Schilk der kommenden Saison optimistisch entgegen. „Endlich habe ich alle Positionen doppelt besetzt. Das bittet mir völlig neue Möglichkeiten.“ So plant Schilk im Rückraum sowohl mit seinen Neuzugängen Köhnken und Conde, als auch mit Irina Derr und Babette Bischof, die bereits in der vergangenen Serie für den VfL aufliefen. „Die Karten werden neu gemischt, jeder hat seine Chance.“

Ihren ersten Auftritt in der Stormarnhalle werden die drei Zugänge – Schwöbken, Köhnken und Conde – am kommenden Freitag, 4. Juni, haben. Dann (19.15 Uhr) soll Kreisläuferin Andrea Hasenberg mit einer Freundschaftspartie gegen eine Auswahl ehemaliger VfL-Spielerinnen verabschiedet werden. An einen Einsatz seiner „Neuen“ glaubt Schilk allerdings nicht. „Da werden wir noch mit unserem alten Team auflaufen.“

STORMARNER TAGEBLATT vom 29.5.1993

 

Freitag, 4. Juni 1993

Meisterteam 1979 fast komplett

Heute in der Stormarnhalle: Handballfest zu „Hasis“ Abschied

(mth). In ihrer langen Handball-Karriere hat Andrea Hasenberg eine Unmenge von Mitspielerinnen gehabt. Eigentlich mit allen hat sie dabei ein gutes, ja herzliches Verhältnis entwickelt. ,,Hasi“, wie das Oldesloer Handball-Idol von jedermann genannt wird, ist eben Kumpeltyp.

Und doch fiel es ihr nicht schwer, für ihr heutiges Abschiedsspiel, bei dem die aktuelle Bundesliga-Truppe um 19 Uhr in der Stormarnhalle auf eine Auswahl ehemaliger Mitstreiterinnen der scheidenden VfL-Mannschaftsführerin trifft, Prioritäten zu setzen.

„Mein schönstes sportliches Erlebnis war die Deutsche Meisterschaft 1979. Aus dem Team hätte ich gerne so viele Spielerinnen wie möglich dabei“, äußerte sie spontan, als sie um Wünsche für das heutige besondere Ereignis gefragt wurde.

Ihr Wunsch ist den Verantwortlichen des VfL Befehl gewesen. Und „Hasis“ Mitstreiterinnen ließen sich nicht zweimal bitten. Ein paar Absagen hat Ulli Meyer, Erfolgstrainer damals und heute Coach der „Allstars“, bekommen. Aber immerhin sieben Spielerinnen aus der Meistertruppe sind dabei.

Voran Andrea Güldenpfennig, der „Star“ aus jenen Zeiten, die zusammen mit Zsuzsa Nyari, dem aktuellen Publikumsliebling, auf dem Parkett zu erleben, sich Oldesloer Handballfans schon lange wünschen.

„Das wird bestimmt ein großes Handballfest“, freut sich Ulli Meyer. Das wird erst in der Stormarnhalle gefeiert und findet anschließend auf einer Zeltparty im Travestadion seine Fortsetzung.

STORMARNER TAGEBLATT vom 4.6.1993

 

Freitag, 4. Juni 1993

VfL Oldesloe – VfL Oldesloe wJA 1979 39:23

Abschiedsspiel von Andrea Hasenberg in der Stormarnhalle

„Du fehlst uns, bleib bei uns!“

VfL-Handball-Damen verabschiedeten ihre langjährige Mannschaftsführerin

(mth). Die Rührung konnte sie nicht verbergen. „Du fehlst uns, bleib bei uns!“ so endete der umgedichtete Text eines Songs von Marius Müller-Westernhagen, mit dem die Bundesliga-Handball-Damen des VfL Oldesloe ihre langjährige Mannschaftsführerin auf ihren Abschied einstimmten.

Die VfL-Mannschaft mußte nicht allein singen. Auch der Gegner stimmte in das leicht melancholische Lied ein. Kein Wunder. Schließlich handelte es sich dabei um „alte Bekannte“. Besonders von Andrea Hasenberg.

Die hatte sich gewünscht, mit ihrer jetzigen Mannschaft gegen ein Team ehemaliger Mitstreiterinnen antreten zu können, und ihr Wunsch war der Abteilungsleitung Befehl gewesen.

Den Schwerpunkt des „Allstar-Teams“ bildeten Spielerinnen aus der Mannschaft, mit der „Hasi“ 1979 Deutsche Jugendmeisterin geworden war. Nicht weniger als sieben Aktive daraus – Gudrun Fandrey (geb. Noak), Martina Pusch, Renate Schrader (geb. Warncke), Andrea Güldenpfennig, Andrea Struppek, Jeanette Müller und natürlich Andrea Hasenberg selbst – standen gemeinsam auf dem Parkett.

Dazu hatten sich Annette Schümann, Martina Baasch (geb. Scheel), Katja Schoppenhauer, Martina Gliewe und die eigens für dieses Spiel aus Koblenz angereiste Kirstin Timm eingefunden. Bei weitem nicht alle sind mehr im Handballsport aktiv, aber alle waren beseelt von dem Gedanken, für „Hasi“ ein richtiges Handballfest zu zelebrieren.

Klar, daß Trainer Ulli Meyer, der zusammen mit Manfred Fandrey wie in alten Zeiten die Betreuung der „Allstars“ übernommen hatte, seinen Schützlingen freie Hand ließ. Das hatte Claus Schilk auf der anderen Seite natürlich auch getan.

Die Spielerinnen nutzten die Freiheiten, die sich ihnen boten, weidlich aus. Insbesondere Zsuzsa Nyari und Marion Werner waren in ihrem Element. Sie öffneten ihre Trickkiste ganz weit, und die ist bei beiden gut bestückt.

Da wurden fabelhafte Kempa-Tricks gezeigt, perfekte Anspiele ohne Sichtverbindung und selbst vor Kopfball-Stafetten schreckten die beiden nicht zurück. Das war so recht nach dem Geschmack der Zuschauer. Zumal auch alle anderen mehr als nur Staffage waren. Dem Bundesliga-Team merkte man die Freude an, einmal ganz unbeschwert aufspielen zu können, und bei der Auswahl blitzte noch reichlich von altem Können auf.

Auch bei Andrea Güldenpfennig, die ja früher der große Star im Oldesloer Handball gewesen war und die Stormarnhalle gefüllt hatte. Ballfertig ist sie noch wie eh und je, nur ins Tor von Alexandra Hoffmann wollte sie partout nicht treffen.

In der Beziehung war ihr diesmal auch Andrea Hasenberg weit überlegen, wiewohl die in ihrer langen Laufbahn selten eine Torjägerin gewesen war. In ihrem Abschiedsspiel war sie gleich neunmal erfolgreich. Fünf Tore erzielte sie für die aktuelle Bundesliga-Mannschaft, deren immerhin auch noch vier für die Auswahl.

Beflügelt war sie dabei sicher auch von Ehrungen und Auszeichnungen, für die das Spiel, das übrigens 39:23 für die Liga endete, eigens unterbrochen wurde. Auch Oldesloes Bürgermeister Gerd Achterberg hatte es sich nicht nehmen lassen, einem der größten Sportidole in der Stadt Dank auszusprechen.

Beflügelt aber sicher auch durch die Aussicht, anschließend noch auf ein paar fröhliche Stunden in einem Festzelt im Travestadion mit den Fans und Bekannten zu verbringen. Auch das ist für ,,Hasi“ immer fester Bestandteil in ihrer Karriere gewesen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 7.6.1993

 

Montag, 7. Juni 1993

Sport muß immer Spaß machen

Andrea Güldenpfennig zurück an die Stätte ihrer Triumphe

Auf eine Spielerin waren Oldesloes Handballfans beim Abschiedsspiel für Andrea Hasenberg besonders gespannt gewesen: Andrea Güldenpfennig. Die Lütjenseerin war „Star“ des ersten großen Booms in der Stormarner Kreisstadt gewesen. Sie hatte wesentlichen Anteil am Gewinn der Deutschen Jugend-Meisterschaften 1979 und 1980 und am Durchmarsch der VfL-Damen von der Bezirks- bis in die Regionalliga. Mit ihr sprach Tageblatt-Redakteur Manfred Thomsen.

Frage: Hat es Spaß gemacht?

Andrea Güldenpfennig: Ja, riesigen. Andrea Hasenberg hat in den Mannschaften, in denen ich beim VfL gespielt habe, eine ganz wichtige Rolle eingenommen. Sie sorgte für den Zusammenhalt innerhalb und außerhalb des Spielfeldes. Da war es für mich eine Selbstverständlichkeit, zu ihrem Abschiedsspiel zu kommen.

Frage: Gibt es noch Verbindungen zum Handball und zum VfL?

Andrea Güldenpfennig: Eigentlich nicht. Ich habe meine Karriere 1989/90 beim SV Großhansdorf ausklingen lassen und spiele jetzt nur noch Tennis und Squash.

Frage: Mancher frühere Fan von Andrea Güldenpfennig glaubt, sie habe eine größere sportliche Karriere verschenkt. Ist es an dem?

Andrea Güldenpfennig: Das sehe ich nicht so. Für mich ist immer der Spaß an der Sache das Wichtigste im Sport gewesen. Das ist beim VfL, solange ich dort mitgemacht habe, der Fall gewesen. Deshalb habe ich auch Angebote, durchaus auch welche mit materiellen/finanziellen Hintergründen, leichten Herzens abgelehnt. Ich denke, ich bis den für mich richtigen Weg gegangen und bereue nichts.

Frage: Reizt es nicht, noch einmal mit einer solchen Ausnahmespielerin wie Zsuzsa Nyari zusammenzuspielen?

Andrea Güldenpfennig: Ich habe den VfL, seit sie dabei ist, nur zwei oder dreimal gesehen. Sie ist eine tolle Spielerin. Natürlich hätte auch ich reichlich davon profitieren können, wenn eine Könnerin ihres Kalibers schon zu meiner Zeit dagewesen wäre. Aber jetzt kribbelt es bei mir nicht mehr. Ich trauere dem auch nicht nach. Wichtig sind in der Erinnerung weniger die sportlichen, als vielmehr die menschlichen Dinge. Und die heute mit Hasi und den anderen aufleben zu lassen, ist mir mehr wert.

STORMARNER TAGEBLATT vom 7.6.1993

 

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